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Die Suche nach den grünen Wurzeln

Wie gewinnen wir ein Verhältnis zur Natur? Was fördert, was hemmt die Beziehung zur Umwelt? Torsten Schäfer hat sich das selbst gefragt - und ist dabei auf kindlichen Größenwahn, jugendlichen Frust und einen aktuellen Ideenwirbel in der Umweltpädagogik gestoßen


Wir standen mit den Gummistiefeln in der trüben Brühe, die sich Modau nennt, ein kleiner Fluss, der den Odenwald durchfließt und in einer alten Schleife des Rheins mündet. Wir standen da zu dritt, einer hielt einen blauen Müllsack auf, und die anderen stopften hinein, was sie im grauen Wasser finden konnten: Rostige Cola-Dosen, braun-ölige Plastiktüten oder Reste davon, Schrauben, einen Schuh. Es war Abfall, den die Dorfbewohner über die Jahre in unseren Fluss geworfen hatten. Aus unserer Sicht begingen sie grausame Taten, wenn sie etwas hineinwarfen, die "Umwelt verschmutzten", wie wir Fünftklässler gerade gehört hatten.


Früh übt sich: Autor Torsten Schäfer als Nachwuchs-Umweltschützer (Foto von: privat)
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Früh übt sich: Autor Torsten Schäfer als Nachwuchs-Umweltschützer

Wir drei waren wütend, wollten handeln, retten, etwas tun. Und stellten die Säuberungsaktion unter ein hehres Ziel: Fische sollten in den öden Fluss zurückkehren, sogar der Lachs. Wir glaubten fest daran, denn schließlich gab es Helfer: Alte Angler, die uns an den Rhein mitnahmen, hatten etwas vom Programm "Lachs 2000" gefaselt. Der Lachs sollte wieder in den Rhein, der Ende der 80er Jahre eine stinkende, blickdichte Brühe war.

Ein Entdecker, eine Fachfrau
Als wir da so standen, drei Fast-Halbstarke mitten im Fluss mitten im Dorf, mit Gummistiefeln, nassen Hosen und einem triefenden Müllsack, hielt plötzlich ein Mann oben am Geländer der Promenade und rief zu uns herunter. Schnurrbart, Wollpullover, wacher Blick - es war der Jugendpfleger unseres Dorfes. Als wir ihm erklärten, was unsere Ziele waren, hatte auch er plötzlich eines: Die Jugendumweltgruppe Mühltal war gegründet. Und damit ein erster Ort für Umweltpädagogik in unserer Gemeinde. Was in den drei Jahren danach folgte, waren Neugier-Salven, Spaß-Aktionen und echte Lehrstunden - Förderung im besten Sinne. Der Jugendpfleger trieb Astrid auf, eine Umweltpädagogin mit langen Haaren und großer Brille, die mit ihrem Mann und den Kindern auf einem Biobauernhof lebte. Und noch für den Naturschutzbund arbeitete.

Mit ihr rammten wir kleine Schwarzerlen in Bachufer, um sie wieder fester und natürlicher zu machen. Gingen mit Detektoren nachts auf Fledermaus-Wanderungen. Und siebten Insekten aus Bächen. Wir trugen dann all die Fliegenlarven und Röhrenwürmer in Bestimmungsschlüssel ein, die aussahen wie wirre Schatzpläne aus Magierhänden.


Irgendwann war es matschig genug

Irgendwann war das spannend-matschige Umweltgruppendasein vorbei, des Alters wegen. Mit 16 wurde ich politischer, wollte auch mal auf die Straße, etwas gegen Atomkraft rufen und als eine Art Dorf-Widerständler etwas vor der Haustür verändern.

Dafür gab es unverhofft Gleichgesinnte. Wir wurden Jusos, hätten aber auch viele andere Namen tragen können. Worum es ging, war bald klar: Ein Jugendbus für die Nacht, Fahrradwege entlang der Bundesstraße, Anti-Atomkraftdemos - und Solarenergie für die Kommune. Wir recherchierten monatelang, verfassten einen Solar-Reader für Bürger und Kommunalpolitiker mit Adressen, Gesetzeshinweisen und Erklärungen, wie denn eine Solaranlage funktioniert. Und ich schrieb meinen ersten Pressetext darüber.

Wir waren mächtig stolz auf unseren Solar-Reader. Und mächtig gespannt - denn zur großen Vorstellung des Werkes hatten wir 200 lokale "Genossen" aus unserem Dorf und den Nachbarsiedlungen angeschrieben. Es kamen - zwei. Eine Riesenttäuschung. Unsere ganze umweltpolitische Arbeit sollte nicht gewürdigt werden, einfach ignoriert? Und das war's auch erstmal für mich. Ich hatte keine Lust mehr auf irgendeine Art von Umwelt-Engagement. Und es kamen andere Dinge - Abitur, Reisen, Journalistik-Studium, weil das mit dem Schreiben zwar manchmal ein großer Mist war und ich meinen ursprünglichen Berufszielen Trapper, Bauer und Förster nachtrauerte. Oft aber auch Spaß machte.



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