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Uganda: Ein anderer Tourismus
Die Initiative "Pearls of Uganda" fördert Gemeindetourismus in Uganda und hat dafür 2013 den To Do! Preis für sozialverantwortlichen Tourismus verliehen bekommen. Ein Besuch. Mit Fotostrecke
Kanyabikingyi greift zum Speer, er trägt eine Fellweste und eine hohe Fellhaube und läuft voran ins Grün des Waldes. Die Touristengruppe folgt ihm. Es ist das eindringliche Grün des Mgahinga-Nationalparks im Südwesten Ugandas, den Touristen vor allem besuchen, um Berggorillas zu sehen, die tiefer im Wald an den Hängen der Virunga-Vulkane leben. Hier haben Kaffernbüffel Schneisen ins Unterholz getreten.
Auf einer Lichtung bleibt Kanyabikingyi stehen und führt vor, wie sie massigen Tiere gejagt haben. Er provoziert den imaginären Büffel mit Rufen und Klatschen, flüchtet hektisch und lässt ihn in einen Speer laufen, den er schräg in den Boden gerammt hat. Der alte Wilson kommt von der Seite und verpasst ihm den Todesstoß. Doch da ist nichts, der Speer landet im Gebüsch. Sie sind Batwa-Jäger und haben in diesem Wald gelebt, bevor ein Nationalpark daraus wurde, um Berggorillas, Waldelefanten und andere seltene Tiere zu schützen. Sie mussten ihn verlassen, durften nicht mehr jagen, leben seither als Landlose und Tagelöhner in winzigen Hütten zwischen den Feldern der Bauern oder in einem Elendsviertel der nahen Stadt Kisoro und müssen mit Haftstrafen rechnen, wenn sie unerlaubt den Nationalpark betreten.
Mit Touristen dürfen sie nun zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder hinein. Acht Kilometer wandern sie mit ihnen auf dem Batwa Trail durch ihren Wald, zeigen wie sie gejagt und gelebt haben, in Hütten aus Blättern und Zweigen, am Ende der Wanderung führen Frauen ihre Tänze auf. Es ist keine Wiedergutmachung, aber eine Einnahmequelle, die sie bisher nicht hatten.
Nur hochwertige Projekte werden zur "Perle"
Der Batwa-Trail im Südwesten von Uganda ist eines von rund 25 Gemeindetourismusprojekten in Uganda, die von Pearls of Uganda gefördert werden. Die Initiative wurde 2011 von der ugandischen Vereinigung für Gemeindetourismus UCOTA gegründet, um Touristen besondere kulturelle Erlebnisse in landlichen Gemeinden zu vermitteln – sie können traditionelle Heiler besuchen, Flechten oder Trommeln lernen, in Dorf-Unterkünften übernachten oder Batwa-Jäger in den Wald begleiten. "Bisher war das Problem, dass die meisten Reiseveranstalter in Uganda keine Gemeindeprojekte angeboten haben, weil sie ihnen nicht zutrauen, Touristen angemessen zu betreuen", sagt UCOTA-Projektkoordinator Felex Kamalha. Die Auszeichnung "Pearl" soll Reiseveranstaltern und Touristen nun garantieren, dass es sich um hochwertige Projekte handelt. Alle liegen in der Nähe von touristisch interessanten Schutzgebieten und werden auf Qualität, sowie soziale und ökologische Nachhaltigkeit geprüft, Mitarbeiter müssen Fortbildungen absolvieren. "Wir wollen dazu beitragen, die Lücke zwischen ländlichen Gemeinden und dem Tourismus-Markt zu schließen", sagt Kamalha.
Im Moment konzentrieren sich die Projekte vor allem auf den Südwesten des Landes, doch UCOTA plant, das Netzwerk in den nächsten Jahren auf alle zehn Nationalparks und 13 Schutzgebiete im Land auszuweiten.
Für das Engagement hat Pearls of Uganda 2013 den To Do! Preis für sozialverantwortlichen Tourismus verliehen bekommen, den der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. jedes Jahr vergibt, zweiter Preisträger ist das touristische Sozialunternehmen The Blue Yonder, das im südindischen Kerala ähnliche Arbeit leistet. "Der Preis bedeutet für die Initiativen vor Ort eine Rückenstärkung, da sie im eigenen Land oft wenig Anerkennung erfahren", sagt Studienkreis-Geschäftsführerin Birgit Steck. "Viele Regierungen finden das einfache Dorfleben für den Tourismus nicht geeignet, sie wollen es eher verstecken, weil sie es für rückschrittlich halten."
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