Wanderungen in der Sfakia Teil 2

Reisebericht

Wanderungen in der Sfakia Teil 2

Reisebericht: Wanderungen in der Sfakia Teil 2

Die Wanderung zum zweithöchsten Gipfel Kretas, dem Pachnes, teilt sich in eine Strecke, die man mit dem Auto fahren kann und in ein Teilstück, das zu Fuß gut zu wandern ist. Belohnt wird man bei guter Sicht mit wundervollen Blicken über Kreta und das Meer

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Die Nacht war laut. Kläffende Hunde in der Nachbarschaft und der Lärm der Tavernengäste haben meinen Schlaf reichlich gestört. Ich sitze schon früh auf der Veranda des Hotels und der Taverne o Platanos in Anopolis und freue mich auf das Frühstück. Frau Kopasis bringt es und wir unterhalten uns über meine Pläne für den Tag. Sie meint, dass das Wetter für eine Wanderung zum Pachnes gut sei, keine Wolken und ich hätte bestimmt eine gute Sicht.



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Also los. Der kleine Mietwagen soll mich den größten Teil der Strecke bringen. Am Tag vorher hatte ich den Weg etwas erkundet und fand ihn durchaus befahrbar. Rucksack packen und ins Auto und es geht los. Hinaus aus Anopolis in Richtung auf die Lefka Ori, die weißen Berge. Langsam kommt die Sonne über den Osten Kretas. Die asphaltierte Straße endet bald und es geht weiter auf einer festgefahrenen Staubstraße, die nach meiner Landkarte als ein Forstweg ganz gut ausgebaut sein soll. Es wird holperiger, der weg weist Rinnen auf, die das Regenwasser gegraben hat. Die Fahrt erfordert einen guten Blick, Konzentration und ordentliche Steuerkünste. Trotzdem gönne ich mir von Zeit zu Zeit einen Blick über die Landschaft. Im Osten sehe ich das Massiv des Psiloritis, des höchsten Berges auf Kreta, den ich in einigen Tagen erwandern will und im Süden liegt das Libysche Meer von der Sonne mit einem besonderen Glanz verzaubert. Die Landschaft erweckt einen sehr ursprünglichen Eindruck. Zwar ist es steinig und felsig, Kargheit prägt die Landschaft und doch stehen hier Kiefern in größerer Zahl. Nicht solche, wie ich sie aus unseren Norddeutschen Wäldern gewohnt bin, sondern kleiner, knorriger und doch sehr schön.



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Nach einer Kurve höre ich Schafe, sehe einen Pferch mit einer kleinen Steinhütte und auch ein Schäfer ist zu sehen. Die Hunde bellen laut – sehr oft scheint hier kein Auto entlang zu kommen.

Nach der nächsten Abzweigung kommt mir ein alter Mercedes LKW entgegen. Er sieht ziemlich schrottreif aus. Auf der offenen Ladefläche drängt sich eine Schafherde zusammen. Auch im Führerhaus des Wagens scheinen die vier Schäfer, die wohl die Herde zu einer anderen Weide bringen, nicht bequemer zu sitzen. Ich fahre dicht an den Rand des Weges und lasse den freundlich grüßenden Fahrer vorbei.

Die Landschaft ändert sich. Sie hat für mich den Charakter einer Mondlandschaft. Der Weg wird heftiger und immer schwieriger. Felsen ohne Bäume und Sträucher und auch der Weg scheint in den Fels hineingebaggert zu sein. Scharfe Kanten im Weg, größere Brocken, denen ich ausweichen muss zwingen mich dazu, dass ich kaum schneller als 20 km/h fahren kann. An einigen Stellen habe ich das Gefühl, ich sollte das arme Auto stehen lassen und zu Fuß weitergehen. Es ist riskant, was ich hier mache. In allen Reiseführern stand, dieser Weg sollte mit Allradfahrzeugen benutzt werden. Aber bisher habe ich nicht aufgesetzt und es sind auch keine Steine an den Unterboden geflogen.



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Nach fast 18 Kilometer Wegstrecke komme ich zum Ende des Weges. Ein kleiner Platz ist hier, eine Fahrzeug steht allein, einige Pferchteile für Schafe sind am Rand abgestellt, viel Schafmist und den Abhang hinab liegen zwei demolierte Fahrzeuge. Vorsichtig wende ich das Auto auf diesem Platz und such mir eine Parkmöglichkeit, bei der ich hoffentlich niemanden behindere.



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Von hier aus geht es also weiter zu Fuß in Richtung Norden. Das erste Wegstück ist zwar angenehm zu gehen, der Weg ist aber schwer zu sehen. Und doch muss ich langsam gehen. So langsam, dass ich schon überholt werde. Hatte gar nicht mitbekommen, dass da noch jemand hinter mir war. So schnell wie er aufgetaucht war, ist er auch vor mir verschwunden. Da spüre ich mein Alter richtig.

Links breitet sich eine kleine Bergwiese aus. Eine Zisterne steht hier und nach wenigen Metern geht es westwärts an einem durchlöcherten Schild, in dem irgendwie die Richtung zum Pachnes und die Dauer des Weges eingraviert sind, vorbei. Ein schmaler gut sichtbarer Weg beginnt. Gut ausgetreten und immer wieder von kleinen Steintürmchen markiert.



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Die Steigung ist nicht sehr stark. Der Weg schlängelt sich am Hang entlang. Weit unter mir sehe ich Schafe, die durch die Geröllwüste laufen. Ich frage mich, was die hier zu fressen finden sollen und wo die ihr Wasser haben. Die Landschaft kommt mir hier öde und verlassen vor. Die Ausblicke sind schon hier sehr beeindruckend. Rings um mich herum Berge, keine Bäume und nur dann und wann hört man eine Glocke eines Schafes.

Links von mir liegt der „falsche“ Pachnes. Bekannte hatten mir berichtet, dass sie schon mehrfach im Irrtum auf diesen Berg gewandert sind und nicht wussten, dass sie damit den Trocharis bestiegen hatten.



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Und dann plötzlich sehe ich im Westen vor mir den Gipfel des Pachnes aufragen. Eine kleine Fahne ist bereits zu erkennen. Das Ziel vor Augen lässt es sich noch angenehmer marschieren. Nur wenige Stellen sind auf dem Weg etwas schwierig und müssen überstiegen werden. Und dann das letzte Stück hinauf und oben ein Fahne, ein kleines Kreuz und eine Tafel mit der Höhenangabe. Nur ein Gipfelbuch, das Frau Kopasis am Morgen erwähnte, ist in dem Blechkasten nicht vorhanden.

Pause machen und den unglaublichen Ausblick genießen. Nie zuvor hätte ich gedacht, dass mich der Ausblick über die Bergwelt Kretas und über das Meer hinaus so sehr beeindrucken könnte.. Wundervoll. Windig ist es , keine Wolken am Himmel und die Sicht ist klar. Von hier aus sehe ich auch im Osten den Psiloritis und den Timios Stavros, den höchsten Berg auf Kreta, den ich in wenigen Tagen erwandern und besteigen will.



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ach einer halben Stunde mache ich mich auf den Weg zurück. Die Beine und auch die Knie beginnen an manchen Wegstellen zu schmerzen. Ungewohnte Anstrengungen für einen Büromenschen. Der Wegweiser ist bald wieder in Sicht und von hier aus ist es nicht mehr weit zu meinem Auto. Zufrieden und doch erschöpft steige ich in den kleinen Wagen und mache mich langsam und vorsichtig auf den Rückweg. Auch jetzt muss ich mich sehr konzentrieren.

Am Nachmittag bin ich zufrieden im Hotel zurück. Nach einer kurzen Ruhepause stelle ich fest, dass ich vor lauter Muskelkater kaum noch die Treppe zur Terrasse hinab gehen kann. Aber das vergeht ja in kurzer Zeit. Und es bleibt der Wunsch nach Wiederholung und danach, noch eine andere Route zu gehen.


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Kommentare

  • ruma94

    Soviel Kargheit und Einsamkeit muss man erst mal aushalten! Aber die Ausblicke sind wirklich toll, und deine Wanderungen sind Geheimtipps für Leute, die WIRKLICH genug haben vom Massentourismus! :-) LG, Ruth

  • klaus-reinhard

    Die weißen Berge (Lefka Ori) auf Kreta üben einen ganz besonderen Reiz auf mich aus.
    Leider kommt es hier wohl immer wieder dazu, dass sich Wanderer verirren. leider gab es auch in diesem Gebiet bereits Todesfälle.
    Das Alleinsein mit sich selbst muss man aushalten und es führt meist zu guten Gedanken.
    Wer sich besonders für die Wanderungen hier interessiert, dem seien zwei internet-Seiten / ein Forum empfohlen:
    Sehr hilfreich und empfehlenswert:
    http://www.levka-ori.com/
    das für diese Region beste Forum mit nur wenigen Mitgliedern. Hier wird nicht "gequatscht" - hier gibt es Infos und Hilfen -
    und
    http://www.eoshanion.gr/
    das ist die Seite des griechischen mounteneering club of chania

  • agezur

    So schön kann eine Wanderung sein! Mit offenen Augen und mit guter Planung wird eine bleibende Erinnerung daraus!
    Und Ziele zu suchen die abseits von den großen Trampelpfaden liegen ist ein ganz besonderes Erlebnis.
    LG Christina

  • Zaubernuss

    Eine eindrückliche Wanderung in die Einöde. Manchmal muss man alles zurücklassen, was wir in unserem Alltag so zur Verfügung haben, um an die Essenz zu kommen...
    Danke Dir für deinen Einblick in Dein Ferienabenteuer.
    LG: Ursula

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