Unter Bären - unterwegs zu den Grizzlies von Knight Inlet

Reisebericht

Unter Bären - unterwegs zu den Grizzlies von Knight Inlet

Reisebericht: Unter Bären - unterwegs zu den Grizzlies von Knight Inlet

Das Ende unserer Wohnmobilreise durch Kanadas Westen sollte gleichzeitig der Höhepunkt der Reise sein: ein Flug mit dem Wasserflugzeug in den Knight Inlet. Dort tummeln sich am Ende des Sommers die Grizzlies, um sich mit den laichenden Lachsen die Bäuche vollzuschlagen und lebenswichtigen Winterspeck anzusetzen.

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Von Vancouver zu den Rocky Mountains und zurück - die Route

Eine Reise durch den Westen Kanadas? Mit dem Wohnmobil? Das ist doch nichts Neues!
Stimmt. Dazu gibt es bereits einige sehr ausführliche und kompetente Berichte in unserer Community, deshalb möchte ich diesen Teil der Reise auch eher knapp halten und mich auf die Highlights, wie wir sie erlebt haben, beschränken und nur den einen oder anderen Tipp, der für die nächsten Reisenden nützlich sein könnte, einfließen lassen. Neu hier und zugleich unser persönlicher Reisehöhepunkt soll dann der Besuch bei den Grizzlies von Knight Inlet sein.
Von Vancouver aus geht es zunächst Richtung Nordosten, wir queren das Küstengebirge und über Lillooet und Kamloops erreichen wir die Rockies. Einige Tage verbringen wir hier in den Nationalparks Revelstoke, Glacier und Yoho bevor wir bei Lake Louise Richtung Norden abbiegen. Auf dem Icefield Parkway gehts Richtung Jasper. Hier besuchen wir eine Austausschülerin, die 2005 einige Monate bei uns zuhause verbracht hat. Von Jasper aus werden wir uns wieder gen Westen wenden, am Mt. Robson, dem höchsten Berg der kanadischen Rockies, vorbei. Über den Wells Grey Provincial Park gehts weiter bis zum Tal des Fraser, dem wir in südlicher Richtung zurück nach Vancouver folgen. Der zweite Teil der Reise führt uns nach Vancouver Island.
Taucht mit uns ein in die Wildnis Kanadas...



Rollende Dreizimmerwohnung



Mit der rollenden Dreizimmerwohnung Richtung Rockies

Start und Ziel unserer Reise ist Vancouver. Hier übernehmen wir unser 30-Fuß (10m)-Wohnmobil, das meinem Mann und mir sowie unseren beiden "halbwüchsigen" Söhnen für die nächsten drei Wochen Heimat sein soll. Da wir immer für mehrere Tage in die Wildnis verschwinden wollen, bevor wir wieder auftauchen um zu tanken, Kühlschrank zu füllen, Abwasser entleeren und zudem mit Wetter aller Art rechnen (also auch Dauerregen und sommerlichem Schneefall) haben wir uns für diese große Variante entschieden. So hat jedes der Kinder einen eigenen Bereich, Bad und WC sind an Bord, wir haben maximale Unabhängigkeit. Vancouver selbst ist schon der erste Test, mit den Dimensionen klarzukommen. Wir haben aber keine Schwierigkeiten, auf den Supermarktparkplätzen lange Buchten zu finden, selbst downtown an der Fähre nach Granville-Island finden wir 5 Parkplätze hintereinander, auf denen wir lässig einparken können.



Nationalvogel: Canada-Goose in Vancouver



Kanufahren auf dem Emerald...

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Übernachtet haben wir in Vancouver auf dem Campingplatz direkt unter der Lionsgate-Bridge. Das klingt lauter, als es ist, Schall steigt ja bekanntlich nach oben, von den wenigen zentrumsnahen Plätzen ist dieser sicherlich der empfehlenswerteste.
Von Vancouver aus gehts dann Richtung Nordosten. Erst mal nach Whistler - damit wir wir 2010 bei den olympischen Winterspielen möglichst viel wiedererkennen. Dann abtauchen in die Wildnis des Küstengebirges und schliesslich erreichen wir bei Revelstoke die Rocky Mountains.
Wer hier oder an einer anderen Stelle an der Ost-West-Querung der Rockies einen Campingplatz sucht, sollte darauf achten, möglichst weit weg von der allgegenwärtigen Bahnlinie zu bleiben. Die ist zwar ein Meisterwerk der Verkehrspioniere und die Trassenführung ist hoch interessant (verschiedene Visitor Center unterwegs sind vorhanden), aber der Bahnverkehr findet Tag und Nacht statt, kilometerlange Güterzüge quälen sich mit quietschenden Bremsen über die Pässe, so dass an Nachtruhe wesentlich weniger zu denken ist als in Vancouver downtown unter der Autobahnbrücke. Den einen oder anderen Campingplatz abseits gibt es aber, man sollte sich die Mühe machen, dorthin zu fahren.
Landschaftlich ist diese Region ein Traum. Nicht ganz so überfüllt wie an der großen Nord-Süd-Route, dem Icefield Parkway, findet man auch im Hochsommer an den Nationalparks Revelstoke, Glacier und Yoho ohne Reservierung Stellplätze.



Bei Lake Louise erreichen wir den Icefield Parkway. Ab hier geht es einige Tage nach Norden, leider setzt ausgerechnet hier der befürchtete Dauerregen ein. Am Lake Moraine haben wir gleich zwei Mal Glück: auf der engen Zufahrtsstraße begegnen wir unserem ersten Bären, ein junger Grizzly springt vor uns über die Straße, zu schnell für die Kamera. Und am See angekommen hellt sich der Himmel für wenige Minuten auf, das Wasser schimmert geheimnisvoll türkisfarben, die Seven Sisters spiegeln sich darin. Ein paar Fotos, dann zieht der Nebel wieder herein, alles wird grau und es regnet sich ein.



Lake Moraine in den Rocky Mountains



Zwei Tage Regenwetter - es sollten die einzigen dieser Reise bleiben. Wir sind untergetaucht auf einem kleinen Campingplatz im Jasper National Park, sind fast allein hier! Kratzspuren an den Bäumen deuten auf die Anwesenheit von Bären hin, zu Gesicht bekommen wir sie hier aber leider nicht.
So "arbeiten" wir uns durch die Rocky Mountains, die gesamte Reise kommt uns vor wie eine stetige Wellenbewegung: abtauchen in die Wildnis, ein, zwei Tage keinen Menschen sehen, irgendwo im Wald stehen, wandern, dann kurz wieder eintauchen in die Zivilisation, Menschen treffen, wieder abtauchen...



Irgendwo in Kanada



Von den Rocky Mountains nach Vancouver Island

Bisons im Morgennebel

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Am Westrand der Rockies, auf unserem Weg Richtung Vancouver Island, machen wir Station im Wells Grey Provincial Park. Das ist ein Ort, an dem Kanada Liebhaber alles finden, was dieses Land ausmacht: gigantische Wasserfälle, Seen wie Perlen auf einer Kette, Hügel und Berge, alte Siedlergeschichten mit verlassenen Höfen, eine Bisonherde und einsame (und doch kartierte) Wanderwege. Wer nicht viel Zeit hat für Kanada kann hier alles sehen, was dieses Land ausmacht. Auch Schwarzbären haben wir hier gesichtet, aber immer vom Auto aus und so spontan, dass keine vernünftigen Fotos dabei entstanden sind.
Der ehemalige Campingplatz am Parkeingang, den man noch auf älteren Karten findet, existiert übrigens nicht mehr!



Mit der Fähre von Vancouver nach Vancouver Island kehren wir nach 2 Wochen wieder in die Zivilisation zurück. In Victoria wird es nahezu europäisch: die Stadt ist sehr britisch geprägt. Wir genießen die Annehmlichkeiten dieses Kulturkreises und essen die besten Fish and Chips, die wir je hatten:





Auf Vancouver Island

Vancouver Island ist eine Welt für sich. Das britisch geprägte Victoria auf der einen Seite - endlose, menschenleere Strände auf der anderen Seite. Ein Tidenhub von bis zu 8 m macht jedes Aufwachen zur Überraschung: wo am Abend der Ankunft noch das Meer ans Wohnmobil klatschte ist weit und breit kein Wasser mehr zu sehen - nur noch Pfützen oder Massen an Treibholz finden wir auf dem Strand.



Spiegelbild - Camping am Pazifik



Eine einzige Strasse quert die Insel, deren Dimensionen fast jeder Reisende unterschätzt, von Ost nach West. Ucluelet und Tofino sind die Orte am Ende dieser Strasse, dann gehts nur noch zu Fuß oder per Boot weiter.



Wild Pacific Trail



Orcafamilie unterwegs

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Der Wild Pacific Trail bei Ucluelet ist einer dieser Wege am Ende der Welt. Meist im Küstennebel verborgen zieht sich der Trail mal durch windverbogene Wälder, mal hoch über dem Strand entlang, immer begleitet vom monotonen akustischen Signal des Leuchtturms.
Wer Glück hat, sieht von einem der Aussichtspunkte vorbeiziehende Grau- oder Buckelwale. Zahlreiche Anbieter von whale-watching Touren machen es in jedem Fall möglich, vom Schlauchboot aus diese beeindruckenden Riesen aus nächster Nähe zu beobachten. Das sind Momente, die wohl keiner jemals wieder vergisst.



Beobachtungsposten am Pazifikstrand


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Kommentare

  • KalliZ

    Ja, es gibt sie, die Traumreisen, und es ist wohl eine der landschaftlich schönsten Regionen der Welt!

  • RdF54

    wieder ein toller Bericht von Dir!!
    Canada habe ich bis jetzt leider nur "gestreift", aber jetzt, durch Deinen Bericht, werde ich es in meine Pläne aufnehmen!
    LG Robert

  • stoner

    ...die Erinnerung kam wieder. Grosse Teile dieser Tour haben wir 2006 auch abgefahren. Vor allem Vancouver Island hat uns sehr gut gefallen. Eine tolle Insel, der wir beim nächsten Kanada-Trip mehr Aufmerksamkeit widmen wollen. Banf-Jasper-Nationalpark und dann auf dem schnellsten Weg nach Vancouver Island. Knight Inlet wird dann sicher auch auf dem Programm stehen. Vielen Dank für diesen schönen Reisebericht.
    LG Susanna

  • lynley

    Wenn ich die schönen Bilder und den interressanten Bericht lese, weiß ich wieder, warum ich Kanada und die USA so liebe.
    LG Eva

  • widix

    Ein schöner Bericht mit tollen Bildern. Bärenbegegnungen sind immer etwas Besonderes. Wir haben letztes Jahr den Westen Kanadas mit dem Wohnmobil bereist. Wenn ich Deinen Bericht vorher gelesen hätte, wären wir in Victoria bestimmt zu Barb's Fish 'n Ships essen gegangen. Allerdings kann ich das "Spinnakers" nahe West Bay Marine in Victoria empfehlen. Ein hervorragendes und gemütliches Restaurant mit wunderbaren Salaten, Steaks und selbstgebrautem Bier und - Blick aufs Meer!

  • RELDATS

    Hallo !
    Tolle story.
    In B.C. mal mit einem Wohnmobil herumzufahren wäre auch ein Traum von mir.
    Nette Grüße von Josef

  • freeneck-farmer

    Sehr schoener Bericht (und Bilder), die ich nie gefunden haette wenn es nicht hier im Wohnmobilforum gewesen waere.
    Ich moechte mal mit unsere Enkelkinder dahin, wenn die etwas groesser sind.
    Danke, Anneken

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  • can_baer65

    Tolle Route! Alternative: Bis Prince Rupert und dann die Inside Passage (15 Stunden Schiffs-Passage) nach Port Hardy. Von Telegraph Cove aus bietet "Tide-Rip" Tagestouren in das Knight-Inlet bis Glendale Cove an. Sehr zu empfehlen!

  • trollbaby

    Hallo Ildiko!
    Wieder ein toller Bericht von Dir, den ich erst jetzt, mit einigen Jahren Verspätung, entdeckt habe. Ja, so eine Westkanada-Reise würde mir auch sehr gefallen! Vor allem mit so einem krönenden Abschluss wie dem Aufenthalt in der Knight Inlet Lodge! Ich kann mir gut vorstellen, dass das eines der herausragendsten Reiseerlebnisse war, die Ihr je hattet (und das soll was heißen, bei Deinen tollen anderen Reisen!).
    LG Susi

  • ursuvo

    Dein anschaulicher Bericht hat mir richtig Lust auch mal auf diesen Teil der Erde gemacht - aber man kann ja nicht alles haben - und so habe ich Deinen Bericht und die Bilder genossen - Danke!!
    viele Grüße - Ursula

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