Guatemala, Belize und Honduras: Auf den Spuren der Mayas in Mittelamerika

Reisebericht

Guatemala, Belize und Honduras: Auf den Spuren der Mayas in Mittelamerika

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Warum Guatemala - das kennt doch keiner?

Tikal - Plaza Grande, Guatemala

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Als Jugendliche bekam ich zu Weihnachten einen Bildband über die Inkas und Mayas geschenkt. Lange Zeit interessierten mich die Geschichten und Hintergründe über längst ausgestorbene Kulturen nicht – der neuste Klatsch und Tratsch über meinen Lieblingsstar waren für mich als Teenie viel wichtiger.
Nach meinem Studium fing ich dann irgendwann einen Spanischkurs zu machen, und dadurch beschäftigte ich mich natürlich auch mit den spanischsprachigen Ländern und stolperte über die Maya. Nun verschlang ich die Texte zu den Bildern und die Idee nach Mittelamerika zu reisen war geboren. Dass die Wahl dann auf Guatemala fiel, lag an Tikal: Einer dem Dschungel wieder abgerungenen Maya-Stadt. Mit den frischen Spanisch-Kenntnissen im Gepäck ging es dann los.



Guatemala City und Antigua

Kirche in Antigua, Guatemala

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Guatemala City an sich bietet nicht viel und hat keinen sehr guten Ruf. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch, und es wird davor gewarnt, sich länger in der Stadt aufzuhalten. Wir beherzigen diese Ratschläge, und so sollte die erste Etappe unserer Reise in Mittelamerika uns nach Antigua, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas, bringen. Antigua ist ein nettes kleines Städtchen mit einigen Sehenswürdigkeiten aus der Kolonialzeit. Die Häuser sind ansprechend farbig gestaltet, und der Vulkan Agua thront über der Stadt. Zum Ankommen ist es genau das Richtige. In Antigua haben wir und erst mal eine Telefonkarte für das Handy gekauft und konnten damit bequem von unterwegs Hotelzimmer reservieren, wenn wir keine Lust hatten vor Ort etwas zu suchen. Auf der ganzen Reise hatten wir nie Probleme eine saubere und preiswerte Unterkunft zu finden, egal ob wir telefonisch reserviert hatten oder einfach auf gut Glück los sind.



Antigua, Guatemala



Busfahrten in Guatemala: Abenteuer auf den Straßen und in den Bussen

Von Antigua ging es mit einem 'Chicken-Bus' nach Chichicastenango. Chicken-Bus, weil 1. die Hühner kopfüber gehalten im Bus mitreisen und 2. wir ebenfalls in diesen Bussen wie die Hühner auf der Stange zusammengepfercht sitzen. Für alle, die schon mal in einem US-Schulbus gefahren sind: Die Busse werden hier farbig umlackiert und statt mit ca. 40 Personen mit ca. 75 bis 80 Personen vollgestopft. Interessant dabei ist zu beobachten, dass die vorderen Sitze wesentlich begehrter sind als die hinteren. Selbst wenn hinten ein Doppelsitz noch frei ist oder gar nur mit einer zwei Personen besetzt ist, quetscht man sich lieber mit 4-5 Personen auf eine Bank im vorderen Bereich des Busses zusammen.

Bei einer späteren Busfahrt erfahren wir am eigenen Leib, warum:
Aufgrund der Hitze sind in den Bussen natürlich alle Fenster auf. Da die Guatemalteken nicht die Umweltbewusstesten sind, wird alles einfach aus dem Fenster geworfen. Und der Fahrtwind tut dann das Seine dazu. Neben Papierservietten haben wir auf den hinteren Plätzen im Bus vom Reis eines Mitfahrenden profitieren dürfen, und ein kleines Kind, dass sich sehr über die auf den Fensterscheiben produzierten Streifen freute, hat uns auf diesem Weg von seinem Mangoeis (o.ä.) abgegeben. Wir haben schon Appetitlicheres erlebt.

Außerdem haben wir gelernt, dass die Guatemalteken durch nette Dienstleistungen, wie z.B. auf den richtigen Bus zu zeigen, kein Geschäft machen wollen. Sie sind einfach nur hilfsbereit. Unser in Afrika erworbenes Misstrauen mussten wir erst einmal ablegen, was uns nicht immer leicht gefallen ist.



Busse in Guatemala



Die Überlandbusse, die längere Strecken fahren, sind etwas komfortabler als die Chicken-Busse, dachten wir wenigstens. Es stellte sich heraus, dass die Toilette nicht funktionierte. Wir haben beim Ticketkauf nur daran gedacht zu fragen, ob es eine Toilette an Bord gibt – nicht ob sie auch funktioniert. GROSSARTIG - und das bei einer 8 –Stunden- Fahrt. Na ja, auch da waren wir noch optimistisch ... dann wird es wohl ein paar Stopps mehr geben. Weit gefehlt: 1. Pause um 12.45 h und danach nix mehr!!! Resultat: Wir haben den körpereigenen Wasserhaushalt aufs Ärgste strapaziert und bis zur Ankunft so wenig wie möglich getrunken.

Beschallung in den Bussen erfolgt so laut es geht. Das ist in jedem der Busse gleich, die Musikrichtung variiert jedoch von Latino-Techno über internationale Chart-Hits zu jeglicher Art anderer spanischsprachiger Musik. Dennoch macht es Spaß, mit diesen Bussen zu fahren – mehr oder weniger.

Die Fahrten sind teilweise schon abenteuerlich, denn die Überholmanöver dieser Busse, um an anderen Bussen, Touristen-Fahrzeugen und LKWs vorbei zu kommen, sind nicht ohne und gehen nicht häufig mit krampfhaftem Festhalten am Vordersitz vonstatten. Beachtlich ist auch die extreme Kurvenlage besagter Chicken-Busse. Ich glaube, ich kann jetzt behaupten, die längste Achterbahnfahrt meines Lebens hinter mir zu haben: Bergauf und bergab und das in allen möglichen Kurvenvarianten. Lediglich der Looping und die Schraube fehlten.

Die teuren Überlandbusse hingegen, die u.a. über Nacht fahren, sind extrem luxuriös: Ledersitze und ein „Brett“, das man herunterklappen kann, so dass es vom Fußbereich zum Sitzanfang diagonal hoch geht. Tolle Ablagefläche für die Beine. Für die Füße gibt es noch eine Fußstütze. Also nette diagonale Liegefläche. Und die Sitze lassen sich auch richtig weit nach hinten herunterklappen.

Dann gibt es noch die touristischen Shuttlebusse, die man bei Reisebüros sowohl für kürzere als auch längere Strecken buchen kann und bei denen nur US-$ als Zahlungsmittel akzeptiert wird, und keine Quetzales, die landeseigene Währung.



Chichicastenango: Der größte indigene Markt Guatemalas

Marktstände am frühen Morgen,...

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Nach Chichicastenango (kurz: Chichi), das auf ca. 2.500 m im Hochland Guatemalas liegt, hat es uns vor allem wegen des indigenen Marktes der Quiche (Indianer) gezogen. Der Sonntagsmarkt von Chichi ist als einer, wenn nicht DER berühmteste Markt der 'Maya' bekannt. Da das natürlich als Touristen-Attraktion gilt, zu der es von jeder größeren Stadt aus der Umgebung spezielle Touristen-Shuttles gibt, hatten wir uns entschlossen, bereits Samstag anzureisen, einen Nacht in Chichi zu bleiben und dem Markt ganz früh am Sonntagmorgen einen Besuch abzustatten. Wie richtig diese Entscheidung war, haben wir dann am Sonntag gesehen!!!!



Marktfrau, Chichicastenango, Guatemala



Kirche in Chichicastenango am...

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Zunächst haben wir jedoch Sonntag mitbekommen, wie der Markt langsam zum Leben erwachte und wie sich dieses Hundert-Seelen-Dorf in eine brummende Meile verwandelte. Jede einzelne Gasse im Innenstadtbereich wurde mit Ständen zu gebaut. Viele Standbetreiber waren bereits Samstag angereist, und so war auch am Samstagabend schon viel Treiben in der Stadt. Um die Stufen der Kirche herum hatten sich Frauen in der landestypischen Kleidung versammelt und Essensstände aufgebaut. Aus anderen Garküchen am Wegesrand brutzelte es und die kleinen Gassen waren erfüllt von dem Duft von Gebratenem und einer heimeligen Mischung aus Licht und Rauch.

Der langsam erwachende Markt am Sonntag hatte dann wieder seinen ganz eigenen Charme. Mitzubekommen, wie die Menschen alle ihre Güter und auch teilweise Standaufbauten leicht nach vorne gebeugt fest in Bündeln verschnürt auf dem Rücken durch die Gassen und die Menschenmassen trugen, war schon eindrucksvoll.

Ganz in Ruhe und gemütlich sind wir dann über den langsam erwachenden Markt geschlendert und haben das ganze Treiben auf uns wirken lassen. Gegen 9 h sind wir dann zurück ins Hostal, um uns frisch zu machen und die Rucksäcke zu packen. Als wir dann noch mal kurz - ohne Rucksäcke - zurück auf den Markt sind, um zu frühstücken, wussten wir auf einmal, wie gut es war, sich den Markt so schön früh anzusehen. Innerhalb von einer halben Stunde waren die Gassen voll, und die Stadt barst nur so vor Menschen. Waren wir vorher mit einer Handvoll anderer Touristen die einzigen Weißen, waren jetzt an jeder Ecke Touristen zu sehen und zu hören. Auch war es sofort vorbei mit dem netten unbehelligten Gehen durch die Gassen. Erstens wurde man nur geschoben und zweitens permanent angesprochen. Das einzig Positive, was ich dem Gedränge abringen konnte, war das Gefühl, mich als Große unter den Kleinen zu fühlen. Die Guatemalteken sind insgesamt doch ein recht kurz gewachsenes Völkchen, ich selbst mit meinen 1,58 m Körperlänge gehörte schon zu den Größeren.



Markthalle, Chichicastenango, Guatemala


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Kommentare

  • lesmotsjustes

    Besonders der Abschnitt über Busfahren in Guatemal ist sehr beeindruckend und bietet wertvolle Informationen für die Reiseplanung von zuhause aus.

  • RELDATS

    Guter Bericht !
    Vom Busfahren in dieser Gegend kann ich auch ein Lied singen.
    Nette Grüße von Josef

  • emhaeu

    Da ich gerade aus Belize zurückgekommen bin, eine Reisebericht über den Lago Atitlan und einen über Busfahren in Belize geschrieben habe und an einem zweiten Reisebericht sitze, habe ich diese Schilderungen mit viel Interesse gelesen. Vor allem den Tipp, direkt bei den Ruinen zu übernachten und dann die günstigen Zeiten zu nutzen, werde ich demnächst bestimmt beherzigen!
    Grüße aus dem verschneiten Rheinland! MH

  • Blula

    Toller Bericht von Dir! Ich habe es bisher nur bis Mexiko geschafft und bin dort auf den Spuren der Mayas gewandelt. Deine Erlebnisse haben mich sehr interessiert und angeregt, auch einmal weiter in den Süden Mittelamerikas zu reisen. Danke für die guten Informationen, die Du in Deinen Bericht hast einfließen lassen.
    LG Ursula

  • Janzour

    Danke für den tollen Bericht und ich freue mich immer, wenn jemand über Belize schreibt. Ich selbst war dort vor über 10 Jahren und ich träume heute noch davon. Guatemala und Hondura kenne ich ebenfalls - wunderschön und immer wieder eine Reise wert.
    Schönes Reisefieber wünscht Janzour

  • gabi.weinert

    Ginge es nach Marketingleuten, müsste sich Guatemala ja in Guatemaya umbenennen ;-) Danke für den Bericht eurer Erlebnisse, ist jedenfalls hilfreich. L G Gabi

  • freeneck-farmer

    Danke für dieses Bericht. Das mit den Busfahrten ist gut beschrieben und informatif.
    Ich war vor bestimmt 10 Jahre, wenn nicht länger, auch schon mal auf Mayaspuren. Wir sind von Mexico aus, über Palenque, Belize und Guatemala und dann wieder zurück nach Cancun gereist. Wir haben da 5 Wochen für gebraucht, mit Rücksack und ausser Flug nichts gebucht. Leider waren wir nicht in Honduras. Viel geändert hat sich da anscheinend nicht.
    Aber dein Bericht hat mich zurückversetzt in diese Länder. Auch die Bilder sind Gut..
    Für alle Leute die noch nicht da waren, nichts wie hin und das mit der gefährlichkeit ist so eine Sache, Gefährlich ist es überall, mann nuss nur gut aufpassen..

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  • fhaid

    Hi Curley,

    wir waren (wie bei den Kommentaren zu den Bildern schon angemerkt) letztes Jahr auch für mehrere Wochen in der Region. Ein echtes Erlebnis. Wir können vieles nachvollziehen.

    Lg Florian

  • Gerry56

    Hallo Curley,

    mit Interesse habe ich deinen Bericht gelesen und es hört sich alles nach einem gelungenen und interessanten Urlaub an. Mich hat dein Bericht in erster Linie neugierig gemacht, weil wir im Frühjahr selbst nach Mexiko fliegen möchten und Infos dazu aufsaugen. Ich vermisse nur etwas aktuellere Berichte im Netz, vor Allem über Belize und Guatemala, da ich gerne Abstecher in diese Länder machen möchte und gerne wüsste, wie die Gefahren einzuschätzen sind. Wir werden uns einen Wagen mieten und zu zweit auf eigene Faust durch die Gegend fahren. Nach dem, was im Auswärtigen Amt über Überfälle und Drogenhandel zu lesen ist, würde ich die Abstecher am Besten lassen.
    Vielleicht kann hierzu jemand etwas Aktuelles sagen?

    Danke und viele weitere schöne Reisen
    Gerry56

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