Mein Leben im Lockdown Corona-Krise in Sambia: „Wir Menschen sind sehr widerstandsfähig“

In der Serie "Mein Leben im Lockdown" telefoniert GEO mit Menschen von Alaska bis Zimbabwe: 7,752 Milliarden Weltbürger sind von Corona betroffen. Wie gehen sie damit um? Unseren Fragebogen beantwortet heute Thandiwe Mweetwa aus Sambia. In dem Land ist der Tourismus, das Rückgrat der Wirtschaft, kollabiert
Weltbürger Sambia

Thandiwe Mweetwa, 32, stammt aus Sambia, studierte Biologie und Naturschutz in Kanada und den USA und engagiert sich heute in ihrem Heimatland für die Bewahrung von Löwen und Leoparden

Corona-Situation am 07.04.2020 in Sambia: Das Land pflegt enge Beziehungen mit China und gilt als Risikogebiet. Bisher sind 39 Fälle von Infizierten bekannt. Die Dunkelziffer von Infizierten ist vermutlich hoch, für die gut 18 Millionen Einwohner gibt es kaum Testmöglichkeiten. Schulen, Universitäten, Bars und einige Hotels sind geschlossen, Restaurants bieten Speisen nur zum Mitnehmen an.

Wo sind Sie gerade? 

Ich bin in Mfuwe, wo ich lebe. Das ist ein kleiner Ort am Südluangwa-Nationalpark im östlichen Sambia, am Flussufer des Luangwa.  

Wie betrifft die Corona-Pandemie Ihre Arbeit? 

Unser Naturschutzprogramm besteht wesentlich aus Bildungsarbeit. Wir mussten sie zunächst einstellen, weil sie ja engen Kontakt mit anderen Menschen mit sich bringt. Unsere Feldarbeit mit den Tieren setzen wir aber fort, jedoch achten wir untereinander sehr auf Hygiene. 

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sambia steht? 

Das Reisen ist sehr eingeschränkt. Flugzeuge starten gar nicht mehr, der Transport über Land ist schwierig geworden. Es wird wahrscheinlich Engpässe in der Versorgung mit Lebensmitteln geben. In unserer Gegend gab es kürzlich Überflutungen, ein Teil der Ernte ist zerstört. Und jetzt ist auch noch der Tourismus kollabiert, dabei ist er das Rückgrat unserer Wirtschaft. Arbeitgeber wurden aber aufgefordert, jedenfalls ihre wichtigsten Angestellten zu behalten.

Wie sieht es in den Schulen aus? 

Im Moment sind Ferien. Davor waren die Schulen schon seit zwei Wochen zu. 

Und was ist mit Krankenhäusern? 

In unserer Gegend gibt es im Moment noch keinen Fall eines Corona-Infizierten. Wir haben hier aber ein Krankenhaus und mehrere Krankenstationen. 

Wie informieren Sie sich über die Pandemie? 

Über das Internet, zudem höre ich mir jeden Tag den aktuellen Stand des Gesundheitsministeriums an. 


Haben Sie einen Lebensmittelvorrat angelegt?

Ja, ich habe eingekauft. So komme ich mindestens vier Wochen lang gut zurecht. 

Sehen Sie in Ihrem Umfeld auch eine positive Entwicklung durch die Krise? 

Ich denke schon. Die Leute sorgen sich inzwischen viel mehr um Gesundheit im Allgemeinen und auch um Hygiene. Es gibt jetzt überall Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen. Das wird hoffentlich auch andere Infektionskrankheiten eindämmen. 

Was bereitet Ihnen die größte Sorge? 

Angst habe ich, dass die Corona-Krise für unser Gesundheitssystem in Sambia zu groß wird. Und dass sie zu lange dauert, was schlimme Folgen für alle möglichen Bereiche unseres Lebens und unserer Gesellschaft hätte. 

Gibt es etwas, das Ihnen Hoffnung macht? 

Ich denke, dass die Natur und auch wir Menschen sehr widerstandsfähig sind. Das macht mir Mut. 

Was tun Sie, um die Krise mal zu vergessen? 

Ich lese gerade ein sehr interessantes Sachbuch, es ist von Stuart Marks und heißt „Large Mammals and a Brave People“.  Darin geht es um Menschen vom Volk der Bisa im östlichen Sambia, um ihre Kultur und ihre Jagdtechniken. Es spielt in den 1960er und 1970er Jahren, und es handelt auch von Anpassung und Resilienz in einer sich sehr rasch wandelnden Welt – also genau von dem, was mir Hoffnung gibt. Außerdem höre ich gern peppige Musik und fange manchmal auch spontan an zu tanzen. 

Was würde Sie in der aktuellen Situation machen, wenn Sie die Macht hatten? 

Ich würde die notwendigen Regeln aufstellen, um die Infektionsrate gering zu halten, und zugleich würde ich den Menschen Mut zusprechen. 

Was kann jeder von uns jetzt tun? 

Wir sollten uns alle am Rat von vertrauenswürdigen Medizinern orientieren, um den weiteren Ausbruch der Krankheit einzudämmen. 

Und wie wird die Welt danach aussehen? 

Die öffentliche Gesundheit und hoffentlich auch das Wohlergehen der Natur werden auf der ganzen Welt ganz oben auf der Agenda stehen. Ich denke zudem, dass manche Länder auch ihre Gesetze überdenken werden, die den Handel mit Wildtieren regeln. 

Zum Schluss: Wann haben Sie zum letzten Mal herzlich gelacht? 

Das war gerade heute Morgen, als ich mit meinem Team zusammen war. Und zwar, als jemand ironisch anmerkte, dass das Niesen in der Öffentlichkeit in der Welt nach Corona ganz bestimmt der allergrößte soziale Faux-pas sein wird. Das fand ich ziemlich lustig.