Semuc Champey und die Lanquin-Höhle - wenn ein Fluss unter der Erde verschwindet

Reisebericht

Semuc Champey und die Lanquin-Höhle - wenn ein Fluss unter der Erde verschwindet

Reisebericht: Semuc Champey und die Lanquin-Höhle - wenn ein Fluss unter der Erde verschwindet

Die Luft ist feucht-warm, schwer hängen die Wolken in den subtropischen Bäumen. Noch wenige Kilometer zuvor hatte man mit trockener Hitze zu kämpfen – wohl selten findet man ein Land wie Guatemala mit derart vielen Klimazonen auf engstem Raum.
Hier, in Alta Verapaz, der Region an der Grenze zum feucht-heißen Petén, dem Regenwald im Norden Guatemalas, findet man einzigartige Naturspektakel.

Semuc Champey – wenn der Rio Cahabon Terrassen bildet

Semuc Champey bedeutet in der Maya Sprache "dort wo der Fluss in der Erde verschwindet" und ist nahe dem kleinen Ort Lanquin gelegen. Hier stößt man auf ein beeindruckendes Naturwunder. Der Wanderweg schlängelt sich vorbei an dem Fluss Rio Cahabon mit sehr klarem Wasser, welches sich nach einem tosenden Wasserfall in Kalksteinbecken sammelt und in Stufen weiter nach unten fließt. Der Rio Cahabon teilt sich hier quasi in 2 Läufe: Einen unterirdischen Verlauf und den oberirdischen Terassen-Lauf. Beide Verläufe treffen an der Höhle von Lanquin wieder zusammen und vereinigen sich.
Der Terassenartige Verlauf des türkisfarbenen Wassers von Semuc Champey lässt sich am besten von der steilen Anhöhe Mirador oberhalb der Becken im Ganzen wahrnehmen und der Anblick des klaren Wassers erweckt bereits von oben die Lust auf ein Bad in diesem kühlen Nass, dass man auf keinen Fall versäumen sollte. Tausende kleine, aber harmlose Putzerfische kitzeln den Badenden und reinigen die Haut, das hüfthohe Wasser ist kristallklar und bietet einen Blick auf den lehmig-sandigen Boden des Flussbettes. Die Becken sind von mit dichtem Grün bewachsenen Steilwänden umgeben und verstärken die Wildheit und Ursprünglichkeit dieses Ortes.
Die Vegetation rund um die Wasserbecken im Naturpark Semuc Champey besteht aus mehr als 100 Baumarten, deren Verwendung früher nach ihrer wirtschaftlichen Nutzung abhing. Daher wurden auch viele Palmenarten, vor allem die „Kala-Palme“ angepflanzt. Viele der Baumarten und Waldgebiete rund um Semuc Champey besitzen auch zeremoniellen Charakter im Glauben der Maya und sind Heimat seltener Tierarten. Wer etwas Glück hat, kann hier im Geäst Brüllaffen entdecken, der ursprünglich vor allem im nördlich gelegenen Petèn vorkommt.



Die Lanquin-Höhle: Mystik und Traumwelt unter der Erde

Etwa 1 Kilometer vom Ort Lanquin entfernt, liegt die Höhle, deren Ende bislang niemand erkundet hat. Der Sage nach erzählt man, sie verläuft bis zur Hochland-Stadt Quetzaltenango, etwa 30 km westlich von Lanquin. Als „das Herz des Himmels“ wird die Höhle in der Maya-Mythologie bezeichnet und gilt deshalb auch als heiliger Ort, in deren Tiefen das „Geheimnis der Jahrhunderte“ verborgen sein soll.
Die Mystik der Höhlen-Kammern eröffnet sich einem direkt zu Beginn: Im Innenraum stößt man schon nahe des Eingangsbereichs auf zahlreiche Stalakmiten und Stalaktiten, deren Form an Tiere, Frauenkörper oder Fabelwesen erinnert. Besonders interessant ist der Felsen-Altar der Qeqchi-Maya, der noch heute für Zeremonien und Rituale verwendet wird. Oder „die Brücke des gefallenen Königs“, benannt nach König Leopold von Belgien, der 1958 Guatemala und diese Höhle besichtigte. Die Stein-Brücke konnte das Gewicht des Königs nicht tragen und brach, der König fiel und so kam dieser Platz zu seinem Namen.
Ein über 400 Meter langer, beleuchteter Rundweg zeigt dem Besucher die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Innern der Höhle. Wichtig ist jedoch eine gute körperliche Konstitution, da bereits kurz hinter dem Höhleneingang wegen mangelnder Luftzirkulation eine hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze herrscht.
Besonders in den Abendstunden kann man der Bewohner dieser riesigen Höhle beobachten: Tausende von Fledermäusen, die tagsüber an den Decken schlafen, verlassen zu Sonnenuntergang die Höhle und bieten ein einzigartiges Naturspektakel.
Unterhalb des Höhleneingangs kommt der Rio Cahabon wieder an das Tageslicht, nachdem er bei Semuc Champey unter der Erde verschwand. Seine Farbe ist nun kräftig türkis und das Wasser wirkt künstlich. Baden kann man hier jedoch wegen der zahlreichen Strudel unter der Wasseroberfläche nicht.



Semuc Champey



Nützliches

Ein Besuch im Nationalpark Verapaz ist ein absolutes Muss für jeden Naturliebhaber, der Guatemala besucht und bietet ein einzigartig-unvergessliches Erlebnis.


Eintrittspreise:

Ein Besuch im Naturschutzgebiet um Semuc Champey kostet 3,50 Dollar.
Der Eintritt zur Höhle kostet 30 Quetzales (etwa 3 EUR) für Erwachsene und 10 Quetzales (etwa 1 EUR) für Kinder. Der Parkplatz kostet 10 Quetzales.
Die Höhle ist täglich von 8 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Höhlenführer stehen stets zur Verfügung.
Weitere Informationen: http://www.semucchampey.com/

Wie kommt man hin?

Die Fahrt in einem Einheimischen-Bus von Lanquin aus kostet 50 Cent bis 1 Dollar, die Abfahrt findet etwa stündlich vom Marktplatz in Lanquin aus statt.
Eine andere Möglichkeit ist das Mitfahren auf Pickups, wobei die meisten Autos vermehrt in den Morgenstunden dorthin fahren. Es gibt jedoch auch einige Agenturen, die organisierte Touren dorthin anbieten.
Ebenso besteht die Möglichkeit, von der etwa 64 Kilometer entfernten Stadt Coban an zu reisen mit Minibussen. Nähere Informationen dazu: http://www.semucchampey.com/en/transport.html



Rio Cahabon


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Kommentare

  • RdF54

    Sehr interessanter, gut beschriebener und bebildeter Spaziergang mit Dir!

    LG Robert

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Glückwunsch zu diesem informativen, mitreißenden Bericht mit guten Fotos, der große Lust auf dieses wunderbare Land macht.
    Da kommt Neid auf, wenn ich hier so aus meinem Fenster in diese kalte Winterwelt schaue :-)
    Bitte weiter so!
    Ihr Gerd Krauskopf

  • RELDATS

    Tja, immer wieder kann man einen interessanten Beitrag finden.
    Nette Grüße von Josef

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