Die Seidenstraße: eine Reise durch Xinjiang, Kirgisien, Usbekistasn und Turkmenistan

Reisebericht

Die Seidenstraße: eine Reise durch Xinjiang, Kirgisien, Usbekistasn und Turkmenistan

Reisebericht: Die Seidenstraße: eine Reise durch Xinjiang, Kirgisien, Usbekistasn und Turkmenistan

Trotz der Unruhen in der Uigurenprovinz Xinjiang, haben wir es gewagt von Xian über Dunhuang, Korla, Turfan, Kuqa, Aksu nach Kaschgar an der Nordseite der Takl Makan-Wüste die Uiguren-Provinz mit dem Geländewagen zu durchqueren. Anschließend ging es durch Kirgisien, Usbekistan und Turkmenistan. Eine Reise voller grandioser aber auch absurder Erlebnisse und eine Galerie von traumhaften Fotos.

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Kapitel 1 Shanghai Stadt ohne Vögel


Das ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn sich alte Erinnerungen kaskadenförmig vor den eigenen Augen auftun.

Hier, an dieser Stelle am Bund in Shanghai durfte ich schon am 12.4.1982 die Shanghaier Hafenluft schnuppern und ich weiß noch, welche heimatlichen Gefühle nach einer Woche Peking aufkamen:
Landungsbrücken, Seeluft, Hafengeruch, Schiffssirenen und Möwengeschrei. So wie in meinem Hamburg. Der Blick damals zum Pudong: nichts, außer ein paar Lehmhütten und Bretterbuden auf der gegenüber liegenden Seite des Huang Pu Flusses.

Ich weiß noch , wie uns damals junge Chinese auf der Strasse bestürmten, um mit einigen englischen Brocken Kontakt zu suchen, ein anderer zitierte deutsche Dichter, Philosophen wie Kant und Hegel und summte uns Melodien von Beethoven und Mozart vor.

Und heute nach 27 Jahren: auch Seeluft, Hafengeruch, Schiffssirenen aber keine Möwen, dafür eine einzige gigantische Baustelle, die den Blick auf den Fluss versperrt, endlose Autoschlangen, Gehupe und Massen an geschäftigen westlich-salopp gekleideten Chinesen mit Laptop-Taschen und earphones, die eilig und zielgerichtet an den staunenden Touristen vorbeistreben.

Und auf der anderen Seite Flusses: eine überwältigende, atemberaubende Kulisse von Skyscrapern, die täglich in nicht vorstellbarer Geschwindigkeit wächst. Wer gestern in Shanghai war, wird morgen wieder neues entdecken.

Ich blättere noch mal in meinem Tagebuch vom April 82. Nach einer Woche Peking waren wir damals in Shanghai gelandet. Und schon damals, anders als in Peking mit Menschenmassen in dunkelblauer Einheitskleidung, präsentierte sich Shanghai fröhlich, bunt gekleidet und unkonventionell.
Damals notiert: Reichhaltige Auslagen in den Geschäften der Hauptstrassen und Fahrradmassen, aber kaum Autos. Und heute: kaum Fahrräder, und Autolawinen schieben sich mit Ohren betäubendem Hupkonzert durch die Strassen.

Hier ist nicht nur eine gigantische Wolkenkratzer-Kulisse auf den Pudong entstanden, hier arbeitet offenbar eine ganze Stadt nur für ein Ziel, die Weltausstellung 2010.
Shanghai, eine einzige Baustelle, ein ganzes Volk , das zu vibrieren scheint, vor Ergeiz, vor Stolz und Energie und Intelligenz.

Aus der Ehrfurcht in den 80-zigern vor der Kultur und dem Fleiß der Deutschen wurde ein höfliches Belächeln.
Was nützt, wird benutzt, z.B. die Architekturbüros aus den USA und Europa, in einem dieser Büros arbeitet auch mein Sohn als Architekt. Allein 800 Milliarden Dollar Währungsreserven durch Exportüberschuss mit den USA. Und es gibt noch einen kleinen, aber sehr feinen Unterschied zu anderen Ländern der Welt, über die plötzlich der Reichtum gekommen ist, die Chinesen haben sich ihren Reichtum im Wesentlichen erarbeitet, in anderen Ländern sprudeln die Dollars aus dem Erdreich, meist zu Gunsten der herrschenden Klassen.


Zurück zum Bund in das Restaurant „M am Bund“, wo wir inzwischen eingetroffen sind, um von dort aus einen Überblick über den Bund , den Fluss und den Pudong zu bekommen. Ein exellentes chinesisches Mahl, aber es geht mit nicht aus dem Kopf: wo sind die Möwen, wie so gibt es hier weder Insekten noch Vögel. Vögel gibt es nicht, weil es keine Insekten gibt, aber warum gibt es keine Insekten? Da fällt mir irgendwie Kopenhagen ein. Mein Sohn sagt, keine fliegenden Insekten, aber Kakerlaken gibt es reichlich. Und Vögel gibt es auch reichlich, in den Käfigen auf den Märkten.

Wir waren nur drei Tage in Shanghai, die Stadt vibriert, die Menschen vibrieren. Die Chinesen sind stolz und das zu Recht. Vor 40 Jahren sind hier noch 40 Millionen Menschen verhungert. Natürlich gibt es hier noch Armut, jedenfalls nach unseren Vorstellungen, aber es wird nicht mehr verhungert.
Und wer europäische oder gar deutsche Vorstellungen auf China anwendet, der liegt ohnehin völlig daneben.
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Jade-Buddha-Tempel

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Kommentare

  • astrid

    Großartig! Ein informativer, anschaulicher Bericht und bei der Erwähnung der Maultaschen läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Ich kam 1984 in den Genuss.
    Herzlichen Gruß, Astrid

  • mamaildi

    "Seidenstrasse" - allein das Wort löst ja schon bei jedem Reisefan und Asienliebhaber Fernweh aus. Eine tolle Reise beschreibst du hier, das muss wirklich beeindruckend gewesen sein. Schade, dass du nicht mehr von deinen Bildern zeigst, die hätten mich sehr interessiert, gerade weil du ja immer wieder "fotografische Momente" erwähnst.

  • doubleegg

    Boah - das ist ein voller Informationsfünfer in bestem Schreibstil. Toll! Ich hätte mir nur noch ein paar Fotos mehr gewünscht - trotz der vielen Verbote.

  • Blula

    Ich schließe mich den Worten von @doubleegg voll und ganz an. Ein Wahnsinnsbericht von einer unglaublich beeindruckenden Reise, die ich auch gerne einmal machen würde. Ja, schade, dass Du nicht noch mehr Bilder zeigen kannst. Trotzdem 5 Punkte von mir.

  • Claus_Wagner

    Ganz hervorragend geschrieben. Viele Informationen, kombiniert mit Erinnerungsvergleichen. Perfekt. Da wird Entwicklung sichtbar.
    Ein sehr interesanter Bericht, dem aber leider, wie meine Vorbewerter schon schrieben, ein paar Fotos mehr gut stehen würden!
    Gruß
    Claus

  • wasserhexe (RP)

    Suuuuuuuuuuuuuuuuper ! 5 P.-----> mehr geht leider nicht, fühlte mich ein meine
    Chinareise zurück versetzt ! LG Heike

  • freeneck-farmer

    Sehr unterhaltsam geschrieben.Mann möchte sofort losfahren. Shanghai war ich auch schon aber der Rest war Neuland. Wie bei alle Vorgänger fehlen auch mir Bilder.
    LG Anneken

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  • SINREN

    Der Bericht ist hervorrragend geschrieben. Ich musste gleich meine Bilder von 2006 zur Hand nehmen, als ich alleine mit Zug und Taxi von Xian über Lanzhou, Jiayuguan, Dunhunag, Turfan nach Kashar reiste und hier mit einem Driver in den Pamir fuhr, um wilde Kamele zu sehen. Kashgars Altstadt wird weiter schwinden, weil die Chinesen ja die Uiugiren "sozialisieren" indem sie die alten Häuser abräumen und Neuüberbauungen errichtern. Meine Führerin war muslimische Hui und Lehrerin und sah die Entwicklung durch die rosiger Brille, aber sie schenkte mir drei Päckchen Rosinen, die wir vom Traubental mitnahmen.

  • Kakadu

    Dies ist einer der besten Reiseberichte, die ich bisher gelesen habe, ausführlich, unterhaltsam, informativ. Man muss einfach immer weiterlesen.
    LG Edith

  • ingepeter (RP)

    Eine richtige Fleißarbeit!! Das tägliche Reisetagebuch muss gut gefüllt sein, um so einen umfassenden Bericht sowohl im Bereich Ethnik, Natur, politische Einblicke, Kunst/Architektur und auch über den Reiseablauf verfassen zu können. Respekt!! Danke,
    die Einblicke waren super. Gruss Inge
    Habe übrigens jetzt die Texte zu den Bildern

  • Weina

    ...ein toller, nicht alltäglicher und vor allem sehr informativer Reisebericht.
    5Points zu recht!
    mfg Weina

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