Eine Fahrradtour durch die Bretagne - La Bretagne à vélo

Reisebericht

Eine Fahrradtour durch die Bretagne - La Bretagne à vélo

Reisebericht: Eine Fahrradtour durch die Bretagne - La Bretagne à vélo

Mit dem Fahrrad von St.Malo über Mont-Saint-Michel, Dinan und Chateau de Josselin nach Carnac.

Die Bucht von Cancal

Es war Anfang September, früher Morgen, die Venus leuchtete noch hell im Osten vor der Morgenröte. Einige Autos bewegten sich in Richtung Autobahn, aber der Rest der Welt schlief noch. Da hörten wir schon von weitem ein Brummen, das immer näher kam. Ja, das war unser Bus, der uns in die Bretagne bringen sollte. Ein Spezialanhänger nahm die Räder auf, schneller als die Koffer im Bus verschwanden. Über Aachen, Liège, Amiens, Rouen, Caen erreichten wir am Abend den Golf von St. Malo
Die über 1000 km lange, vielgegliederte Küste der Bretagne ist felsenreich und steil, aber oft durch sandige Buchten unterbrochen, an deren Ufern man herrlich radeln kann. So führte uns dann die erste 30 km lange Etappe am Meer entlang von Cancal zum Mont St. Michel. Wir radelten auf Nebenstraßen und Radwegen, immer die Silhouette vom Mont-Saint-Michel voraus im Blick. In dieser flachen Landschaft ist es wichtig den Wetterbericht vorher zu lesen. Ich empfehle die meist- gelesene Zeitung Frankreichs „ OUEST- FRANCE“ mit genauen Angaben zur Richtung und Stärke des Windes in km/h für die Bretagne.



In der Bucht von Cancal

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Zum Mont-Saint-Michel

Beide Orte sind, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, einen Besuch wert. In Cancal, der Heimat der Austernzucht, stehen links neben der Hafenmole ein paar Buden mit der Aufschrift „Marché aux huitres“ , in denen man preiswert (3,80 € für ein Dutzend Austern mit Zitrone auf einem Plastikteller serviert) und stilecht (auf Kaimauer-Stufen sitzend, die Austernbänke im Blick) einem seltenen Vergnügen (Austern schlürfen) frönen kann. Auf dem Foto haben Sie den Blick von der Kaimauer auf die Austernbänke bei Ebbe – bei Flut verschwindet alles im Wasser.
Den Klosterberg Mont-Saint-Michel zu beschreiben, reicht ein Nebensatz – eines der Highlights der Grand Nation, mehr Besucher gibt es nur in Paris. Auf dem riesigen Parkplatz vor der „Pyramide der Meere“ (Victor Hugo) fanden wir unseren Bus wieder. Bei Neu- und Vollmond wird wegen der damit verbundenen Springtide (höheren Flut) der untere Parkplatz überflutet. Besondere Schilder weisen darauf hin, aber für Menschen, die nur „Schwäbisch“ sprechen, sind sie wenig hilfreich.
Den nächsten Tag verbrachten wir In St. Malo „intra muros“, wobei Monsieur Breizh, unser Stadtführer, seine bretonische Herkunft sowie seinen weiß-schwarz-quergestreiften Pulli ( die Nationalfarben der Bretagne) stolz zur Schau stellte. Wir begannen unseren Stadtrundgang am Quic-en-Groigne-Turm , den die letzte bretonische Regentin im 16.Jh. erbauen ließ, merkwürdiger -weise mit den meisten Schießscharten in Richtung Stadt. Außerdem zierte sie die Fundamente dieses Turmes mit dem Spruch : „ Qui qu’en groige, ainsi sera car tel est mon bon plaisir“ d.h. auf Deutsch „ Es möge murren, wer da mag, so wird es sein, da dies mein Wille ist“.



Im Turm findet man heute nur noch eine Kunstgalerie statt Kanonen und Pulver. Wenige Jahre später ,1532, wurde die Bretagne endgültig zu einer Provinz Frankreichs. Seitdem versuchen die Bretonen ihre Eigenart in Kultur und Sprache zu behalten. Die Einwohner von St.Malo gehen noch einen Schritt weiter und behaupten stolz : „Ni Francais, ni Breton, Malouin suis“.(Ich bin weder Fran- zose, noch Bretone, ich bin Bewohner von St.Malo.)
Auf einer der Bastionen, neben der Statue von Robert Surcouf, dem letzten Korsaren, einem Seeräuber, mit königlicher Lizenz zum Töten, also einem Vorläufer von „007“, erzählte uns dann Monsieur Breizh, dass es den Engländern erst nach 500 Jahren , im August 1944, gelungen sei Rache zu nehmen und die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Natürlich ist diese Katastrophe auf einen Fehler der Resistance bei der Nachrichtenübermittlung zurückzuführen, aber die dt. Kommandozentrale der Wehrmacht blieb unzerstört, wovon man sich bis heute überzeugen kann.
Von der Stadtmauer hat man einen herrlichen Blick aufs Meer und die vorgelagerten Bastionen, und während wir noch den Salzgeschmack der Gischt auf unseren Lippen prüften, kam aus dem Hafen eine Armada von weißen Seglern, angeführt von der „Renard“ Robert Surcoufs, dem schnellen „Schrecken der Meere“, einem originalgetreuen Nachbau seines erfolgreichen Schiffes , begleitet von Hubschraubern und Polizeibooten.
Den Rundgang beendeten wir in der Altstadt mit einer typischen Galetta , einem Pfannkuchen aus Buchweizenmehl, dazu gab es Cidre , einen vergorenen Apfelsaft. Rezepte findet man sinniger -weise auf Ansichtskarten, die man mit persönlichen Ergänzungen an die eigene Adresse nach Hause schicken kann, damit diese Kostbarkeit nicht verloren geht. Buchweizenpfannkuchen haben übrigens weniger Kalorien als normale Pfannkuchen mit gleichem Belag, weswegen auch Asterix und Obelix immerfort von Wildschweinbraten träumen.
Im Folgenden verzichte ich auf die genaue Angabe von Tagesetappen, weil die vielen „chambres d’hotes“ (Gästezimmer) unterwegs eine individuelle Planung erlauben.



Immer am Kanal entlang

Von St. Malo brachte uns der Bus, dem linken Ufer der Rance folgend, nach Dinan. Man kann diesen Weg aber auch mit dem Fahrrad auf wenig befahrenen Nebenstraßen ( D 12 und D 114) zurücklegen. Dinan, eine Ville d’Art et d’Histoire , die besterhaltene Stadt der Bretagne, ist einen Rundgang wert und bietet zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten. Unter dem Viadukt kommt man auf den alten Treidelpfad. Der noch nicht durchgängig beschilderte Radweg „Voie verte“ - „Canal d‘Ille et Rance“ führt nach Rennes. Es gibt sehr gute Michelin-Karten 1:150 000, Local Frankreich ,“ 308 Bretagne West“ und „309 Bretagne Ost“, auf denen die Radwege grün punktiert dargestellt sind.



Dinan

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Wem dieser Weg im Schatten alter Eichen und Esskastanien, von Schleuse zu Schleuse, zu langweilig ist, der sollte von Zeit zu Zeit vom Weg abweichen und die historischen Monumente, wie die Abbaye de Lehon oder kleine Orte wie Calorguen (wo Bernard Hinault wohnt) aufsuchen, in denen man immer eine Boulangerie (Bäckerei) mit frischen Sandwiches findet . Dieser Radweg endet in Rennes, mitten in der Stadt, an der Cathedrále St. Pierre.
Südwestlich von Rennes muss man wieder auf Nebenstraßen (ca.50 km) ausweichen bis man auf den gut ausgebauten Treidelpfad entlang des „Canal de Nantes á Brest“ kommt. Dieser Kanal hat wesentlich höhere Wasserstufen, sodass man bis Pontivy dauernd bergauf strampeln muss, dafür dann aber mit der Ansicht der drei 60m hohen Türme des Chateau de Josselin entschädigt wird.



Chateau de Josselin

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In Pontivy wechselten wir in das Tal der Blavet. Es ging bergab bis zum Meer bei Lorient, der Stadt mit fünf Häfen. Hier hat sich die deutsche Marine in Jahr 1941 mit 900.000 Tonnen Beton verewigt, denn die U-Boot-Bunker können für 5.-€ besichtigt werden. Daneben liegt, einen größeren Gegensatz weder architektonischer noch ideeller Art kann man sich kaum vorstellen, La Cité de la Voile Éric Tabarly , ein modernes Denkmal für Frankreichs populären Helden, großen Hochseesegler und Konstrukteur. Es ist einen Besuch wert, zumal hier oft die neuesten Hightech-Segelboote bis hin zum Americas-Cuper zu bestaunen sind. Das Museum ist geöffnet von 10 bis 20 Uhr und der Eintritt kostet 11,-€. Ein kostenloses Vergnügen gibt es für Frühaufsteher , die Fischversteigerungen im Hafen um 4 Uhr.



Die Hinkelsteine von Carnac

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Nun führte uns der Weg am Meer entlang nach Carnac, der größten Ansammlung der „Hinkelsteine“, wie Asterix und Obelix die Megalithen nannten. Die bis zu 4 m hohen und 30 t schweren Steine wurden vor ca. 6ooo Jahren im Neolithikum mit Feuer und Wasser aus den Felsen gesprengt und in Reihen oder Kreisen aufgestellt. Viele Mythen, Theorien und Interpretationen, von denen keine gesichert sind, versuchen eine Erklärung dafür zu finden, warum gerade hier und zu welchem Zweck diese Steine aufgestellt wurden. Die umfangreiche Literatur zu diesem Thema verleitet einen dazu, die eigene Theorie für die einzig richtige zu halten.
Am „Golfe du Morbihan“ mit den zahlreichen Halbinseln , Inseln und Aussichtspunkten, vielen Segelbooten und weiten Sandstränden glaubt man das Mittelmeer erreicht zu haben.



Salzlagune bei Guérande

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Die Salzsümpfe , „marais salants“, der Guérande brachten mir ein weiteres Rätsel. In der großen Verkaufshalle sah ich neben einem Haufen Salzsäcke das Preisschild „Fleur de Sel 40.-€/kg. Die lange Schlange vor der Kasse zwang mich auf eine Bank vor der großen Ausstellungshalle „Terre de Sel“, von der ich einen schönen Ausblick auf die Felder der Salzgewinnungsanlage hatte und dachte nach.
„ Die maritime Fachwelt ist sich einig, dass die Algenplage an der Küste der Bretagne auf die Eutrophierung der Gewässer durch eingeschwemmten Kunstdünger zurückzuführen ist. Das Salzwasser ist stark mit Phosphaten, Nitraten und all den Chemikalien angereichert, die man auf jedem Sack Kunstdünger lesen kann. Ich sehe tausende von Seevögeln, die keine Toilette benutzen. Im Wasser wimmelt es von Schnecken und Würmern, die den Vögeln als Nahrung dienen und den Trocknungsprozess in den Salinen nicht überleben.“
Ich wagte nicht, meine Gedanken denen mitzuteilen , die ihre Rucksäcke mit dieser kostbaren Spezialität beladen hatten. Warum sollte ausgerechnet ich die schwächelnde Konjunktur weiter abbremsen?



"Au revoir" Auf Wiedersehen in der Br...

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In einem der vielen Hafenrestaurants in Le Croisic beendete eine Cotriade (bretonische Version der Bouillabaisse) diese trüben Gedanken. Das Ende unserer Fahrradtour durch die Bretagne war gekommen. Einen Stopp noch machte der Bus in La Baule. Dieser Badeort, sicher ein Geheimtipp wie der Reiseleiter sagte, wäre da nicht der TGV, der die Strecke Paris - La Baule 3mal täglich in drei Stunden schafft. Der neue Boulevard mit tausenden Ferienwohnungen am „schönsten Strand Europas“ beweist es.
Zum Schluss noch ein praktischer Hinweis. Alle größeren Orte der Bretagne sind mit der Bahn zu erreichen. In die kleinen Orte kommt man mit dem Bus vom Gare Routière (Busbahnhof). In fast jeder Stadt kann man Fahrräder mieten (ca. 10.-€ /Tag). Noch preiswerter als in den „Chambres de Hotes“ (Privatzimmer) kann man in den Gites d’Etapes (Herbergen) übernachten.
Bretonisches Sprichwort „Einen Regen, der nicht aufhört, hat es noch nie gegeben!“

Stand September 2009


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