Mit dem Wohnmobil in die Türkei 2009

Reisebericht

Mit dem Wohnmobil in die Türkei 2009

Reisebericht: Mit dem Wohnmobil in die Türkei 2009

Tipps für Wohnmobilfahrer in die Türkei -
3-4 Wochen Urlaub reichen für eine tolle Reise durch den Westen der Türkei.


Anreise
Als wir vor 25 Jahren das erste Mal mit dem eigenen Fahrzeug die Türkei bereisten galten wir als Exoten. Gegen Ende der 80er Jahren traf man in jedem Dorf auf ein Womi mit neugierigen Urlaubern aus Deutschland. In den 90er Jahren traf man hier dort, nur noch vereinzelnd auf Touristen mit dem Wohnmobil, inzwischen kann man die deutschen Wohnmobile auf Campingplätzen im Sommer an einer Hand abzählen. Im Frühjahr oder Herbst bereisen noch einige Gruppen diese Plätze, ansonsten tummeln sich die Touris zu tausenden in den Hotelanlagen. Natürlich ist ein Pauschalurlaub deutlich, günstiger als eine Reise mit dem Wohnmobil. Aber die Erlebnisse mit dem eigenen Auto sind so wertvoll und nicht zu bezahlen.
Unsere Reise beginnt an einem Mittwoch, 14.09 Uhr in Norddeutschland. Wir fahren über die Tschechei und Slowakei nach Ungarn. Übernachten kurz vor Budapest auf einer Raststätte und frühstücken am nächsten Morgen in Serbien. Die Grenzabfertigung von Ungarn nach Serbien dauerte ca. 1,5 Stunden. Ein hohes Verkehrsaufkommen mit vielen Türken, die in ihre Heimat reisen, lassen die Grenzer zur Verzweiflung bringen. Es dauert also.
Gegen 16.15 Uhr erreichen wir die Grenze zu Bulgarien und um 22.00 Uhr begrüßt uns der Muezzin in Edirne. Die Türkei hat inzwischen eine neue Grenzanlage mit hochmoderner Computertechnik eingeweiht. Eine früher langwierige Grenzabfertigung, die sich über mehrere Stunden hinzog, dauert nunmehr noch 20 Minuten. Wegen der Schweinegrippegefahr werden wir noch schnell mit einer Thermokamera „fotografiert“, dann noch ein Besuch im supermodernen neuen Duty-Free-Shop und die Pässe noch schnell abscannen lassen, das Womi in den Reisepass eingetragen und schon stehen wir vor der ersten Moschee. Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt, ein nettes Übernachtungsplätzchen finden wir in Edirne vor einem Migros (Supermarkt) auf einem beleuchteten und durch einen Tankstellenwart bewachten Parkplatz.
Bis hierher hat uns die Reise 72 € an Mautgebühren und 279 € für Diesel zgl. einer vollen Tankfüllung beim Start gekostet und 2165 Straßenkilometer.

Türkei
Am nächsten Morgen starten wir nach einer Dusche und einem hervorragenden Frühstück mit frischem Ekmek (türk. Weißbrot) in Richtung Süden. Mit der Fähre von Gelibolu geht es über die Meerenge von Canakkale auf den asiatischen Teil der Türkei. Es verkehren staatliche und private Fähren. Die Privaten sind häufig günstiger, haben jedoch einen anderen Zeitplan und verkehren nicht so oft. Wir zahlten für unser Wohnmobil 32 TL (ca. 15€) zgl. 4 TL (unter 2€) Parkgebühr im Hafen, obwohl wir sofort auf die Fähre fuhren und gar nicht parkten. Aber das ist hier so üblich man zahlt immer in Verbindung mit dem Ticketkauf die Parkgebühr. Die Fähren fahren stündlich. Bereits auf der Fähre wurden wir von fliegenden Händlern umlagert. Sie bieten für viel Geld namenhafte Parfüms an. Die Flasche ca. 25 €. Es handelt sich jedoch nur um gefälschte Billigware, die wir als „Sekerli Su“ (Zuckerwasser) bezeichneten. Unser Händler amüsierten sich darüber. Sie kennen natürlich ihre Produkte. Auf den Basaren, in den großen Städten bekommt man drei Flaschen für ca. 10 €. Ach ja, die Händler nehmen liebend gerne Euros, das ist eine stabile Währung.
Nach einem 4-tägigen Besuch bei Freunden in dem Dorf Karaagac bei Ayvalik und einer schönen Bootstour durch die vorgelagerte Inselwelt, zog es uns weiter ins Land.

Izmir
In Izmir halten wir noch schnell bei Ikea, wir haben unser Nudelsieb zu Hause gelassen (!), kaufen bei Tchibo noch Bettwäsche, die hier günstiger ist als in Deutschland und bummeln durch diese tolle neue Mall, die so gar nicht zur Türkei passt.

Pamukkale
Wir wollen nach vielen Jahren mal wieder nach Pamukkale, zu den berühmten Kalkterrassen. Über die neue Autobahn (kostenpflichtig bis Aydin, aber nur ca. 1,50€) gelangt man schnell nach Denizli. Ab Aydin ist die Autobahn zwar noch im Bau, aber die inzwischen gut ausgebaute Straße nach Denizli entschärft den früher sehr gefährlichen Straßenverkehr. Außerdem begegnen uns nur noch im Osten der Türkei Eselkarren auf den Straßen.
Unterhalb der berühmten Terrassen wurde eine parkähnliche Landschaft mit einem Picknickplatz um einen See angelegt, daneben gibt es Badehäuschen. Der Weg zu den Terrassen ist nur noch von unten her möglich. Man zahlt leider inzwischen 20 TL/Person Eintritt (ca. 10€).
Wir sparen das Geld und genießen den Blick von unten, schließlich haben wir schon vor über zwanzig Jahren in den heißen Bächen der Sinterterrassen gebadet. Der Abend bricht hinein, wir beobachten eine Schildkröte und genießen die untergehende Sonne, da werden wir von einer türkischen Familie angesprochen. Sie lebt ebenfalls in Deutschland, der Vater arbeitet bei Karman in Osnabrück, mit ihren drei Kindern verbringen sie die Ferien bei Verwandten in Denizli. Diese Familie ist sehr neugierig auf uns, da es nur noch selten Deutsche mit dem eigenen Fahrzeug in der Türkei gibt. Die Familie hat drei Kinder, die alle auf das Gymnasium gehen, der älteste Sohn besucht nach den Ferien die 12. Klasse und will anschließend Medizin studieren, die mittlere Tochter wiederholt die 11. Klasse und die Jüngste wechselt von der Grundschule in die 5. Klasse des Gymnasiums. Das ist eher die Ausnahme. Immer wieder erleben wir die große Gastfreundschaft der Türkei. Sie sind stolz auf ihr Land und freuen sich über jeden, der Interesse daran zeigt.
Noch bevor wir uns in Pamukkale niedergelassen haben, sind wir nach Kayahayit gefahren, ca. 6 KM weiter zu den eisenhaltigen Thermalquellen. In dieser kleinen Ortschaft tritt eine heiße ( 60°-70°C ) Quelle an die Oberfläche, die das Gestein rötlich färbt. Einige Menschen reiben sich mit einem Schlamm ein, der gut gegen Gelenkentzündungen, Rheuma u.a. Erkrankungen sein soll.

In Pamukkale Köy (Dorf) kann man mit dem Wohnmobil neben verschiedenen Hotels im Garten übernachten, Duschen, Toiletten und Poolbenutzung für ca. 10 €, inbegriffen.
Wir wollen an die Südküste, dort wartet meine Schwester mit ihrer Familie in einem Hotel auf uns. Die zahlreichen Reisebusse nehmen die gutausgebaute Straße (585) nach Antalya, wir benutzen lieber die landschaftlich reizvollere Straße am Salda Gölü (See) über Yesilova entlang nach Tefenni. Der von viel Wald umgebene extrem kalkhaltige See ist mit 185 m der tiefste See der Türkei. Früher konnte man hier baden, wir sahen auch jetzt noch Kinder im Wasser, aber wegen gefährlicher Wasserschlangen sollte man es nicht mehr tun – auch wenn der See verlockend aussieht.

Salda Gölü
An dem See gibt es Picknickeinrichtungen, ein nettes Restaurant und einen Campingplatz, der leider schon wieder verwahrlost wirkt. Auf dem Parkplatz beim Restaurant kann man übernachten oder auch direkt am Wasser. Wir sind hier nicht belästigt worden! (auch nirgends anders wo)
Durch eine herrliche Berglandschaft nähern wir uns der Millionenmetropole Antalya. Noch vor 6 Jahren konnte man in den Bergen Nomaden in ihren braunen Zelten sehen, heute leben sie in primitiven Wellblechhütten, teilweise mit Planen bespannt und fahren mit LKWs durch das Land.

Nostalgie Camping bei Manavgat/Side
Antalya verlassen wir schnell in Richtung Osten. In Kizilot, ca. 15 KM hinter Manavgat betreibt die lustige Schweizerin Verena eine kleine Pension mit Campingplatz (Nostalgie C.) im Garten. Wir stehen hier traumhaft schön, auf einer Klippe, 11m über dem langen Sandstrand und genießen das Meer. Bei Verena ist es sehr gemütlich, ihre Kochkünste reichen von leckerem Kuchen aus der Schweiz, über Röstis bis zu typischen türkischen Gerichten. Die Nacht für zwei Personen im Wohnmobil incl. Strom kostet 14€.
Zum Markt fahren wir nach Manavgat, der hier zweimal wöchentlich ( Montags, extra für die Touris!) stattfindet. Nach Obst und Gemüse hält man allerdings beim Donnerstagsmarkt fast vergeblich Ausschau. Die gutgesättigten All-Inklusive-Touristen kaufen natürlich kein Obst und Gemüse. Was sie wollen, sind möglichst billige namhafte gute Fälschungen der berühmtesten Marken. Eine der günstigsten unter ihnen ist da noch „Jack Wolfskin“, die Waren gibt es nur an der Südküste. Weder in Marmaris noch in Kusadasi konnten wir die T-shirts finden. Wer wirklich ein Schnäppchen machen will, sollte in türkischer Sprache den Preis aushandeln. Nur so umgeht man überzogene Touristenzuschläge.
Immer wieder konnten wir beobachten, wie locker den Hotelgästen das Geld sitzt. Viel zu schnell kaufen sie die Waren und zahlen natürlich in Euro. Das treibt den Preis in die Höhe. (Der Kurs ist immer schlechter als in Türkischer Lira!) Die Touristen zahlen sogar einen überhöhten Zuschlag für Briefmarken oder Telefonkarten, wenn sie die kleinen Buden vor ihren Hotels aufsuchen. Eine Telefonkarte im Postamt ist deutlich günstiger (für 2 Telefonkarten mit je 50 Einheiten haben wir 7,50 TL gezahlt, meine Schwester zahlte für eine Karte 3,50 € !!!)
Abendliche Ausflüge nach Side geben uns die Möglichkeit, dort die vielen Gäste mit ihren „schicken Plastikarmbändern“ beim Einkaufen zu beobachten. In den letzten Jahren haben wir unser Türkisch soweit aufgefrischt, dass wir uns gut verständigen können und kommen immer wieder mit den Händlern ins Gespräch. Natürlich kann hier fast jeder Deutsch oder Russisch sprechen, sobald man etwas türkisch spricht, gilt man aber nicht als der typische Hotelgast. Unsere zahlreichen Aufenthalte in der Türkei beeindrucken viele Händler, die Reise mit dem eigenen Fahrzeug noch dazu und schon purzeln die Preise, denn sie wissen, dass wir die eigentlichen Preise kennen. Sie versuchen nur selten uns die teuren Touristenpreise aufzudrängen. So kostete zum Beispiel in Side, nach langem Handeln ein Ed Hardy T-shirt 18 €, an der Westküste in Ayvalik (hier gibt es nur einen einheimischen Tourismus) zahlten wir für dasselbe T-shirt nur (15 Lira, entspr. ca. 7€).

Köprülü Canyon
Von Manavgat aus führte uns die Reise dieses Mal zum Köprülü Canyon. Dieser Nationalpark befindet sich 40 KM nordwestlich von Side. Eine sehr schöne Tour ins Landesinnere zum Köprü Fluss, der Park mit seinen 360 KM2 wird täglich von einigen tausend Touristen zu Raftingausflügen aufgesucht. Der 14 KM lange Canyon mit bis zu 100m hohen Wänden kann relativ gut befahren werden. Die Touris kommen am Vormittag und bereits am Mittag leert sich diese tolle Landschaft.
Wir fahren erst gegen 16.00 Uhr in die Berge und treffen weder auf Perestroikatouristen, noch auf Ögertours! Wir sind unter vielen Türken und fühlen uns hier sehr wohl. Am Ende des Canyons verjüngt sich die Schlucht, die alte römische Oluk-Brücke verbindet die beiden Seiten. Die Brücke ist gerade 20 Zentimeter breiter als unser Wohnmobil. Wir fahren trotzdem hinüber. An dieser Stelle beginnt ein Wanderpfad flussabwärts. Gutes Schuhwerk ist sinnvoll und von gutem Nutzen!
Auf dieser Seite gelangen wir flussabwärts an einen Seitenarm und eine breite Flussstelle. Viele türkische Familien sind hier zum Picknick. Wir steigen aus, beobachten die Kinder beim Baden. Sie springen von hohen Felsen ins kalte Nass, andere Familien führen ihre Ziegen zum Trinken an den Fluss, wiederum andere Familien sitzen umringt von ihrem ganzen „Hausstand“ und kochen Tee, backen Gözleme oder grillen. Kiefern, Zypressen, Zedern, Johannisbrotbäume und Maccia bestimmen die Umgebung.
Die Menschen freuen sich über uns, sie winken uns zu, ein Mädchen brachte uns mit einer Serviette und Zange frisch gegrilltes Geflügelfleisch. Immer wieder erleben wir die echte Gastfreundschaft fernab der üblichen Touristenecken. Wir werden zum Tee eingeladen und diese Menschen freuen sich, wenn wir Interesse an ihrem Leben und Land zeigen. Mit ein paar Worten Türkisch und den Händen und Füssen verständigen wir uns.
Gut einen Kilometer weiter südlich suchen wir das EKO-Motel (www.ekomotel.com) auf und bleiben die Nacht über im Garten stehen. Wie so oft in der Türkei kann man auch hier mit seinem Womi parken, schlafen, Strom erhalten und die Duschen und Toiletten benutzen, wenn man nur im Restaurant sein Essen einnimmt. Das Essen war sehr gut, reichhaltig und sehr günstig.
Von hier aus kann man sehr schöne Raftingtouren buchen, die nur einen Bruchteil von dem der großen Reiseveranstalter in Antalya kosten. Eine Halbtagestour incl. Mittagessen und dem Transfer zum Bootsanleger, sowie dem Rücktransport und Guide kostet 20-25 TL, das entspr. ungefähr 10-12€. Es sind die gleichen Touren, die auch die Reiseveranstalter anbieten.
Weiter unten im Fluss entspringen zu beiden Seiten des Flusses zahlreiche Karstquellen, die auch bei äußerster Wasserknappheit im Sommer noch viele Kubikmeter pro Sekunde bringen. Zwischen blühendem Orleander kann man die Badestellen auch zum Picknick nutzen.
Wir stehen direkt am Fluss und genießen eine sehr kühle Nacht. Über unser Notebook können wir uns kostenfrei ins WLan Netz des Motels einlocken und haben so wieder einmal Gelegenheit mit unserem Sohn in Guatemala zu kommunizieren. Die Türkei ist sehr fortschrittlich was die Technik der Neuen Technologien betrifft. Neben zahlreichen Internetcafes haben wir den ganzen Urlaub über einen WLan Zugang genutzt, nur einmal wollte man eine Gebühr von 3€/Tag von uns.

Im letzten Jahr hat ein riesiges Feuer große Flächen im Canyonland niedergebrannt. Wie so oft, wurde auch dieses Feuer von Menschenhand gelegt. Am Ende des Canyons haben die Türken jetzt ein Mahnmal errichtet. Bestehend aus einer Halle, in der Fotos vom Brand und den entstandenen Schäden zu sehen sind. Davor findet man eine Reihe von Gräbern der unterschiedlichsten Pflanzen, die verbrannten. Eine kleine Moschee gehört natürlich auch zu dieser Einrichtung. Unterhalb dieser Anlage befindet sich eine große Wiederaufforstungseinrichtung. Im letzten Jahr haben wir das Feuer vor Ort gesehen und hilflos mitangesehen, wie die tolle Landschaft zerstört wurde. Dieses Mahnmal hat deshalb eine besondere Wirkung auf uns gezeigt und regt deutlich zum Nachdenken an.

Antalya
Die Altstadt von Antalya ist sehr schön, klein und übersichtlich. Eine gute Parkmöglichkeit bietet sich hier direkt am Yachthafen. Es gibt eigentlich keine Touristen mit dem eigenen Fahrzeug in der Türkei, deshalb gibt es hier auch kein Parkplatzprobleme. Einzig die Dolmusbusse der Hotels belegen die Parkplätze. Am Yachthafen finden wir für 4TL einen schönen Platz, auf dem man auch über Nacht stehen kann. Um den Hafen herum gibt es zahlreiche Restaurant oder Cayhanes (Teehäuser).
Obwohl wir schon viele Male in Antalya waren, entdecken wir jedes Mal etwas Neues. In diesem Jahr haben wir die alte Kervansaray, im Basarvietel, besucht.
Von Antalya aus führte uns die Reise über den Olympos Nationalpark nach Kas. Eine Nacht verbrachten wir im Sundance Camp südlich von Kas. Hier trafen wir auf viele türkische Studenten, die in Zelten oder sehr urigen Baumhäusern ausspannten. Im Frühjahr und Herbst gibt es hier internationale Yogakurse oder ein Jonglierfestivals. (www.sundancecamp.com) . Für eine Nacht zahlten wir 35TL. Das war fast unsere teuerste Nacht in der Türkei! Es gab aber Brot zum Frühstück und ein traumhaftes Panorama vor der Bergkulisse. Die Bucht liegt einsam und grenzt an den Südhafen von Phaselis. Das weitläufige Wiesenareal liegt direkt am „Lykischen Weg“ und ist nur 20 Minuten zu Fuß von den Ruinen entfernt. Tagsüber herrscht hier viel Ruhe, die Gelassenheit der Gäste überträgt sich schnell auf alle, doch nachts trifft man sich an der Bar und am Lagerfeuer. Dann geht es sehr lebhaft bis in die frühen Morgenstunden zu. Schlafen kann man jedoch gut!

Kas
Das ehemalige Fischerdorf gehört zu unseren Lieblingsplätzen in der Türkei. Zwar hat auch hier der Bau von einigen touristischen Einrichtungen zugenommen, dennoch gilt Kas als kleiner Geheimtipp.
Der Campingplatz liegt traumhaft schön auf einem Felsvorsprung. Es gibt keinen Sandstrand, aber glasklares Wasser zum Schnorcheln und eine wunderschönen Blick auf die Stadt. Zum Campingplatz gehört eine deutsche Tauchschule. Einige Tagesgäste aus dem Ort kommen täglich her und nutzen neben der Tauchmöglichkeit auch die Liegen und Sonnenschirme, sowie das Restaurant. In den letzten Jahren wurde dieser Platz immer mehr verschönert. (Campinggebühren 25-30 TL/Nacht).
Von Kas aus bieten sich zahlreiche Ausflüge nach Kekova, der versunken Stadt, zur vorgelagerten griechischen Insel Mitilli, nach Myra zu den Felsgräber oder zum Canyon von Saklikent, an. Letzteren sollte man aber mehrere Tage besuchen. Dort bietet sich der hervorragende Campingplatz (George Camping) zum Übernachten an. Unter urigen Baumhäuser steht man direkt am Fuss. Das frische Quellwasser ist lausig kalt, ideal zum Baden und raften.

In diesem Jahr sind wir in die Berge nördlich von Kas gefahren. Auf den Almenwiesen von Akcay oder Gömbe lässt es sich auch im Sommer bei angenehmen Temperaturen wandern. Gömbe liegt 55 Km nördl. von Kas. Die Straße führt direkt über die beiden Pässe Karaovabeli 1080m und Sinekcibeli 1545m durch herrlich duftende Zedern- und Schwarzkiefernwälder. Der kleine Ort Gömbe empfängt die Gäste mit seinem Stausee. Über die Staumauer gelangt man in den Ort, der für seine Kelims in der Umgebung bekannt ist.
Durch den Ort führt der Weg zu einer Serpentinenstraße, teilweise nur Schotterpiste, aber mit dem Wohnmobil befahrbar, zu einem Parkplatz. Von hier kann man zu schönen Wasserfällen und einem Gebirgssee in 2000m Höhe wandern. Der Yesilgölü bietet vor kleinen Dauerschneefeldern im Sommer ein tolles Panorama. Noch gilt dieses Fleckchen Erde als unerschlossen vom Tourismus, obwohl bereits Anbieter einer Jeepsafari den See in ihr Programm aufgenommen haben. Entsprechend gibt es dort keine Infrastruktur, d.h. weder ein Restaurant, noch zahlt man Eintritt. Aber wie lange noch?
Bei unserem ersten Besuch des Canyons von Saklikent 1991, gab es auch keine ausländischen Touristen und man zahlte keinen Eintritt, heute verkehren regelmäßig die Busse von Ögertours dort. Diese schöne Oase sollte man am besten dann genießen, wenn alle Tagesgäste ab ca. 16.00 Uhr wieder verschwunden sind. Eine Canyonwanderung wird hier zum einmaligen ERLEBNIS und eine anschließende Raftingtour in einem Reifen im eiskalten Wasser lassen den Tag zu einem unvergessenen Highlight werden. Im Laufe der Jahre hat sich unser Sohn zum Raftingguide für deutsche Gäste entwickelt und begleitete oftmals die Besucher, unsere Tochter hat als deutschsprechende Servicekraft ein paar Tage (nur während unseres Aufenthaltes dort) hinter der Bar bedient und ist jetzt auf mancher Postkarte zu sehen.

Ruinen von Xanthos
In diesem Jahr machen wir noch einen Abstecher zu den Ruinen von Xanthos. Diese alte Stätte liegt ca. 70 Km südlich von Fethiye und gehörte einst zu den bedeutendsten Städten der Küstenregion. Die Ausgrabungen sind längst nicht so spektakulär wie in Ephesus, aber wenn man in der Nähe ist, sollte man sich diesen Abstecher gönnen.
Ganz in der Nähe befindet sich die größte Sanddüne der Türkei. Am langen Strand von Patara. Inzwischen ist dieser Landstrich zum Nationalpark erklärt und jährlich kommen hier die Meeresschildkröten zur Eiablage her.
Unsere Reise führte uns in diesem Jahr aber schnell weiter gen Norden. Über Marmaris auf die Resadiye Halbinsel. Der Aktur Campingplatz (45 TL/Nacht) liegt wunderschön in einem Pinienwald, zum Baden laden zwei Buchten ein, die in ca. 200m Entfernung (Luftlinie) liegen. Das ganze Gebiet gehört zu einem Feriendorf. Hier fanden wir den einzigen „Burger King Laden“ in einem LKW:
Das Landschaftsbild wird bestimmt durch bizarre Felsformationen, viele Kiefernforste und zahlreiche Buchten. Manche sind allerdings nur über Feldwege zu erreichen oder von der Wasserseite her.
Nach ein paar Tagen verlassen wir die Bosburun Halbinsel hinter Marmaris und fahren weiter in Richtung Mugla, so passieren wir die Küstenebene mit dem Golf von Gökova und winden uns die Serpentien zum 775m hohen Ciceklibeli-Pass hinauf. Der fantastische Ausblick wird von uns jedes Mal bei einem Cappuccino genossen. Eine alte Zisterne, einen kleinen Laden und ein Restaurant findet man auf dem Parkplatz am Pass.
In Mugla müssen wir noch schnell einen Optiker aufsuchen. Mein Mann ist auf seine Sonnenbrille getreten und hat einen Bügel verbogen. Mit unseren wenigen Türkischworten tragen wir unser Anliegen im einzigen Laden am Platz vor, worauf uns in einem perfekten Deutsch ein Sitzplatz angeboten wurde, mit den Worten“ einen Augenblick bitte“. Wenige Minuten später war die Brille repariert und bezahlen brauchten wir auch nichts. Das ist eben die Türkei!
Weiter nach Norden sind wir durch das Cinetal gefahren. In Yatagan nehmen wir die D-550 in Richtung Aydin. Diese Straße ist, wie mittlerweile fast jede große Verbindungstraße zu einer breiten Autostraße ausgebaut. Durch dieses Tal windet sich der Cinebach. Der sich tief in karstige Berge gegraben hat. Ein großes Staudammprojekt befindet sich seit Jahren im Bau.
Dennoch halten wir hier immer an und genießen die riesigen, rund geschliffenen Granitbrocken. Viele kleine Eseltrampelpfade oder von den zahlreichen Ziegenherde ausgetretene Pfade bieten schöne Wander- und Klettermöglichkeiten.

Kusadasi
Wer noch einmal das Gefühl des großen Touristenrummels genießen muss, kann einen Abstecher nach Kusadasi unternehmen. Die Stadt ist abends voll von fremden Stimmen aus Deutschland, England oder Russland. Prachtvolle Kreuzfahrtschiffe liegen hier im Hafen. Auf dem „Önder-Campingplatz“ direkt am Yachthafen steht man ruhig und gut. Die Nacht kostet 16 TL und es gibt eine hervorragende Pizza im Restaurant!!!
Wir fahren schnell zur gegenüberliegenden Seite der ucht nach Gümüldür und verbleiben ein paar Tage auf dem einzigen Campingplatz, der unseren europäischen Vorstellungen entspricht. Hier steht man herrlich schattig unter Pinien, findet neben viel Platz, einen kleinen Supermarkt, einen sehr schönen Sand-Kiesstrand mit glasklarem Wasser und Liegestühlen mit Schirmen, die selten komplett belegt sind. Es ist nicht notwendig sein Handtuch schon um 6 Uhr morgens dort zu platzieren!!! Außerdem sind diese Liegen kostenfrei. Zu diesem Platz gehört eine Ferienanlage, die ausgezeichnet der Umgebung angepasst ist. Einen Swimmingpool, sowie ein sehr gutes Restaurant, eine Bar und ein Animationsprogramm runden das Angebot ab. Wir selber besuchen diesen Platz seit 1984, bisher haben unsere Kinder am Animationsangebot teilgenommen oder den Pool als Treffpunkt und zum Kennenlernen von anderen Jugendlichen genutzt. Auf allen bisherigen Campingplätzen trifft man keine oder eher selten Jugendliche. Zum Entspannen bestens geeignet. (www.denizati-hv.com) Wir zahlten hier 35 TL /Nacht. Wer ohne Kinder reist und es lieber etwas ursprünglicher mag, kann direkt neben diesem Campingplatz das Natur Camp aufsuchen. (7,5 TL/pro Nacht).
Die Türkei bietet außerdem zahlreiche, teilweise sehr schöne Wohnmobilstandplätze am Strand. Leider sind diese Strandabschnitte nicht immer ganz sauber, aber tolle Alternativen sind auch die Orman Milliparks. Diese staatlichen Picknickplätze liegen immer an landschaftlich reizvollen Stellen und bieten neben sehr, sehr einfachen Toiletten und Duschen auch Picknicktische an. Im Sommer sind diese Plätze leider oftmals von türkischen Familien hoffnungslos überfüllt, mit dem Wohnmobil findet man nur schwerlich einen geeigneten Stellplatz, wenn man einen ergattert hat, gehört man automatisch zu irgendeiner türkischen Familie dazu!!


Ayvalik und Bergama
Wir müssen langsam an den Rückweg denken. Unsere Freunde in Karaagac warten auch noch auf uns und haben noch einen Ausflug nach Bergama mit uns geplant.
Nach Bergama fahren wir über Kozak, einer landschaftlich sehr reizvollen Straße in dem sonst nur von Olivenplantagen gesäumten Gebiet, nach Bergama. Hier werden die edlen Pinienkerne geerntet, aber auch die Geschichte zeigt ihre Spuren.
Bergamas erste Spuren reichen bis ins frühe 7. und 6. Jh. vor Chr. zurück. Einst gehörte die Stadt zur römischen Provinz Asia, dann den Osmanen, aber auch die Perser und Griechen waren schon hier. Heute sind neben der Akropolis, den unteren Burgberg, die heutige Stadt Bergama und das Asklepieion zu besichtigen. Wie fast überall in der Türkei zahlen wir auch hier 20 TL/Person Eintritt um die Reste der Akropolis zu besteigen. Übrigens: Wie der Gleichklang des Wortes „Pergamon“ schon vermuten lässt, wurde das Pergament in Pergamon erfunden.
Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass der Parkplatz auf dem Burgberg der teuerste der ganzen Türkei ist. Wir mussten 12,75 TL zahlen!
Die Umgebung von Ayvalik, Edremit und Akcay ist bekannt für ihre hervorragenden Oliven. Diese kann man hier auch günstig kaufen, sowie das wirklich säurearme und goldgelbe Olivenöl. Folgt man der Küste bis Kücükkuyu bietet sich hier auch die Möglichkeit zum Besuch des Olivenmuseums.
Unser Urlaub neigt sich dem Ende. Über die Dardanellen, wir nehmen die Privatfähre 5KM hinter Lapseki in den europäischen Teil der Türkei, folgen wir der Straße nach Edirne, überqueren die Grenze und fahren noch bis Plovdiv (Beginn der Autobahn nach Sofia), bis zur Raststätte „Happy Hour“. Hier kann man sehr gut und günstig essen. Außerdem kann man hier gut und sicher übernachten, gegen eine Gebühr von 5 € wird man in seinem Wohnmobil bewacht. Den nächsten Tag beginnen wir um 6 Uhr und fahren bis kurz vor die Grenze zu Serbien. Hier wird erst einmal ausgiebig gefrühstückt bevor es weiter geht. Wir fahren heute noch bis Dresden und übernachten auf der deutschen Autobahn. Die Heimat hat uns wieder und im nächsten Jahr wollen wir wieder nach Alacati (Nähe Cesme) zum Surfen. Ein supertolles, stürmisches Revier. Vom Anfänger bis zum Profi trifft man hier alles. Unser Sohn ist begeisteter Surfer und nutzt natürlich die Chance. Inshallah!






Kalkterrassen von Pamukkale

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Kommentare

  • RELDATS

    Eine interessante Reisestory. Gefällt mir!

    Nette Grüße von Josef

  • freeneck-farmer

    Sehr Informativ. Wir haben auch ein Wohnmobil sind aber noch nie auf den Gedanken gekommen damit in der Turkei zu fahren.
    Ich muß mal rausfinden ob es da viele Stellplätze gibt oder wo man frei stehen (und übernachten) kann
    Vielen Dank!
    LG Anneken.

  • beavonderinsel (RP)

    Mit großer Freude habe ich diesen ausführlichen Reisebericht gelesen. Nicht zuletzt, weil wir ebenso 2 x in den 80er Jahren mit dem Wohnmobil die Türkei bereist haben. Viele Erinnerungen haben sich wieder eingestellt.
    Vielen Dank und liebe Grüße
    Bea

  • Galata (RP)


    Das nennen ich aber wirklich türkei-Reisen *lach* :)

    Einfach toll wo Ihr abseits auch ausserhalb der Massentourismus gesehen habt wie Gömbe, Akcay usw.

    Vielen Dank für dieser wirklich schönen Reisebericht.

    MfG. aus Istanbul,

    Oktay

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