Studiosusreise nach Lissabon September 2007

Reisebericht

Studiosusreise nach Lissabon September 2007

Reisebericht: Studiosusreise nach Lissabon September 2007

Reisebericht Lissabon
Mittwoch, 12. bis Sonntag, 16. September 2007
Unsere 5. Studiosus-Reise

Reisebericht Lissabon 2007

Terrasse Pal. Fronteira

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Reisebericht Lissabon September 2007
Mittwoch, 12. bis Sonntag, 16. September
Unsere 5. Studiosus-Reise


Wir kamen 20 Minuten vor der Zeit in Lissabon an, fanden schnell den Mann mit dem „Studiosus-Schild“, der uns zum Hotel brachte und trafen dort gegen 15 Uhr MESZ – 14 Uhr Lissabonner Zeit – ein. Es hatte 26 Grad.
Sofort brachen wir zum ersten Stadtbummel auf, trabten durch die Stadtviertel Baixa (sprich: Baischa) und Chiado, hielten uns lange in einem Fliesengeschäft mit antiken und neuen portugiesischen Fliesen auf, gingen am Rio Tejo (sprich: Tescho) entlang, kauften die portugiesische Spezialität, die berühmten mit Vanillecreme gefüllten Törtchen Pasteis (sprich: Pasteisch) und waren um 16.30 Uhr wieder im Hotel zurück.

In der herrlichen früheren Eingangshalle des Hotels trafen wir unseren Reiseleiter Jorge Falcato und die mit uns 23köpfige Reisegruppe und stießen mit weißen Portwein, selten - meist wird roter Portwein getrunken, auf den Reisebeginn und auf Lisboa (sprich: Lischboa) an.

Unser Hotel „Avenida Palace“ ist das älteste Hotel Lissabons. Es ist eines der wenigen Hotels, das sich in der Innenstadt befindet, die meisten Hotels sind außerhalb der Altstadt. Es wurde 1892 erbaut. Damals waren in Europa chique, direkt neben dem Bahnhof in einem eleganten„hôtel du gare“ abzusteigen, so wurde auch das „Avenida Palace“ direkt neben dem Bahnhof erbaut, der heutzutage umgebaut wird und aktuell nur als Ausstellungshalle für spanische Faschingsmasken genutzt wird. Im Januar 2008 soll der wunderschöne Bahnhof wieder eröffnet werden. Es gibt noch einen modernen großen Bahnhof in Lissabon.

Es begann gleich ein weiterer Stadtbummel. Wir schlenderten über den Rossio und durch den Stadtteil „Baixa“, ein im 19. Jahrhundert wie ein Schachbrett angelegter Stadtteil, nachdem die ursprünglichen Gebäude durch das schwere Erdbeben am 1. November 1755 vollkommen zerstört worden war. Die Stadtgeschichte wird generell eingeteilt in die Zeit vor und die Zeit nach dem Erdbeben. Das Erdbeben dauerte 10 Minuten und kam über die Stadt, als die Einwohner vormittags in den Kirchen den Allerheiligentag begingen. Der König Josef I. (José I.) und seine Minister befanden sich außerhalb der Stadt. Josef I. soll so schockiert von dem Anblick der Zerstörung des Erdbebens und der kurz darauf in die Stadt gerollten Riesenwelle eines Tsunami gewesen sein, dass er mehrere Tage nicht sprechen konnte. Das war die Stunde seines Premierministers, des Marquês de Pombal. Er übernahm die Koordination der Aufräumarbeiten und des Wiederaufbaus wie auch die politische Macht. Bereits 5 Jahre nach dem Erdbeben konnten die neu erbauten Häuser bezogen werden. Die typische Bauweise stammt von den Arabern: Eisengitterbalkone und dekorative Fliesen an den Außenwänden.

Statistisch gesehen wird Lissabon alle 200 Jahre von einem Erdbeben erschüttert, weswegen die Einwohner nun seit Jahrzehnten wieder ein solches Ereignis erwarten, was derzeit auch von Geologen bestätigt wird.

Südlich des Rossio beginnt die Baixa, die schachbrettartig angelegte Unterstadt. Sie wurde nach dem verheerenden Erdbeben von 1755 auf Befehl des Marquês de Pombal aufgebaut. An den Straßennamen läßt sich erkennen, daß dort früher bestimmte Handwerksbetriebe angesiedelt waren, in der Rua da Prata (Silberstraße) beispielsweise die Silberschmiede, in der Rua dos Sapateiros die Schuhmacher. Von dem System ist nichts mehr erhalten, dennoch wird Ihnen bei einem Bummel durch die Unterstadt auffallen, daß sich in einer Straße überwiegend Schuhläden befinden, in einer anderen sich die Juweliere häufen. Die schnurgeraden Straßen der Unterstadt beherbergen ein Einkaufsparadies.

In der Mitte der Baixa führt die breite Rua Augusta direkt nach Süden zum Tejo. Als Fußgängerzone eignet sie sich besonders gut zum Flanieren. Am Ende der Straße sehen Sie einen imposanten Triumphbogen, durch den Sie auf den Praça do Comercio gelangen. An dem riesigen Platz (34000 Quadratmeter) stand vor dem Erdbeben der Königspalast, hier wurden die Staatsgäste pompös empfangen. Eine Marmortreppe, von Säulen begrenzt, führt noch heute vom Platz hinab zum Tejo.
In der Mitte der jetzt kahl asphaltierten Fläche (davor diente der Platz als Parkplatz) steht ein Reiterstandbild des Königs Jose I aus dem Jahre 1775. Die arkadengeschmückten Gebäude um den Platz herum sind nach 1755 errichtet und beherbergen größtenteils Ministerien.

Wir schlenderten bis zum „Praca do Comèrcio“, daran fließt der Rio Tejo vorbei, der so breit ist, dass man kaum das andere Ufer sieht. Ein Reiterstandbild von José I. steht seit 1775 auf diesem großen Barockplatz und der alte König blickt auf den Tejo hinaus. Der rechteckige „Praca do Comèrcio“ ist von Prunkbauten umgeben, in denen sich verschiedene Ministerien befinden, hier wird Portugal regiert.
Zurück gingen wir bis zum „Feigenbaumplatz“, dem „Praca da Figueira“, auf dem kein Feigenbaum mehr steht, stattdessen ein Bronzedenkmal von Joao I. aus dem Haus Aviz. Rund herum skaten Jugendliche. Links davon liegt der „Rossio“, der zentrale Platz der Altstadt, mit 2 Brunnen, Obelisk und Theater. Rechts über uns prunkt wir das alte „Castelo de São Jorge“, das wir in den nächsten Tagen noch besuchen würden.

Jorge führte uns in die Casa de Alentejo, um uns zu demonstrieren, dass die Hausfassaden oft zwar schäbig, das Innenleben der Häuser dafür umso luxuriöser und prächtiger ist. So auch das Casa de Alentejo, Treffpunkt der Lissabonner, die aus Alentejo stammen: breite Marmortreppen, im Lichthof ein hübscher, plätschernder Brunnen, Säulchen, bemalte alte Fliesen, Topfpflanzen und Bänke zum Ausruhen.

Der zweite Tag in Lissabon
Die Pastellaria gegenüber hatte um 5.30 h schon geöffnet, der Ober stellte Stühle nach draußen und räumte seine Vitrinen ein. Erste Kunden kauften ihr Frühstück bei ihm.
Die Sonne ließ auch nach 8 Uhr auf sich warten, was normal sei in Lissabon, sagte Jorge, der Nebel des Tejo füllte die Gassen. Doch mit 19 Grad, später 24, hatten wir angenehme Temperaturen.
Punkt 9 Uhr saßen wir im Bus und starteten zur Stadtrundfahrt. Wir fuhren langsam am „Rossio“ vorbei, dem Hauptplatz der Unterstadt, wie die Baixa auch genannt wird, zum Tejo vor und dabei an dem Stadtaufzug vorbei, den Anfang des 20. Jahrhunderts ein Schüler von Eiffel gebaut hat. Jorge wies uns darauf hin, dass Lissabon die erste Stadt Europas war, die mit Bürgersteigen, mit Trottoirs, ausgestattet wurde. In Baixa stehen nur 3-4stöckige Gebäude mit Geschäften im Erdgeschoß, heutzutage meist Banken. Der Bus umrundete den „Praca do Comèrcio“, der Rio Tejo war im Nebel nicht zu sehen.

Lissabon ist das ganze Jahr mit einem milden Klima gesegnet. Im Winter überwiegen 13/14 Grad, im Sommer gibt es selten über 30 Grad, vom Atlantik weht fast immer eine frische Brise herüber. Die übliche Vegetation wurde durch exotische Bäume und Pflanzen aus Brasilien ergänzt, die die Kreuzfahrer mitbrachten.

Auch die Straßenbahn fährt nach Belém, wir sichten sogar die alte Linie 18, die seit den 1920er Jahren fährt. Weiter ging es, an einem rosafarbenen riesigen Palast vorbei, der Residenz des Staatspräsidenten von Portugal. Derzeit hat das Amt José Sócrates Carvalho Pinto de Sousa (* 6. September 1957 in Vilar de Maçada, Alijó, Distrikt Vila Real, Portugal) inne. Seit September 2004 ist er Generalsekretär des Partido Socialista (PS), der Sozialistischen Partei Portugals, und seit dem 12. März 2005 Ministerpräsident Portugals. Damit ist er im 2. Halbjahr 2007 Präsident des Europäischen Rates.

Belém ist der portugiesische Name für Betlehem. Zuerst fuhren wir das Wahrzeichen von Lissabon und Belém an, den im 16. Jahrhundert erbauten Torre de Belém (mittlerweile Weltkulturerbe). Der Wachturm wurde während der napoleonischen Invasion zerstört und 1846 rekonstruiert. Neben dem nahegelegenen Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster) gehört sie zu den wenigen herausragenden Bauwerken des „manuelinischen Stils“, die das Erdbeben von Lissabon überstanden haben. Der Wachturm sollte frühzeitig vor Piraten warnen, die im Mittelmeer und im Atlantik eine lästige Gefahr für die küstennahen Städte darstellten. Ich erinnere daran, dass es die wichtigste Aufgabe der Venezianer war, die Mittelmeerküsten vor Piraten zu schützen, was ihnen im 11. und 12. Jahrhundert überwiegend erfolgreich gelang. Die Venezianer kamen fast überall hin, aber nicht bis Portugal.

Nach einer Fotopause beim Torre de Belém fuhren wir weiter bis zum 1960 erbauten Seefahrerdenkmal, auf portugiesisch „Padrão dos Descobrimentos“.
Das Denkmal steht im Stadtteil Belém am Ufer des Flusses Tejo. Es wurde unter dem Salazar-Regime erstellt, genau 500 Jahre nach dem Tode von Heinrich dem Seefahrer. Es soll die alten Zeiten der Seefahrernation Portugal glorifizieren. An dieser Stelle starteten die Karavellen in die neue Welt!
Auf der Plattform neben dem Seefahrerdenkmal ist eine Weltkarte aus Marmor im Fußboden verlegt, sie stellt die portugiesischen Entdeckungen dar.

Unser nächster Halt war das Mosteiro dos Jerónimos (Weltkulturerbe)
Das Mosteiro dos Jerónimos („Hieronymus-Kloster“) liegt im Stadtteil Belém. Neben den Königsgräbern befindet sich hier auch die Grabstätte des bekannten Seefahrers Vasco da Gama. Das Kloster gilt als bedeutendster Bau der Manuelinik, einer portugiesischen Variante der Spätgotik, die auch Stilelemente der Renaissance enthält. Die Säulen der Kirche erinnern an einen Palmenhain.
Wunderschön fanden wir den Kreuzgang des Klosters – hier könnte man sich ewig aufhalten und wandeln, schauen, meditieren.
Das Kloster wurde in der Säkularisation 1834 aufgelöst und dient heute als Museum für verschiedene Ausstellungen.

Pasteis de Belém
Etwa 50 Meter vom Kloster entfernt produziert eine traditionelle Konditorei die leckeren Törtchen, die mit Vanillecreme gefüllt werden. Jorge kaufte eine ganze Menge Pasteis ein und wir konnten das „Nationalgebäck“ kosten. Wenn man die originalen pasteis de belém nicht vor Ort gegessen hat, war man nicht in Belém! Als das Kloster nach der Säkularisation 1834 aufgelöst wurde, übernahm die Konditorei das Rezept und stellte weiter die Pasteis her, die bis dahin von den Mönchen des Hieronymusklosters hergestellt worden waren.

Weiter ging es mit dem Bus in das Fliesenmuseum, dem Museu Nacional do Azulejo, im „Convento da madre de deus“ (Kloster der Muttergottes) im Osten von Lissabon. Das ehemalige Klasissenkloster wurde 1509 von der Schwester König Manuels I. gegründet. Leonor ließ sich als Witwe dort nieder. Die beiden Kreuzgänge stammen noch aus manuelinischer Zeit. Das Museum ist nicht groß und allerliebst angelegt. Sehr schön ist die barock gestaltete Kirche.

Zur Mittagspause brachte uns der Bus zurück zum Rossio. Kurz entschlossen gingen wir in das nahegelegene WOK ORIENTAL und bedienten uns am chinesischen Buffet. Wir hatten sogar noch Zeit für 1 Stunde Siesta im Hotel, was uns gut tat, denn von einem Grippevirus waren wir beide noch angeschlagen. Es hatte 26 Grad.

Nachmittags fuhr uns der Bus in den Lissabonner Vorort Benfica zum Privatpalast der Familie Mascarenhas - Palácio dos Marqueses de Fronteira. Benfica wird leider von Hochhäusern dominiert, der Ausblick vom Schloss ist deshalb wenig erbaulich.
Der Weg führte uns durch die Freiheitsallee am Park Monsanto vorbei, einem dichten Wald aus Schirmpinien, Eukalyptus, Kiefern, zwischendrin sahen wir auch immer wieder Oliven- und Mandelbäume. Der Palast der Marqueses de Fronteira ist nicht ohne weiteres zugänglich und die Besichtigungsrunde wird von einem ängstlichen Palastangestellten begleitet. Er ist traumhaft schön, allein um den Palast zu sehen, hat sich die Reise gelohnt. Im Park stehen Bäume, die wir noch nie gesehen haben.

Aqueduto das Aguas Livres
Die Stadtautobahn führt über das Alcántara-Tal, parallel zur Autobahn verläuft ein altes Aquädukt aus dem 18. Jahrhundert, etwa 20 km lang und in diesem Tal auf 65,3 m Höhe verlaufend. Bis 1880 leitete es frisches Wasser von den im Norden Lissabons gelegenen Quellen ins Zentrum.

Mit diesen Eindrücken ausgestattet brachte uns der Bus zurück zum Hotel. Dabei fuhren wir erneut die „Freiheitsallee“, die Avenida da Liberdade, entlang, die Alt- und Neustadt verbindet.
Dort finden sich neben Restaurants auch Theater, Kinos und am Beginn der Allee ein riesiges Denkmal des Marques von Pombal. Der Löwe als Symbol der Macht darf bei diesem Denkmal nicht fehlen. Hinter dem Denkmal liegt der Botanische Garten von Lissabon, für den uns leider die Zeit fehlte, er soll sehr schön sein.

In Lissabon fließt beständig der Autoverkehr, doch ohne jede Hektik. Wir passierten auch ein immenses Einkaufszentrum mit 3 Spiegeltürmen in der Maulbeerbaum-Allee (in der keine entsprechenden Bäume mehr stehen) – die Shoppingzentren in Portugal sind täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet, 7 Tage die Woche. Nur an 2 Tagen im Jahr sind sie geschlossen: am 25. Dezember und an Neujahr.

Unser abendlicher Bummel führte uns wieder in die Nähe verschiedener Restaurants. Wir entschieden uns für das Restaurant DERBI, kein glücklicher Entschluss, wie sich später herausstellte. Die Dorade und die Calamares vom Grill waren nicht sehr gelungen, auch der Wein war nicht wirklich gut. Über die Freiheitsallee gingen wir langsam zum Hotel zurück, gegen 21 Uhr hatte es immer noch angenehme 22 Grad.

Freitag, 14. September 2007
An diesem Morgen hing nicht so viel Nebel über Lissabon wie am Tag zuvor.
Heute wollten wir hoch hinaus – wir strebten das Castelo an. Zu Fuß querten wir die Baixa und dann ging es bergauf durch den ältesten Stadt teil Lissabons, die Alfama. Vorbei gehen wir an der Kirche des Hl. Antonius (von Padua – Antonius war nämlich Portugiese, er starb in Padua, weil er sich in Italien den Franziskanern angeschlossen hatte, nachdem er den Hl. Franziskus kennen gelernt hatte. Die Italiener haben den Heiligen damit sofort für sich reklamiert) .
Etwas oberhalb der Antonius-Kirche steht die Hauptkirche Lissabons, die Kathedrale Sé Patriarcal. „Sé“ ist die Abkürzung von „Sede“, was Bischofssitz bedeutet. Die Kathedrale wurde von Afonso Henriques an der Stelle errichtet, an der zuvor eine Moschee gestanden hatte, nachdem die Araber vertrieben worden waren. Die Araber mussten schon eine Kirche aus dem 4. Jahrhundert umgebaut haben, denn man fand bei Umbauten Materialien aus vorarabischer Zeit, z. B. ein westgotisches Fries. Im Lauf der Jahrhunderte wurde das Bauwerk durch mehrere Erdbeben immer wieder zerstört und 1380 wurde die heutige Fassade mit den Zinnen gekrönten Türmen errichtet, die der Kathedrale einen Festungscharakter verleihen. Über dem Haupteingang wurde eine hübsche Rosette eingebaut. Die Innengestaltung ist überwiegend romanisch, Chor und Chorumgang sind gotisch gestaltet. Links neben dem Eingang erklärte uns Jorge ausführlich die Franziskuskapelle. Auf einem Fliesenbild ist Franziskus dargestellt, wie er Fischen predigt, die mit offenen Mündern aus dem Wasser schauen. Im Taufbecken daneben soll 1195 der Hl. Antonius getauft worden sein.

Wir folgten ein Stück dem Trambahngleis, auf dem die alte Linie 28 durch die Alfama rattert. Bald standen wir im lichten Burghof des Kastells mit gewaltigen Ausblick auf die Stadt und alten Olivenbäumen, Restaurant und verwinkelten Burgmauern.

Nach der Besichtigung hatten wir frei und zogen alleine los. Zuerst landeten wir in einer kleinen Bar und aßen Suppe, Krabbenomeletts mit Salat und genehmigten uns zum Abschluss einen Porto tinto – also einen roten Portwein.
Saude! (Gesundheit!) Der Porto war das Teuerste am ganzen Essen. Trotz moderater Preise war die Qualität der Speisen sehr gut und die Gäste überwiegend Einheimische.

Nach 10 Minuten Siesta im Hotel gingen wir zurück in die Baixa zur Trambahnhaltestelle der Linie 28 – wir wollten für den Rest des Tages mit der berühmten uralten Trambahnlinie durch die Stadt fahren.
Die Eléctrico ist die traditionelle Straßenbahn Lissabons. Die Linie 28 fährt ausschließlich durch die Altstadtviertel der Stadt. In den neueren Stadtteilen und auf der Linie nach Belém verkehren zum Teil moderne Trams, andere "alte" Routen sind noch die Linien 12 und 25. Die alten Eléctricos muten zwar sehr altertümlich an, sind aber erst in den 1990er Jahren grunderneuert worden und verfügen über moderne Motoren, Fahrwerke und kontaktlose Ticketentwerter. Die Linie Nummer 28 fährt die schönsten Straßen und Plätze des alten Lissabon ab. Die Strecke führt von Martím Moniz (Alfama) bis nach Prazeres direkt vor den Friedhof; alternierend fahren die Wagen auch nur bis Graça oder Estrela. Die Entscheidung darüber, wie weit sie fahren, treffen gelegentlich auch spontan die Fahrzeugführer. Die E28 ersetzt eine Stadtrundfahrt und ist preiswert (1,35 Euro pro Fahrt, egal wie weit). Aufgrund des großen Touristenaufkommens wird in den Wagen vor Taschendieben gewarnt. Wir stiegen in einen überfüllten Wagen ein und fuhren mit dem ratternden Vehikel Richtung Prazeres bis zur Basilica da Estrela, da rief der Schaffner die Endstation aus – „Finito“ rief er und alle stiegen aus. Wir besichtigten die spätbarocke Basilica da Estrela und den gegenüberliegenden Jardim da Estrela, einen wunderschönen Park, eine Oase mit Teich und Kaffeehaus und tollen Pflanzen. Die Basilika gilt als Lissabons bedeutender Sakralbau aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihre weiß strahlende Kuppel ist von weitem zu sehen.

Wenn man aus der Tram aussteigt, muss man sich wieder in die Warteschlange ganz hinten einreihen. Man kann nicht an einer Endstation sitzen bleiben, auch hier gilt wieder „hinten anstellen“. Wir waren etwas unschlüssig, dann kam aber die Linie 28 nach Prazeres und wir sprangen auf. Beim Cemitério dos Prazeres (Friedhof) stiegen wir aus und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

KASTEN: Cemitério dos Prazeres
Das ist nicht einfach ein Friedhof, das ist eine Friedhofsstadt! Die Gräber sind wie Häuser gebaut, mit Eingangstür und gehäkelten Gardinen, die vor die Fenster der Eingangstür gehängt sind. Die Grabhäuschen und Mausoleen stehen an mit Zypressen bepflanzten Straßen, jedes Grab hat eine Nummer und die 73 Straßen des Friedhofs sind mit Namen versehen. In den Häuschen sahen wir an jeder Seitenwand etwa 3-5 offene Fächer, wie Regalbretter, in denen die Särge standen – schöne Särge aus teurem Holz, poliert, mit edlen Griffen. Der Gang dazwischen ist wohnlich eingerichtet, mit Tischchen und Blumen darauf und Sessel. Die Gräber sind ein Problem für die Nachkommen, wie uns Jorge später erzählte. Die Erhaltung der Gräber ist sehr kostspielig.
Die Toten sind nämlich einbalsamiert und wenn die Grabhäuschen voll sind, dann sind sie voll. Nichts verrottet, wie bei uns, wo alle 7-10 Jahre der nächste Tote „nachrücken“ kann. Feuerbestattungen werden gelegentlich vorgenommen, aber die katholische Kirche sieht Feuerbestattungen nicht gerne, weil man dann ja, nach landläufiger Meinung, nicht auferstehen kann – also bleibt nur, ein neues Grab anlegen und weiter zahlen.
Wunderschöne lebensgroße Skulpturen von Engeln und trauernden Frauen stehen an den Gräbern, für einen Fotografen eine wunderbare Atmosphäre in dem Licht des späten Nachmittags.
Der Name bedeutet übrigens „Friedhof der Vergnügen“, der Name leitet sich von dem Gut ab, das an dieser Stelle stand, bevor 1833 der Friedhof angelegt wurde.

Etwas später fuhren wir mit der 28er zurück in Richtung Alfama. Wir hatten Glück und gelangten in den Besitz von Fensterplätzen. Nach einigen Haltestellen war die Trambahn wieder rappelvoll, die Straßen verstopft und der Straßenbahnfahrer fluchte und schimpfte und klingelte, dass es eine Wonne war. Die Fahrgäste waren zum großen Teil Touristen. An den Haltestellen standen Lissabonner Bürger mit Aktentaschen und wollten nichts anderes als nach Hause fahren, aber die Straßenbahn war so voll, dass sie nicht mitfahren konnten. Eine ärgerliche Situation. Ab dem Castelo wurde es leerer, viele Leute waren in der Baixa schon ausgestiegen. An der Endstation hinter dem Hotel Mundial, gleich hinter dem Rossio, stiegen wir auch aus.

Wir tranken am Rossio, vor dem Einzimmerladen Ginjinha, einen Becher süßen Kirschlikör und bummelten noch etwas. Zum Essen wählten wir heute das LAGOSTA REAL und bestellten Salat, gegrillte Seezunge und gegrillten Schwertfisch. Dazu eine Flasche Vinho Tinto „Quinta de S. Jaoa Batista“ von 2002, ein Castelao, Ribatejo. Die „Garafa“ kostete € 9,50. Der Fisch hätte besser sein können, er war etwas zu trocken und die beigelegten Broccoli und Karotten schmeckten nach gar nichts, aber der Wein war wieder super.
Als Dessert bestellten wir Mousse de Amêndoa (Mandel-Schaum) und bica (Kaffee). Die Desserts sind sehr süß. Es gibt z. B. süßen Reis (Arroz doce) und verschiedene Puddings (Pudim) mit Vanille, Mandel, Nuss- oder Schokoladengeschmack.

Samstag, 15. September 2007
Der Tag begann mit einem gemeinsamen Spaziergang der Reisegruppe durch den Stadtteil Chiado, westlich der Baixa am Hang. Nicht weit vom Hotel führt die elegante Einkaufsstrasse Rua Garrett dort hinauf. Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser Stadtteil der Treffpunkt der Künstler und Literaten, außerdem das eleganteste Einkaufsviertel Lissabons. Im berühmten Cafe Brasileira hatte der Schriftsteller Fernando Pessao seinen Stammplatz zum Frühstück. Heute erinnert eine lebensgroße Bronzefigur von Pessao an einem Kaffeehaustischchen an ihn. Sein Mittagessen nahm Ferdinando Pessao allerdings immer unten am Praca do Comércio ein, im „Martinho da Arcada“.

Kasten: Fernando Pessoa
Fernando Pessoa (* 13. Juni 1888 in Lissabon; † 30. November 1935 ebenda), eigentlich Fernando António Nogueira Pessoa, war ein portugiesischer Dichter und Schriftsteller. Er veröffentlichte seine Werke hauptsächlich unter den vier Heteronymen Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Álvaro de Campos und Bernardo Soares.

Pessoa gilt nach Luís de Camões als bedeutendster Lyriker Portugals; er ist einer der wichtigsten Dichter der portugiesischen Sprache und gehört zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts.

Auf dem Platz vor dem Café Brasileira, dem Largo do Chiado, steht ein Denkmal des Dichters und Schauspielers Chiado, nach dem das Viertel benannt ist. Der ehemalige Franziskanermönch mit dem richtigen Namen António Ribeiro (ca. 1520-1591) verließ das Kloster, ging nach Lissabon und wurde ein spöttischer und respektloser Schriftsteller.

Im August 1988 brannte ein Teil des Stadtviertel Chiado ab und wurde in den Jahren darauf wieder neu aufgebaut.

Wir standen am Largo do Carmo vor der „Carmo-Kirche“
Palisanderbäume begrünen diesen Platz. Palisander, der auf Französisch palissandre, auf Englisch rosewood und auf Portugiesisch jacarandá genannt wird, ist ein Edelholz, das Holz, aus dem die Heiligen geschnitzt werden – so die portugiesische Übersetzung. Die Heiligenfiguren in den portugiesischen Kirchen sind deshalb aus diesem Holz gefertigt. Die Jacaranda stellen eine Gattung innerhalb der Familie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae) dar. Die Gattung umfasst etwa 50 Arten. Es handelt sich um mittelgroße bis große, sommer- oder immergrüne Bäume. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist das tropische und subtropische Südamerika. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist Brasilien. Jacaranda-Bäume haben doppelt gefiederte Blätter (erinnern an Mimosengewächse) und glockenförmige, überwiegend purpur- bis malvenfarbige Blüten. Die Portugiesen haben sehr viele Pflanzen aus Brasilien mitgebracht, sie gedeihen hier hervorragend.

Das Convento do Carmo ist ein in den Jahren 1389 bis 1423 von Nuno Álvares Pereira errichtetes Kloster des Karmeliter-Ordens. Die Karmeliter-Kirche galt als ein Prachtexemplar der Lissabonner Gotik. Durch das Erdbeben von 1755 wurde das Kloster stark zerstört. Heute sind nur noch die Ruinen zu besichtigen, man ließ sie als ewiges Andenken an das schreckliche Erdbeben stehen.
Die Carmo-Kirche ist heute das Archäologische Museum Lissabons.

Elevador do Carmo (auch: Elevador de Santa Justa):
Geht man auf Stegen an den Ruinen des Carmo-Klosters vorbei, gelangt man zur oberen Plattform des Aufzugs. Hier liegt einem Lissabon und vor allem der Rossio zu Füßen. Der Aufzug, eine neogotische Eisenkonstruktion von 1900, verbindet die Baixa mit dem Chiado. 32 Meter Höhenunterschied sind zu überwinden. Konstrukteur war ein Schüler Gustave Eiffels (Eiffelturm, Paris), der Ingenieur Raoul Mesnier de Ponsard. Er konstruierte noch einen weiteren Aufzug in Lissabon. Zwei Kabinen fahren im Turmschacht auf und ab, 25 Personen haben in jeder Kabine Platz. Auf der obersten Plattform, die man über eine schmale Wendeltreppe erreicht, findet sich ein Cafe. Die Fahrt ist kostenpflichtig (Bus- oder Tram-Ticket), ein Fahrstuhlführer fährt immer mit.

Weiter ging es mit der Straßenbahn der Linie 18 zu einem der ehemaligen Palais der Familie Pombal (erbaut 1690), dem heutigen Museum für alte Kunst. Das Museum verfügt über einen hübschen Garten mit Blick auf den Hafen, die Vasco-Brücke und die Christusfigur im Dunst. Die Cafeteria war leider geschlossen und so versorgten wir uns an einer kleinen Museumstheke mit Käse/Schinken-Croissants und Wasser. Wir hatten noch eine Stunde Zeit für einen weiteren Museumsrundgang bis zur Abfahrt nach Sintra.

Das Museum war übrigens fast menschenleer, eine Handvoll Franzosen und Engländer sichteten wir. Jorge erzählte, dass die Besucherzahlen aus den USA extrem zurückgegangen seien. Die Amerikaner fühlten sich, wegen des internationalen Terrorismus, nirgends mehr sicher.

Weiter ging es nun mit dem Bus hinaus an den Atlantik, zuerst nach SINTRA, etwa 25 km westlich von Lissabon. Wir besichtigten zuerst den Palácio Nacional de Sintra, den königlichen Sommer-Palast, kurz "Paco Real" genannt. In dem Königspalast, dessen weiße Kamine seltsam anmuten, erholten sich Portugals Monarchen seit dem 14. Jahrhundert vor der Sommerhitze Lissabons. Im Palast findet sich die weltgrößte Sammlung von Azulejos, den portugiesischen Fliesen. Die malerischen Altstadtgässchen waren komplett verstopft, in der Kirche sollte gleich eine Hochzeit stattfinden, die Braut wartete schon in einer Kutsche vor der Kirche.
In Sintra regnet es viel mehr als in Lissabon, weshalb dort auch Azaleen, Rhododendren, Hortensien und vieles mehr gedeihen. Die damalige Königin und Ehefrau Johanns I., Philippa of Lancaster (* 1360 - † 19. Juli 1415), Mutter von Heinrich dem Seefahrer, stammte aus England und die Sommer in Lissabon waren ihr zu heiß. Ihr Gatte Johann I. (Joao I., Regentschaft von 1385 bis 1433) ließ deshalb den Sommerpalast erbauen und das Königspaar verbrachte die Sommermonate von nun an in Sintra. Mit ihnen sämtliche Minister und Adelsfamilien, weshalb rund um den „Paco Real“ herrliche Villen und Schlösschen angesiedelt sind.

Jorge führt uns durch das Schloss und erzählt uns nette Geschichten.

Saal der Elstern
Wir gehen durch einen Raum, dessen Decke mit 136 Elstern bemalt ist. Warum? Philippa erwischte ihren Gatten eines Tages in diesem Raum in flagranti mit einer Hofdame. Der König wehrte sofort ab nach dem Motto „es ist nicht, was du denkst!“ und man vereinbarte zu dritt Stillschweigen untereinander. Die Hofdame hatte nichts Besseres zu tun, als trotzdem sofort einer weiteren Hofdame von dem Ereignis zu berichten und innerhalb einer Stunde war die Nachricht im Schloss verbreitet. Der König ließ den Raum mit Elstern bemalen, als Erinnerung an 136 geschwätzige Hofdamen.

Saal der Schwäne
Die Decke des früheren Bankettsaals ist mit Schwänen bemalt. Diesmal waren es keine geschwätzigen Hofdamen, die Anlass für das Motiv gaben, sondern die einzige überlebende Tochter des Königspaares, Isabella von Portugal. Ihr Lieblingstier war der Schwan. Sie war lange unverheiratet geblieben, doch gänzlich unerwartet im damals hohen Alter von 33 heiratete sie den Herzog von Burgund und zog nach Frankreich. Den Eltern blieb als Erinnerung nur, den Raum mit 33 Schwänen auszustatten.

Saal der Araber
Seine Ausstattung erinnert an alte maurische Paläste. Die Wände sind mit Azulejos aus dem 18. Jahrhundert ausgekleidet.

Palastküche
Sie ist beeindruckend groß und mit den beiden auffälligen Schornsteinen ausgestattet. Kupferkessel und –töpfe, schön poliert, stehen noch herum.
Man möchte hier mal kochen, auch wenn dort keine Geräte der „Miele-Küche“ eingebaut sind.

Das moderne Sintra ist nicht schön. Aber die Umgebung würde noch viele Besichtigungsobjekte bieten. Z. B. ein Spielcasino im Art Deco Stil, ein Museum und sehenswerte Paläste. Oben auf dem Berg, erreichbar über enge Serpentinen steil bergauf, vorbei an prächtigen Gärten und einen parkartigen Wald, erreicht man das arabische Castel. Das Castelo dos Mouros („Maurenburg“) steht auf 429 m Höhe und wurde wohl im 8. oder 9. Jahrhundert erbaut. Von der Burg sind noch die Befestigungsmauern und Türme erhalten.
Noch etwa 1.000 Meter darüber steht der Palácio Nacional da Pena, ein regelrechtes Märchenschloss, erbaut im 19. Jahrhundert durch den Architekten Wilhelm von Eschwege. Um das Schloss lies der Besitzer, Ferdinand von Coburg-Koháry, einen Park mit 400 Baumarten anlegen. Hier blühen im Frühjahr die Kamelien, Azaleen und Rhododendren.
Sintra ist der „Gemüsegarten von Lissabon“, wir sehen viele Bauernmärkte am Straßenrand.

Gegen 16 Uhr ging es weiter mit dem Bus zum Cabo da Roca, an den Atlantik. Dabei fuhren wir einige Kilometer parallel zur Trambahntrasse, durch Platanenalleen, durch Wälder mit Wanderwegen, vorbei, an Gärten mit kapitalen Gummibäumen und üppig blühenden Bougainvilleen. Die Straßen sind gesäumt von dichten Schilfbändern. Jorge macht uns auf die dichten Korkeichenwälder aufmerksam. Portugal hat den größten Bestand an Korkeichen in Europa, Kork ist ein wichtiger Exportartikel.

Wir fuhren direkt an weißen Stränden entlang. Es war Samstag und der Strand bevölkert mit Sonnenhungrigen. Wir sahen unzählige bunte Paraglider über dem Strand und dem Meer kreisen.
Die Straße vor uns war komplett verstopft, die Fahrzeuge blockierten sich gegenseitig. Obwohl verboten parkten am Straßenrand Autos und machten die schmale Straße noch enger. Mit vielen Kunststücken und teilweise mit mm-Arbeit schaffte es unser Busfahrer, uns vorwärts zu bringen.

Cascais und Estoril sind ehemalige Fischerdörfer an der Costa dol Sol. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts haben sie sich zu eleganten Badeorten mit luxuriösen Villen gemausert. Ursprünglich römische Gründungen, war vor allem Estoril Rückzugsgebiet des europäischen Adels im 2. Weltkrieg. Jorge erzählte, hier habe es in den 1940er Jahren die höchste Dichte an Mitgliedern des europäischen Adels und gekrönten Häuptern gegeben, auch der spanische König sei hier während der Zeit der Franco-Diktatur in Spanien aufgewachsen und zur Schule gegangen.
Estoril gilt heute als Rückzugsort der reichen Oberschicht Lissabons. Berühmt wurde der Ort auch wegen seines Casinos.

An den Straßen entlang stehen wuchtige Aleppokiefern und kanarische Dattelpalmen. Durch das außergewöhnlich milde Klima, geschützt durch den nördlich gelegenen Hügel von Sintra, wachsen hier subtropische Pflanzen. Bausünden aus den 1960er Jahren hat man abgerissen.

Kurz nach 18 Uhr fuhren wir zurück auf die Autobahn, bis Lissabon sind es nur 19 km. Etwas „strapaziert“ von dem vollen Programm kamen wir im Hotel an, es hatte immer noch 28 Grad, was für uns Mitteleuropäer ganz schön warm ist.

Abschlussessen im Casa da Mó
Um 20 Uhr gingen wir alle gemeinsam zu einem Restaurant am Feigenbaumplatz. Jorge erzählte, er sei als Kind hier oft schon essen gewesen. Seine Eltern besuchten mehrmals im Jahr eine Tante, die eine sehr kleine Wohnung in der Baixa hatte, weshalb die Familie zum Essen in das Casa da Mó ausweichen musste.
Jorge nutzte die Gelegenheit, um uns mit einigen klassischen portugiesischen Spezialitäten zu versorgen. Auf dem Tisch standen schon die üblichen Teller mit Wurst von den schwarzen Schweinchen und Schafskäse. Als Vorspeise gab es Kürbissuppe (mit Ingwer, so wie ich die Suppe auch mache), dann einen Gratin aus Stockfisch (der für dieses Gericht 24 Stunden in Wasser eingelegt werden muss). Als dritten Gang Ente mit Reis, dekoriert mit angebratenen Wurst- und Speckstückchen. Als Dessert gab es Obstsalat. Dazu wurde Wasser und Vinho verde (Weißwein) gereicht. Wir platzten fast. Aber es war ein heiterer Abend und wir brachen gegen 22.30 Uhr auf ins Hotel.

Kasten: Stockfisch
Eine wichtige Rolle in der Portugiesischen Küche spielt der Bacalhau - man kann dies mit der Tradition einer Seefahrernation begründen, ohne das Phänomen dieser Liebe ganz zu verstehen. Die Portugiesen sind nicht nur der weltgrößte Konsument (pro Jahr und Person werden durchschnittlich 7 Kilo ungewässerten und 15 Kilo gewässerten Bacalhau verzehrt), sie kennen auch die originellsten Zubereitungsarten. Er wird roh gegessen, mariniert, gegrillt, gekocht, man verarbeitet ihn in Suppen, Salaten, Vorspeisen (Pastel de Bacalhau), Hauptgerichten und sogar Desserts.

Portugal hat zudem ein eigenes Herstellungsverfahren für Stockfisch ("Bacalhau de cura tradicional portuguesa"). Dieses Verfahren verlangt eine Trocknungszeit von ca. 150 Tagen, die Trocknung nur durch Wind und Sonne (oder in einem Trocknungs-Tunnel) sowie die ausschließliche Verwendung von reinem Meersalz zum Einreiben des Fischs. Es läuft derzeit ein Antrag, diese besondere Herstellungsweise europaweit "traditionelle regionale Spezialität" schützen zu lassen.

Sonntag, den 16. September – Tag der Rückreise
Am letzten Tag brachen wir nach dem Frühstück zu einem letzten Rundgang durch die Baixa und Alfama auf. Es war schwül. Um 11.45 Uhr brachte uns ein Taxi zum Flughafen und zurück ging es ins kühle regnerische München.

Fazit:
Lissabon ist sicher eine Reise wert und es wäre anzuraten, der Stadt noch einmal in Ruhe und ohne Reisegruppe eine Woche zu widmen. Vielleicht lag es auch an meiner virusgeschwächten Konstitution – der Funke sprang nicht über. Wir werden die Eindrücke etwas ruhen lassen, vielleicht kommt der Wunsch nach einer Wiederkehr ja etwas später.



Palácio dos Marqueses de Fronteira

Garten des Pal. Fronteira

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Kasten: Palácio dos Marqueses de Fronteira
Das Schlösschen wurde 1670 im Stil der italienischen Renaissance erbaut. Die Familie verließ ihren Stadtpalast nach dessen Zerstörung durch das Erdbeben 1755 und ließ sich für immer im bisherigen Sommerpalast in Benfica nieder. Der 4.000 qm umfassende Park mit barock dressierten Buchshecken und –bäumchen und Wasserspielen hat ihnen den Abschied von der Altstadt sicher versüßt. Im 18., 19. und 20. Jahrhundert wurde der Palast mehrfach umgestaltet. Die Einrichtung ist wunderschön gestaltet und der Palast ist mit eleganten Möbeln und Porzellan aus Portugal, Frankreich, China und Indien ausgestattet, Familienportraits hängen im Treppenaufgang, Decken und Wände der Räume sind entweder mit Wandmalereien (Illusionsmalerei) oder kunstvoll gestalteten Fliesen ausgeschmückt. Die Bibliothek ist groß und hell und mit zahlreichen wertvollen alten Schriften und Büchern bestückt. Zwei historische Globen und diverse Skulpturen stehen vor den fast deckenhohen Bücherregalen. Im „Schlachten-Raum“ sind die Schlachten vergangener Zeiten auf Fliesenbildern an den Wänden dargestellt – es geht hier um die Kämpfe um die Portugiesische Unabhängigkeit zwischen 1641 bis 1668. Die Darstellungen kommen uns heute vor wie altmodische Comics. Der damalige Hausherr und Gründer des Palastes, Don Joao de Mascararenhas, zugleich auch „Graf des Turms“ (Conde da Torre), wurde später zum „Marques de Fronteira“ ernannt, weil er als General die Landesgrenzen (Fronteira = Grenze) zu schützen hatte.
Einer der Wohnräume ist komplett im Stil des Empire eingerichtet. Eine herrliche mit Fliesenbildern lückenlos bedeckte Sonnenterrasse verbindet das Palästchen mit der Hauskapelle, neben der wieder ein hübsches Wasserbassin angelegt wurde. Die Sonnenterrasse wird auch als „Galerie der Künste“ bezeichnet, enthält sie doch Fliesenbilder mit Allegorien der Musik, Rhetorik, Geometrie und andere. In Nischen dazwischen stehen Statuen der griechischen Götter Diana, Mars und Apollo. Die Nischen sind mit Fliesen ausgelegt, die mit blau-weißen floralen Motiven bemalt sind. Majolika-Medaillons mit Früchten und Blumen zieren die Zwischenräume zwischen den Fensterbögen. Im Park, neben dem Venusgarten, findet sich eine Grotte - wieder ausgestaltet mit Fliesen, Fliesenscherben und Malereien – es findet sich kein noch so winziger Fleck unverzierter Wand. Dieser im Sommer angenehm kühle Raum soll den Herrschaften für diskrete Gespräche (ob privater oder politischer Art ist nicht bekannt) gedient haben.
Der im 17. Jahrhundert angelegte Barockgarten vor der Ostseite des Palastes ist der bereits erwähnte streng geometrisch mit exakt geschnittenen Buchshecken und Bäumchen gestaltete, inmitten der Hecken spucken griechische und römische Statuen auf 5 Brünnlein Wasser in die Brunnenbecken.

El Tanque de los Caballeros y la Galeria de los Reyes.
Eine absolute Wucht ist das südlich des Palastes angelegte Bassin der Ritter und die Königsgalerie darüber. Hinter dem riesigen Wasserbassin mit Wasserspeiern ist eine mit farbigen Fliesen bestückte, doppelstöckige Wand, in deren unteren Nischen wieder auf Fliesenbildern lebensgroß Ritter auf ihrem Ross dargestellt sind. Die Ritter repräsentieren Personen der Familie. Jede Nische ist reich mit Majolika verziert. Im oberen „Stockwerk“ stehen die Büsten der Könige Portugals, beginnend mit Don Henrique bis zu Don Joao VI. An beiden Seiten des Wasserbassins sind Treppen angelegt, die einen Zugang zur Königsgalerie ermöglichen.



Cabo da Roca

Cabo du Roca

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Der westlichste Punkt Festlandeuropas liegt 144 m über dem Meer, auf einer Steilküste. Der westlichste Punkt Europas ist die Insel Flores, eine Azoreninsel.
Auf dem Kap steht ein Leuchtturm. Wir stiegen aus dem Bus aus und gingen an der Steilküste entlang. Ein paar Boote schaukelten auf den Wellen des Atlantiks. Die „Wunderblume“ aus Südafrika wurde hier eingeschleppt und überwuchert das ganze Kap. Die ursprüngliche Macchia aus verschiedenen Thymian- und Lavendelarten, Ginster, Rosmarin, Strandnelken usw. hat keine Chance mehr, zu gedeihen.



Kasten: Museu Nacional de Arte Antiga

Hironimus Bosch

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Neben einer Gemäldegalerie birgt das Museum eine Sammlung ägyptischer, griechischer und römischer Skulpturen, Keramik-, Porzellan-, Silber- und Goldschmiedearbeiten. Wir sahen kunstvoll gearbeitete Truhen, Tische und Kommoden aus Indien (17. Jahrh.) mit Perlmut-Intarsien, Lackmöbel aus Asien, Schnitzereien aus Elfenbein, Keramikvasen aus China mit Pflanzen- und Tiermotiven, Bronzebuddhas aus dem 7. Jahrhundert (Japan), Fliesenwände aus Syrien (1570-80), portugiesische und arabische Fayencen, Silberkannen und Geschirr aus Portugal (17. Jht.). Ein Museumstrakt enthielt nur Monstranzen und weitere liturgische Gegenstände aus Silber und Gold gearbeitet und mit Edelsteinen besetzt. In einer Vitrine stand eine riesige Monstranz, aus Gold, in einer gotischen Struktur mit Menschen- und Tierfiguren 1506 geschaffen. In der Säule befand sich eine kleine goldene Taube, die zitterte – offenbar durch die minimalen Bodenerschütterungen, die wir Besucher verursachten. Drei wunderschöne japanische Paravans, mit Schiffsmotiven bemalt und vergoldet, im 17. Jahrhundert in Japan hergestellt (vermutlich 1603-1610) enthält das Museum – es sind weltweit nur insgesamt 10 dieser Paravans erhalten. Die Portugiesen erreichten als erste Europäer im 16. Jahrhundert Japan und öffneten damit die Türe zwischen Orient und Okzident. Der 1. Kontakt war friedlich, für die Japaner waren die europäer „merkwürdige Leute aus dem Süden“. Wörter aus dem portugiesischen fanden Aufnahme in der japanischen Sprache – und umgekehrt. In Japan gibt es sehr viele unterschiedliche Begriffe für unser Wort „Danke“. Das portugiesische Wort „Obrigado“ („Danke“) haben die Japaner übernommen.
Auch ein chinesischer Paravan von 1708 war im Museum zu bewundern.

Die weiteren Kontakte der portugiesischen Seefahrer mit Japan waren nicht mehr so friedlich. Der Papst ordnete an, dass immer ein Franziskaner die Schiffsfahrten begleiten musste und dessen Aufgabe war die Missionierung der Völker, die die Portugiesen bei ihren Entdeckungsfahrten vorfanden. Es ist klar, dass das die entdeckten Völker nicht so lustig fanden. Hier gäbe es vieles zu notieren über die Aggression der Päpste und der Kreuzfahrer. Offenbar wird eine Religion nur durch die Entmachtung friedlich. Aber dies soll ja ein Reisebericht werden und keine Streitschrift.

Die Highlights des Museums sind ein Polyptychon (ein Flügelaltar bzw. ein Wandbild mit mehr als drei Flügeln), bestehend aus 6 Bildtafeln, mit der Anbetung des heiligen Vinzenz, sowie ein Altarbild von Hieronymus Bosch:
„Die Versuchung des heiligen Antonius“.

Im Treppenhaus standen zahllose Heiligenfiguren, meist aus bemaltem Stein, aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Darunter befanden sich auch 3 schwangere Madonnen. Diese Darstellung der Mutter Gottes war vom Vatikan verboten, weshalb diese Madonnen in Schränken versteckt wurden. Die Leute pilgerten trotz des Verbotes zahlreich heran, um die Madonnen zu sehen und sie wurden kurzzeitig aus dem Schrank genommen und nach Besichtigung wieder eingeschlossen.

Schön fanden wir natürlich auch den Raum voller Keramik-Medaillons aus Florenz, geschaffen von Andrea della Robbia 1501-1513 (Toskana!). Sie waren extra für das Hieronymus-Kloster bestellt worden.



Kasten: Castelo de Sao Jorge

Die Ursprünge der Festung liegen in der Eisenzeit, 205 v. Christus war der 110 m hohe Burghügel von en Römern besetzt, später den Westgoten und Arabern. König Afonso Henriques nahm die Burg 1147 ein. Um 1300 wurde die Burg als Königspalast genutzt und war bis 1511 Sitz der Könige von Portugal. Die Gebäudemauern wurden 1755 durch das Erdbeben zerstört. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Castelo, das im Grunde nur noch eine Ruine ist, „touristengerecht“ umgebaut.


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Kommentare

  • ToniE

    Hallo Elisabetta
    Ich finde deinen Bericht gut geschrieben und er gibt viele Tipps für einen Lissabonbesuch.

    Doch wäre weniger nicht mehr gewesen? Ein paar Fotos und Zwischenüberschriften und die Verteilung auf mehrere Seiten hätten meines Erachtens den Bericht lesbarer gemacht..

    Fasse das bitte nicht als negative Kritik sondern als Verbesserungsvorschlag auf.

    Grüsse
    TONI

  • RdF54

    Ich gehe mit Toni konform. Mach es dem Leser etwas lichter, denn Dein Bericht ist gut und interessant!
    LG Robert

  • trollbaby

    Was für ein ausführlicher und interessanter Bericht! Ich war noch nie in Lissabon, aber jetzt habe ich Lust dazu bekommen!

    LG
    Susi

  • Ricka

    Auch mir hat er gut gefallen.. Lissabon und Porto sind unsere ächten Ziele.
    Vielen Dank für schöne und sicher nützliche Hinweise.
    LG Ricka

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Studiosusreise nach Lissabon September 2007 4.00 5

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