Pionier der Mikrobiologie Louis Pasteur: Ein Held, nicht frei von Makeln

Sein Vorgehen als Forscher brachten ihm einen zweifelhaften Ruf ein. Dennoch ist Louis Pasteur, der 28. September 1895 starb, in Frankreich heute ein Nationalheld
Louis Pasteur

Trotz seiner teilweise fragwürdigen Methoden gilt Louis Pasteur heute als einer der Pioniere im Feld der Impfstoffe

Als Louis Pasteur (1822–1895) geboren wird, sind Bakterien, Schimmelpilze und andere Mikroorganismen schon lange bekannt. Doch können sich viele Forscher nicht vorstellen, dass derart win­zige Kreaturen große Wirkung entfalten.

Pasteur studiert Chemie, Physik, Geologie, erforscht aber vor allem die Mikroben. Der Franzose zeigt, wie sich einige dieser Organismen über die Luft verbreiten und Lebensmittel verderben. Und er erfindet die „Pasteurisierung“, bei der etwa Milch in einem luftdicht verschlossenen Gefäß kurzzeitig erhitzt wird, um Keime abzutöten – und das Nahrungsmittel so länger haltbar zu machen.

Louis Pasteur entwickelt Impfstoffe für Tiere und Menschen

Zudem entwickelt Pasteur Impfstoffe, zunächst gegen Tierseu­chen, später auch für den Menschen. Er wählt unter anderem eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Krankheit: die Tollwut, die zwar grausam und fast immer tödlich verläuft, die aber schon zu seiner Zeit humanmedizinisch eher unbedeutend ist. Sie hat allerdings den Vorteil, bei Mensch und Tier aufzutreten, sodass Pasteur Hunde als Versuchstiere nutzen kann, später Kaninchen.

Heimlich beginnt er mit Menschenversuchen. Berühmt wird er, als er einen Neunjäh­rigen namens Joseph Meister in einem riskanten Experiment mit dem getrockneten und zerkleinerten Rückenmarkgewebe eines Kaninchens von einer Tollwutinfektion heilt.

Als Pasteur den Erfolg am 26. Oktober 1885 verkündet, wird er als Wunderheiler gefeiert, sein Experiment gilt als medizinische Sensation. Aus aller Welt strömen vermeintlich oder tatsächlich von Tollwut befallene Menschen nach Paris, in gut einem Jahr werden dort 2500 Patienten behandelt.

Pasteur erwirbt sich einen zweifelhaften Ruf

Doch Pasteur erwirbt sich auch den Ruf, skrupellos zu sein – keinerlei Bedenken zu haben, sich bei Rivalen zu bedienen, Resul­tate zu verschweigen, die ihm nicht passen, Experimente zu ver­fälschen. Es schadet ihm nicht, in Frankreich ist er bis heute ein Nationalheld. Die Spendenwelle, die nach der Heilung des Joseph Meister aufbrandet, ermöglicht die Gründung des Institut Pasteur, bis heute die führende Institution des Landes in der biomedizini­schen Forschung.

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Dabei ist nicht einmal völlig klar, ob Meister geheilt wurde oder überhaupt nicht erkrankt war, denn längst nicht jeder Biss führt zu einer Infektion. Erst die Auswertung vieler Fälle zeigt, dass Pasteurs Impfstoff zweifelsfrei wirksam ist. Insgesamt entwickelt er vier ver­schiedene Impfstoffe und weist damit nach, dass man, zumindest im Prinzip, vor beliebigen Infektionskrankheiten durch eine Imp­fung schützen kann (die erste Impfung ist mit Edward Jenners Sieg gegen die Pocken bereits 1796 gelungen).

Die Tollwut ist heutzutage in vielen Ländern besiegt. Deutsch­ land gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut (sie kommt hier nur noch in Fledermäusen vor). Entscheidend war, Füchse weit­flächig gegen sie zu impfen: Die Überträger der Krankheit wurden durch Köder, die den Wirkstoff enthalten, immunisiert.