Like a rolling stone - Vier Wochen mit dem Rucksack durch Spanien

Reisebericht

Like a rolling stone - Vier Wochen mit dem Rucksack durch Spanien

Reisebericht: Like a rolling stone - Vier Wochen mit dem Rucksack durch Spanien

Spanien: Ballermann, Bausünden hinter überfüllten Stränden... aber auch mittelalterlicher Schmelztiegel von Orient und Okzident, Aussteigerparadies und Naturerlebnis...
Grund genug, mir ein eigenes Bild machen zu wollen!
Ohne unnötigen Ballast, allein, nur mit einem Rucksack auf dem Rücken, steige ich am 1. Mai 2009 in den Zug Richtung Spanien. Ein kleines Abenteuer...

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Eine Anmerkung vorab: In vier Wochen erlebt man unendlich viel, vor allem bei dieser Art zu reisen... Deshalb habe ich hier nur Ausschnitte meines Reiseberichts veröffentlicht, auf Anfrage schicke ich gerne den vollständigen Reisebericht per E-Mail!




Die unsicheren ersten Schritte - Anreise

Das Leben pulsiert in den Straßen von Barcelona, es ist Samstag Abend. Millionen von Menschen scheinen auf den Straßen zu sein, aus jeder Bar dringen erwartungsvolle Schreie, irgendein Fußballspiel... Diese Energie reißt mich mit!

Trotzdem bin ich etwas unruhig, war es vielleicht doch etwas naiv, ganz allein einfach so ins Blaue hinein zu fahren? Zwei Hostels habe ich schon aufgesucht, beide voll belegt, bei den Massen von Touristen auf den Straßen ja kein Wunder! Alle paar Minuten taste ich nach meinem Geldbeutel, ich habe einiges gelesen über Taschendiebe hier, und wenn der Geldbeutel mit meiner EC-Karte weg ist, ist die Reise vorbei, bevor sie richtig angefangen hat!
Hoffentlich finde ich noch eine bezahlbare Unterkunft! Schon in der ersten Nacht habe ich deutlich mehr Geld für meine Unterkunft ausgegeben, als ich vorhatte. Wo soll das hinführen, wenn das so weiter geht... Aber was hätte ich tun sollen?

In der Abenddämmerung in Lyon aus dem Bahnhof getreten, rundherum Bilderbuch-Banlieue: Hässliche, trostlose Wohnsilos, und kaum bin ich ein paar Meter gegangen, bin ich praktisch allein auf der Straße. Ich komme an ein paar leerstehenden Läden vorbei, unheimlich! Die Jugendherberge ist mindestens drei Kilometer entfernt, meine ausgedruckte Wegbeschreibung nicht wirklich zu gebrauchen. Um den Bahnhof herum gibt es drei Hotels, keines unter 50€, aber bevor ich irgendwo in diesem Betondschungel einer Horde gelangweilter, Streit suchender Jugendlicher zum Opfer falle, quartiere ich mich doch lieber dort ein. Auch das kaum Englisch sprechende Personal der Bahnhofsinformation kann mir nicht weiter helfen. Mein Französisch ist dafür so weggeblasen, dass ich einem hilfsbereiten Mann auf der Straße nicht mal mehr sagen kann, dass ich nur ein bisschen Französisch spreche, statt „seulement un peu“ schwirrt nur „solo un poco“ durch meinen Kopf. Eine Gruppe laut streitender Obdachloser am Hotel bestätigt mich in meiner Entscheidung, so schnell wie möglich irgendeine sichere Unterkunft anzusteuern…
(...)
Es geht entlang der Küste durch die Vorberge der Pyrenäen, und nach ein paar Tunneln stoppt der Zug, Passkontrolle, vermutlich, um der ETA das Terrorisieren nicht zu einfach zu machen. Freude kommt in mir hoch:

Endlich in Spanien! Es kann losgehen!
(...)



Viva la vida - Barcelona

(...) Beim dritten Anlauf, in der Jugendherberge „Alberg Center Ramblas“ werde ich endlich doch noch fündig. Ein Gemeinschaftsbad mit drei Waschbecken und zwei Klos und Duschen für ein ganzes Stockwerk, 10-Bett-Zimmer mit Stockbetten. Ich bin froh, oben zu liegen, denn wenn die wackelnde Konstruktion zusammenbricht, werde ich wenigstens nicht vom oberen Bett erschlagen… (...)

Gegen halb 3 komme ich in den „Park de la Cuitadella“, wo ein Couchsurfing-Picknick stattfindet, von dem ich schon vor einigen Wochen im Internet gelesen hatte. Neben dem eigentlichen Hauptzweck der Couchsurfing-Community, dem gegenseitigen Anbieten von privaten Schlafgelegenheiten unter Reisebegeisterten, werden innerhalb der Community auch oft verschiedenste Events organisiert, bei denen sich Einheimische (inklusive einer Menge von Austauschstudenten und Einwanderern) und Durchreisende treffen. Eine tolle Möglichkeit, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, die ich gerne nutze! (..)

Mein erster Kontakt zu Couchsurfern außerhalb der Heimat ist gleich ein tolles Erlebnis: Nach einer etwas verkrampften Anlaufphase verbringe ich den Rest des Tages mit verschiedenen Couchsurfern, bis kurz vor 8 im Park und dann weiter bis zwei Uhr nachts in einem Irish Pub. (...)
Ich habe mich alkoholtechnisch ziemlich zurückgehalten, schließlich will ich mich nicht nachts in Barcelona verlaufen, und ein bisschen Respekt vor potentiell weniger wohlgesinnten Stadtbewohnern habe ich ja doch auch noch. So wird mir schon noch einmal etwas mulmig, als ich nachts um zwei Uhr alleine in die Nacht hinaustrete. Die Straße ist Gott sei Dank nicht komplett ausgestorben, es sind immer noch einige Grüppchen von Nachtschwärmern unterwegs. Auch die größtenteils schwarzafrikanischen Bierdosen-aus-Plastiktüten-Verkäufer auf „La Rambla“ sind nicht übermäßig aufdringlich. Im Gegensatz zu zwei oder drei Schwarzafrikanerinnen, die ganz dringend mit mir „reden“ wollen. Vermutlich um mir dabei gewisse Dienstleistungen anzubieten. Aber auch diesen entkomme ich schließlich. Die letzten zweihundert Meter durch eine Seitenstraße bin ich dann doch ganz allein, nur auf einem kleinen Platz drückt sich noch eine einzelne Gestalt herum, die mir aber offensichtlich auch kein Messer in den Rücken rammen will. Trotzdem bin ich froh, als sich nach meinem Klingeln die Tür des Hostels öffnet.

Noch leicht angeschlagen von der letzten Nacht beginne ich meine Tour durch die „Modernisme“, die spanische Variante des Jugendstils, deren Hochburg Barcelona ist. Die Bauwerke von Gaudí und Co. liegen in den neueren Stadtvierteln verstreut, v.a. in Eíxample, und passen mit ihrer anarchischen Verspieltheit einfach nur perfekt in diese Stadt. Während anderswo Gebäude streng aus geraden Kanten und kubischen Formelementen aufgebaut sind, vermeiden diese Gebäude diese geometrische Geradlinigkeit und scheinen diese „Spießigkeit“ zu verspotten, mit ihren geschwungenen Strukturen wie aus heißem Wachs geformt. Als seien diese Gebäude Bohèmiens, gegenüber den charakterlosen angepassten „Bürokratentypen“, welche die neuere Architektur sonst so oft hervorbringt. So scheint die Stadt im Großen die fröhlich-sorglos-unangepasste Mentalität ihrer Bewohner wiederzuspiegeln.
Nachdem ich am Vortag nur zu Fuß unterwegs war, muss ich mir jetzt doch noch ein Metro-Ticket zulegen, meine heutigen Ziele liegen dann doch zu weit auseinander. Zuerst geht es zur berühmten Sagrada Familia, dem bekanntesten Bauwerk Gaudís. Mit etwa 100 Jahren für eine Kirche recht jugendlich, und auch die Fassade wirkt mehr jugendlich-übermütig als glanzvoll-erhaben wie bei anderen Kathedralen. Die Portale und Türme mit ihren unzähligen modern kantigen Heiligenfiguren und anderen steinernen Dekorelementen wirken ein bisschen wie gewachsen, als seien sie Stalagmiten in einer riesigen Höhle. Die schräg nach unten außen strebenden Säulen vor dem einen Portal kommen mir vor wie Dinosaurierbeine und verstärken den bizarren-gigantischen Eindruck dieses Monuments noch. Von der Größe her kann das Ulmer Münster wohl mithalten, zumindest solang der Hauptturm der immer noch im Bau befindlichen Sagrada Familia nicht fertig ist (er soll den Münsterturm mal um einige Meter überragen!), eine architektonisch so gewagt-skurrile Kirche kann ich mir in Deutschland aber beim besten Willen nicht vorstellen! Das Innere der Sagrada Familia spare ich mir, ich habe keine Lust mich mit Hunderten anderen wartenden Touris in eine Schlange zu stellen. (...)

Später fahre ich ein paar Stationen weiter mit der Metro, den Park Güell will ich mir nicht entgehen lassen. Gaudí hat nämlich nicht nur Gebäude gestaltet, sondern auch diesen wundervollen Park. Die „Hauptstraße“ des Parks ist ziemlich dicht bevölkert mit Touris, Straßenmusikern, Jongleuren, Schmuckverkäufern,… (...)
Anders als sonst häufig erscheint der Trubel hier nicht als hektisch und störend, da er einfach nur zeigt, dass dieser Park ein Raum für buntes entspanntes Leben ist und nicht sterile Dekoration, wie Parks in anderen Ländern oft erscheinen. Und abseits dieser „Hauptstraße“ und einem Aussichtspunkt mit tollem Ausblick über die Stadt hat der Park auch völlig ruhige Ecken zu bieten, die man mitten in einem solchen Stadtmoloch gar nicht erwarten würde. Einige Zeit laufe fast allein über die kleine Wege am Berghang, bis ich wieder auf einen Musiker stoße, der in einer stillen Ecke ganz in sich versunken auf einem gitarrenähnlichen Instrument spielt. Wieder setze ich mich an den Wegrand, lausche der Musik und hänge meinen Gedanken nach. (...)



Park Güell (Barcelona)

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Kommentare

  • RELDATS

    Mann, was für eine tolle Geschichte habe ich da "ausgegraben".
    Alle Achtung und Respekt für diese Arbeit.
    Nette Grüße von Josef

  • 238EWT

    Ein Reiseabenteuer ursprünglicher Art, filigran beschrieben, überwältigend durch das Ausmaß des Gesehenen und Erlebten.
    LG Eberhard

  • Steffania

    Sehr beeindruckend, was Du alles erlebt hast. Dein ausführlicher Bericht hat mir sehr gefallen. Und ein kleines bißchen beneide ich Dich um diese Art zu reisen. Mir fehlt dazu etwas der Mut.
    LG Steffi

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