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Interview: Local Travel ohne Internet

1991 veröffentlichte der Amerikaner Jim Haynes eine Art Reisetelefonbuch für Polen mit Kontaktdaten von rund 1000 Einheimischen. Journalistin Vicky Baker traf einige dieser Menschen 20 Jahre später

Interview:

Mit dieser Erstausgabe reiste Vicky Baker durch Polen (Foto von: Dave Depares, Bravespark Media)
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Mit dieser Erstausgabe reiste Vicky Baker durch Polen

Wie sind Sie zu dem Buch gekommen?
Jim Haynes gab es mir im Frühjahr bei einem Abendessen in Paris. Er meldete sich eines Tages bei mir, als ich unterwegs war auf meiner Couchsurfing-Tour durch Südamerika und darüber bloggte. Jim war der Meinung wir sollten uns austauschen, da er vor fast 20 Jahren ähnlich gereist war, nur eben ohne die Hilfe des Internets. Er lud mich zu einem seiner "offenen Abendessen" ein, die er jeden Sonntag in seinem Pariser Haus veranstaltet und da hörte ich das erste Mal von dem Buch. Obwohl an diesem Sonntag rund 80 Menschen aus aller Welt in Jims Haus versammelt waren, nahm er sich Zeit mir die Geschichte zum Buch zu erzählen. Nachdem Jim viel in Osteuropa unterwegs gewesen war, kam ihm die Idee seine Kontakte in einem Buch zu vereinen, sodass auch andere Reisende von den Tipps der Einheimischen profitieren konnten. Er schrieb viele Briefe und trug nach und nach die Daten von interessierten Menschen in Polen zusammen. Ich verließ Jims Haus mit einer Erstausgabe des Buches "Von Menschen für Menschen" mit Kontaktdaten von rund 1000 Einheimischen, die Reisenden ein Zimmer, ein Essen oder eine Segeltour anboten, unentgeltlich. Ich dachte mir: Eines Tages sollte ich versuchen, diese Menschen zu treffen.

Wie kann man sich die Einträge in dem Buch vorstellen?
Man kann es sich wie ein ganz normales Taschenbuch vorstellen, voll mit tausenden Namen, Adressen und Telefonnummern von Menschen in ganz Polen, fein säuberlich nach Stadt und Provinz geordnet. In einer Zeile erklären sie noch kurz, wer sie sind oder was sie machen. Es war recht interessant das heutzutage zu lesen. Wir sind es inzwischen so sehr gewohnt, uns bei diversen Online-Plattformen mit Wort und Bild darzustellen, dass diese Einträge im Vergleich teilweise sehr unbeholfen klangen. Ich konnte mir die Menschen dahinter schwer vorstellen.

Wie haben Sie versucht Kontakt aufzunehmen?
Ich hatte ursprünglich die Idee, ganz altmodisch, Briefe zu schreiben. Einige Briefe habe ich auch versendet, aber dann lief mir einfach die Zeit davon. Schließlich wollte ich schon immer Sommer reisen. Also fing ich an, die Menschen zu googeln. Natürlich ist die Chance sehr gering, nach zwanzig Jahren jemanden zu finden, der noch immer im selben Haus wohnt und denselben Namen trägt.

Zum Glück haben Sie es aber trotzdem geschafft.
Ich muss schon zugeben, ich habe auch viele Sackgassen gefunden, aber manchmal hatte ich Glück. Allein eine positive Antwort hat die Wartezeit wieder wettgemacht. Alle, die mir geantwortet haben, waren völlig überrascht, dass sich nach so langer Zeit jemand bei ihnen meldet. Nur eine Frau hatte tatsächlich vor nicht allzu langer Zeit ein paar Besucher aus Paris bei sich. Es scheint also immer noch Menschen zu geben, die mit diesem Buch reisen.


Vickys erste Verabredung in Polen war Wladek, hier zeigt er seinem Sohn das Buch (Foto von: Dave Depares, Bravespark Media)
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Vickys erste Verabredung in Polen war Wladek, hier zeigt er seinem Sohn das Buch

Wen haben Sie denn vor Ort dann tatsächlich getroffen?
In Krakau hatte ich ein paar Verabredungen und traf mich zuerst mit Wladek einem Akademiker. Ihn habe ich durch seine Universität ausfindig machen können. Er führte mich in eines der ältesten Cafés, sehr unkonventionell mit alten Wandgemälden und großen Fenstern. Wir besuchten historische Plätze, zu denen Wladek immer eine eigene Geschichte zu erzählen hatte und nachmittags gesellte sich sein 15-jähriger Sohn Wojtek zu uns. Er fand es sehr verwunderlich, dass eine fremde Frau extra gekommen war, um seinen Vater zu treffen. Aber ich bin mir sicher in ein paar Jahren wird auch er Couchsurfer sein und meine Beweggründe verstehen. Einen Tag später traf ich Ewa, eine Künstlerin und ich wusste sofort, dass sie mich an Orte bringen wird, die man allein nie entdecken würde. Kurze Zeit später standen wir vor einem bunkerähnlichen Gebäude und trafen auf einen Freund von Ewa: Hans, ein Skulpturenmacher. Der Bunker ist sein zu Hause. Hier lebt und arbeitet er - ohne Elektrizität. Innen erhellten Kerzen das Geschehen und ein Lagerfeuer sorgte für eine wohlige Atmosphäre. Wir verstanden uns auf Anhieb und es folgte eine Tour durch die Underground-Szene der Stadt.


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