Einmal ans Ende der Welt und zurück

Reisebericht

Einmal ans Ende der Welt und zurück

Reisebericht: Einmal ans Ende der Welt und zurück

Mit dem Wohnmobil von Frankfurt nach La Rochelle, von dort entlang der Atlantikküste nach Spanien, über die Küsten des Baskenlandes, von Kantabrien und Asturien, die Picos de Europa, die Küste von Galicien bis nach Finisterre, über Santiago de Compostella, die Sil-Schlucht, Las Medulas, Las Bardenas Reales, die Pyrenäen, die Tarn-Schlucht und das Elsaß zurück nach Frankfurt

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Samstag 5.9.09

Heute geht’s los! Vor uns liegen vier Wochen Urlaub mit dem Wohnmobil wobei unsere grobe Reiseroute von Frankfurt nach La Rochelle, von dort entlang der Atlantikküste nach Spanien, über die Küsten des Baskenlandes, von Kantabrien und Asturien, die Picos de Europa, die Küste von Galicien bis nach Finisterre, über Santiago de Compostella, die Sil-Schlucht, Las Medulas, Las Bardenas Reales, die Pyrenäen, die Tarn-Schlucht und das Elsaß zurück nach Frankfurt führt.

Wie verabredet sind wir um halb eins bei HÜTTLrent in Maintal aber unser Fahrzeug ist noch nicht fertig. Irgendetwas war defekt und muss schnell noch repariert werden. In einer guten halben Stunde soll es erledigt sein. Wir gehen also noch mal um den Block und „genießen“ eine „Original Thüringer Bratwurst“ mit reichlich versalzenen Pommes am Imbissbüdchen im Maintaler Gewerbegebiet. Was halt samstags mittags so aufhat.

Als wir zu HÜTTLrent zurückkommen sind sie schon auf der Suche nach uns. Das Auto ist jetzt fertig und der Feierabend naht, es ist halb zwei. Kurze Einweisung, Kaution hinterlegen, Vertrag unterschreiben und los geht’s. Dass wir komplett ohne Fahrzeugpapiere losfahren merken wir erst später …



Sonntag 6.9.09, Chenonceaux

Chenonceaux

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Erstaunlicherweise sind wir gestern trotz hohem Verkehrsaufkommen ganz gut vorwärts gekommen. Die Nacht haben wir auf einem Autobahnrastplatz südlich von Troyes verbracht. Obwohl es verhältnismäßig ruhig war habe ich kaum geschlafen. Die innere Unruhe, die sich die letzten Wochen systematisch aufgebaut hat muss erst mal weichen.

Heute Morgen fahre ich! Nach ein paar Proberunden auf dem Raststättenparkplatz geht’s auf die Autobahn. Wenn man sich dran gewöhnt hat, im Vergleich zu einem PKW ziemlich hoch zu sitzen und sozusagen einen kleinen Elefanten unter dem Hintern zu haben lässt sich der Wagen eigentlich ganz gut fahren. Für die Reiseroute ist uns unser Navi (extra für den Urlaub angeschafft!) eine gute Hilfe – sofern er die Straßen kennt. :-))

Unser erstes Ziel heute ist Chenonceaux. Eines der vielen Loire-Tal-Schlösser. Warum wir gerade dieses besuchen? Nun, erstens ist es ein Wasserschloss und zweitens hat man hier einen wunderschönen Garten angelegt. Unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht: Chenonceaux thront sehr majestätisch über dem Fluss. Neben den üblichen fürstlichen Himmelbetten, Wandverkleidungen und hoheitlichen Portraits fallen die außergewöhnlichen Blumenarrangements aus übergroßen Sträußen und fantasievollen Gestecken ins Auge. Und natürlich die Küche im Untergeschoss aus dem 16. Jhd. Hier wurden unter anderem die Händler, die mit ihren Schiffen unter den Schlossbögen anlegten kulinarisch versorgt.

Weiter geht’s. Diesmal kennt sich auch der Navi aus und bringt uns zuverlässig nach Aigefeuille-d’Auris wo wir Freunde besuchen wollen. Wir kommen am späten Nachmittag an und zur Begrüßung gibt’s erst mal einen Kir Royal. Der wirkt fast intravenös nach der langen Fahrt. Schon ziemlich entspannt schreibe ich noch eine E-Mail an HÜTTLrent, indem ich darum bitte, die Autopapiere einzuscannen und zu mailen. Danach entspanne ich einfach nur noch während eines sehr netten Abends. Wir werden gut bekocht und genießen Essen und Wein bei lauem Lüftchen im Freien bis wir die Hand nicht mehr vor Augen sehen.



Montag, 7.9.09, La Rochelle

Stadtmauer

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Abweichend von unsere Planung bleiben wir noch eine Nacht länger. Es ist einfach nett hier. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, uns in aller Ruhe La Rochelle anzusehen.

Morgens auf dem Gemüsemarkt bringe ich mein Französisch an den Mann und diesen zum Lachen!. Wir bummeln erst ein wenig durch die wunderschöne Altstadt und leisten uns dann eine Kleinigkeit in einer Brasserie am Yachthafen. Alles ganz edel, die passenden Sunyboys am Nachbartisch runden die Szene stilvoll ab. Noch ein kleiner Verdauungsspaziergang und ein kleines Nickerchen im Park am Strand … Ausgerechnet jetzt verschwindet die Sonne hinter den Wolken, uns wird kühl und wir gehen zurück. Es ist Ebbe und La Rochelle liegt nicht am Meer sondern im Schlick. Unterwegs begegnet uns eine Gruppe von Eliteschülern, alle in schwarzen Anzügen bzw. Business-Kostümen. So neben dem Strand wirken sie ein bisschen wie Pinguine.

Der Abend ist wie gehabt, Aperitif, gutes Essen, guter Wein, nette Gesellschaft ….



Dienstag, 8.9.09, Arcachon, Dune du Pilat, Mimizan-Plage

Der Aufstieg

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So, jetzt geht’s aber endlich mal weiter, sonst kommen wir ja nie an (wo?). HÜTTLrent hat die Papiere gemailt, mit dem Ausdruck in der Tasche fahren wir doch etwas beruhigter.

Unser erstes Ziel heute ist Arcachon. Hier hat sich die französische Prominenz ab 1870 in der Ville d’Hiver (Winterstadt) ihre Prachtbauten in Belle-Èpoque-Architektur errichten lassen. Geplant ist ein Spaziergang durch die weitläufige Siedlung doch bei dem Versuch, einen Parkplatz zu finden verfahren wir uns mehrmals und sehen so ganz nebenbei alles, was wir sehen wollten. Deshalb fahren wir einfach weiter zum nächsten Anlaufpunkte, der nahe gelegenen Dune du Pilat. Sie ist Europas größte Wanderdüne. Trotz der Hitze (Es sind über 30° C im Schatten, nur wo ist Schatten auf der Düne??) klettern wir on the Top. Erst relativ angenehm auf der steilen Treppe, dann weiter im Sand. Oben treffen wir auf einen jungen Mann, der sich gerade übergibt. Die Hitze und die Anstrengung sollte man nicht überschätzen. Die Düne zieht sich noch sehr weit nach Süden – insgesamt ist sie ca. 114 km lang – aber wir erlaufen allerdings nur den vorderen Teil, bei der Hitze ist das mehr als genug! Jetzt muss (!) erstmal eine eiskalte Cola her!

Unser Navi führt uns immer an der Küste entlang nach Mimizan-Plage, wo wir auf dem gemeindlichen Camping-Car-Platz gerade noch einen Platz ergattern. Auto waagerecht stellen, Strom anschließen, Kühlschrank anstellen – und dann nichts wie ans Meer. Es ist halb sechs Uhr nachmittags und fast Wasserhöchststand. Allein die hohen Wellen (Gelbe Flagge!) zu beobachten und das Meeresrauschen zu hören ist göttlich. Meine bessere Hälfte traut sich nach anfänglichem Zögern tatsächlich rein und bleibt für geschlagene 10 Minuten im doch recht frischen Wasser. Meine Anerkennung!

Zurück am Wohnmobil ist es Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Bereits jetzt geht mir die Enge dieses Wohnmobils ziemlich auf die Nerven. Der Innenausbau ist an einigen Stellen einfach zu blöd, zwei Personen kommen z. B. nicht ohne weiteres aneinander vorbei, einer muss entweder raus oder sich in eine Ecke drücken.

Nach dem Abendessen machen wir noch einen ausgedehnten Strandspaziergang. Vielleicht liegt’s daran, aber In dieser Nacht schlafe ich das erste Mal richtig gut.



Mittwoch, 9.9.09, St.-Jean-de-Luz, San Sebastian, Gorlitz

Strandpromenade

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Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach St.-Jean-de-Luz. Beinahe wäre uns die Besichtigung dieses netten Städtchens versagt geblieben weil es so verdammt schwierig ist, mit diesem Fahrzeug einen Parkplatz zu finden. Hat dann aber doch noch geklappt.

St.-Jean-de-Luz ist ein netter, alter Fischerort, der sich für seine zahlreichen Touristen fein gemacht hat. Ein zusätzliches Bonbon dieses Städtchens ist sein schöner Sandstrand. Nach einem gemütlichen Stadtrundgang essen wir ein Plat du Jour, nehmen aus der Markthalle einen Gateaux basque mit und weiter geht’s Richtung spanische Grenze. Fast schlagartig ändert sich die Landschaft. Ist das Hinterland der südlichen Atlantikküste potteben mit riesigen Kiefernwäldern, wird es schon bei St.-Jean-de-Luz hügeliger. Aber dann kommen wir richtig in die Berge und wir fühlen uns mitsamt den sattgrünen Tannenwäldern und Almwiesen in die alpenländischen Regionen versetzt. Selbst die Architektur der kleinen Gehöfte erinnert daran. Kaum zeigt sich jedoch ein etwas größeres Tal, ist es dicht mit Wohnhochhäusern bebaut.

Und dann erreichen wir San Sebastian oder Donostia, wie es auf Baskisch heißt. Uns erwartet eine richtig schöne Altstadt mit reich verzierten Jugendstilhäusern. Runde um Runde drehen wir auf der Suche nach einem Parkplatz. Es gibt jede Menge öffentliche Parkhäuser, allerdings nur für Fahrzeuge, die nicht höher als 2 m sind und unser Wohnmobil misst stolze 2,80 m. Es ist zum Mäuse melken, wir haben absolut keine Chance, dieses Gefährt irgendwo abzustellen! Aus lauter Frust beschließen wir, weiter zu fahren. Wir haben ja auch so schon viel von der Altstadt gesehen . Stadtauswärts trinken wir wenigstens noch einen Kaffee – hier kann man für eine Stunde das Auto abstellen.

Für diese Nacht hatte ich einen Campingplatz im Biosphärenreservat Urdaibai herausgesucht. Doch als wir nach zwei Stunden kurvenreicher Berg- und Talfahrt ankommen haben sie keinen Platz mehr für ein Wohnmobil. Also fahren wir gefühlte tausend Haarnadelkurven weiter bis Gorlitz. Hier hat man nicht nur Platz für uns sondern es tut sich auch ganz unerwartet eine neue Alternative auf: Ab hier fährt nämlich die Metro nach Bilbao! Das heißt, wir können uns diesmal die Parkplatzsucherei sparen und fahren ganz entspannt mit den Öffentlichen in die Stadt.



Donnerstag, 10.9.09, Bilbao

Guggenheim-Museum

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Heute also Bilbao, baskisch Bilbo. Mit der Metro rein und raus zu fahren war eine prima Idee. Jeweils eine Stunde und man ist mitten im Zentrum. Ganz oben auf dem Besichtigungsplan stand natürlich das 1997 fertig gestellte Museum Guggenheim. Frank O. Gehry hat hier ein futuristisches Monstrum hingesetzt, dass mit seinen ineinander verschachtelten Flächen und Formen als neues Wahrzeichen Bilbaos seit seiner Eröffnung Millionen von Menschen anzieht. Die besuchen natürlich nicht nur das Museum sondern lassen auch sonst viel Geld in der Stadt. Das führt zu wirtschaftlichem Aufschwung und zu weiteren Stadtsanierungs- und entwicklungsmaßnahmen. In der Fachwelt wird dies sinnigerweise der „Bilbao-Effekt“ genannt. Nicht wenige strukturschwache Städte und Gemeinden versuchen ähnliches.

Wir sehen uns das Gebäude von allen Seiten an. Blechverkleidet, monumental, skulptural liegt es dort am Rìo Nervión – und macht unwahrscheinlich was her. Hinein gehen wir nicht, das Wetter ist uns zu schön für einen Museumsbesuch. Stattdessen spazieren wir an der ebenfalls neu gestalteten Flusspromenade entlang. Vorbei an der Zubizuri („Weiße Brücke“ auf Baskisch), nach einem Entwurf von Santiago Calatrava von 1994 bis 1997 gebaut, bis zu der Brücke, über die man in die Altstadt gelangt. Enge Gässchen zwischen fünfgeschossigen, balkon- und erkerverzierten Häusern, kleine Lädchen, nette Restaurants, südliches Flair: eine Altstadt, wie man sie sich wünscht.

Ab 13:00 Uhr ist Siesta. Da alles geschlossen ist bleibt nichts anderes übrig, als das zu tun, was alle machen: In ein nettes Restaurant Essen gehen. Nach einem spanischen Essen braucht man eigentlich etwas Bewegung, deswegen setzen wir unseren Spaziergang am Flussufer fort. Wir kommen an den alten Markthallen vorbei, wo umfangreiche Bauarbeiten stattfinden. Es wird viel abgebrochen, hoffentlich nicht alles! Schließlich erreichen wir das Geschäftsviertel des modernen Bilbao. Der überwiegende Teil der Gebäude stammt aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts und bildet – von ein paar Ausreißern der 1960er und 70er Jahre abgesehen – ein schönes, geschlossenes Straßenbild. Die Innenstadt ist großzügig und angenehm zu erlaufen. Eigentlich ist es unverständlich, dass Bilbao diesen Ruf als hässliche Stadt hat. Sicher, in den Randbezirken finden sich viele Gewerbe- und Industrieflächen, aber das gilt gleichermaßen für alle Städte an der nordspanischen Küste.



Altstadt von Bilbao



Freitag, 11.9.09, Santander

Von Gorlitz sind es etwa 2 Stunden Fahrtzeit nach Santander. Die Stadt liegt vorgeschoben auf einer Landzunge und hat mehrere schöne Strände. Der Campingplatz befindet sich auf dem Cabo Mayor, ganz in der Nähe des Leuchtturms. Der nächste Strand von hier ist 5 Gehminuten entfernt. Da der Wettergott uns so verwöhnt legen wir uns erst mal ganz faul an den Strand. Das Wasser ist ziemlich frisch, um nicht zu sagen kalt, sodass wir uns mit einem reinen Sonnenbad zufrieden geben. Außerdem ist bei den hohen Wellen schwimmen ohnehin nicht möglich.

Die Sonne und das Meeresrauschen machen träge. Deshalb brauchen wir unbedingt einen Kaffee bevor wir in die Innenstadt laufen. Danach sind wir wieder fit wie die Turnschuhe. Das ist auch nötig, denn zur nächsten Bushaltestelle ist es ein ordentlicher Fußmarsch. Mit dem Bus geht’s dann weiter bis zur Hafenpromenade. Die wird dieses Wochenende noch durch mehrere alte Segelschiffe aufgepeppt, es ist Festival del Mar mit vielen Verkaufs- und Imbissbuden und entsprechendem Menschenandrang. Doch das Fest hat noch ein bisschen Zeit, wir gehen erstmal in der Fußgängerzone bummeln.

Der berühmte Charme dieser Stadt zeigt sich allerdings nicht auf den ersten Blick. In den 1940er Jahren sind bei mehreren Bränden viele Gebäude zerstört worden und man sieht, dass vor allem schnell viele Häuser neu gebaut werden mussten. Da existiert dann schon mal die gleiche erkerverzierte Fassade gleich zehnmal nebeneinander.

Am frühen Abend sind wir auf der Suche nach einer Tapas-Bar, werden aber nicht richtig fündig. Auf einem der größeren Plätze stehen wenigstens schon mal Tische und Stühle draußen vor der Kneipe und 2 bis 3 Gäste sitzen auch schon da. Wir bleiben auch und dann geschieht innerhalb von 10 Minuten etwas Unglaubliches: Wie auf Kommando füllt sich der Platz mit Menschen, Erwachsene treffen sich, holen sich Getränke und Oliven, die Kinder toben oder spielen. Ein einziges Stimmengewirr!

Wir genießen noch eine Weile das bunte Treiben und helfen uns ebenfalls mit Oliven und Knabberzeug, was zu jedem Getränk kostenlos gereicht wird, über unser Hungergefühl hinweg und gehen dann ein Stück weiter. Und da ist sie: die ultimative Tapas-Bar! Wie aus dem Bilderbuch, mit Schinken, die von der Decke hängen, ganzen Wänden voller Weinflaschen und einer Unzahl von „Pinchos“, gut belegten und wunderschön dekorierten, mit einem Holzstäbchen zusammengehaltenen Weißbrotscheiben, die auf Platten in langen Reihen auf der Theke stehen. In der Bar herrscht ein Gewusel von Gästen, die Kellner haben ordentlich was zu tun. Nach dem zweiten (oder dritten?) Wein bin ich absolut versöhnt mit dieser Stadt, die sich mir zu Beginn so gar nicht erschlossen hat.

Als wir auf dem Rückweg zur Bushaltestelle sind ist die Seepromenade hell erleuchtet. Noch ein weiteres altes Segelschiff läuft vor großem Publikum ein und wir flanieren noch ein bisschen über das Fest. Doch, die Stadt hat Charme, wenn auch erst auf den zweiten Blick.



Tapasbar in Santander



Samstag, 12.9.09, Altamira, San Vicente de Barquera, Las Arenas de Cabrales

Altamira

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Nach dem Frühstück fahren wir weiter nach Santillana del Mar. Das ist eine hübsche mittelalterliche Stadt, die mit Reisebussen und Touristen hoffnungslos überfüllt ist. Aus diesem Grund halten wir gar nicht an sondern besuchen gleich die 2 km entfernte Höhle von Altamira, bzw. das zugehörige Museum. Die Original-Höhle ist schon seit Jahren nicht mehr zugänglich. Sie wurde in Teilen nachgebaut und kann im nebenan liegenden Museum besichtigt werden. Für jemanden, der die alte Höhle nicht kennt lohnt sich ein Museumsbesuch sicherlich. Ich war 1988 in der damals noch offenen – wenn auch mit strengem Reglement der Besucherzahlen – „echten“ Höhle. Für mich ist es kein Ersatz, aber so können natürlich sehr viel mehr Menschen diese wunderbaren Wand- und Deckenmalereien unserer Vorfahren betrachten.

San Vicente de Barquera, unsere nächste Station ist laut Reiseführer ein „pittoreskes Hafenstädtchen“. Hm, also es ist ganz nett aber die Restaurant-Straße erinnert schon sehr an die Drosselgasse in Rüdesheim. Das Besondere an diesem Ort ist seine Lage am tiefen Einschnitt des Meeresarms San Vicente und der Mündung des Río Escudo.
Im Supermercado sorgen wir für Erheiterung des Kassenpersonals: Beim Bezahlen unseres Einkaufs bücken wir uns gleichzeitig nach einem heruntergefallenen 5-Cent-Stück und dotzen dabei ordentlich mit den Köpfen zusammen .

Der Tag ist noch jung und die Picos nicht weit, nach einer Stunde gemütlichen Fahrens erreichen wir Las Arenas de Cabrales. (Cabrales heißt übrigens der örtliche Blauschimmelkäse, der aus Kuhmilch mit unterschiedlich hohen Anteilen aus Ziegenmilch gemacht wird.) Der Campingplatz Los Naranjos de Bulnes liegt östlich etwas außerhalb von Las Arenas direkt an einem Gebirgsbach. Bevor wir im Liegestuhl vor dem Wohnmobil die untergehende Sonne genießen machen wir noch eine kleine Erkundungsrunde durch die nähere Umgebung.

Der Campingplatz hat auch eine Kneipe mit Restaurant. Hier probieren wir den asturischen Cidre. Er ist ähnlich herb wie unser heimischer Apfelwein. Interessanter weise muss man ihn in hohem Bogen aus der Flasche ins Glas gießen und immer nur ein bisschen, austrinken und von vorn. Ich stelle mir dabei die Gesichter in Frankfurt vor, wenn ich den Äppler in dieser Weise ins Gerippte befördern würde …



Sonntag, 13.9.09, Picos de Europa

Wir diskutieren lange ob wir die „Muss“-Tour durch die „Garganta Divina“, die göttliche Schlucht des Río Cares laufen sollen oder doch lieber die Tour Nr. 19 aus dem Rother Wanderführer (identisch mit dem lokalen Wanderweg Nr. 12/12a). Angesichts der Tatsache, dass Sonntag ist und viele Wochenendtouristen in den Picos unterwegs sind entscheiden wir uns gegen die Schlucht, was sich als eine sehr gute Entscheidung herausstellen soll! Der Weg zu den Praderías de Nava und zum Hausberg von Las Arenas, dem Cabezo de Juan Robre erweißt sich zwar als ordentliche Kletterei - aber die Anstrengung lohnt sich. Fast die ganze Strecke sind wir allein und genießen die Ruhe der Bergwelt. Auch wenn es ein wenig diesig ist, die Ausblicke sind einfach überwältigend. Kurz vor den Invernales de la Nava hören wir plötzlich ein merkwürdiges Quietschen und dann – man glaubt es nicht – kommen uns Motocrossräder auf dem schmalen, steilen Weg entgegen! Insgesamt 5 Maschinen knattern den Berg herunter - danach sind wir wieder mutterseelenallein. Erst am Cabezo de Juan Robre sehen wir in der Ferne eine ganze Wandergruppe auf den Gipfel steigen.

Die Gipfelersteigung sparen wir uns und machen uns an den Abstieg. Der ist leider nicht so angenehm. Angefangen damit, dass der Einstieg etwas unübersichtlich ist weil die Markierung (Roter Punkt) streckenweise fehlt, ist der Weg sehr geröllig und führt teilweise durch mannshohen Stechginster. Als wir wieder in Las Arenas ankommen sind wir ziemlich geschafft aber wie heißt es so schön: Du schwitzt, du fluchst und du fühlst dich gut!

Eine kurze Rast und weiter geht’s zum Käsemuseum, wo die Herstellung des Quesu Cabrales erklärt wird. Die sehr junge Führerin nuschelt allerdings sehr und die Multimediaanlage ist zu laut, so dass ich so gut wie nichts verstehe. Schade.
Zurück am Campingplatz schlagen wir uns im Restaurant den Bauch mit asturischer Bohnensuppe, Lomo, Fisch, Pommes, Flan und Wein voll mit dem Ergebnis, dass unsere Bäuche die ganze Nacht geräuschvoll arbeiten und an Schlaf nicht wirklich zu denken ist.



Kühe in den Picos



Montag, 14.9.09, Mirador del Fito, Sierra del Sueve, Luarca

In den Wolken

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Heute Morgen löst sich der Nebel nur sehr schwer auf und es ist ziemlich frisch. Der Wetterbericht hat Regen angesagt. Wir brechen die Zelte ab und fahren durch Cangas de Onís zum Mirador del Fito im Naturpark Sierra del Sueve. Von hier hat man einen wunderbaren Rundumblick, sowohl in die Picos als auch zur Küste. In den Bergen hängen dicke, dunkle Wolken und geben dem Ort eine ganz eigene Atmosphäre. Auf dem gegenüber liegenden Hügel weiden 3 Pferde – sind es die sagenhaften Asturcones, die letzten freilaufenden Pferde Asturiens?? Me waaß es net….

Uns fallen mehrere gekennzeichnete Wanderwege auf und wir bedauern nun doch etwas das schlechte Wetter. Wer auch gerne hier wandern möchte: Infos erhält man im Infozentrum Santiago de Gobiendes, einem Ortsteil von Colunga.
Auf dem Weg zur Küste entdecken wir in einem Weiler namens Cocena Riba (Colunga) ganz zufällig die auf unserer Reise bisher schönsten asturischen „Hórreos“ - auf Steinpfeilern errichtete Maisspeicher.

Nachdem wir uns im Zentrum von Colunga mit Lebensmitteln eingedeckt haben führt unser Weg weiter nach Westen. Die Industrieregionen Gijón und Avelés umfahren wir auf der Autobahn und erreichen gegen Nachmittag Luarca. Der Campingplatz Los Cantiles liegt hoch oben auf dem Berg und bietet eine fantastische Aussicht auf die Steilküste. Vergessen ist der Regen in Colunga, wir sitzen in den Liegestühlen vor den allgegenwärtigen Hortensienhecken und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen.

Der abendliche Spaziergang in die Stadt hinunter führt über eine ewig lange Treppe. Während des Abstieges hat man einen schönen Überblick über die Stadt mit ihren schiefergedeckten Häusern und das Hafenbecken.

Es ist kühl, die Zeit der Straßencafés vorbei. Während wir bei dicker heißer Schokolade im warmen Café sitzen dreht draußen der Bus vom Zirkus Dola Roma seine Runden und lädt über Lautsprecher zu seinen Vorstellungen ein. Zurück im Wohnmobil weihen wir endlich das neue Schachspiel ein. Ich sage jetzt nicht, wer natürlich gewinnt 



Hórreo



Dienstag, 15.9.09, Viveiro

Kindergedeck

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Eigentlich lohnt es sich nicht, aus den Federn zu kriechen. Es ist trüb und der Regen lässt nicht lange auf sich warten. Immer mal wieder gibt es einen Schauer mit diesem fiesen Landregen, der durch und durch geht. Neben uns haben vier Motorradfahrer aus England gezeltet. Als sie ihre nassen Sachen zusammen packen und im Regen losfahren denke ich darüber nach, wie gut wir es doch in unserem trocken Wohnmobil haben.

Wir machen uns auf den Weg nach Viveiro. Während wir so entlang der Küste auf der N 861 entlang zuckeln hört der Regen auf, ab und zu zeigt sich sogar mal die Sonne. Grünes Weideland und Eukalyptuswälder säumen den Weg. Und immer wieder Hortensien mit ihren großen, meist blauen Blütenbällen.

Die Architektur der Orte entspricht schon lange nicht mehr dem sog. „spanischen Stil“: keine Mönch-Nonnen-Deckung mehr sondern – wie uns bereits in Luarca aufgefallen ist – oft weiß verputzte Häuser ohne Schnörkel mit recht flachen Schieferdächern. Der eine oder andere Hauseigentümer hat sich mittels der Farbe seines Hauses verwirklicht, mitunter findet man auch einige Geschmacklosigkeiten, wie schrilles Zitronengelb oder Giftgrün.

Als wir in Viveiro, der „Stadt, die immer lacht“ ankommen finden wir zur Abwechslung mal ohne viel Suchen einen großen, kostenlosen Parkplatz auf dem wir unseren „Dicken“ loswerden können. Kaum 200 m weiter befindet sich die Touristeninformation, wo uns eine sehr nette Frau alles Wissenswerte über Viveiro erzählt und uns einen Stadtplan in die Hand drückt. Dermaßen präpariert erkunden wir das Centro Historico. Enge Gässchen führen bergauf und bergab, die meisten der schönen alten Häuser haben helle, verglaste Erker. Das sieht freundlich aus, trotz des trüben Wetters.

Die Suche nach einem gemütlichen Restaurant gestaltet sich schwierig weil es nur wenige gibt, die offen haben. Wir landen schließlich in einer Gaststätte, die proppevoll mit Einheimischen ist. Es ist laut, gemütlich und warm. Das Essen mächtig, aber o. k. Der anschließende Verdauungsspaziergang zum Centro Maritimo fällt fast wegen eines erneuten Regengusses ins Wasser. Aber wir wären ja keine Deutschen wenn wir keine „Funktionsjacken“ hätten.

Auf kurzem Wege fahren wir weiter nach Pontedeume, dem Ausgangsort für Touren in den Naturpark Fragas de Eume. Leider liegt der nächste Campingplatz, der um diese Jahreszeit noch geöffnet hat erst in Miño, einmal um die ganze Landzunge herum. Inzwischen hat es ganz aufgehört zu regnen, deshalb gönnen wir uns nach dem Abendessen einen ausgiebigen Strandspaziergang und erleben einen richtig kitschig schönen Sonnenuntergang, der uns wieder mit dem Wetter versöhnt.



Strand in der Nähe von Viveiro



Mittwoch, 16.9.09, La Coruña

Es regnet schon vor dem Aufstehen. Beim Frühstück erleben wir die typisch galicischen Schauer mit gleichzeitigem Sonnenschein, danach regnet es sich so richtig ein. Wir nehmen Abstand von der geplanten Wanderung in den Fragas de Eume, Funktionsjacken hin oder her und machen uns auf den Weg nach Arteixo.

Hier befindet sich der La Coruña am nächsten gelegene Campingplatz. Auch dieser ist, wie bereits der in Miño, geprägt von verlassenen Wohnwagen und Zelten der Dauercamper. Die Saison ist vorbei. Nur noch wenige Touristen verirren sich auf die Zeltplätze, sofern sie denn überhaupt noch geöffnet haben. Der Platz liegt direkt an einer Badebucht, bei warmen, sonnigen Wetter ein Traum!

Laut Platzverwalterin soll es einen Bus von Arteixo nach La Coruña geben. Also marschieren wir stramm den Berg hinauf zur Landstraße. Nach Arteixo ist es eine halbe Stunde Fußmarsch. Gott sei Dank hat es aufgeklart, nur ab und zu fallen noch ein paar Tropfen. Oben an der Carretera angekommen fährt ein Taxi an uns vorbei, der innere Schweinehund befiehlt der Hand zu winken und wir lassen uns direkt ins Zentrum von La Coruña kutschieren. Die meisten Taxifahrer halten gern ein Schwätzchen mit ihren Fahrgästen, unserer ist da keine Ausnahme und so erfahren wir ganz nebenbei eine Menge über die Stadt und die Galicier im Allgemeinen.

Wir kommen noch rechtzeitig für einen kleinen Einkaufsbummel ins Zentrum bevor die lange Siesta – in der Regel von 13:30 bis 17:30 Uhr – beginnt und alle Geschäfte geschlossen sind. Danach meldet sich der kleine Hunger. Weil wir heute keine Lust auf das übliche Menú del dia haben besuchen wir ausnahmsweise mal die bekannte amerikanische Fastfood-Kette bevor wir unseren Rundgang durch die Altstadt starten. Auch hier, wie schon in Viveira, sind viele Häuser mit verglasten Erkern und Austritten verziert. Außerdem gibt es ein paar sehr schöne Jugendstilbauten (Arquitectura modernista).

Kaum verlässt man die Altstadt wird es allerdings ziemlich hässlich. Alles steht wild durcheinander, jeder baut wie er will, von geordnetem Städtebau keine Spur. Eingerahmt wird alles durch riesige Industrie- und Gewerbegebiete.

Zurück nach Arteixo fahren wir diesmal mit dem Bus, kaufen dort noch ein paar Lebensmittel ein und lassen uns dann vom Taxi zum Campingplatz fahren. Wir sind genug gelaufen heute.



In der Altstadt



Donnerstag, 17.9.09, Laxe, Camariñas, Leis

Hórreo

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Tief hängen die Wolken in den Bergen, der Strand liegt diffus im Nebel. Spontan entschließen wir uns zu einem Morgen-Spaziergang am Meer. Die verschwommenen Silhouetten lassen die Landschaft unwirklich erscheinen und erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Leider wird unser Ausflug durch plötzlich einsetzenden Regen jäh beendet.

Gestern Abend bin ich auf die glorreiche Idee verfallen, Wäsche zu waschen. Nur, bei dem Wetter kann man draußen nichts aufhängen, jedenfalls nicht um es zu trocknen, deshalb muss alles im Auto aufgehängt werden. Bei dem Versuch, unsere dehnbare Wäscheleine zum Einsatz zu bringen haut mir das eine Ende mit voller Wucht knapp unter das rechte Auge. Die Folge ist ein ordentliches Veilchen. Mein erstes in diesem Leben!

Der Regen begleitet uns heute den ganzen Tag. Wir passieren den Ort Laxe, der sehr schön in einer Bucht an der Westseite der Ría de Corme y Laxe liegt. Mit riesigem, richtig breitem Sandstrand. Bei anderem Wetter sicher traumhaft. Trotz der Nässe machen wir im nächsten Ort, Camariñas – bekannt für seine Klöppelspitzen - einen kleinen Rundgang. Damit wir nicht genauso trübsinnig werden wie das Wetter.

Wir fahren noch ein Stück weiter zum Leuchtturm Cabo de Vilán. In voller Regenmontur stapfen wir unverdrossen bis zum Meeresrand. Das ist sie also, die Costa de la Muerte, die Todesküste. Wegen der dichten Wolken sieht man kaum 200 m weit aber man kann die Gefährlichkeit dieser felsigen Küste erahnen. Die Landschaft wirkt ein bisschen ramponiert. Auf der einen Seite die Windräder – halb im Nebel wirken sie sogar fast romantisch – auf der anderen eine riesige Fischfabrik oder besser: Aquakultur (Steinbutt) in unzähligen runden, schwarz abgedeckten, mit Meerwasser gespeisten Becken in Reih und Glied. Na wenigstens die Möwen freuen sich über die Abfälle.

Unser Weg führt uns immer an der Küste entlang durch mehrere kleine Dörfer. In Leis finden wir tatsächlich noch einen geöffneten Campingplatz. Das Dorf selbst ist ganz schön. Viele der alten Steinhäuser wurden behutsam saniert und sind nach wie vor bewohnt. Auch findet man viele Hórreos. Der Campingplatz zieht sich terrassenförmig den Hang hinunter bis zum Strand. Unser Standplatz ist mit hohen Pinien bestückt und durch den Nebel können wir auf der anderen Seite der Bucht Camariñas erahnen. Am Abend flüchten sich die wenigen Camper vor dem Dauerregen in die Campingplatz-Kneipe. Wie von selbst kommt man bei diesem Weltuntergangswetter miteinander ins Gespräch. Und - wie sollte es in der Nähe von Santiago anders sein - redet über Gott und die Welt, über Kirchen und Pilger und den Sinn des Lebens. Ein überaus anregender Abend!



Freitag, 18.9.09, Finisterre (das Ende der Welt)

Am Morgen hat der Regen aufgehört und dichtem Nebel Platz gemacht. Die Küste ist nicht erkennbar. Wir fahren trotzdem nach Finisterre. Wenn man schon mal so dicht am Ende der Welt ist. Und? Wir sehen natürlich nichts, rein gar nichts. Tief unten in der Nebelwatte erahnt man das Meer, wo die Wellen ganz zahm an die Costa de la Muerte plätschern.

Es hat keinen Sinn, weiter die Küste entlang zu fahren deshalb ändern wir unsere Pläne und steuern direkt Santiago an. Der Campingplatz liegt ideal, nach 15 minütigem Fußmarsch ist man direkt in der Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe). Die Kathedrale heben wir uns für morgen auf weil ich gern um 12:00 Uhr am Pilgergottesdienst teilnehmen möchte. Also laufen wir einfach kreuz und quer durch die kleinen Gassen, bummeln ein bisschen durch die Geschäfte und sitzen im Café unter den Arkaden. Gegen Abend schlendern wir zum Restaurant-Bezirk, um in einer Tapas-Bar eine Kleinigkeit zu essen. Nun, wir sind nicht die einzigen. In Nullkommanichts ist die Bar hoffnungslos mit – überwiegend deutschen – Touristen überfüllt.

In Santiago findet man alle Arten von Touristen: die Gestylten, die ihren Trolley hinter sich her ziehen, die Praktischen in Funktionsjacken und Zipphosen, die Angehörigen der Wollsockenfraktion und die Alternativen, mit Dreadlocks und Hunden, die ihrerseits Rucksäckchen tragen (müssen). Nach den Schuhen zu urteilen, scheinen tatsächlich viele einen langen Weg hierher gewandert zu sein. Und genießen jetzt den Trubel. Aber mir ist es heute zu viel.



Wanderer im Nebel



Samstag, 19.9.09, Santiago de Compostella

Hundepilger in Santiago

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Nach dem Auschecken im Campingplatzbüro traben wir zur Kathedrale. Wir sind spät dran und haben einen forschen Schritt drauf. Als wir um halb 12 ankommen sind alle Bänke schon besetzt. Vor der vorderen Absperrung finden wir noch ein Plätzchen auf einem Säulenfuß. Kurz vor 12 beginnt eine Nonne mit der Vorbereitung der Messe. Mit kraftvoller, klarer Sopranstimme singt sie die Litanei. Diese Frau ist so eine zarte, schmale – fast hagere – Person. Und ihre Stimme so gewaltig und wunderschön!
Der Priester bedenkt in seiner Predigt die Pilger aus aller Welt. Dann folgt das Highlight: der große Weihrauchkessel wird in Schwingung gebracht und pendelt über den Köpfen der Kirchenbesucher hin und her, dicke Weihrauchschwaden hinter sich herziehend. Es ist schon beeindruckend, was die katholische Kirche hier inszeniert. Die meisten Besucher sind wie ich tief bewegt. Beim Hinausgehen drückt mir eine alte Spanierin, die während der Messe neben mir stand, einen Rosenkranz in die Hand. Sie sagt, ich müsste abends 4 Rosenkränze beten und ihn mir dann unter das Kopfkissen legen, dann könnte ich gut schlafen. Woher weiß sie, dass ich schlecht schlafen kann?? Hier passieren schon komische Dinge. Ich brauche noch eine ganze Weile, um wieder in der realen Welt anzukommen.

Den Fußweg zurück sparen wir uns, wir fahren mit dem Bus. In der Zwischenzeit hat zwar dieser fiese Regen aufgehört, aber unsere Klamotten sind immer noch klamm. Vom Campingplatz aus nehmen wir die Autobahn Richtung Ourense und dann über die Landstraße in die Sil-Schlucht. Mühsam schraubt sich unser Wohnmobil auf schmalsten Sträßchen über Luintra nach Parada do Sil. Hier soll es einen Campingplatz geben.

Wir sind spät, es ist fast halb 8. Aus Frust wegen dem schlechten Wetter hatten wir uns in Melías zu Mittag den Bauch voll geschlagen und die Zeit vergessen. Aber wir haben Glück, durch Zufall stoßen wir auf eine Touristeninfo, die tatsächlich noch auf hat. Die Dame beschreibt uns den Weg zum Campingplatz und versorgt uns mit allerhand Karten und Beschreibungen der Schlucht. Jetzt kann die Wanderung ja losgehen!

Ab und zu reißt die Wolkendecke auf und gibt Blicke auf diese fantastische Landschaft frei. Der Campingplatz im Weiler Castro ist nagelneu. Außer uns sind nur noch 2 Campingwagen da. Wir machen noch einen kleinen Abendspaziergang durch das pittoreske Dörfchen und zum Mirador, der groteskerweise direkt neben dem Hubschrauberlandeplatz liegt.

Ach, wäre das schön wenn es morgen ausnahmsweise mal nicht regnen würde!



Sonntag, 20.9.09, Sil-Schlucht

Sil-Schlucht unter Frühnebel

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Unser Wunsch ist erhört worden, schon morgens scheint die Sonne aus blauem Himmel. Wir starten unsere Tour direkt vom Campingplatz und laufen den gut gekennzeichneten Wanderweg durch uralte Eichen- und Kastanienwälder, mal steil bergauf zur Hochebene dann wieder die Schluchtenhänge hinab. Zwischendrin werden wir immer wieder mit weiten Blicken in die Sil-Schlucht belohnt. Der Weg ist wildromantisch und abwechslungsreich mit teilweise recht anstrengenden Kletterpassagen. Nach den relativ bewegungsarmen letzten Tagen verspüre ich einen regelrechten „Auslaufdrang“.

Mittags genießen wir in Parada del Sil deftige Hausmannskost. Am späten Nachmittag führt uns der Weg wieder zum Campingplatz zurück. Wir beschließen den Tag mit einem faulen Leseabend. Ein Urlaubstag so ganz nach meinem Geschmack! Schade nur, dass meine Kamera nun ganz ihren Geist aufgegeben hat.



Montag, 21.9.09, Las Medulas, Hospital de Orbigo

Als wir aufwachen umgibt uns dichter Nebel. Aber kaum haben wir uns mit dem Wohnmobil bis zur Landstraße hochgeschraubt reißt die Wolkendecke auf und die Sonne scheint. Wir passieren Puebla de Trives (A pobra de Trives), ein wunderschönes Städtchen in fast 800 m Höhe. Danach geht es in engen Serpentinen durch die Berglandschaft über den Rio Bibei nach A Rua. Ab hier nehmen wir die N 536 – immer am Río Sil entlang – in Richtung Las Medulas, dem sagenhaften Goldland der Römer.

In Höhe von Sobradelo ist die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt und wir müssen die Umleitung durch die Berge nehmen. Mitten hinein in die Schieferabbaugebiete, überall sind riesige Abraumhalden zu sehen. Beim Örtchen Medua kommen wir wieder auf die N 536 und folgen dieser jetzt ohne weiteren Umweg bis Las Medulas. Schon von weitem sind die orangeroten Felsen zu erkennen, die als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO stehen. Der eigentliche Ort Las Medulas ist gerade dabei, sich kräftig für den Tourismus aufzuhübschen. Es gibt auch einige gekennzeichnete Wanderwege zu verschiedenen Zielen, einen Plan bekommt man in der Touristeninformation. Wir suchen uns den Weg zum Mirador de Orellán und den Höhlen aus. Auf dem Plan sieht alles ganz einfach und klar aus aber wir haben wie so oft ein Händchen dafür, vom Weg abzukommen. Insgesamt dreimal klettern wir extrem steile Hänge hoch, erst beim dritten Mal sind wir tatsächlich am Mirador und werden mit einem super Ausblick belohnt. Anschließend laufen wir noch zu den Höhlen und dann wieder in den Ort zurück. Was als kleiner Spaziergang gedacht war hat sich dann doch zu einer recht anstrengenden Kletter- und Wandertour entwickelt. Aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall!

Wir fahren weiter nach Hospital de Orbigo, einem kleinen Ort am Camino mit einer wunderschönen romanischen Brücke. Jetzt begegnen uns wieder überall Pilger. Manchmal kann man von der Straße direkt in die einfachen Unterkünfte, die Pilgerherbergen sehen. Unser Ziel ist jedoch der Campingplatz. Aber wir haben Pech, um die Jahreszeit ist er nur noch am Wochenende geöffnet. So bleiben wir diese Nacht direkt davor in einer kleinen Grünanlage stehen. Geht auch mal.



Dienstag, 22.9.09, Leòn, Castrojeriz

Käsespezialitäten in León

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Nach einer recht unruhigen Nacht – irgendwie fühlen wir uns auf bewachten Campingplätzen einfach sicherer – wachen wir früh auf und machen uns auf nach León. Wir kaufen eine neue Kamera und während der Akku im Geschäft aufgeladen wird machen wir den obligatorischen Stadtrundgang. Die Altstadt von León ist schön und ausgedehnt. Wir besichtigen ein paar Jugendstilgebäude, darunter eines von Antonio Gaudí und natürlich das Glanzstück, die Kathedrale. Ganz im gotischen Stil mit sehr hohem Mittelschiff und einer Unzahl fein gearbeiteter farbiger Glasfenster die jetzt alle im Sonnenlicht erstrahlen. Auch León ist eine Station am Camino und voller Pilger.

Wir verlassen León und fahren weiter auf der A 231 Richtung Burgos. Trostlos erstreckt sich die ebene, trockene Landschaft der Meseta, der spanischen Hochebene zu beiden Seiten des Weges. Brauntöne in allen Farbabstufungen bis zum Horizont. Hier führt der Pilgerweg teilweise direkt an der Autobahn entlang. Eine mehr als öde Strecke. Meine Hochachtung an alle, die sich diese Hunderte von km durch die Meseta quälen!

Bei Osorno biegen wir von der Autobahn ab auf die Landstraße nach Castrojeriz. Ebenfalls eine Station am Camino. Gott sei Dank hat der hiesige Campingplatz geöffnet und wir genießen den restlichen Tag von der Sonne beschienen im Liegestuhl.



Camino de Santiago



Mittwoch, 23.9.09, Santo Domingo de Calzado, Villafranca

Auch heute Morgen wachen wir mit Sonnenschein auf. Wir haben eine lange Strecke vor uns, wir wollen nach Las Bardenas, der Wüste im Süden Navarras und brechen daher zeitig auf. Um die Mittagszeit erreichen wir Santo Domingo de Calzado, den Ort mit dem Hühnerstall in der Kathedrale. Das ist schon etwas schräg aber ein Besuch der Altstadt lohnt sich auf jeden Fall.

Nach einer leckeren Stärkung setzen wir die Fahrt fort. Unser Campingplatz befindet sich kurz hinter Villafranca (Navarra) an der NA 660 Richtung Süden. Bevor wir uns dort häuslich niederlassen müssen wir noch ein paar Sachen einkaufen. Doch in Villafranca ist alles zu und verrammelt, obwohl es mittlerweile nach 17 Uhr und die Siesta vorbei ist. Entlang den Hauptstraßen stehen noch die Absperrgitter und die zusammen geschobenen Tribünen, übrig geblieben von der gestrigen Fiesta. Die wenigen Menschen, die wir auf der Straße treffen sind mürrisch und wortkarg. Ein Supermercado ist auch nach mehreren Nachfragen nicht zu finden. Das Städtchen selbst ist ziemlich verbaut und hässlich, insgesamt ein ungastlicher Ort, den man beruhigt von der Besichtigungsliste streichen kann.

Etwas unzufrieden fahren wir ohne Einkäufe zum Campingplatz. Eingeklemmt zwischen Landstraße und Bahnlinie hat er nicht unbedingt die bevorzugte Lage. Die Anlage macht insgesamt einen ziemlich neuen Eindruck. Es gibt relativ viele Cabañas und ein großes Sanitärgebäude mit allem drum und dran. Sogar ein Swimmingpool mit Liegestühlen und Sonnenschirmen ist vorhanden sowie ein großes Restaurant. Allerdings sind wir – bis auf ein französisches Paar, das erst am späten Abend noch kommt – die einzigen Touristen. Die Anlage scheint eher für Zeit-/Gastarbeiter gebaut worden zu sein.

Es ist auch am Abend noch warm und eine der wenigen Gelegenheiten auf dieser Reise abends draußen zu sitzen. Wenn da nicht die vielen Mücken wären! Direkt neben unserem Standplatz schließt sich ein Acker an, der offensichtlich vor kurzem eine Ladung Gülle erhalten hat. Man riecht es noch ganz leicht. Egal, morgen fahren wir in die Wüste!



Donnerstag, 24.9.09, Las Bardenas Reales

Wüstenskulptur

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Wir brechen relativ früh auf und erreichen nach einer knappen halben Stunde Aguilares, einen der Zugänge zu den Bardenas Reales. Bis zur Militärstation ist die Fahrbahn noch geteert, danach gibt es nur noch eine Schotterpiste. In den Schränken unseres Wohnmobils klirren alle Gläser und Tassen, die Türen beginnen zu quietschen und wir kommen kaum vorwärts. So macht das keinen Spaß, deshalb lassen wir das Auto am ersten Aussichtspunkt stehen und gehen zu Fuß weiter. Durch den steten Wind ist die Hitze erträglich. Bis zum Horizont erstreckt sich eine unwirkliche, staubtrockene Welt. Wir laufen entlang bizarrer Felsformationen und tiefen Schluchten. An den Felsabbrüchen kann man sehr gut die roten und sandfarbenen Schichten erkennen. Manche Felsen haben die Form von aufeinander gestapelten Spitzhüten, manche die von menschlichen Wesen. Es ist eine zugleich öde und faszinierende Landschaft.

Nach gut zwei Stunden rumpeln wir wieder mit dem Auto zurück auf die geteerte Fahrbahn und fahren weiter Richtung Pamplona. Gegen Nachmittag erreichen wir den Campingplatz in Escabarte, ca. 10 km nördlich von Pamplona. Diesmal ist es wieder ein schöner Plaz, wir stehen unter Platanen und lassen uns vom leisen Blätterrauschen einlullen. Kleiner Tipp: Von der Qualität des Campingplatz-Restaurants bitte nicht zu viel erwarten!



Freitag, 25.9.09, Pamplona

In 20 Minuten Gehzeit befindet sich die Bushaltestelle für die Verbindung zur Innenstadt Pamplonas. Der Bus fährt zwar nicht so häufig aber in der Bar vom Campingplatz gibt es einen Fahrplan.

Es ist kühl in Pamplona und ich bin eindeutig zu dünn angezogen. Die Sonne heute Morgen, die einen warmen Tag erwarten ließ, ist nicht mehr stark genug. So muss ich erstmal warme Strümpfe kaufen.

Pamplona – oder Iruña auf Baskisch – erinnert mich an italienische Städte: Schmale Balkone mit schmiedeeisernen Geländern und vielen Blumentöpfen, enge – aber nicht zu enge – Gassen mit kleinen Lädchen. Die Altstadt wirkt freundlich und einladend. Nach einem diesmal wirklich guten Essen (Sorry, aber für mich ist Spanien kein Land für Gourmets!) schlendern wir durch die Grünanlagen der Zitadelle und zum Parque de la Taconera. Hier werden allerlei heimische Tiere gehalten, angefangen von Enten, Pfauen, Hühnern über Ziegen bis zum Rotwild. Doch auch hier hat „Plan E“, das spanische Konjunkturprogramm zugeschlagen und die armen Tiere müssen sich ihren Platz zwischen Gerüsten und Baumateriallagern suchen.

Pamplona wäre nicht Pamplona ohne die Fiesta San Fermin. Deshalb müssen auch wir die Strecke zwischen Plaza del Castillo bis zur Plaza de Torros ablaufen, auf der alljährlich im Juli die Stiere die tollen, tapferen Männer verfolgen 

Noch ein Café con Leche, ein wenig shoppen und schon ist der Tag in dieser sehr angenehmen Stadt rum. Ich werde wohl noch mal herkommen müssen, spätestens 2016 wenn Pamplona Kulturhauptstadt Europas ist.



Kinder bei der Einschulung



Samstag, 26.9.09, Ochagavìa, Irati Wald

Ochagavía

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Lange haben wir hin und her überlegt: fahren wir die Strecke über Roncalles nach Frankreich oder machen wir doch den Umweg über den Irati Wald. Wir entscheiden uns für den Wald und fahren nach Ochagavía. Vom Campingplatz hier erreicht man in 24 km den Irati Wald, den „größten Buchen- und Fichtenwald Europas“ (Eigenwerbung). Wir machen uns auf den Weg und kämpfen uns Haarnadelkurve um Haarnadelkurve die Straße hinauf. Der Gebirgskamm ist etwa auf halber Strecke. Wir legen einen Stopp ein und laufen durch Wiesen voller Herbstzeitloser eine kleine Runde auf dem Höhenweg. Trotz der leichten Diesigkeit kann man bis hinüber auf den französischen Teil der Pyrenäen sehen. Und unten im Gebirgstal sieht man auch schon den Irabia-Stausee unter den Wolkenfetzen durchblitzen, unser nächstes Ziel. Wir haben eine Wanderkarte und die Auswahl. Alle Wege sind gut gekennzeichnet. Die Entscheidung fällt auf den Weg Nr. 63A, vom Parkplatz zum Embalse de Irabia und zur Casa Forestal und wieder zurück. Der Hinweg ist ausgesprochen schön, der Rückweg teilweise auf geschottertem Forstweg. Beide Wege – sowohl der in der Höhe als auch der im Tal – sind sehr interessant und dauern jeweils etwa 2 Stunden.

Als wir wieder am Campingplatz ankommen hat es sich ordentlich gefüllt. Offensichtlich ist Ochagavía ein beliebtes Wochenendziel für Familien und Wanderer. Mehr als verständlich, das Dorf ist eines der schönsten, das ich je gesehen habe. Die Häuser - tlw. noch aus dem 17. Jhd. - sind weiß verputzt, haben einen hohen Natursteinsockel und Natursteinschmuck an den Kanten, Fenster und Balkone aus dunklem Holz und überall Blumen, Blumen, Blumen. Die Dächer sind relativ steil, Sattel- oder Walmdächer mit braunroter Bieberschwanzdeckung. Alles wird verbunden durch die Straßenpflasterung mit unregelmäßigen, hochkant verlegten grauen Natursteinen. (Läuft sich zwar nicht so gut drauf aber sieht sehr authentisch aus!) Dazu kommen noch die mittelalterlichen Brücken über den Fluss. Kein Wunder, dass der Ort als Kulisse für den mehrfach prämierten Film „Secretos del corazón“ von Montxo Armendáriz diente.

Aber Ochagavía ist alles andere als ein Museumsdorf, im Gegenteil. Interessant in diesem Zusammenhang ist die mehr oder weniger gelungene Einfügung der Neubauten. Was mit dem, wohl erst in den letzten Jahren erbauten, Ärztehaus gelungen ist, bei der Turnhalle aus den späten 70ern ging’s daneben. Obwohl beide Gebäude Gestaltungselemente der historischen Gebäude zitieren.



Flussbett im Irati-Wald



Sonntag, 27.9.09, Embalse de Yesa, Lourdes

Uferrand des Yesa-Stausees

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Von Ochagavía aus fahren wir durch das romantische Salazartal nach Süden. Buchenwälder bedecken die Berghänge, dazwischen kleine Dörfer, die ähnlich wie Ochagavía bereits in ihrer Architektur die Gebirgswelt erkennen lassen.

Bis zur N240 verläuft die Straße immer entlang des Río Salazar, was uns viele Serpentinen spart. So kommen wir zügig voran. Auf der Nationalstraße geht es Richtung Osten, vorbei an dem Embalse de Yesa, der mit seinem niedrigen Wasserstand eine skurrile Landschaft aus Baumleichen und Treibgut entstehen ließ. Wir fahren weiter nach Jaca, dann Richtung Norden. Wir wollen durch den Tunnel bei Candanchú nach Frankreich fahren. Kurz vorher gehen wir noch mal sehr gut essen, in einem Restaurant im mittelalterlichen Stil genießen wir Forelle nach Navarra-Art und leckeren Wildgulasch (s. Tipp). Solchermaßen gestärkt, gelangen wir durch den Tunnel auf die französische Seite. Hier wird die Straße deutlich schmaler und kurvenreicher. Vorbei an dem malerischen Ort Urdos gelangen wir auf zahlreichen Nebenstraßen (laut unserem Navi die schnellste Strecke) nach Lourdes. Ich wollte es einfach einmal in meinem Leben gesehen haben.

Der Campingplatz liegt relativ zentral, in 40 Minuten ist man bis „La Grotte“ von Masabielle gelaufen. Eine imposante und prunkvolle Anlage. An einigen Stellen kann man das heilige Wasser direkt aus dem Hahn zapfen, manche kommen mit mehreren Kanistern an die Zapfhähne und holen sich das Wasser, dass „ohne Glauben keine Wirkung hat“ auf Vorrat.

Die Stadt ist vollkommen auf Touristen und Pilger eingestellt. Direkt anschließend an den „Heiligen Bezirk“ findet man Nippes, Devotionalien, Heiliges Wasser in den kuriosesten Behältnissen, Handyanbieter, Imbissstuben – komprimiert auf einem relativ kurzen Straßenabschnitt. Ein Gegensatz, den man aushalten können muss.



Wasserstellen in Lourdes



Montag, 28.9.09, Albi, Millau

Relativ früh verlassen wir Lourdes Richtung Nordosten. Auf unserem Wunschzettel steht Albi, auch „die rote Stadt“ genannt. Der Beiname rührt von der historischen Altstadt her, die in rotem Backstein erbaut wurde. Herzstück ist die gotische Kathedrale Sainte-Cécile, deren Innenraum von der Decke bis zu den Wänden vollständig bemalt ist. Mit Farben von einer unglaublichen Intensität, vor allem die Blautöne strahlen regelrecht.

Direkt neben der Kathedrale befindet sich das Toulouse-Lautrec-Museum und die Touristeninformation, wo man sehr freundlich beraten und mit Unterlagen versorgt wird. Die Altstadt ist als Ensemble sehr gut erhalten, vieles restauriert und saniert und vor allem – bewohnt! Hier und da sind noch Straßen- und Kanalbauarbeiten im Gange. Im Januar d. J. wurde der Antrag auf Eintragung in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe gestellt.

Wir verlassen Albi, um nach Millau zu gelangen, unserem Ausgangspunkt für die Tarn-Schlucht. Das erste Mal war ich 1987 hier. Damals gab es den Viadukt noch nicht, der die A75 über den Tarn führt. Von Michel Virlogeux entworfen und von Norman Foster gestalterisch bearbeitet wurde er 2004 eingeweiht. Er ist eine technische Meisterleistung und die längste Schrägseilbrücke der Welt.
In die Altstadt von Millau wird allerdings nicht so investiert. Ganz im Gegensatz zu Albi setzt man hier eher auf Abbruch und Neubau. Nach wie vor ist es eine schöne Altstadt, inzwischen mit einem eher morbiden Charme. Viele Läden sind geschlossen und abends sind kaum Menschen unterwegs. Schade.

Es gibt mehrere Campingplätze in Millau und zu dieser Jahreszeit hat man die freie Auswahl. Wir nehmen den günstigsten direkt am Tarn. Die sanitären Anlagen sind sehr einfach, aber für eine Nacht völlig ausreichend.



Altstadt von Albi



Dienstag, 29.9.09, Tarn-Schlucht, Ispagnac

Nach einem kurzen Einkaufsbummel und dem Besuch einer Lederfabrik fahren wir endlich durch die Tarnschlucht. Erst hatten wir etwas Bedenken wegen der teilweise doch sehr engen Straße aber es ging prima. Und die Schlucht ist einfach immer wieder großartig, auch beim jetzt dritten Mal. In La Malene machen wir Mittagspause. Wir stellen uns die Liegestühle vor das Auto und genießen die Sonne und den herrlichen Blick auf den Tarn. Hier ist er ganz flach und ich muss wenigstens einmal mit den Füßen reingehen. Wunderbar, hier könnte man bleiben!

Gegen Abend kommen wir in Ispagnac, quasi am anderen Ende der Schlucht an. Der städtische Campingplatz hat fast amerikanische Ausmaße, riesige, mit Hecken abgepflanzte Stellplätze unter großen Bäumen. Wir sind fast allein und es ist angenehm ruhig.

Wir finden nur ein einziges Restaurant, das geöffnet hat und essen und trinken gut und viel. Ein Fehler, die ganze Nacht rumpelt und blubbert es im Bauch.



Lederwerkstatt


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