Diskussion: Reiseliteratur

stopfkuchen

offline

am 12.01.2009 21:01 Uhr

Reiseliteratur

Liebes "Reisemonster",

ich greife deine Idee, dir mir gut gefällt, auf und starte einfach mal die "Diskussion". Mir fallen zwei Sachen dazu ein:

- Ein provokantes "die Schönheit liegt im Auge des Betrachters". Natürlich gibt atemraubendes Weltkulturerbe, das uns vermutlich allen gefällt. Aber häufig sind es auch die kleinen Dinge, die einen beeindrucken und bewegen, eine besondere Stimmung, eine interessante Begegnung. Die kann man überall entdecken und sie stehen in keinem Reiseführer.

- Hinsichtlich Literatur: Ich lese im Moment gerne Reiseberichte, zum Beispiel C. Rohrbachs Buch über ihre Mongolei-Reisen, "Sibirski Punk" von M. Hilbk oder " auch "Lolita lesen in Teheran" von A. Nafisi. Bücher also, die ein Land jenseits der Sehenswürdigkeiten vermitteln, neugierig auf das Land und die Menschen machen, einen Einblick in den Alltag und das Leben der Menschen bieten.

Was fällt dir / euch dazu ein?

Viele Grüße,
Steffi

am 14.01.2009 14:42 Uhr

Zu deinem ersten Punkt...

...muss ich dir absolut Recht geben Steffi.
Solche Begegnungen und Stimmungen kann es überall geben und erleben kann man sie nur, wenn man nicht krampfhaft nach ihnen sucht. Solche Dinge passieren einfach. Aber wenn man sie krampfhaft sucht wird man sie nie finden.

Lg,
Weltenbummlerin

mosaik

offline

am 16.01.2009 08:46 Uhr

wer liest hat mehr von einer Reise

... Pflichtlektüre... na ja, jawohl, aber auch...

Ich denke, man sollte sich mit dem Reiseland schon im voraus auseinandersetzen. Ob es zielführend und hilfreich ist, ein Reisebuch von 1000 Seiten zu "studieren", einen Bildband durchzublättern oder sich mehrere verschiedene Führer zu Gemüte zu führen, hängt wohl von der jeweiligen Person ab.

Allerdings habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass selbst beim Einlesen ich beim ersten Besuch trotzdem so manches noch nicht sehen. Erst das "Nachlesen" wieder Daheim gibt mir neue Ideen, was ich beim nächsten Mal doch auch noch sehen sollte.

Besonders bedauerlich sind jene "Urlauber", die in Foren sinngemäß wie folgt fragen: "Hallo Community, ich wir haben 14 Tage Zeit Oberitalien zu bereisen. Schreibt uns doch bitte, was alles als "must" zu sehen ist. Freuen uns schon auf Eure Tipps"... und wenn dann Antworten folgen wie "unbedingt in R. zum Toni essen gehen, dort gibt es echtes Münchner Hofbräubier", dann frag ich mich, warum diese Menschen überhaupt dorthin fahren.

Da ich mich seit Jahren mit Reiseliteratur beschäftige und auch solche rezensiere, habe ich noch einen Tipp für Euch: Es gibt Reiseliteratur, die nüchtern auflistet, was wo zu sehen ist. Es gibt aber auch Reiseliteratur, die zwar dem Grunde nach Gleiches anbieten, NUR aber in Erzählform. Also der Autor reist(e) selbst durch die Lande und berichtet aus seinem Blickwinkel. Warum ich diese Art sehr liebe? Weil bei gut geschriebenen Büchern ich mich nach einigen Seiten des Lesens selbst im Hausboot, im PKW oder als Mitwanderer fühle. Ich möchte dann beim nächsten Besuch dort auch in diesem oder jenem Wirtshaus jausen oder den Sonnenuntergang auf der oder jenen kleinen Laguneninsel genießen.

Reisen ohne Literatur ist für mich so etwas wie Leben ohne Partner
meint
Peter

stopfkuchen

offline

am 16.01.2009 19:18 Uhr

Lesen und Reisen, Reisen und Lesen

Hallo Peter,

ein ungewöhnlicher Vergleich....

Doch es geht mir auch oft so, dass ich einen Reiseführer zweimal lese: einmal zur Vorbereitung, so dass man vor Ort dann manches mit anderen Augen (oder überhaupt) sieht, und dann zur Nachbereitung, wo man dann manches mit anderen Augen, mit einem anderen Verständnis liest, weil man die Sache gesehen hat.

Und du hast mich neugierig gemacht. Hast du für die Reiseliteratur in Erzählform einen konkreten Buchtipp?

Auf deine Antwort gespannt ist
Steffi

mosaik

offline

am 06.02.2009 09:05 Uhr

Reiseliteratur in Erzählform

Liebe Steffi,

ich bin dir noch eine Antwort schuldig.

Buchbeispiel 1 http://www.geo-reisecommunity.de/tipp/104454/Venedig-Italien-Buchtipp-Besser-Einfach - mein Buchtipp hier "Besser. Einfach." Bei dieser Reise "erlebt" man die Region, bekommt lebendige Tipps, wo Essen, wo beobachten, wo herumgehen oder -fahren. Der Autor hat mehrere Bücher geschrieben, nicht alle gleich gut. Aber auch noch zu empfehlen ist http://www.geo-reisecommunity.de/tipp/117779/Duino-Italien-Buchtipp-Einfach-Gut-Eine-kulinarisch-kulturelle-Reise-durch-das-Friaul-und-Julisch-Venetien Einfach.Gut - dieses Buch zeigt die Schönheiten sowohl landschaftlich als auch kulinarisch von der Lagune von Venedig, dem Collio-Gebiet und dem triestiner Karst auf.

Buchbeispiel 3 - Zwischen Ravenna und Rimini: die Romagna, Reiseführer durch eine ungewöhnliche Landschaft von Oscar Stammler - alt, aber gut: erschienen 1981 im Fleischhauer & Spohn Verlag, Stuttgart, ISBN 3 87230 200 0 - dieses Buch macht Lust auf Erkundungsfahrten aber wirklich abseits der Touristenpfade. Aber nicht minder interessant und schön, wer einmal in dieser Region war!

Und so ließe sich die Reihe fortsetzen.
Meint
Peter

rrobby

offline

am 11.01.2010 01:42 Uhr

Reiseliteratur

Hallo!
Wenn ich eine Reise plane, dann besorge ich mir vor der Reise meist den "Baedecker" o.ä. Reiseführer über das Land, dazu einen "Reise-Know-How". So weiß ich, was sich anzusehen lohnt, wo ich unterkommen kann, wie ich im Land von A nach B und weiter nach C komme, wie ich mich im zu bereisenden Land zu verhalten habe. Ganz wichtig im Reiseführer sind nunmal auch die ersten Seiten in denen es zB auch über die Verhaltensregeln geht. Ich plane eine reise nur grob vor, suche mir ein paar Orte raus, die ich gern sehen möchte. Unterwegs schmeiße ich oft eh wieder die Reiseplanung um und suche mir vor Ort neue, andere "Places to see". Und oft nehm ich auch das Internet zu Hilfe, um zu sehen, wo was zu sehen ist und wie die Erfahrungen anderer Reisender im zu bereisenden Land waren.

rrobby

betzold49

offline

am 13.03.2010 14:36 Uhr

Reiseliteraur

Ich mache fast ausschließlich Gruppenreisen (okay-nicht seufzen) und habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht - man lernt halt neue Interessenten kennen. Außerdem bin ich eben Alleinstehende, will aber trotzdem die erreichbaren Ziel erschwinglich kennen lernen.
Habe es mir angewöhnt, die einzelnen Ziele der Reise aus Wikipedia hesrunterzuladen.
Dann muss ich nicht die kiloschweren Bücher mitnehmen.

Schili

offline

am 25.12.2011 22:53 Uhr

Definition Reiseliteratur...

Hallo. Um dem Begriff Reiseliteratur überhaupt gerecht zu werden, sollte zunächst definiert werden, was darunter zu verstehen ist: Reiseführer oder Erlebnisberichte ? Bei Reiseführern der "üblichen Verdächtigen" a la "Reise KnowHow" oder LP hängt die Infogüte sehr stark vom Autor ab. Von großartig bis grottig ist da so ziemlich alles vertreten.

Bei den Erlebnisberichten verhält es sich ähnlich, doch da könnte ich (obgleich die Tipps natürlich auch wieder von der jeweiligen Länder-Präferenz abhängen) einige Tipps geben:

Uneingeschränkt empfehlenswert sind die Reiseberichte des (leider verstorbenen) polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński; Highlight dürften seine im dem Buch "Afrikanisches Fieber" verarbeiteten Erfahrungen aus 40 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent sein.Ein großartiges Buch!

Sarkastisch, spitzzüngig und herrlich versnobt lesen sich die Reiseberichte des Briten Evelyn Waugh aus den 1930er Jahren(Tipp: "Befremdliche Völker, seltsame Sitten"- der Autor berichtet aus Äthiopien von der Krönung Haile Selassies - herrlich!)

Wen es auch schon mal auf eigene Faust in die nicht allzu typischen Reisedestinationen wie den Kongo, den Libanon oder den Jemen zieht, dem lege ich das ungeheuer informative und gut geschriebene Buch " von Rosie Garthwaite "Handbuch für die gefährlichsten Orte der Welt" ans Herz. Auslandsreporter, War Photographer, Kriegsberichterstatter und ähnliche "Frontkämpfer" geben Tipps, wie man sich halt in den titelgebenden Ländern ihrer Ansicht nach verhalten sollte, um böse Überraschungen auf ein Mindestmaß zu deduzieren. Sehr informativ, gut geschrieben.

Zunächst abschließend noch zwei m.A.n. weitere Highlights der Reiseliteratur des Briten Patrick Marnham : "Die Weißen kommen!" (der brillant schreibende Autor beleuchtet die Probleme Afrikas, mal aus der Sichtweise heraus, dass die vom "Weißen Mann" aus tiefen Schuldgefühlenen hervorgegangenen Hilfsprojekte die Lage Afrikas und seiner menschen nur verschlimmern, statt die zu verbessern...) und die Zentralamerika-Reportage "So fern von Gott".

Die aufgeführten Bücher haben zumindest MIR(vor oder auf Reisen) unglaublich unterhaltsame Stunden beschert, zudem stilistisch m.A.n. allesamt geschliffener & unterhaltsamer, als die Werke der angeblichen "Reiseliteratur-Päpste" Paul Theroux & Bruce Chatwin.Aber das ist natürlich Geschmackssache. Es soll ja auch Leute geben, die in Tommy Jauds "Hummeldumm" Reiseliteratur sehen...;-) Gruß aus Köln.

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