Die Schwefelsklaven vom Kawah Ijen

Reisebericht

Die Schwefelsklaven vom Kawah Ijen

Seite 1 von 7

Die Suche beginnt

„Kawumm“ – Die Schiebetür des klapprigen Kleinbusses fliegt auf und lässt uns hochschrecken. Noch völlig schlaftrunken werden wir aus der Enge des überfüllten Busses in die Nacht geschoben. Schneidend kalt trifft der Frühnebel unser Gesicht und lässt uns frösteln. Das kleine Örtchen Cemoro Lawang liegt noch im Tiefschlaf.
Etwas ratlos stehen wir im Dunkeln, am Calderarand des Bromo auf etwas über 2000 Metern Höhe und halten die bizarre Erscheinung zunächst für eine optische Täuschung. Doch als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, wird die Gestalt real: Lange, tiefschwarze Haare, der Daumennagel der rechten Hand mindestens 20 cm lang und aufgeringelt wie ein Schweineschwanz. Die kitschigen Palmen- und Sonnenuntergangsmotive des Hawaiihemdes leuchten sogar im Dunkeln und, was uns wirklich stutzig macht: der junge Indonesier trägt auf
2000 m Höhe ein Surfbrett unter dem Arm! „Zickezackehühnerkacke“ tönt es durch die Nacht. Wir trauen unseren Ohren kaum, als er sich mit breitem Grinsen zu uns umdreht. Sonari, Musikstudent aus München - auf dem Weg nach Bali zum Surfen, trifft zwei Touristen aus Deutschland - auf der Suche nach den geheimnisvollen Schwefelquellen des Kawah Ijen.



Nebel in der Caldera des Mt. Bromo (Java/Indone...



Glück muss man haben!

Seit 1992, als wir in der GEO einen Artikel über den aktiven Vulkan Kawah Ijen lasen, träumen wir davon, ihn zu finden. "Wer weiß, vielleicht werdet ihr schon bald dort sein!" sagt Sonari geheimnisvoll. Das Örtchen Cemoro Lawang erwacht langsam zum Leben. In der Dorfkneipe gehen die Lichter an, es ist Zeit für ein Frühstück. Sonari kramt in seinem Rucksack, fördert einen dicken Stapel Fotos zu Tage und wirft ihn wortlos auf den Tisch. Uns stockt der Atem - das gelbe Gold des Kawah Ijen! „Zickezackehühnerkacke“ sagt der Mann, der vor einigen Jahren ein Geo-Team für mehrere Wochen zu den Schwefelquellen führte! Was haben wir alles versucht, um mehr über dieses unzugängliche Gebiet zu erfahren, herauszufinden, wie man eine Genehmigung für die Einreise ins militärische Sperrgebiet bekommt und einen guten Führer findet. Manchmal erübrigt sich die Suche, weil einen das Schicksal längst gefunden hat. Wie gut ist es doch, einem Surfer auf dem Vulkan zu begegnen.



Mt. Bromo (Java/Indonesien)


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • TilmannGraner

    Lesens- und Sehenswert - wie immer beim Focuswelten-Team.

  • Kovac

    Einen packenden Beitrag habt Ihr da geliefert. Alle Achtung. Profis eben!
    LG Kovac

  • astrid

    Was für ein beindruckender Bericht! Ich werde mich nie mehr über die zu trockene Heizungsluft in meinem Büro beschweren!

  • Lette

    Schwefelgestank, tödliche Wasser, unmenschliche Arbeitsbedingungen - und doch so schön. Schöner Bericht, hervorragende Bilder.

  • Roland.Hank

    Hut ab, absolut toller Bericht von einer außergewöhnlichen Location. So etwas liest man nicht alle Tage.

    Gruß Roland

  • Toni69 (RP)

    Eine geniale Geschichte...
    eigentlich wie jeder Eurer Artikel absolut lesenswert!!!
    jetzt freue ich mich erst einmal auf Euren neuen Madagaskarvortrag am 19 Januar 2009

  • Charly131

    Ich war selbst in 2007 am Ijen und habe die gleichen Bilder gesehen. Der gebahnte Weg bis zur Kantine ist noch gut begehbar, wenn es einigermaßen trocken ist, aber dann .... und das mit 70 bis 90 kg in den Körben. Einige Zeit haben wir dort bei den Trägern verbracht, mit ihnen gesprochen, Kaffee getrunken und die selbstgedrehten geraucht. Sie kauften den Tabak 25 g weise und das in einem Tabakland.
    Jürgen Carl

  • nach oben nach oben scrollen
  • lautine

    Die Bilder sind beeindruckend schön. Mich fasziniert die Vulkanlandschaft, die uns mit den Vorgängen in unserer Erde vertrauter macht.
    Hut ab vor eurer Kraxelei, euren Vorbereitungen und das Zusammentreffen mit den Menschen. Mir gefällt das Bild des Arbeiters, sein stolzer Gesichtsausdruck. Er weiß, was er geleistet hat.
    Für mich steht die Frage, warum in unserer heutigen Zeit mit so vielen technischen Möglichkeiten Menschen noch immer so schwer arbeiten müssen?

  • okasa

    Das beste was ich seit langem an Reiseberichten gelesen habe !!!
    Karl-Heinz (okasa)

  • winni

    Wieder ein wunderschöner Reisebericht mit traumhaften Bildern. vg winni

  • Ulich

    Spannend, lehrreich, nachdenklich machend und mit Herz geschrieben. Tolle Reportage über ein ungewöhnliches Thema! Dazu tolle Fotos.
    Gruß Beate

  • raineralbiez

    sehr gut, lebendig und spannend geschrieben und gute Bilder....
    .... nur für jemanden der schon mal da war etwas wie Grimms Märchen!!!!!
    Der Kawa Ijen ist ganz einfach mit jeder billigen 2 Tagestour ab Cemoro Lawang zu errreichen. Kaffeplantagenbesuch inklusive. Auf eigene Faust gehts auch einfach mit Taxi und privatem Fahrer für wenige Euro. Vom Parkplatz mit Spendenhaus und kleinem Tiergehege aus kann mann mühelos an den Kraterrand laufen und runter in den Krater ist auch recht einfach. Nur sollte man sicherheitshalber ne Gasmaske dabeihaben denn die Schwefeldioxiddämpfe in der Nähe der Schwefelabbaustelle sind etwas heftig. und nicht zu unterschätzen. Der Boden bebt dort auch nciht oder nur sehr selten. Das Ganze ist ne gemütliche Tour.
    Also wenn jemand hingeht, keine rießigen Erwartungen an das ultimative Abenteuer aber interessant und schön ist es.
    Etwas mehr Abenteuer bietet da die Bestigung des Vulkan Semeru. Der ist daueraktiv und da erlebt man Vulkanismus pur, und nen schönen Sonnenaufgang von Javas höchstem Berg..... nur dumm dass keine Seilbahn hochgeht, der Weg ist recht anstrengend.
    Grüsse
    Rainer ( www.raineralbiez-vulkane.de, da gibts auch nen Bericht inklusive Kawa Ijen)

  • raineralbiez

    nochwas, die Träger tragen keine 120 kg. Kann jeder dort selbst ausprobieren, sind ca 60-70 kg was aber auch schon extrem viel ist. Hochheben kann man es gerade aber tragen????? das bekommen wir Ungeübten nicht lang hin

  • nach oben nach oben scrollen
  • Focuswelten (RP)

    Hallo!

    Nur eine kurze Stellungsname zu den letzten beiden Einträgen, da ich mich gegen den Vorwurf von Märchenberichterstattung (... etwas wie Grimms Märchen) stellen möchte:

    1. Der Bericht handelt nicht von den eigenen "Strapazen" oder von einem hohen finanziellen Aufwand dorthin zu kommen. Er handelt von dem schweren Alltag der Arbeiter. Und die haben keine Gasmaske dabei! Die Info, dass man mittlerweiel mit gebuchten Touren dorthin fahren kann, ist sicherlich interessant für alle, die es selbst einmal versuchen wollen. Mit eigener Abenteuerlust hat das nichts zu tun!
    2. Wann und wie oft der Boden bebt kann ich auch nicht sagen, aber ich kann beschreiben wie es war als ich dort war!
    3. "...eine gemütliche Tour" - nur für diejenigen, die sich in keinster Weise in die Arbeiter und Träger einfühlen und dies als kurzen einstünden "Besuch" abhaken. Ich empfand die Tour keineswegs als gemütlich, sondern als sehr bewegend!
    4. "...nur dumm dass keine Seilbahn hochgeht" - diese Aussage entstammt wohl einer kurzen unsachlichen Sekunde des Schreibers der beiden Kommentare...
    5. Der Mt. Semeru bietet sicherlich mehr Abenteuer - aber das haben wir nicht gesucht!
    6. Es ist richtig, dass die Träger i.d.R. keine 120 kg tragen - sondern wie geschrieben "die besten schaffen bis zu 120 kg". Sicherlich eine Spitzenleistung, aber so war die Auskunft vor Ort. An der Wägestation habe ich von 50-105 kg alles selbst gesehen und auch ausprobiert. 70 kg konnte ich vor lauter Schmerzen auf der Schulter schon nicht mehr hochheben!

    Noch eine Bitte: Wer über dieses Thema mit mir diskutieren möchte, kann dies bitte gerne über den privaten Nachrichtenkanal tun. Ich will die Kommentarfunktion nicht weiter dafür "missbrauchen".

    Beppo - Focuswelten

  • raineralbiez

    Dass der Bericht von den eigenen Strapazaen handelt habe ich Ihnen in einer Ausführlichen Kommentierung mitgeteilt
    für interessierter Leser nur einige Infos:
    Keine Sorge für alle die dort hin wollen. Sowohl von Kuta (Bali) aus als auch von der Bromo Gegend ( cemoro Lawang oder Ngadisari) oder vom Fährort nach Bali (Ketapang nahe Banyuwangi) kann man Touren buchen. Mit öffentlichen Bussen über gehts über Bondowoso, ab Bondowoso empfiehlt sich ein Taxi oder etwas Zeit mitbringen.
    Keine Sorge, Erdbeben gibts nicht mehr als in der Region, wenn punktuell in Vulkankratern der Boden sehr spürbar bebt, dann wirds Zeit sich zu verdrücken, erst recht am Ijen wegen des Sees und der damit verbundenen Gefahr phreatischer Eruptionen. Das ist aber zum Glück extrem selten.
    Die Leistung der Arbeiter wird von mir nicht in Frage gestellt. Auch 50-70 kg sind extrem zu tragen und die Arbeitsbedingungen dort sind extrem schlecht. ( Ich würde da schnell schlapp machen, keine Frage)
    Keine Sorge, der Weg hoch zum Krater und der Weg in den Krater ist absolut kein Problem. ( ich konnte mir gut vorstellen wie schwer das für die Arbeiter ist aber das macht es für den Touristen auch nicht schwerer). ES IST WIRKLICH EINE NICHT ANSTRENGENDE TOUR, je nachdem von wo aus man losläuft ist man nach ca 1-1,5 Std oben ( von der Ranger Station aus, liegt an der Strass und hat nen Parkplatz). Die Arbeiter laufen aber meist länger da zum Dorf. Die Wege zum Kraterrand hoch sind gut ausgebaut und die Luft ist nicht problematisch.
    Runter in den Krater ist nicht schwierig und ungefährlich bei Trockenheit aber gutes Schuhwerk sollte vorhanden sein.
    In Sandalen nicht zu empfehlen (aber das macht man ja auch in den Alpen besser nicht) Zur Sicherheit ist ein feuchtes Tuch schon notwendig wegen der Gase wenn man in den Krater will, wenn man längere Zeit nahe an der Schwefelabbaustelle sein möchte empiehlt es sich, ne Gasmaske mitzunehmen. ( Ich hatte eine welche die Augen nicht bedeckt, das wurde mit de Zeit unangenehm denn die Augen brennen extrem wenn man länger sehr nah dran ist)

    Ich sehe diese Infos nicht als Missbrauch der Kommentarfunktion sondern als Info für die Leser zum Thema. (Und Grimms Märchen sollte nicht bedeuten dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt sondern war einfach eine überspitzte Formulierung für einige Punkte die mir im Artikel deutlich übertrieben erschienen)

    Also Leute , lasst Euch nicht abhalten, ein Besuch dieses Ortes lohnt auf jeden Fall!!!!!!

  • brandriba

    Was für eine Reise, die Bilder 1A und der Bericht Spitzenklasse! LG DAni

  • rena1976

    Nachdem ich vor 3 Wochen ebenfalls am Kawah Ijen war, muss ich leider Rainer Albiez zustimmen. Der Bericht ist natürlich sehr gut und anschaulich geschrieben, aber die Tour ist in der Tat übertrieben dramatisch dargestellt.
    Was hat zB der Bromo am Anfang des Berichts mit dem Kawah Ijen zu tun? Beide Vulkane liegen mehrere Stunden Autofahrt voneinander entfernt.
    Es handelt sich auch nicht um ein "unzugängliches Gebiet", für das man eine Einreisegenehmigung benötigt, wie am Beginn des Artikels suggeriert. Vielmehr werden auf Java und Bali überall Touren zum Kawah Ijen angeboten. Warum man nicht abenteuerlustig sein soll, wenn man vom Fahrer in die Ijen Gegend gebracht wird, weiss ich nicht. Das Focuswelten-Team ist ja sicherlich auch nicht zu Fuss vom Bromo über die Berge dorthin gelaufen.
    Der "Pfad" ist ebenfalls halb so wild. Klar ist der Weg steil, aber von einem steinigen Pfad, auf dem man sich hochquält, kann nicht die Rede sein. Es handelt sich vielmehr zumindest beim Weg vom Tal zum Kraterrand um einen breiten, wenn auch sehr steilen Wanderweg, auf dem man natürlich darauf achten muss, dass man es nicht zu schnell angeht. Es gibt schmälere und schwierigere Wege im Allgäu, die als einfach bis mittelschwer ausgewiesen sind.
    Die meisten Arbeiter tragen in der Tat keine Gasmasken - einige Arbeiter haben jedoch Gasmasken, die sie aber - statt sie selbst zu tragen - lieber an Touristen gegen Entgelt vermieten.
    Auch wenn es nicht ganz so dramatisch ist, wie es hier klingt, ist ein Besuch des Kawah Ijen sehr lohnenswert und aufregend. Vor allem die Schwefelarbeiter sind unglaublich beeindruckend. Viele von ihnen sprechen inzwischen ganz gut Englisch, so dass man sich mit ihnen über ihren Alltag unterhalten kann.

  • Focuswelten (RP)

    Hallo!
    Ob das Gebiet jetzt leichter zugänglich ist als damals kann ich nicht sagen. Es ist auch kein aktueller Reisebericht, sondrn eine Erzählung von damals als wir dort waren. Der Bericht soll auch nicht UNSERE Strapazen schildern, sondern die der Träger. Ich möchte einen sehen der das schafft und dann noch behauptet es wäre ein lockerer Wanderweg. Die Beschreibungen waren nicht auf uns bezogen (so wichtig sind wir ja nicht), sondern sollen die Strapazen der Träger schildern. Der Bericht soll auch die als Wanderführer herhalten für Touristen, denn das war in keinster Weise unsere Absicht. Schade, dass uns das nicht gelungen ist, da einige anscheinend alles auf sich beziehen und somit dieses Ich-Denken auch in die Berichte anderer hineininterpretieren. Nochmals klar und deutlich: Es geht nicht um uns, sondern um die mehr als erbärmlichen Arbeitsbedingungen der Arbeiter. Man muss drastisch formulieren, denn wie wie soll man sonst am gemütlichen PC auch nur Ansatzweise eine Vorstellung davon bekommen. Für alle weiteren Infos gibts ja Reiseführer!

  • Focuswelten (RP)

    Am 18.09.11 wurden in der TV-Sendung Galileo die Arbeiter vom Kawah Ijen gezeigt. Der Moderator hat dabei Testweise 38 kg hochgeschleppt. Ich glaube nicht, dass er von einer leichten Wanderung sprechen würde. Wie leicht oder schwer der Weg ohne Geschleppe zu bewältigen ist, ist doch sowas von uninteressant. Schaut euch die Wiederholung an ( evtl. im Internet) - vielleicht versteht ihr dann!

  • nach oben nach oben scrollen
  • rena1976

    Ich habe in keinster Form in Frage gestellt, dass es sich um einen wahnsinnig harten Job handelt. Mein sehr durchtrainierter Verlobter hat einen vollgepackten Schwefelkorb keinen Zentimeter vom Boden hochbekommen geschweige denn tragen können.

    Wenn Ihr Eure Beschreibungen nicht auf Euch beziehen möchtet, dann solltet Ihr auch nicht in Wir-Form schreiben und sogar noch darstellen, dass Ihr Euch vor Erschöpfung kaum auf den Beinen halten könnt, während die Arbeiter sicheren Tritts nach unten eilen und bei ihnen (O-Ton) von "Erschöpfung keine Spur" ist.

  • Focuswelten (RP)

    Hallo!
    Das mit der Wir-Form ist richtig. Da wäre eine andere Darstellung der Sichtweise so betrachtet besser gewesen! Werden wir beim nächsten Bericht beachten!

  • trollbaby

    Ein äußerst spannender Bericht, der durch die fantastischen Fotos nur unterstrichen wird!
    Zu den Kommentaren vor mir. Ich finde weder die Wir-Form störend, noch finde ich alles übertrieben dramatisch dargestellt. Im Gegenteil: der Stil ist für mich richtig, denn dadurch wird man wachgerüttelt, unter welchen Bedingungen Menschen in anderen Regionen dieser Erde arbeiten müssen, was wir uns hier in Mitteleuropa oft nicht mehr vorstellen können. Besser hätte man die Eindrücke an die Leserschaft nicht rüberbringen können.
    LG Susi

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Die Schwefelsklaven vom Kawah Ijen 4.69 29

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps