Mit Kindern nach Namibia reisen

Reisebericht

Mit Kindern nach Namibia reisen

Reisebericht: Mit Kindern nach Namibia reisen

"Was sollen wir denn hier machen" - die leicht genervte Frage von Kindern an Eltern, die Familienurlaub machen wollen. In Namibia gibt es für Eltern, kleinere und größere Kinder eine Vielzahl an Möglichkeiten für Erholung, Spaß und persönliches Wachstum.

30.12.2008

Die Namibwüste. Ein unwirtlicher Ort mit jeder Menge Leben.

Immer wieder springt Chris aus dem Landrover und wo wir nur glatten Wüstensand sehen, fängt er nach kurzem Suchen plötzlich an zu graben. Mit einem Stock oder bloßen Händen. Plötzlich schließt sich seine Hand und ein fast durchsichtiger Gecko bleibt unbeweglich auf der Handfläche stehen. Und er wechselt sogar auf eine schweiß-feuchte Kinderhand - federleicht und filigran. Wir sehen seine Adern durchschimmern und große glänzende Augen. Auch daumengroße Eidechsen können wir gefahrlos auf der Hand halten. Die giftigen Vertreter der Wüste – Spinnen, Sidewider Schlangen und Skorpione verbergen sich tief im Wüstensand und jagen nur nachts. Also keine Sorge: Ein Ausflug in die Namibwüste zwischen Swakopmund und Walvis Bay ist auf jeden Fall eine sichere Angelegenheit. Es ist Biologieunterricht pur, den wir alle so ganz nebenbei auf einem halben Tagesausflug unserer 12-tägigen Namibiareise mitnehmen. Nicht aus Büchern, sondern zum Anfassen. Zwischendurch sammelt Chris einige Tok-Tokkie-Käfer ein, die morgens einen „Handstand“ machen, um mit den Hinterbeinen die feinen Tröpfchen des Atlantikdunstes aufzufangen. Ein Chamäleon fahrt sekundenschnell seine klebrige, lange Zunge aus und schnappt sich zielsicher das zappelnde Frühstück zwischen Chris’ Daumen und Zeigefinger...hier in einem Kurzvideo auf YouTube gut zu beobachten: https://www.youtube.com/watch?v=SjMFxB7-haU&list=UUoqw9N01Zj-MijtzOW-ji8w



Gecko aus der Namibwüste



Dancing white dune boarders

Dünensurfen in Namibia

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Beim Dünensurfen am gleichen Nachmittag sehen wir die Wüste aus einer anderen Perspektive – auf einem dünnen und biegsamen Brett rasen wir auf dem Bauch 150 meter hohe Dünen herunter. Kleine und auch größere Kinder fahren huckepack auf dem Rücken ihrer Eltern oder einem der vier Tourguides. „A richtige Pistensau“ lachen die Österreicher in unserer international besetzten Gruppe, als wieder einer in Schussfahrt unten ankommt. Es ist ein Spaß, den auch afrikanische Kinder nach der Schule lieben: Wer kein Brett hat, der rutscht auch auf einer ausgedienten Plastiktüte gut. Schlepplifte von unten wieder hoch auf den Dünenkamm wären jetzt natürlich ein toller Service ;-) Wer keine Schuhe trägt, eilt barfuss durch den sehr heißen Sand, um möglichst wenig Bodenkontakt zu haben. Und er weiß jetzt aus eigener Erfahrung, warum eine berühmte weiße Wüstenspinne auch „Dancing white lady“ heißt.



Township Mondesa. Leben in leuchtenden Farben.

Den Nachmittag des ersten Weihnachtstages verbringen wir als inter-kontinentale Zufallsgemeinschaft im Township Mondesa bei Swakopmund. Eingeladen hat uns Uschi, eine allein erziehende Mutter von drei Jungen zwischen acht und 19 Jahren, die an der Kasse in einem Baumarkt arbeitet. Ihr Haus hat sie leuchtend orange gestrichen, den „Vorgarten“ aus Steinplatten und Sand ordentlich gefegt. Spontan fragt sie auch Jean, ob sie sich anschließen will– eine 26-jährige US-Amerikanerin, die als Globetrotter auf der Durchreise für mehrere Monate den afrikanischen Kontinent erkundet. Im Kongo war Jean Ibrahim begegnet, der sie jetzt begleitet. Das begeistert Paul, einen weiteren Kongolesen, der seit drei Jahren als Lehrer in Namibia lebt und sich freut, auf diese Weise einen Landsmann wiederzutreffen. Jeder hat etwas für das Bufet zubereitet und mitgebracht. Wir lassen uns ein Hühnchen-Curry schmecken – über offenem Feuer frisch zubereitet im „Potjiekos“ (Sprich: Poikie) – einem dreibeinigen gusseisernen Topf.
Die Kinder sammeln unaufgefordert Geschirr ein, spülen, trocknen ab. Die deutschen „Gastkinder“ helfen (notgedrungen...) mit. Die Jungs ziehen sich später ins Haus zurück und tanzen nach Musikvideos auf MTV. Die Mädchen stehen draußen und stecken kichernd die Köpfe zusammen.



Weihnachten in Mondesa (Namibia)



Namibia ist ein Land der Gegensätze und in der Gegend um Swakopmund wird dies ganz deutlich. Nicht nur landschaftlich, weil hier der eiskalte Atlantik auf die heiße Namibwüste trifft und das Küstenstädtchen oft in Nebel hüllt. In Richtung Hentiesbay reihen sich großzügige Villen aneinander. In den Ausläufern des Townships Mondesa jedoch leben Menschen in Pappverschlägen ohne Wasser und Strom, innen stets mit gemachtem Doppelbett und sorgsam gefalteten T-Shirts. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, aber Mondesa hat eine lebendige Musikkultur: Aus vielen Schulchören - darunter dem international bekannten „Masquato Youth Choire“ – gehen immer wieder Talente hervor, die eigene Karrieren anstreben. Ein Konzert des Sextetts „Vocal Galores“ erleben wir live: Linus (21), Richie (22), Bobby (20), Phillip (18), Matheus (19) und Sam (18) singen mit gut ausgebildeten Stimmen eine Mischung aus Gospel, Soul und Hip Hop. Sechs sympathische Jungs, die wissen, was sie können und es auch umsetzen. Sie treten auf Hochzeiten auf, in Kirchen und den schicken Einkaufspassagen von Swakopmund. In einem Tonstudio haben sie vor kurzem ihre erste CD gebrannt und arbeiten an dem großen Durchbruch.



Die Vocal Galores






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Kommentare

  • Jette (RP)

    Das freut mich....!

  • Ulich

    Bin begeistert!
    Gruß Beate

  • RdF54

    ja - auch für mich sehr interessnt und amüsant geschrieben!
    Namibia mal aus einer völlig anderen Sicht - das öffnet!!

    LG Robert

  • xflow (RP)

    Ein sehr guter Bericht, der mich in meine Zeit in Namibia zurückkatapultiert. Danke :-) Am beeindruckendsten war für mich jedoch die Erfahrung wie man wieder auflebt, wenn man von der Mondlandschaft, sprich Wüste, wieder in die saftig grünen Gegenden gelangt, z.B. um den Cubango herum oder Caprivi.

  • caramaina

    Hallo Jette, habe Deinen sehr schönen Reisebericht über Namibia über den Begriff Gekko gefunden. Ich bin Fotografin und lebe in Berlin. Habe eine S/W Postkartenedition von La Gomera unter anderem mit Gekkomotiven. Du kennst Dich gut in der Tierwelt aus wie mir scheint.. schau Dir doch mal mein Neuseelandfoto mit dem Maorimädchen an. Ist das nun ein Flusskrebs -Crayfish oder ein orginal Hummer? Bin mir da nicht ganz sicher... liebe Grüße von cara.

  • andi31

    Ausflug in die Wüste bei Swakopmund
    Vorsicht bei der Buchung von Ausflügen in die Namib Wüste und Dünentouren. Sie sind zwar interessant, aber leider, wenn etwas passiert, wie es uns geschah, dass sich einer der Jeeps überschlug und acht Passagiere zum Teil schwer verletzt wurden, nicht versichert. Das ist für die Betroffenen nicht nur teuer, sondern auch sehr ärgerlich. Es ist nicht nur die Tatsache, dass man den Ärger vor Ort und die Schmerzen hat, man gewinnt den Eindruck, dass es darum geht, den Kunden ihr gutes Geld abzunehmen, ohne die geringsten Absicherungen durch den Veranstalter. Sollen die Touristen doch erst einmal wieder in Ihre Heimatländer reisen, dann fehlt die Energie und Kraft, weitere Schritte und Ansprüche einzuleiten. Eine gute Tour ist abgesichert, selbst wenn viele Jahre nichts passiert. Vor allem sollten die Fahrzeuge mit Sicherheitsgurten und Haltegriffen ausgestattet sein. Leider waren unsere Erfahrungen andere.

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