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Rumänien: Chronik der Eskalation

Auf den Straßen Bukarests herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Die lokale Tierschutzbehörde (ASPA) missachtet das Gesetz und tötet widerrechtlich Straßenhunde. Tierschützer stellen sich ihnen in den Weg - bis die Situation eskaliert

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Die Rede ist von 60.000 Straßenhunde allein in der Hauptstadt Bukarest, insgesamt sechs Millionen sollen es in ganz Rumänien sein. Doch verifizierte Zahlen sind nur schwer zu ermitteln, da sich immer wieder Haus- und Straßenhunde mischen. Die Straßenhundeproblematik hat ihren Ursprung in der Geschichte des Landes. Nicolae Ceausescu, ehemaliger Diktator, riss in den Achtzigerjahren einen Großteil der Bukarester Altstadt nieder. An die Stelle der Privathaushalte rückte Europas größtes Gebäude, der "Palast des Volkes". Anwohner ließ er in Plattenbauwohnungen umsiedeln, in denen sie gerade einmal genug Platz für sich selbst fanden. Die Konsequenz: Hunde, die zuvor in den Haushalten lebten, wurden auf die Straße gesetzt - und vermehrten sich unkontrolliert. Die Überpopulation bereitete schnell Probleme: Mehrere tausend Beißvorfälle soll es laut der lokalen Tierschutzbehörde ASPA (Verwaltung für die Kontrolle und den Schutz von Tieren) allein in Bukarest jährlich gegeben haben.

In der Folge galt bis Ende 2007 bereits das Tötungsgesetz. Hunde durften eingefangen und nach 14 Tagen in Gewahrsam getötet werden. Bei Eintritt in die Europäische Union musste das Gesetz weichen; es entsprach nicht den EU-Regelungen zum Schutz von Tieren. Ohnehin zeigte es nicht im Ansatz die versprochene Wirkung: Die Population konnte nicht verringert werden.


Das Tötungsgesetz wurde am 10. September 2013 erlassen und kostete schon mehreren zehntausend Straßenhunden das Leben (Foto von: Moritz Münch)
© Moritz Münch
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Das Tötungsgesetz wurde am 10. September 2013 erlassen und kostete schon mehreren zehntausend Straßenhunden das Leben

Das Spiel mit den Hundeleben

In der Hauptstadt Bukarest stehen Tierschutzbehörden wie der ASPA seit Ende 2013 etwa vier Millionen Euro, zuvor etwa 600.000 Euro, zur Verfügung. Das Geld soll unter anderem in Tierheime fließen und eine humane Haltung der Hunde garantieren. De facto landet es seit Jahren auf den Privatkonten einflussreicher Politiker und ihrer Mitarbeiter. Anders machen es zahlreiche ehrenamtliche Tierschutzorganisationen, die sich seit 2007 in Rumänien niederließen, um Hilfs- und Kastrationsprogramme ins Leben zu rufen. Ihre Methode zeigt Wirkung: In der Stadt Oradea ist es dank "neuter and return" (kastrieren und auf die Straße zurücksetzen) gelungen, die Population innerhalb von fünf Jahren von 6000 auf 350 Hunde zu verringern. In Bukarest lässt sich zumindest eine positive Tendenz feststellen: Ein Großteil der herrenlosen Hunde ist (sichtbar durch eine Marke am Ohr) kastriert.

Doch dieser Erfolg ist nicht von allen Seiten erwünscht, meinen rumänische Tierschützer. Der sinkende Bedarf an lokalen Fördergeldern für die Lösung der Straßenhundeproblematik spiegele sich vor allem auf den Privatkonten von Bürgermeistern und Hundefängern schmerzlich wieder. Eine Lösung wird schnell gefunden.


Tragik zum richtigen Zeitpunkt

Am 2. September 2013 geschieht das tragische Unglück, mit dem der Krieg gegen die rumänischen Straßenhunde von vorne beginnt: Der vierjährige Ionut Anghel wird beim Spielen angeblich von einer Gruppe Hunde angefallen - und stirbt an den Bisswunden. Politik und Presse machen die Straßenhunde dafür verantwortlich. Obwohl heute bekannt ist und gerichtlich geprüft wird, dass Wachhunde auf einem Privatgelände den Jungen angriffen, erließ das rumänische Parlament im Anschluss erneut das "Tötungsgesetz".


Lesen Sie auf der nächsten Seite die Geschehnisse im Detail nach.



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Kommentare zu "Chronik der Eskalation"

Peter Klemke | 28.04.2015 18:34

Auch dieses Jahr finden am 16.05.2015 europaweit Demos und Mahnwachen unter dem Slogan Yes WE CARE statt. Informationen gibt es auf Facebook. Beitrag melden!

Franziska Gerhardt | 30.09.2014 17:25

Danke für diesen sachlichen, ausführlichen Bericht. Es ist wichtig, dass diese Informationen weit verbreitet wer endlich Handlungsbedarf sieht. Beitrag melden!

Sonja | 12.09.2014 13:08

zitiere hier einen Tierschützer:
Aber ein wichtiger Punkt: "Neuter & Return" ist nicht nur "kastrieren und auf die Strasse zuruecksetzen", wie der Journalist hier meint, sondern vor allem "kastrieren und zum Besitzer oder Halter zurueckbringen" (oder abholen lassen). Es ist wichtiger und nuetzlicher, geschuetzte Hunde mit Haltern oder Besitzern zu kastrieren, als wilde, streunende Hunde. Warum ? Weil Hunde mit Haltern gesunder und staerker sind und sich deswegen viel erfolgreicher vermehren, als verhungernde Streuner es koennen. Die Quelle von unerwuenschten, unbeaufsichtigten Hunden auf den Strassen ist meistens nicht fruchtbare Streuner sondern fruchtbare Huendinnen bei Fabriken, Parkplaetzen, Tankstellen, Bauernhoefen, Regierungsgebaueden, Sehenswuerdigkeiten u.s.w. - und mit unverantwortlichen, oft sehr armen, Besitzern.

Deswegen hat das Einfangen und Toeten von losen Hunden keinen Sinn und kein Ende. Neue Hunde werden die entfernten Hunde immer ersetzen, wenn Futter, Wasser und ein leerer Platz vorhanden sind. Beitrag melden!

Carolin | 11.09.2014 22:29

Vielen Dank für diesen Artikel, der die grauenhaften und teilweise illegalen Geschehnisse in Rumänien sowie ihre Hintergründe sehr sachlich beleuchtet. Wenn man sich etwas näher mit dem Thema befasst, ist es kaum zu glauben dass so etwas in einem Mitgliedsstaat der EU möglich ist. Und doch ist es leider traurige Realität! Beitrag melden!

Karlheinz Druschel | 11.09.2014 17:52

Vielen Dank für die meiner Ansicht nach sehr realistische Zusammenfassung und vor allem Veröffentlichung von Fakten. Die meisten deutschen Medien trauen sich das nicht. Beitrag melden!

Sonja | 11.09.2014 16:13

Bestätigung von Vier-Pfoten:

http://www.vier-pfoten.at/projekte/streunertiere/sac-rumaenien/aktuelles/rumaenisches-kind-wurde-nicht-von-streunern-getoetet/ Beitrag melden!

Sonja | 11.09.2014 16:10


was wichtiges fehlt in diesem Artikel: es waren nicht die Straßenhunde, die das Kind totgebissen haben, es waren Wachhunde: http://www.vier-pfoten.at/projekte/streunertiere/sac-rumaenien/aktuelles/rumaenisches-kind-wurde-nicht-von-streunern-getoetet/ Beitrag melden!

Sonja | 11.09.2014 16:10

Was wichtiges vermisse ich hier: es waren gar nicht die Straßenhunde, die das Kind totgebissen haben, sondern die Wachhunde!
http://www.krone.at/Tierecke/Falschmeldung_schuld_am_Tod_von_16.000_Streunern-Gesetz_in_Rumaenien-Story-417660

ARD-Sdg. 23.8.14: Hundehölle von Slatina
http://mediathek.daserste.de/tv/Europamagazin/Rumänien-Hundehölle-von-Slatina/Das-Erste/Video?documentId=23094770&topRessort=tv&bcastId=342024

http://www.romaniatourism.biz

EU-Abgeordneter: Janusz WOJCIECHOWSKI MEP -- Stop tourism, since the brutal killing of dogs in Romania continues
https://www.youtube.com/watch?v=yihX0yR9klU Beitrag melden!

Jascha L. | 11.09.2014 14:21

Leider wurde auf die Protest vom 17.05.2014 unter dem Motto "Yes! We care!" nicht eingegangen. Das wäre dieser gut verfassten Conik über das Leid der Tiere noch ergänzend hinzuzufügen.

Yes! We care! ist eine Bürgerbewegung, in der sich Privatpersonen zusammengefunden haben, um zu kämpfen! Beitrag melden!

Antonietta | 11.09.2014 10:04

Wußten Sie, das es in Bulgarien ca. 250.000 Strassenhunde gibt ? Dass jährlich 50.000-100.000 Tiere brutalst in sogenannten Tierheimen erschlagen, erdrosselt oder vergiftet werden?
Wußten Sie, das es in Rumänien ca. 1 Million Strassenhunde gibt? Dass jährlich Tausende in Tötungsstationen brutalst erschlagen, erdrosselt oder vergiftet werden?
Wußten Sie, das es in Griechenland ca. 400.000 Strassenhunde gibt? Dass jährlich ca. 10.000, kurz vor der beginnenden Urlaubssaison, durch Giftköder ermordet werden?
Wußten Sie, das es in Portugal 150.000 -200.000 Strassenhunde gibt ? Dass jährlich ein Großteil von ihnen vergiftet und erschossen werden?
Wußten Sie, das es in Italien ca. 1 Million Strassenhunde gibt? Dass dort regelmäßig Giftköder ausgelegt werden?
Wußten Sie, das es in Spanien unzählige Strassenhunde gibt? Dass jährlich ca. 100.000 Tiere in „Tierheimen“ ermordet werden? Dass Galgos teilweise zum Abschuß freigegeben werden? Dass jährlich ca. 300.000 Hunde durch „Unfälle“ sterben?
Wußten Sie, das es in Ungarn ca. 1,5 Millionen Strassenhunde gibt ? Dass jährlich 30.000-40.000 Hunde in Tötungsstationen durch erschlagen, erdrosselt, vergiften oder verhungern lassen, ermordet werden?
Wußten Sie, das es in Irland „dog pounds“ gibt, in denen jährlich ca. 50.000 Tiere ermordet werden?
Wußten Sie, das es in Frankreich Tierheime gibt, in denen jährlich Tausende von Tieren ermordet werden? Beitrag melden!


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