Feinstaub Studie: Jeder vierte Corona-Tote geht auf das Konto von Luftverschmutzung

Wer in Städten mit viel Verkehr und Industrie lebt, hat schlechtere Chancen, COVID-19 zu überleben. Das zeigt die Studie eines internationalen Forscherteams
Verkehr

Ein Großteil der Feinstaub-Emisstionen in Ballungsgebieten ist auf den motorisierten Verkehr zurückzuführen

Schlechte Luft in Städten sorgt für mehr Tote unter den an COVID-19 Erkrankten: Rund ein Viertel aller Corona-Toten gehen in Deutschland auf das Konto von Feinstaub-Partikeln. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und weiterer Institute.

Für Ihre Schätzungen haben die Forscher Satellitendaten zur globalen Feinstaub-Belastung und epidemiologische Studien ausgewertet. Weltweit sind nach den im Fachmagazin „Cardiovascular Research“ veröffentlichten Ergebnissen 15 Prozent aller Todesfälle auf Luftverschmutzung zurückzuführen.

Anders gesagt: 15 Prozent aller Corona-Todesfälle hätten bei weniger belasteter Luft in Städten und Ballungsgebieten vermieden werden können. In Deutschland sind es sogar 26 Prozent – oder mehr als 2600 Menschen (Stand: 29.10.20).

„Gesundheitsfaktoren, die sich gegenseitig verschlimmern“

Die Wissenschaftler betonen, dass die Luftverschmutzung auf die Todesfälle nur einen indirekten Einfluss hat. „Unsere Schätzungen zeigen die Bedeutung der Luftverschmutzung auf Komorbiditäten, also Gesundheitsfaktoren, die sich gegenseitig verschlimmern und so tödliche gesundheitliche Folgen der Virusinfektion auslösen können,“ sagt Andrea Pozzer, Atmosphärenforscher und Erstautor der Studie, in einer Presseerklärung.

Beides, das Virus und der Feinstaub, verursachen laut den Forschern ähnliche Entzündungen und Schäden an den Blutgefäßen im Körper. Und verstärken gegenseitig den krank machenden Effekt. „Wenn Sie bereits an einer Herzerkrankung leiden, verursachen Luftverschmutzung und Coronavirus-Infektionen Probleme, die zu Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall führen können“, erläutert Thomas Münzel, Direktor am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz. Zudem schädige Luftverschmutzung die Lunge. Das führe wiederum zu einer vermehrten Aufnahme des Virus.

Beitrag der Luftverschmutzung „klar ersichtlich“

Die Ergebnisse der Studie seien zwar mit Unsicherheiten behaftet. Auch habe zum Beispiel das jeweilige Gesundheitssystem eines Landes einen Einfluss auf die Sterblichkeit. Doch der Beitrag der Luftverschmutzung zur COVID-19-Mortalität sei „klar ersichtlich“, sagt Pozzer.

Das Fazit der Forscher: „Die COVID-19-Pandemie wird mit der Impfung der Bevölkerung oder mit der Herdenimmunität durch weitreichende Infektion der Bevölkerung enden. Es gibt jedoch keinen Impfstoff gegen schlechte Luftqualität und den Klimawandel. Der Weg ist die Minderung von Emissionen.“

Umweltorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fühlen sich durch die Ergebnisse bestätigt. „Dreckige Luft kostet Menschenleben. Gerade jetzt bei ansteigenden Covid-19 Erkrankungen muss die Luftbelastung drastisch verringert werden“, kommentiert Jürgen Resch, Geschäftsführer der DUH, die Ergebnisse der Studie. Bund und Länder sowie die Kommunen seien dringend aufgefordert, endlich für saubere Luft in unseren Städten zu sorgen.