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Reisebericht: Die heißen Kurven der Amalfitana
In senkrecht aufsteigende Felswände vom blau glitzernden Tyrrhenischen Meer hat man eine unbeschreiblich schöne Küstenstrasse, die Amalfitana, in abenteuerlicher Weise gebaut. Über sie erreicht man einige der schönsten Dörfer Italiens, die an diesen Felsabhängen zu kleben scheinen.
Während Don Mario die Sturmglocken seiner kleinen Bergkirche Maria Delle Grazie läuten lässt, als wolle er die tausend Seelen seines kleinen Felsennestes Raito vor einfallenden Piraten warnen, halten fein gekleidete Gläubige auf der engen Piazza noch ein kleines Schwätzchen, bevor sie zur Messe schreiten.
Derweil füllen wir mit unserem kleinen Fiat Panda vor der roten Ampel wartend den letzten Rest der Piazza, bevor es bei grün durch die schmale Gasse weiter geht. Dabei müssen wir geschickt ausweichen, wenn mit Plastiktüten bepackte Einheimische aus einem Geschäft auf die Gasse treten und fast vor unserem Wagen stehen.
Einige spitze Bergkehren weiter abwärts dann unser Ziel an diesem sonnig klaren Frühlingstag: Die Terrasse des luxoriösen Fünf-Sterne-Hotels Raito, auf der wir den wunderschönen Ausblick über Vietri sul Mare, Salerno
und – hätten wir ein gutes Fernglas - bis weit hinunter zu den Tempeln von Paestum blicken können.
Leckerer Cappuccino versüßt uns den grandiosen Blick auf die Amalfitanische Küste mit ihrer kurvenreichen Strasse, die den Steilwänden des Monte Sant’ Angelo tollkühn entrissen ist. Tief unter uns in Vietri sul Mare bei Salerno beginnt die kurvenreiche Amalfitana und führt bis Positana. Sie zu befahren bedeutet für uns stahlharte Nerven, da die Einheimischen jegliche Straßenregeln missachten und derart dreist selbst vor unübersichtlichen Kurven fast selbstverständlich überholen, dass einem der Atem stockt und man es nur damit abtun kann, dass den hitzigen Fahrern die Frühjahrssonne das Gehirn heraus gebrannt haben muss.
Gut gelaunt und frisch gestärkt steuern wir wenig später Vietri an, deren Keramikkunst weltbekannt ist und bereits auf die vorchristliche Zeit zurückgeht. Äußeres Zeichen dafür sind die weithin sichtbaren Majolikakacheln auf der Kuppel einer mächtigen Kirche, die dem Heiligen Johannes dem Täufer gewidmet ist und hoch über den engen Gässchen des historischen Zentrums thront. Schreitet man durch die quirlige Enge dieser Altstadt, die von Plünderungen, Invasionen und Zerstörungen zu keiner Zeit verschont geblieben ist, fällt allerorts die unverkennbare Charakteristik dieser mediterran farbenfrohen Kacheln auf.
Fünf kurvenreiche Kilometer weiter auf dem Anfang der Strada Statale 163, der Amalfitana, die von der UNESCO 1997 zum „Weltkulturerbe“ erklärt wurde, fallen uns die hübschen Kacheln auch im kleinen Fischerdorf Cetara auf.
Von hier aus fahren auch heute noch neben kleinen Fischerbooten riesige Schleppnetzfrachter auf die hohe See hinaus. Für heute jedoch liegen alle Boote wieder im Hafen und riesige Berge von Fischernetzen werden von Hand repariert und entwirrt.
Und dann geht’s kurvenreich vorbei an verwunschen kleinen Stränden, die nur über anstrengend steile Pfade zu erreichen sind und kaum Parkmöglichkeiten auf der Amalfitana bieten. Allgegenwärtig dabei steil aufsteigende Terrassierungen einer vertikalen Landwirtschaft, die endlose Zitronenhaine beherbergt. Leider werden die herrlichen, dicken gelben Früchte unter schwarzen Netzen geschützt und sind so für Touristenaugen recht unattraktiv.
Kurz vor Atrani biegen wir dann auf eine steil aufsteigende Straße nach rechts ab, die nach Ravello führt. Richard Wagner hat sich einst auf dem Rücken eines Esels für ein kurzes Tagesgastspiel hier hochschaukeln lassen und neben vielen Intellektuellen und Künstlern damit bis heute dazu beigetragen, dass Ravello berechtigt zu den meistgerühmten Orten Italiens zählt. Wahrhaftig ein Zentrum von Schönheit und Kultur.
Allgegenwärtig auf Schautafeln weltbekannte Schauspieler wie Humphrey Bogart, Sophia Loren und viele andere, die hier ihre Filme abgedreht haben.
So punktet der Ort mit seinen vielen Fünf-Sterne-Hotels auch heute noch mit Nostalgie und Romantik.
Kammerkonzerte in der Villa Rufolo an der Piazza del Vescovado gehören auch seit je her zu den großen Erlebnissen mit göttlichem Panoramablick auf die tief unten liegende Küstenkulisse.
Die Villa Cimbrone nur einen Steinwurf entfernt auf einem riesigen Plateau mit der „Terrasse des Unendlichen“ bietet ebenfalls eine unbeschreiblich herrliche Aussicht. Die schneeweißen Büsten an diesem Aussichtspunkt werden so manches Fotoalbum zieren und fehlen in keinem Bildband. Kaum jemand entdeckt jedoch den kleinen Balkon eines Cafes gleich unterhalb der Brüstung, der so unwirklich aussieht, als schwebe dort ein freigelegter Swimmingpool hoch über der Küste.
Wieder zurück auf der Amalfitana hat in Atrani die Natur der kleinen Ortschaft wenig Platz vor der mächtig steilen Felswand gelassen. Und so muss der ganze Verkehr hoch über eine Stelzenstrasse geführt werden, deren Häuser Teil dieser Brücke sind. Wir parken unten am Strand und steigen unzählige Stufen hinauf und wieder hinab. Bestaunen die ursprüngliche Architektur, in der in früheren Zeiten reiche Kaufleute zu wohnen pflegten, um von hier aus regen Handel mit ihren Schiffsflotten zu betreiben. Und das war zu jener Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert, als die Amalfiküste zu einer der wichtigsten und reichsten Seerepubliken gehörte. In der so genannten Tavole Amalfitane wurden die Normen der Seegesetze festgelegt, die durch das ganze Mittelalter ihre Gültigkeit behielten.
Im hochmittelalterlichen Amalfi, dem pulsierenden Herz der Costiera Amalfitana, können wir uns jetzt in der Vorsaison nicht vorstellen, wo die vielen Besucher im Sommer ihre Fahrzeuge parken werden. Ersichtlich nur im kleinen Hafengebiet, in dem in seiner Hochblüte Samt und Seide sowie Kaffee und Gewürze aus fernen Ländern umgeschlagen wurde. Gänzlich außerhalb der Stadt parken wir mit unzähligen Einheimischen unseren italienischen Leihwagen und müssen dann feststellen, dass nach einem für uns unergründlichen Verteilerschlüssel Strafzettel an einigen wenigen Windschutzscheiben verteilt worden sind. Wir sind mit 38 Euro dabei. Wovon wir uns nicht die Laune verderben lassen.
Bummeln Treppauf-Treppab vor göttlicher Traumkulisse und nippen später nonchalant an unserem Aqua Minerale im Plastikbecher auf der Piazza Duomo.
Genießen neben einigen Schönen in Designer-Mode und einem knallgelb gekleideten deutschen Fahrradklub die Traumkulisse mit riesiger Freitreppe und stolzer arabisch-normannischer Kathedrale, die an vergangene Größe erinnert.
Dort oben dann auch in unmittelbarer Nachbarschaft der Kreuzgang des Paradieses,
dessen zierliche Doppelsäulenreihen mit gotischen Arkaden einem Märchen aus 1001 Nacht entsprungen sein könnte. In ihm wurden die vornehmsten Bürger der Stadt begraben.
Einige Tage später freuen wir uns wieder einmal darüber, dass jetzt im Frühjahr so wenige Touristen hier sind.
Im „senkrechten Dorf“, wie Positano realitätsgetreu genannt wird, können wir von der Amalfitana, die fast senkrecht über dem Künstlerdorf klebt, durch eine enge Gasse steil hinab bis fast zum Wasser hin fahren. Dort geben wir den Wagen in einer Tiefgarage ab. So bleibt Zeit für das Erstöbern von unendlich vielen interessanten Winkeln, die über die „scalinatelle“, den schmalen Treppen mit göttlicher Aussicht, zu erreichen sind.
Danach haben die müden Beine dann erst einmal eine lange Strandpause verdient, bevor das Auge dann die pfiffig bunte, lebhaft luftige Mode in unscheinbar kleinen Lädchen entdeckt, die von hier aus seit Jahrzehnten zu einer regelrechten Marke weit hinausgetragen worden ist.
Weit hinaus reicht jeden Abend dann auch der Blick auf diese göttliche Küste und das intensiv blaue, glitzernde Tyrrhenischen Meer mit seinen steilen Felsabhängen einerseits, die vielen Lichter von Vietri sul Mare und Salerno andererseits.
So sitzen wir auch heute Abend wieder im kleinen Bergnest Raito auf unserer gemütlichen Terrasse der recht bescheidenen Ferienwohnung und warten schon gespannt auf die markerschütternden Sturmglocken unserer kleinen Bergkirche. Dabei lassen wir den Tag Reveau passieren, haben die Füße gemütlich hoch gelegt und lassen uns den köstlichen Rotwein der Region schmecken. Ti amo, Campania!
Gerd Krauskopf
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Bella Italia! Sehr schön geschrieben und wundervolle farbenprächtige Fotos mit phantastischen Motiven. Da möchte man gern auch mal Urlaub machen. lg Romy
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Allein schon der Titel hat fünf Punkte verdient!
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So müssen Reiseberichte aussehen. Klasse. Perfekte Bilder. vg winni
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ein wunderbarer Bericht, auch wir haben die letzte Woche diese Traumstraße bereist und danken für diese herrlichen Bilder
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Fein, Reisebericht und Bilder!
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ein sehr schönes Kennenlernen dieses Kleinods!
Dein Bericht ist wieder kurweilig und sehr schön geschrieben. Die tollen Bildern vervollkommnen ihn!
LG Robert -
Während ich den Bericht gelesen hatte, war ich wieder da. Die Amalfiküste ist unglaubklich schön. Ein wunderbarer Ausblick folgt nach dem anderen.
Ravello gefiel mir persönlich am besten, Amalfi war vor 4 Jahren eine Baustelle, laut und vom Charme her etwas morbide. Die Amalfitana gehört zu den unglaublichsten Straßen dieser Welt. Angstzustände und Begeisterung liegen hier nah zusammen.
Aber die Küste eignet sich auch zum Wandern. Der Wanderweg der Götter bietet fantatsische Aussichten!
Und jetzt, ja jetzt, will ich wieder dort hin. Danke Gerd.
Gruß
Claus -
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Super toll beschrieben. als wàre man live dabei!!! Und supertolle bilder auch dazu. :-) kompliment..lg Sabine
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E cosí! Ja, genau so ist es! Dort, an der Amalfitana! Ein wunderbarer Bericht mit herrlichen Bildern.
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