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Ökofonds: Der Traum von der grünen Rendite

Ökologische Investmentfonds versprechen Wachstum ohne schlechtes Gewissen. Doch was bringen sie wirklich?

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Können Kaufentscheidungen die Welt verbessern? Ja, sagen kritische Konsumenten wie die Mitglieder der Nachhaltigkeits-Community Utopia.de. Sie setzten auf Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Verantwortung. Und hoffen, durch die Wahl des richtigen Produkts Einfluss zu nehmen: auf einzelne Unternehmen, aber auch auf ganze Wirtschaftszweige. Weniger öffentlichkeitswirksam ist dagegen die Debatte um das Geld, das nicht direkt in Konsumgüter investiert wird: Geld, das sich auf den privaten Bankkonten und in den Wertpapierdepots der Deutschen türmt. Mehr als fünf Billionen Euro waren es 2010. Was passiert mit damit? Was bewirkt dieses Geld, außer dass es eine gewisse Rendite abwirft?

Viele Anleger wissen gar nicht, dass Banken und Fondsgesellschaften mir ihrem Geld Unternehmen finanzieren, denen sie selbst keinen Cent geben würden. Unlängst deckte die Wochenzeitung "Die Zeit" auf, dass der Versicherer Deutscher Ring Riester-Sparer zu Rüstungsfinanciers machte. In seiner fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung "RingRiesterAktiv top3" stecken unter anderem Aktien eines Unternehmens, das Streubomben herstellt.


"Grün" und "Wachstum" - passt das zusammen? Ja, sagen Gärtner wie Ökonomen. Doch Vorsicht: Nicht alle grünen Geldanlagen sind wirklich grün. Und auch die Rendite kann stark schwanken (Foto von: David Malan/Photographer's Choice/Getty Images)
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"Grün" und "Wachstum" - passt das zusammen? Ja, sagen Gärtner wie Ökonomen. Doch Vorsicht: Nicht alle grünen Geldanlagen sind wirklich grün. Und auch die Rendite kann stark schwanken

Weniger spektakulär, aber weiter verbreitet sind Wertpapiergeschäfte mit Konzernen, die auf klimaschädliche, fossile Energieträger setzen. Oder auf Atomkraft. Im Frühjahr wurde bekannt, dass die niederländische ING Groep, der Mutterkonzern der deutschen Direktbank ING DiBa, für 15 Millionen Euro Anleihen von Tepco gekauft hatte. Dem japanischen Atomkonzern gehören die Katastrophenreaktoren von Fukushima.

Solche Verflechtungen fallen einer steigenden Zahl von Privatanlegern unangenehm auf. "Viele Bürger wollen sich nicht tagsüber für eine Energiewende einsetzen und nachts ihr Geld gegen diese Energiewende arbeiten lassen", erläutert der Finanz- und Nachhaltigkeitsexperte Christoph Bals vom Verein Germanwatch den anhaltenden Trend. Wer also von den Kurssteigerungen der Börse profitieren und selber bestimmen möchte, welchen Unternehmen er sein Geld gibt, der investiert lieber in Aktien ausgewählter Unternehmen. Vorausgesetzt, er scheut nicht das Risiko einer Firmenpleite. Oder er investiert in Nachhaltigkeits- oder Ökofonds.

Solche Fonds richten sich an Investoren, denen hohe umwelt- und soziale Standards am Herzen liegen. Ihr Versprechen: Rendite mit gutem Gewissen. Die Nachfrage nach ihnen steigt rasant. Nach Angaben des European Sustainable and Responsible Investment Forum (Eurosif) hat sich das Volumen der nachhaltigen Investments in Europa seit 2008 von 2,7 auf heute fünf Billionen Euro fast verdoppelt. Doch was taugen die Fonds? Was bewegen sie wirklich?


Hervorgegangen sind sie aus amerikanischen, christlich geprägten Ethikfonds. Sie mieden zunächst die sogenannten sin stocks ("Sünden-Aktien"), also Unternehmen, die mit Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Rüstung oder Pornografie Umsatz machten. Noch heute arbeiten Ökofonds mit solchen Ausschlusskriterien. Doch es sind viele hinzugekommen: etwa Kinderarbeit, Verletzung von Menschenrechten, Gentechnik, Atomenergie, fossile Energien und Tierversuche. Für fast jedes Interesse kritischer Anleger gibt es ein Ausschlusskriterium. Welche dieser Kriterien ein Fonds kombiniert, entscheidet der Anlageausschuss oder der Manager des jeweiligen Fonds.

Zusätzlich oder alternativ arbeiten viele Fonds mit dem Best-in-Class-Ansatz. Das bedeutet, dass der Fondsmanager Unternehmen auswählt, die in ihrer Branche in Sachen Nachhaltigkeit zu den Besten gehören. Oder die sich besonders durch soziales Engagement hervortun. Da solche Recherchen sehr aufwändig sind, vertrauen viele Fondsmanager auf externe Dienstleister wie oekom research. Die Nachhaltigkeits-Ratingagentur prüft Unternehmen, aber auch Staaten unter rein ökologischen und sozialen Gesichtspunkten.

"Für die Bewertung von Unternehmen werden rund 100 branchenspezifische Einzelkriterien geprüft - etwa die Umweltbilanz seiner Produkte", erläutert Rolf Häßler, Pressesprecher bei oekom research. Bei Autoherstellern untersuchen die Prüfer die Recyclingquote der produzierten Autos und den Durchschnitts-Flottenverbrauch. "Außerdem sehen wir uns beispielsweise an, wie das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht, welche arbeitsrechtlichen Standards es für die Auswahl der Zulieferer gibt, welche Rolle der Datenschutz spielt, wie mit Korruption umgegangen wird."



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