Diskussion: Digitale Fotos und Bildbearbeitung

am 21.08.2008 07:37 Uhr

Digitale Fotos und Bildbearbeitung

Kaum ein Photo, dass ich selbst digital fotografiert habe kann ich so wie es gespeichert ist „veröffentlichen“. Ein Bildbearbeitung am Computer ist fast immer nötig. Manchmal ist der Kontrast nicht stark genug, dann wieder muss ich das Bild leicht drehen, weil bestimmende Linien schief sind. Bei alten Fotos und alten Dias, die ich habe einscannen lassen kann ich auch Staub wegretuschieren. Mehr verändere ich nicht durch Bildbearbeitung. Die nötige Software gibt es bei Apple als i-photo und für Windows-Rechner kann man diese Software auch preiswert kaufen.

Nun aber las ich unter www.spiegel.de einen Artikel, der doch weit über das hinausgeht, was ich selbst am Computer mache. Dort erschien ein Artikel unter der Überschrift „Panoramaansichten und Straßenfeger“ in dem beschrieben wird, wie man digital aus mehreren Aufnahmen eine Panoramaübersicht zusammenstellt und wie man es z.B. schafft, belebte Plätze von den Menschen oder den Autos zu „befreien“. Der Autor berichtet über die Arbeit des Hans D. Baumann, genannt Doc Baumann. Er ist Fachautor und -journalist für digitale Bildbearbeitung und Photoshop, Grafiker, Schriftsteller, Kunstwissenschaftler und Chefredakteur des Bildbearbeitungsmagazins DOCMA.
Beeindruckend fand ich, wie man es mittels Software schaffen kann, die Plätze ohne Menschen erscheinen zu lassen. Allerdings ist dafür wohl auch eine leistungsfähige Software nötig und wer hat schon das Programm Photoshop-Version CS3 Extended zur Verfügung und kann damit so umgehen, dass er diese Ergebnisse erzielt.

Ich selbst komme da wieder an eine Grenze, die ich eigentlich nicht überschreiten wollte, als ich begann digital zu fotografieren. Ich möchte mit meinen Fotos nicht „lügen“. Ich weiss, dass Fotos und die Darstellung mit ihnen subjektiv sind; die Farben, die ich sehe, sind nicht die Farben, die ein anderer Mensch sieht. Dennoch sehe ich Menschen, fotografiere Menschen und kann und darf ich dann das von mir Aufgenommene so verändern, dass Menschen "verschwinden"?

Beste Grüße
klaus-reinhard

klarinos

offline

am 21.08.2008 23:44 Uhr

Bildbearbeitung

Hallo Klaus-Reinhard,
auch ich habe mir schon seit längerem Gedanken über diese Thematik gemacht und bin (für mich) zu folgenden Erkenntnissen gekommen:
1. Das Fotografieren mit Digitalkameras ist schneller geworden ist (das Foto kostet ja nichts mehr) und dadurch wird im Gegensatz zu früher wesentlich weniger Sorgfalt auf die einzelne Aufnahme gelegt, als man sich jeden Schuss genau überlegen musste. Schiefe Horizonte sind da vorprogrammiert.
2. Die Digicams bringen nicht und werden nie die Qualität und die natürliche Farbwiedergabe der analogen Cams bringen, weil ihre Auflösung immer begrenzt sein wird.
3. Ich sehe den Aufnahmechip der modernen Apparate als eine Art Filter, der nur das hindurch lässt, was der Hersteller voreingestellt hat.
4. Die eingebaute Software verändert das Bild zusätzlich durch Schärfen und Komprimierung der fertigen Aufnahme. Ausgenommen sind RAW-Fotos, die man aber später am Rechner nach eigenem subjektiven Empfinden verändert.
5. Das "Wegradieren" von Menschen o.ä. kann man schon mit relativ günstiger Software wie Photoshop Elements bewerkstelligen. Ich halte aber grundsätzlich nichts davon, weil es das Bild verfälscht und erlaube mir dies deshalb nur in Ausnahmefällen. Beispiel: Mich störte eine grellblaue Müll- oder Bautonne direkt am Eingang des Hatschepsut-Tempels bei Luxor, die habe ich wegradiert, ohne dass dadurch die Authentizität des Fotos gelitten hätte. Was ich auch noch mache: Stürzende Linien zu begradigen, dafür habe ich mir die Entschuldigung zurecht gelegt, dass das menschliche Auge auch keine stürzenden Linien sieht, wenn es z.B. die Fassade des Kölner Doms hochschaut. ;-)
6. Dennoch möchte ich das Rad der Zeit nicht mehr zurück drehen, immerhin habe ich im digitalen Zeitalter die Möglichkeit, so lange auf den Auslöser zu drücken, bis ein einigermaßen vernünftiges Foto entsteht, und ich dieses dann problemlos auf meiner Homepage veröffentlichen kann.

Herzlichen Gruß
klarinos

Angehängtes Bild:

Bildbearbeitung: Vollmond

am 22.08.2008 09:49 Uhr

Re: Digitale Fotos und Bildbearbeitung

Hallo klarinos,
ich stimme voll und ganz mit der geschilderten Sichtweise überein, wollte auch nicht nochmals die gleiche Diskussion beginnen. Digital-Kameras sind ein Werkzeug. Es bleibt mir überlassen, was ich mit dem Werkzeug mache.

Auch ich sehe die unglaublichen Vorteile der Digital-Photographie. Der Unterschied zur analogen Photographie ist mir bei der Nachbearbeitung eines Bildes bewusst geworden. Ich fotografierte ein Motiv digital mit Blick in einen dunklen Raum. Nachdem ich das Bild aufhellte, konnte ich jedes Detail im Hintergrund, was sonst im Dunklen verborgen war, erkennen. Das ist mir bei der analogen Fotografie nicht möglich. Diese Bildinformation sind nicht vorhanden.

Ebenso ist mir aber auch klar, dass die digitale Fotografie noch lange nicht an die Qualität der analogen heranreichen kann. Dies liegt auch im System begründet. Bei der Digitalisierung gehen Informationen verloren, die etwas mit Abstufung, mit Dynamik und ähnlichem zu tun haben. Das ist ebenso wie bei dem Unterschied zwischen einer Vinyl-Platte und einer Hochleistungs Musikanlage oder dem Klang eines Instrumentes und einer digitalisierten Aufnahme auf einer CD.

Die Zeit möchte ich nicht zurückdrehen. Ich möchte mir aber darüber bewusst sein, was „sehen“ – und letztlich auch „hören“- bedeutet.

Ich werde beide Möglichkeiten nutzen. Die digitale und auch die analoge Photographie schaffen für mich Möglichkeiten, etwas zu visualisieren, was ich sehe, fühle und empfinde. Es ist für mich durchaus legitim, diese Bilder zu bearbeiten, um damit auch das, was ich damit aussagen möchte, hervorzuheben oder aber Fehler, die durch die Optik und Technik bedingt sind, auszugleichen. Natürlich halte ich es für ok, wenn man bestimmte Teile in einem Foto „wegstempelt“, weil man das Bild z.B. nur mit den Stromleitungen machen konnte. Aber die Qualität mancher Fotos – auch in dieser Communitiy – könnte dadurch verbessert werden, wenn man z.B. die Zweige, die den Blick auf die Kirche verdecken, oder die im Hintergrund wie Geweihe aussehen, die den armen Menschen im Vordergrund aus dem Kopf wachsen, einfach zu Seite drückt. Es fehlt leider manchen Mitgliedern an den grundlegenden Kenntnissen. Und die Digitalfotografie ist ein Medium, dass Fotos und Bilder in Massen produziert und anschließend kann ich mir diese aussuchen, die mir gefallen. Der Fotograf muss sich vor und bei der Aufnahme nicht mehr groß anstrengen; er muss nicht lernen zu „sehen“. Es ist sinnlos, wenn ich mit Mega-Pixeln aufrüste, aber nicht „sehen“ kann.

Auf meinen Reisen habe ich seit vielen Jahren immer ein Notizbuch dabei. Dort führe ich nicht nur mein Reisetagebuch, sondern manchmal mache ich dort auch Skizzen, kleine Zeichnungen. Das sind eigentlich kleine Bilder, die für mich von einem besonderen Wert sind.

Beste Grüße
Klaus-reinhard

RdF54

offline

am 09.05.2009 23:22 Uhr

Re: Digitale Fotos und Bildbearbeitung

Hallo Klaus-Reinhard,

macht Dir nicht zu viele Gedanken :-) und nutze die digitalen Möglichkeiten!
Ich kann klarinos zustimmen, dass Bilder immer subjektiv sind außer Du fotografierst für einen technisch/wissenschaftlichen Auftraggeber!
Ich als Fotograf, der damit sein Geld verdient, fotografiere grundsätzlich im RAW Format. Das bedingt aber, dass man die Bilder per Software so einstellt, wie es gewünscht ist. Das wiederum heißt, dass jedes Bild manipuliert ist! Wir versuchen den Geschmack der Zeit zu treffen, nur so lassen sich Bilder verkaufen!
Zur analogen Zeit hat uns das das Labor abgenommen, heute muß man es selber machen = mehr Arbeit ;-)
Als Amateur liegst Du auf dem rigtigen Weg, wenn Du das Bild so hinarbeitest, dass es Dir gefällt!
Also schau Dir Dein Bild an und entscheide: gefällt mir oder gefällt mir nicht.
Wenn nicht, dann bastle so lange bis es Dir gefällt. Irgendwann kommt der "Mittelweg" von ganz alleine.
Und vergiß das Ganze mit "natürlich" und nicht natürlich, das gab es zur Analogzeit schon nicht und in der digitalen Zeit schon zweimal nicht!
Ein Bild muß gefallen!!

LG Robert de Flers

nilsthies

offline

am 18.09.2009 13:31 Uhr

Re: Digitale Fotos und Bildbearbeitung

Ich meine Manipulation ist die absichtliche Veränderung des Bildinhaltes. Das kann man aber auch ohne Photoshop schon mit dem Ausblenden von Inhalt oder bespielweise der Wahl der Perspektive. Solange sich an der Bildaussage nichts ändert ist es doch okay ein Bild zu optimieren. Wenn das Bild nicht gerade politische Brisanz hat und vielleicht als "Postkartenmotiv" dient, ist es in Ordnung auch Flecken wegzuradieren etc. Wie weit es dann geht bleibt natürlich beim Fotografen, der aber ja sowieso versuchen sollte das Bild so aufzunehmen wie es später sein soll. Allein schon um sich stundenlange Arbeit zu ersparen.

nilsthies

offline

am 18.09.2009 13:34 Uhr

Re: Digitale Fotos und Bildbearbeitung

Ich wollte noch hinzufügen: Die digitale Technik hat nichts neues an der Manipulationstechnik hervorgebracht. Die Prinzipien und Methoden gab es vorher auch schon. Auch Filme unterliegen Voreinstellungen etc.

Schönes Licht!

http://www.wawuwe.de

Landor

offline

am 23.09.2009 10:15 Uhr

Re: Digitale Fotos und Bildbearbeitung

Noch etwas zum Thema "Leute verschwinden lassen". Das geht auch ganz ohne Software. Dazu ist ein Stativ und ein Graufilter, auch Neutraldichtefilter genannt, notwendig. Er wird wie jeder andere Filter auch vor die Linse geschraubt und verringert den Lichtdurchlass. Es gibt ihn in verschiedenen Stärken. Je stärker, desto länger muss die Belichtung sein. Je länger die Belichtung ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Menschen verschwinden, da sie durch ihre Bewegungen nicht mit aufgenommen werden. Ab einer Minute erzielt man schon gute Ergebnisse.

Grüße,
Landor

westra

offline

am 13.10.2009 17:10 Uhr

Digital-Fotografie - Fluch oder Segen

www.wikipedia.de/Goldener Schnitt

am 09.05.2010 09:53 Uhr

Digitale Bildbearbeitung

Es ist sehr interesant eure Beiträge zu lesen und ich stimme euch in jedem Fall zu.
Es gibt aber Dinge die man niemals mit einem Bildbearbeitungsprogramm ändern kann wie zb. Polarisation oder eine Unschärfe. Ich habe auch Bilbearbeitungsoftware aber alle Funktionen habe ich noch nie benutzt, wozu auch ?
Ich denke je mehr man bearbeitet und bearbeitet ....... desto unnatürlicher wirkt das Foto. Es ist mir auch schon öfters aufgefallen das Fotos sehr starke unnatürliche Farben ( zb. das Rot am Abendhimmel ) haben daher finde ich so etwas sehr übertrieben und auch geschmacklos.
Was das Wegretuschieren betrifft finde ich es eine gute Sache, nur kommt es darauf an wo man es im Bild einsetzt. Bei dem Foto von dem DikDik habe ich im Maul des tieres einen Grasbüschel gehabt, der Grasbüschel war am Fels und als ich abdrückte hatte das Tier das Maul geöffnet und es sah so aus als ob der Grasbüschel im Maul des tieres ist, zuhause sah ich dies genauer was mich störte und ich diesen wegretuschierte, eine feine Sache ;-)
Menschen wegretuschieren oder Fotos " aufwendig " bearbeiten tue ich / wir nicht
da mir / uns die Zeit dafür viel zu kostbar ist.

Die schönsten Fotos sind Glückssache ;-)
LG
Patrick

Angehängtes Bild:

Digitale Bildbearbeitung: Dikdik`s sind......

Karu24

offline

am 14.03.2012 12:29 Uhr

Stürzende Linien

Das ist eine interessante Diskussion, ich bin erst gerade darauf gestoßen. Über die Möglichkeiten der Bildbearbeitung bin ich sehr froh, habe früher auch in der Dunkelkammer gestanden und mein möglichstes getan, aus dem Negativ ein gutes Foto zu machen. So ähnlich ist es jetzt auch, nur sind es keine Negative mehr.
Es bleibt jedem selbst überlassen, wie viel oder wenig am Foto korrigiert wird. Mir fällt jedoch auf, dass Fotos häufig "überkorrigiert", ich nenne das übersteuert, wie bei Musik, daherkommen. Es stört mich beim Betrachten, wenn ich nur die Technik sehe und nicht mehr die Bildaussage.
Die stürzenden Linien korrigiere ich auch fast immer. Es ist jedoch ein Irrtum zu denken, das menschliche Auge sähe sie nicht in der Realität, wir korrigieren das Sehen lediglich durch das Wissen. Selbstverständlich sehen wir die Linien eines Kirchturmes, einer Leiter oder eines Hochhauses nach oben zusammenlaufen, so wie wir auch die Schienen am Horizont auf einen Punkt verschmelzen sehen, obwohl sie das nicht tun.
Daher kommt es darauf an, was das Bild aussagen soll. Im angefügten Beispiel müssen die stürzenden Linien bleiben.
Noch etwas Problematisches gibt es für mich bei der Bildbearbeitung, ähnlich wie beim Bilder malen. Man muss irgendwann ein Ende finden, um es nicht zu "töten". (Glücklicherweise kann man jeweils zum Ursprung zurück bei der Fotoarbeit.) Ein Foto immer noch besser machen zu wollen, führt gelegentlich dazu, dass es nicht mehr "lebendig" ist. Dann ist es vielleicht technisch perfekt, lässt uns aber kalt beim Betrachten. Mir geht es jedenfalls hin und wieder so.

Auch für mich sind die beglückensten Fotos die mit dem Glück. Letztens habe ich unseren schwarzen Kater mit einer Maus erwischt, die aufrecht vor ihm stehend offenbar mit ausgebreiteten Pfoten eine Ansprache hält, es war schon dämmrig, es war keine Zeit zum Objektivwechsel und auch nicht zur richtigen Kameraeinstellung. Die Situtation war zu schnell vorbei, aber nicht schnell genug für meine schnelle Kamera. Ergebnis: leicht unscharfte, ein bisschen verrauschte Fotos, nicht zu korrigieren, trotzdem wertvoll, weil unwiederholbar.
LG Erika



Angehängtes Bild:

Stürzende Linien: Kirchturm in Feldbach/Steiermark

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