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Reisebericht: Remscheid - die Trasse des Werkzeugs
Eine "ernüchternde Wanderung" vom Remscheider Hauptbahnhof über die Trasse des Werkzeugs
- Am Kaufland fängt die Trasse an
- Alles beginnt am Bahnhof
- Nackt und elementar
- Das wahre Leben in der Industriegesellschaft
- Gut beschriftet und beschmiert
- Der Dachbalkon als Luxus
- Die Infos findet man am Boden
- Aktive Bereiche laden zum Verweilen und Informieren ein
- Mediterranes Flair
- Funktionalität pur
- Herrlicher Weitblick
- Mit uns kommt die neue Zeit...
- Wohnkultur in Reinkultur
- Von Hasten nach Ehringhausen
Am Kaufland fängt die Trasse an
Remscheid war die Stadt der Werkzeuge und Maschinen - vor der Globalisierung. Heute ist Remscheid noch eine Stadt in einer Region, die als eine der letzten weltweit alle Möglichkeiten der Metallbearbeitung beherrscht. So verwundert es nicht, dass es in Remscheid die Trasse des Werkzeugs gibt. "Das ist die Zukunft der stillgelegten Bahntrasse in Remscheid-Hasten. Im Rahmen der Regionale 2006 wird sie als ein drei Meter breiter Rad- und Wanderweg sowie als Trasse des Werkzeugs umgestaltet. Zahlreiche Metall verarbeitende Betriebe flankierten einst die Trasse. Weitere Unternehmen, die an der Strecke liegen, spiegeln das aktuelle wirtschaftliche Profil der Stadt Remscheid wider. So entstand die Idee, hier nicht nur einen schönen Rad- und Wanderweg entstehen zu lassen, sondern eine Präsentationsstrecke der ansässigen Wirtschaft und ihrer Leistungen." Soweit das Zitat aus offiziellen Darstellungen.
Alles beginnt am Bahnhof
Wer die Trasse erreichen will, der kann das am Ende des Remscheider Hauptbahnhofes tun. Leider ist dieser Anfang Juni 2009 noch zum Teil eine Baustelle, so dass man über das Baugelände gehen muß.
Doch schon vorher hat man die Chance auf einen schönen Blick. Das neue Brückencenter mit dem grossen Kaufland, dem Sportgeschäft, dem Computerladen und dem grossen Zeitschriftenkiosk bietet einen schönen Zugang und herrlichen Ausblick in Richtung der Trasse und in Richtung Solingen.
Nackt und elementar
Wenn man dann an der Papenberger Strasse auf die Trasse gelangt, dann ist dies der Moment, um die Industriekultur in ihrer ganzen Wirklicheit zu sehen. An dieser Stelle ist die Trasse ebenso nackt, funktionell und unpersönlich wie die Lebensumstände, die sie auch darstellt. Das Stück an der ehemaligen BSI zeigt, wie nüchtern das Leben auf dem Fabrikgelände war und ist.
Das wahre Leben in der Industriegesellschaft
Wenn man von dort den Blick nach links in die Alexanderstrasse wendet, dann sieht man dort Häuser, die schon vor dem 2. Weltkrieg dort erbaut waren und bis heute die gleiche "Ausstrahlung" haben: nüchterne Bauten, die zweckorientiert neben der Fabrik waren und sind.
Gut beschriftet und beschmiert
Da die Trasse auch der Information über die Geschichte dienen soll, sind an verschiedenen Stellen erläuternde Tafeln angebracht. Leider sind einige schon unleserlich gemacht worden, weil offenkundig einige Zeitgenossen das Gegenteil von sozial sind.
Der Dachbalkon als Luxus
Doch die Trasse hat nicht nur eine historische Bedeutung. Ich fand besonders die direkten Einblicke in die jetzige Lebensweise der Stadtbewohner interessant, die man an der Trasse beobachten konnte.
So spiegelte sich für mich im abgebildeten Dachbalkon der Wunsch wieder, die Sonne auch an diesen Orten genauso geniessen zu können wie am Meer...
Die Infos findet man am Boden
Sehr schön finde ich die Kilometer- und Richtungsangaben, die auf dem Boden zu finden sind. So ist es jederzeit möglich, sich gut zurechtzufinden.
Aktive Bereiche laden zum Verweilen und Informieren ein
An verschiedenen Stellen gibt es Verweilpunkte. So gibt es kleine Hügel zum Umfahren oder auch Infotafeln aus Eisen. Ich bin ganz bewusst an einem sonnigen Tag die Trasse entlang gewandert, weil Sonne nicht so oft in Remscheid zu finden ist. Und so traf ich nicht nur Fußgänger, sondern auch viele Fahrradfahrer und viele Sportler mit Rollen unter den Füßen oder sogar Elektrorollern und Skateboardfahrer. Auf der Trasse ist eben viel Verkehr.
Mediterranes Flair
Doch wer die Trasse entlanggeht wundert sich bei aufmerksamem Beobachten bald über die Vielfalt der Wohnformen. Waren eben noch schmucklose Zweckbauten zu sehen, so ist einige hundert Meter weiter auf einmal das Gefühl da, im Mittelmeerraum zu sein. Sonnenbestrahlte Balkone mit freundlichem Ausbau und schattige Bäume laden zum Blickwechsel ein.
Funktionalität pur
Doch zur Industriekultur gehört Licht und Schatten. Und so sind links und rechts neben der Trasse genügend Zeugnisse einer untergegangenen Zeit zu finden - manchmal allerdings erwecken diese Bauten zu neuem Leben...
Herrlicher Weitblick
An veschiedenen Stellen hat man einen herrlichen Weitblick in die Region. Man sieht zum Teil Solingen, Wuppertal zum Teil sogar Düsseldorf.
Mit uns kommt die neue Zeit...
Wenn man weitergeht in Richtung Hasten, dann erblickt man links die neue Wohnkultur. Alte Fachwerkhäuser und neue Baustile vereinen sich an einer Stelle mit einer wunderbaren Weitsicht.
Wohnkultur in Reinkultur
Bis zum Stadtteil Hasten kann man die Wohnsituation studieren und die Lebensumstände der Menschen in dieser Industriestadt. So verbindet die Trasse auf einzigartige Weise beim Wandern die Geschichte und die Gegenwart in Remscheid.
Von Hasten nach Ehringhausen
Ich habe mich bei diesem Bericht auf die Strecke ab Bismarckstrasse/Unterführung beschränkt, wo die Trasse dann nach dem Hauptbahnhof beginnt. Doch eigentlich habe ich eine Tour von Ehringhausen nach Hasten gemacht. Zunächst die Burgerstrasse entlang, dann am Rosenhügel zum Zentrum Süd und schon ist man nach 4 bis 5 Kilometern kurz vor dem Hauptbahnhof.
Von Ehringhausen nach Hasten zu gehen ist deshalb so schön, weil es an beiden Endpunkten gute Restaurants gibt. Und noch besser ist es, weil zwischen Ehringhausen und Hasten die Buslinie 653 fährt, so dass man nach getaner Wanderung für 2,20 Euro zurückfahren kann.
Insgesamt dauert die Tour, die bergauf und bergab geht, gut 3 Stunden, wenn man gemütlich geht und zwischendurch ein Schwätzchen hält.
In der Woche kann man auch an verschiedenen Stellen einkaufen, am Wochenende ist nach zwei Dritteln der Strecke das Restaurant Abalone direkt an der Strecke ein oft genutzter Anlaufpunkt.
In diesem Hotel und Restaurant gibt es viele Gäste, die dort gerne eine Einkehr halten. Und wer dann absolut nicht mehr laufen möchte, kann von dort aus auch gut wieder mit einem Bus zurück ins Städtchen.
Für mich ist die Trasse ein "ehrlicher Weg" durch die Geschichte und Gegenwart dieser Stadt.
-
Ja - so kann man es nennen: "ein "ehrlicher Weg" durch die Geschichte und Gegenwart dieser Stadt."
Remscheid ist in der Tat keine Schönheit, eher eine arbeitende Stadt, auch ein Teil der Wiege der Industrialisierung im Bergischen. So stand das Stammwerk der Gebrüder-Mannesmann-Röhrenwerke in Remscheid. Immer noch sind viele Werkzeugfirmen in Remscheid angesiedelt.
Spannend bei einem Besuch in Remscheid sind auch das Röntgen-Museum oder das Deutsche Werkzeugmuseum. -
Ein herrlicher Spaziergang vor meiner Haustüre, der mich neugierig gemacht hat und den ich im kommenden Frühling bestimmt einmal machen werde.
Vielen Dank für diese Anregung und liebe Grüße aus dem verschneiten Köln -
Vielen Dank für diesen Bericht. Wenn ich beim nächsten Mal meine Tochter besuche, werde ich diesen Weg gehen. So viele Sehenswürdigkeiten hat Remscheid sonst nicht zu bieten.
LG Brigitte
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