Portugal - Land der Eigenarten: Viel Sonne wenig Service

Reisebericht

Portugal - Land der Eigenarten: Viel Sonne wenig Service

Reisebericht: Portugal -  Land der Eigenarten: Viel Sonne wenig Service

Viel ist schon geschrieben worden über das kleine Land auf der iberischen Halbinsel und noch mehr Reisende haben in den vergangenen Jahrzehnten ihren Urlaub in Portugal verbracht.
Was es landauf landab zu besichtigen gibt, steht in hunderten von Reiseführern.
Selten findet man jedoch kritische Töne, Tipps für Reisende, damit sie nicht in die klassischen Touristenfallen tappen.

Porto

Eines Vorab: Portugal ist ein reizvolles und vielfältiges Reisland, in dem es viel zu sehen gibt. Zwischen Porto und Faro hat dieses Land eine Fülle an Aktivitäten, Naturspektakeln und wild-romantische Landschaften zu bieten.
Portugal ist ein Land, das sich seit Jahrzenten zu einem großen Teil auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus spezialisiert hat. So sollte es auch nicht überraschen, wenn ein solches Land mit der Zeit ausgefeilte Systeme entwickelt hat, in diesem Segment optimale Gewinne zu erzielen. Dies trifft man auch in Ländern wir Österreich, Italien oder Griechenland an.
Mit anderen Worten: Es gibt in Portugal keine einzige Serviceleistung gratis. Zu beachten sei dabei jedoch, dass das Wort Dienstleistung - im deutschen bestehend aus den Wörtern „dienen“ und „leisten“ - im portugisischen wohl ohne den Wortteil „dienen“ auskommen muss: Serviço. So ist es kaum verwunderlich, wenn ein portugisischer Kellner, Hotelier oder anderer im Tourismus Tätiger die gewünschte Leistung zwar erbringt, dabei auf eine grundlegende Arroganz gegenüber dem Gast selten verzichtet. Wer ist man denn, dass man als Nachfahre einer großartigen Seefahrer-Nation einem Besucher dieses Landes auch noch Freundlichkeit für sein Geld entgegenbringen soll? Das ist abschreckend? - Nun ja, es hat einen ja auch keiner zum Besuch des Landes gezwungen und nach mir kommen schließlich schon 100 neue Touristen – also keine Not zur Verhaltensänderung.

Wenn man im Wissen dieser Eigenarten nach Portugal fährt und sich geistig damit nicht weiter auseinandersetzt, kann man hier einen tollen Urlaub erleben. Umsicht ist in jedem Fall stets geboten, denn die Urlaubskasse leert sich in diesem nicht immer preiswerten Land schneller als man vermutet.

Tops und Flops: Was man gesehen haben sollte und was nicht zwischen Porto und Faro

Porto als zweitgrößte Stadt im Norden fällt direkt durch seine Sauberkeit von Straßen und Plätzen auf. Wer diese Stadt nur für einen Kurzbesuch oder den Beginn seiner Reise nutzt, sollte es nicht versäumen, die wesentlichen Sehenswürdigkeiten anzuschauen. In der Altstadt lassen sich diese auch fast fussläufig erreichen. Der Turm der Igreja de São Pedro dos Clérigos ist sicher das Wahrzeichen der Stadt und von dort hat man einen hervorragenden Blick über Porto, der sich für derzeit 2,50 € lohnt. Die älteste Buchhandlung der Stadt „Editores Lello & Irmão“ hat im inneren eine sehenswerte Freitreppe, deren Anblick und Besteigen sich lohnen. Dieser Besuch ist übringens – noch – kostenfrei. Auch der Bahnhof São Bento ist sehr eindrucksvoll und als Gesamtkunstwerk zu verstehen. Die zahlreichen Azulejo-Bilder in der Halle lassen den Hauptbahnhof zu einer Museumshalle werden, deren Charme man sich kaum erwehren kann. Auch ein Blick von der Ponte Dom Luis I. Hinab auf den Fluss Douro und die zahlreichen „Barcos rabelos“, die mit Vierck-Segeln ausgestatteten Boote für den Transport der Portwein-Fässer sollte der Besucher in Porto nicht versäumen. Und natürlich trifft man auch hier Heinrich den Seefahrer an.



Über den Dächern von Porto



Lissabon

Zwischen Porto und Lissabon trifft man auf weitgehend grünes Hinterland, für dessen Besuch man sich entweder einige Tage einplanen sollte, oder es zunächst lings liegen lässt. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden. Die Autobahnverbindung zwischen Porto und Lissabon ist schnell und erstaunlicherweise kaum befahren. Dies liegt wohl an den nicht gerade günstigen Preisen. Hier muss man etwa 20 Euro für die knapp 280 km an Gebühren rechnen. Zwar könnte man auch günstiger wegkommen mit der „Via Verde“-Karte, die es aber nur für Inhaber eines portugisischen Bankkontos gibt. Denn man will ja nicht die Einheimischen, sondern nur die Touristen kräftig schröpfen.

Lissabon als Hauptstadt kommt mit prachtvollen Boulevards daher, die mit teuren Boutiquen, touristisch ausgerichteten Restaurants und Souvenirläden gespickt sind. Einen Überblick über diese prachtvolle Metropole, oder zumindest seine Altstadt erhält man am besten vom Miradouro de Santa Luzia aus, einem Aussichtspunkt in der Nähe des Castello São Jorge oberhalb der Stadt gelegen. Besuchen sollte man auch die Karmeliterkirche „Nossa Senhora do Carmo“, von der heute nur die Ruinen stehen, da sie 1755 von einem Erdbeben zerstört wurde. Die verbliebenen Säulen und Bögen der Kirche lassen den Besucher in eine skurile Atmospähre gotischen Umfelds fallen, in der sich der Betrachter besonders winzig in Relation zu den aufragenden Mauerresten unter freiem Himmel vorkommt. Heute ist die Kirche das Archäologische Museum der Stadt und man erhält für 3,50 € Eintritt Zugang zu dem Bauwerk. Eine Fahrt mit einer der uralten Straßenbahnen – am besten die steil ansteigende Strecke zum Castello São Jorge - ist eine beliebte und spannende Touristenattraktion. Hierzu besorgt man sich für 8,50 € eine Tageskarte, die Fahrten mit dem gesamten öffentlichen Nahverkehr zulassen. Souvenirläden gibt es an jeder Ecke. Wer ein typisches Mitbringsel sucht, das stilvoll ist, wählt eine Flasche Portwein. Damit es nicht der letzte Fusel für Touristen ist, sollte man direkt in der Innenstadt, aber versteckt zwischen vielen großen Geschäften, den Portwein-Laden „Vale dos Vinhos“ in der Rua Conceiao 23 aufsuchen. Das kleine Geschäft erzeugt mit seiner Holzbalken-getäfelten Decke und den mit Portwein-Flaschen überfüllten Regalen eine heimelig-nostalgische Atmosphäre. Und natürlich kann man hier auch den Wein vorher probieren, den man anschließend kauft.
Restaurants für das abendliche Mahl findet man auch überall, dabei ungewöhnlich viele indische Küchen. Es sollte jedoch vermieden werden, auf den großen Boulevards der Stadt zu speisen, da es teuer und selten gut ist. Wird man als Tourist erkannt flitzt einem auch ständig ein Kellner mit einer viersprachigen Speisekarte hinterher. Da vergeht einem direkt der Hunger. Geht man dagegen einmal um drei Ecken, wo sich wenig Touristen aufhalten, ist es nicht schwer, ein gutes Lokal mit portugisischer Küche – am besten fangfrischem Fisch – zu finden und das zu moderaten Preisen.



Castelo de Sao Jorge



Algarve

Weiter geht’s nach Süden zur Algarve, der Touristenregion überhaupt in Portugal mit malerisch-wilden Stränden, besonders in der Gegend um Albufeira. Orte wie Quarteira, die es vor einigen Jahrzehnten in der Form noch gar nicht gab und die fast ausschließlich aus Bettenburgen bestehen – sollte man meiden, wenn man einen Eindruck von der Lebensweise der Bevölkerung dieser Region erhalten möchte. Dagegen haben sich alte Fischerdörfer wie Albufeira sinnvoll mit dem Tourismus arrangiert und bieten trotz deutlich touristischer Ausrichtung noch immer eine einladende Atmosphäre – besonders in den Abendstunden. Wer hier abends essen geht, dem sei beispielsweise das Restaurant „O Catraio“ mit traditioneller, portugisicher Küche empfohlen in der Rua 5 de Outurbo 73, direkt in der Innenstadt. Das kleine Lokal mit nur 25 Plätzen verstcekt sich zwischen den großen „Fütterungsanstalten“ für Touristen und weil sich hier vor allem Portugiesen aufhalten, bekommt man auch etwas landestypisches auf den Teller.

Im Hinterland lohnt sich ein Besuch des Orts Loule. Die Markthallen, in denen an jedem Samstag der Wochenmarkt abgehalten wird, bringen einem die Atmosphäre portugisischen Lebens näher als in jedem Touristenort direkt an der Küste. Und in diesem Ort findet man auch eines der besten Restaurants für landestypische Küche in der Region. Direkt neben der historischen Kirche befindet sich das Restaurante Museu do Lagar in einer ehemaligen Ölmühle am Largo Igreja Matritz 7. Hier sieht man nicht nur portugisches Fisch- und Fleischgerichte auf der Karte, sondern auch Speisen aus den ehemaligen Kolonien in Afrika und Südamerika. Die rustikale Landhaus-Atmosphäre laden den Gast zu einem romantischen Verweilen ein.

Klar sollte man auch Sagres und das Cabo São Vicente im Südwesten des Landes besucht haben. Der südwestlichste Punkt Europas erweckt Sehnsüchte nach Ferne und Reisefieber, wie es einst Heinrich der Seefahrer verspürt haben muss. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man am Cap rund um den Leuchtturm Scharen von Touristen antrifft, die sich auf der Suche nach dem „Landsend-Feeling“ befinden. Immerhin haben sich hier zwei Frauen aus Deutschland mit der Geschäftsidee der „Letzten Bratwurst vor Amerika“ niedergelassen und vermitteln dadurch – zumindest dem deutschen Reisenden – ein Stück Heimatgefühl an diesem skurielen Punkt der Erde.

Worauf man an der Küste unbedingt verzichten sollte: Delphin-Beobachtungstouren sind ebenso ein teurer Touristen-Nepp wie Angel-Ausflüge, da sich hier weder das eine noch das andere ergibt. Selten lassen sich Delphine hier aus nächster Nähe beobachten, höchstens mal am Horizont ist eine Gruppe der Tümmler zu erkennen. Und beim Hochsee-Fischen angelt vor allem der Kapitän in der Geldbörse des ahnungslosen Touristen. Andere Fische gibt es selten, wenn man erst gegen Mittag aufbricht, nachdem sich auch der letzte Tourist aus dem Hotelbett auf das Fischerboot geschleppt hat.

Fazit: Portugal ist mindestens eine Reise wert, am besten sogar mehrere. Und wer sich nicht von touristischen Angeboten verleiten läßt, kann auch hier einen traumhaften und verhältnismäßig günstigen Urlaub verbringen.



Cabo de Sao Vicente


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Kommentare

  • Cati_1

    Uuuuups, das Portugal von dem Du hier schreibst habe ich noch nicht kennengelernt. Freundliches Servicepersonal und deutlich geringere Preise als in Deutschland sind auf meinen Reisen in den vergangenen 12 Jahren die Regel gewesen. Wem die Autobahnen zu teuer sind (ViaVerde ist nicht günstiger, sondern nur schneller, da man für's Bezahlen nicht anhalten muss, sondern die Maut direkt vom - ja, stimmt: portugiesischen - Konto abgebucht wird.), der benutzt halt die Landstraßen. Dabei kann man das Land und die Leute sowieso viel besser kennen und lieben lernen.
    Schade, dass Du so schlechte Erfahrungen gemacht hast, das tut mir leid für Dich.

  • saudade74

    Kann den Bericht in vielen Punkten weder bestätigen, noch nachvollziehen.
    Bereise seit 1974 regelmäßig das wunderschöne kleine Land und habe nur gute Erfahrungen
    gemacht, mit wenigen Ausnahmen. Und preiswerter als Italien, Spanien und Frankreich
    ist es allemal. Also noch mal hinfahren und abseits der Trampelpfade reisen!

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