Eine Reise in die Vergangenheit - Sieben Wanderungen auf dem Paulusweg

Reisebericht

Eine Reise in die Vergangenheit - Sieben Wanderungen auf dem Paulusweg

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Paulusweg

So alt und so gut erhalten...

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Beim dritten Anlauf hat es geklappt und es kamen genügend Teilnehmer für die Wanderungen auf dem Paulusweg zusammen.
Zu siebt mit Kemal unserem Reiseleiter und einem einheimischen Wanderführer machten wir uns auf den Weg.

Auf der Wanderkarte sieht der Weg wie folgt aus: Er startet, östlich von Antalya, sowohl in Perge als auch in Aspendos und führt nach Norden bis nach Adada. Dort treffen sich die Wege und führen auf einer Route bis hinauf nach Yalvaç.

Dieser Wegführung soll der Apostel Paulus auf seiner 1. Missionsreise, bis nach Konya, gefolgt sein. Dabei habe er die Stadt Antiochia ad Pisidiae passiert, wo er vor der jüdischen Gemeinde, predigte. Auf den Grundmauern der Synagoge ist später die Paulusbasilika errichtet worden.

Der Tag nach unserer Ankunft in Antalya dient dem Akklimatisieren und wir fahren mit dem Gruppenbus bis hinauf nach Yalvaç, nordwestlich des Eğirdirsees.

Sieben Wanderungen werden uns zu abgelegenen Dörfern, hinauf in die Schnee bedeckten Berge, über antike Wege aus der Römerzeit durch unberührte Natur bringen.





Barla Dagi und Egirdir See



Ein See so groß wie das Meer

Anderer Blickwinkel

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Am Ufer ist dichter Schilfbewuchs aus dem vielfältiges Vogelgezwitscher und das Quaken der Frösche ertönt. Ein Kuhhirte kommt verschlafen aus seinem Zelt, das zwischen den Weiden steht. Seine Kühe kommen uns auf dem Weg entgegen.
Immer direkt am See entlang verläuft der Weg und erst nach fünf Kilometern führt er vom Ufer weg. Wie gut, dass er hinauf führt, denn sonst hätten wir nicht die Kapelle entdecken können, die hoch oben im Felsen versteckt ist. Von weitem sieht man nur eine Öffnung, doch dahinter verbirgt sich ein großer Raum mit Resten von Fresken.
Ein Felsen wie ein Tor, steht mitten auf dem Weg und wie durch ein Fenster sieht man auf den See hinunter.
Während des gesamten Weges, vom ersten Schritt an, liegt der Barla Dağı mit seinen Schneehängen vor uns und spiegelt sich im Wasser. Mit der Zeit wachsen die Schatten immer höher zum Gipfel hinauf.
Eine, dicht mit Macchia bewachsene Ebene, verbirgt die Reste einer Siedlung, die in den 90er Jahren bei einer Überschwemmung zerstört wurde.



Guck, leckeres Quellwasser

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Große, ausladende Maulbeerbäume stehen dicht am Ufer und ein Hirte sitzt dort im Schatten mit seiner Herde. Ein Zicklein weicht nicht von seiner Seite und hat auch keine Scheu, sich an unserem Picknick zu versuchen.



Mustafas Boot

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Unter Kies versteckt, sprudelt eine Quelle und versorgt uns mit köstlichem Wasser.
Es wäre bequem gewesen, weiter am Ufer entlang zu gehen, aber wegen der schroffen Felsen und des hohen Wasserstandes ist das nicht möglich. Deshalb führen die weißroten Wegmarkierungen wieder bergauf und wir folgen dem beschwerlichen Weg, auf dem wir sogar ein bisschen klettern müssen. Rutschig und schmal ist es beim Bergabgehen, so dass wir sehr aufpassen müssen, nicht abzurutschen.
Überall grünt und blüht es. Der Kuckuck ruft und ein Raubvogel zieht kreischend seine Bahn.
Fast 16 Kilometer sind wir schon gelaufen und bis Kemerdamları sind es noch weitere fünf. Von dort wollten wir eigentlich mit dem Fischerboot über den See setzen, aber da unser Führer Mustafa auch der Fährmann ist, hat er seine Kinder angerufen, damit sie uns von dort, wo wir jetzt sind, abholen.



Raum ist im kleinsten Boot

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Wir hören das Boot mit lautem Getucker ankommen und bereiten uns auf eine „nasse Landung“ vor, ziehen Schuhe und Strümpfe aus und klettern hinein.



Wir finden alle Platz in dem kleinen Fischerboot und nach 45 Minuten haben wir die engste Stelle des Sees zwischen Eğirdir und Hoyran See passiert. Am Ufer stehen ein paar Häuser. Wir steuern auf einen Schilfgürtel zu, fahren hinein, schrecken einen Reiher auf und vor uns öffnet sich eine Passage mit gelben Teichrosen. Dann haben wir das Ufer erreicht. Ein Junge erwartet uns und hilft uns beim Aussteigen. Es ist eine „trockene Landung“. Jetzt sind es nur noch ein paar Meter bis zum Haus von Mustafa.



Trockene Landung



Es gibt nur wenige Pensionen und Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Paulusweg und eine davon ist bei Mustafa in seinem Haus. Mit dicken Decken und Schlafsäcken bauen wir unsere Betten auf dem Fußboden der beiden Wohnzimmer.
Mustafas Frau hat ein gutes Abendessen mit gebratenem Seebarsch vorbereitet, das wir, auf dem Fußboden sitzend, einnehmen.



Barla - wo einst Griechen lebten



via Barla



Ramazan vor seinem Sommerhaus

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15 Kilometer Wanderweg werden wir heute zurücklegen. Da wir die Wanderpfade den Forstwegen vorziehen, bringt uns der Bus bis auf eine Höhe von 1567 Metern.
Der Weg ist von Pinienzapfen übersät und auf einer grünen Weite fließt frisches Quellwasser. Es lässt unzählige gelbe und lila Blumenteppiche blühen und füllt die yalaks, die Viehtränken. Ausgedehnte Zedernwälder bieten Schatten, während wir gemächlich Schritt für Schritt bergauf gehen, bis wir die Baumgrenze erreicht haben.
Von dort haben wir einen uneingeschränkten Blick auf den großen Eğirdir See und die dahinter hoch aufsteigenden Berge. Wir sind ganz allein, nur ein Schwarm Bienenfresser fliegt über uns hinweg.



Barla

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Hier, an den Hängen des Barla Dağı, gibt es nur noch Steine, kurzes festes Gras und ein paar Gebirgsblumen. Wie Skelette aus Holz und Stein stehen die Hütten der Hirten, die in den Sommermonaten hier hinauf, auf die Yaylas kommen.
Jedes Dorf hat seine Sommeralmen, seine Yaylas, und diese hier gehören zu Barla. Ramazan und seine Frau Aynur freuen sich uns zu sehen, denn seit sie vor vier Wochen her gekommen sind, ist ihnen fast niemand begegnet. Ihre Schafe weiden weiter oben am Hang und der Hütehund, ein Kangal, wird sie gegen Abend hinab treiben. Dann wird gemolken.
Als der Weg wieder abwärts führt, treffen wir auf eine kleine Rinderherde, die unter großen Weiden ruht. Einzelne Wachholderbäume stehen am Wegrand und es blühen lila Wicken und weißer Milchstern.



Haya Georgios Kirche in Barla

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Von Barla führt ein befestigter Weg nach Çamdağ, einer Pilgerstätte, deshalb ist ein Teil des Paulusweges auch ein Teil des Pilgerweges. Unter uns sind die roten Dächer des neuen Barla zu sehen, eingebettet in das Grün von Pappeln und andere Laubbäumen.
Steil und rutschig, durch Sand und kleine Steine, führt der Weg im Zickzack hinunter zum alten Dorf. Ein kleiner Bach säumt unseren Weg, einzelne Mauern aus Feldsteinen und verwitterte Tore lassen erahnen, dass es bis zum Dorf nicht mehr weit ist. Der Weg führt durch eine Gegend, wo zu griechischer Zeit, also vor 1923, Obstgärten und schöne Häuser standen. Heute sind hier nur noch ein paar vereinzelte Maulbeer- Walnuss- und Mandelbäume zu finden. Vereinzelte Mauerreste sind in der alles überwuchernden Macchia auszumachen.



Merhaba in Barla

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Noch bevor wir die ersten Häuser von Barla erreichen, liegt am Weg die Ruine der griechischen Aya Giorgios Kirche.
Als Mustafa ein Kind war, habe er hier gespielt und er erzählt uns, dass die Kirche, ein von Säulen gestütztes Dach hatte. Heute stehen nur noch die Grundmauern und viele Steine sind in den Dorfhäusern verbaut worden.
Es geht durch kleine Wiesen, die wie verlassene Gärten anmuten, über den Bach und wir sind im Dorf. Zum Teil kunstvoll geschnitzte Türen und Balkone lassen darauf schließen, wie das Dorf ausgesehen haben muss, als es von Griechen bewohnt war. Heute ist das meiste leider sehr zerfallen, sich selbst überlassen oder notdürftig bzw. improvisiert repariert.



„Dieses hier war das griechische Viertel“, verkündet ein alter Mann von seinem Balkon, als wir sein Haus passieren.
Vier Moscheen gibt es im Dorf, vor einer steht eine steinalte Platane. Wir sehen keine jungen Menschen, denn die wohnen alle im neuen, im modernen Barla.


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Kommentare

  • ingepeter (RP)

    ...ein schöner umfassender Bericht, er lässt deutlich spüren, wie fasziniert du noch immer von dieser Wanderung in die Vergangenheit bist. Die einzelnen Stationen kann der/die Leser/in gut verfolgen mit einer riesigen Auswahl schöner Fotos, die während einer Wanderung immer schwer in guten Positionen aufzunehmen sind. Es lohnte sich sicherlich auf diese Reise so lange zu warten. Interessant auch der Querverweis auf die vielen Pensionen und wohl teilweise abenteurlichen Unterkünften - ich wäre gespannt auf eine genauere Ausführung. Danke für einen anschaulichen Wanderbericht von Inge

  • agezur

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Wanderbericht in unbekannte, daher auch unberühte Gebiete der Türkei. Du hast sehr gut geschrieben, es bleiben mir keine Fragen unbeantwortet.
    Liebe Grüße Christina

  • Blula

    Ein für mich, die ich eigentlich nicht so übermäßig wanderfreudig bin, faszinierender Bericht. Da ist alles drin... man erfährt viel von Land und Leuten, Landschaften abseits der Touristenpfade und so Vieles mehr. Und Deine Fotografien sind mehr als nur schmückendes Beiwerk... sie sind großartig.
    Viele Grüße ! Ursula

  • walteranamur

    Ein Bericht über eine Wanderung, die noch nicht viele Leute gemacht haben. Danke, dass du hier die einzelnen Wanderungen, vor allem das Umfeld, welches die Route umgibt, so reichhaltig beschrieben hast.
    Es wird derzeit in der Türkei viel über die Pauluswege geschrieben. Vor allem vor einem Jahr, aus Anlass des Palusjahres, war die Rede davon, die beiden Routen wieder vollstaendig herzustellen. İn Tarsus ist diesbezüglich Einiges passiert, aber der Rest scheint noch im alten Zustand vor sich hinzudaemmern.
    Am Bericht gefaellt mir besonders, dass du immer wieder aufzeigst, dass eben auch das Leben der Leute entlang dieser Route von Einfachheit gepraegt ist. Wer sich darauf einstellen kann, wird die Türkei noch viel intensiver erleben.
    İch werde deinen Bericht sehr gerne auch anderswo verlinken. Danke !!!

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