Hauptinhalt
GEO.de Seite 1 von 3
Artikel vom


Chile: Kochen lernen von den Ureinwohnern

Spurensuche kulinarisch: Die Mapuche-Frauen im chilenischen Curarrehue kochen traditionelle Gerichte aus dem, was Gärten und Wälder hergeben. Touristen können das nun von ihnen lernen. Mit Fotostrecke

Text von Mirco Lomoth

Anita Epulef in ihrem kleinen Restaurant Mapu Iyagl am Ortseingang von Curarrehue (Foto von: Mirco Lomoth)
© Mirco Lomoth
Foto vergrößern
Anita Epulef in ihrem kleinen Restaurant Mapu Iyagl am Ortseingang von Curarrehue

Anita Epulef hockt in ihrem wilden Garten und pflückt Zutaten für das Mittagessen. Ein paar Blätter Sauerampfer und Amarant, einige Stengel scharfer Koriander, etwas Salbei. Vorsichtig legt sie die Kräuter in eine grob geschnitzte Holzschale, schaut sich geduldig um und geht zum nächsten Pflänzchen.

Sie trägt ein Kopftuch und ein schwarzes Kleid, das mit einem feinen Muster bestickt ist, eine Frau von Mitte vierzig mit liebenswürdigem, tiefem Blick. "Kochen heißt für mich säen, ernten und sammeln, ich schaue immer zuerst auf die Natur, sie gibt das Menü vor", sagt sie und geht hinein in die Küche ihres kleinen Restaurants Mapu Iyagl am Ortseingang von Curarrehue, ein Dorf im mittleren Süden Chiles.

Rund 80 Prozent der Bevölkerung zählen hier zu den Mapuche, einem der größten indigenen Völker Südamerikas. In Curarrehue nennen sie sich Pehuenche, Menschen der Araukarie, dieses urzeitlich wirkenden Baums, der seine stacheligen Arme wie in einer flehenden Geste zum Himmel streckt.

Epulef zerstampft die Kräuter in einem steinernen Mörser. Ihr Restaurant ist gleichzeitig eine Kochschule, Touristen können hier lernen, traditionelle Pehuenche-Gerichte zuzubereiten, die Zutaten kommen aus ihrem Garten, den Gärten ihrer Freundinnen oder dem umliegenden Wald.



Zum Nachtisch gibt es in Honigwasser eingelegten Riesenrhabarber

Viele Pehuenche sind Selbstversorger, sie pflanzen, züchten, tauschen oder sammeln im Wald – etwa Maqui-Beeren, Riesenrhabarber, Wildspargel, Pilze oder die Samen der Araukarie. Sie kochen und trocknen sie für den Winter, verarbeiten sie zu Mehl und führen ihre Existenz darauf zurück: Es heißt, als ihre Vorfahren einst zum Sterben in die Berge gingen, ließen die Mütter der weiblichen Araukarien ihre Samen fallen und sangen für die Menschen, damit sie Fortleben konnten. "Es war wie eine Wiedergeburt", sagt Epulef.


Über ihrem Herd hängen, aufgereiht auf Schnüre, die letzten gehüteten Samen des vergangenen Herbstes. Kurz darauf serviert sie gekochte brotes de quila, die Sprossen einer chilenischen Bambusart in scharfer Vinaigrette, mit Asche gekochten Mais in einer Kräuterpaste mit Räucher-Chili und einen Amarant-Blattsalat, zum Nachtisch gibt es in Honigwasser eingelegten Riesenrhabarber.



Seite 1 von 3
 
1 - 2 - 3


Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Kommentare zu "Kochen lernen von den Ureinwohnern"

Jörg Werner | 16.01.2013 22:27

Im araukanischen Museum von Curarrehue habe ich im Mapuche-Restaurant ein Mapuche-Mittagessen gespeist(vor einigen Jahren).Hat gut geschmeckt. Beitrag melden!


Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!