Bisphenol A Warum der Kontakt mit Kassenbons so gefährlich ist

In Thermopapieren ist oft die Chemikalie Bisphenol A enthalten. Die wurde nun von der EU als "besonders besorgniserregend" eingestuft. Verboten wird sie aber erst ab 2020, bis dahin sollte der Verbraucher so selten wir möglich mit Kassenbons in Kontakt kommen
Kaffeegeschirr mit Kassenbeleg

Besser nicht anfassen: Kassenbelege können die hormonähnlich wirkende Substanz Bisphenol A enthalten

Supermarktkassen und Kartenautomaten spucken sie pausenlos aus: Kassenzettel, Fahrscheine und Belege aller Art. Viele von ihnen werden auf so genanntem Thermopapier ausgedruckt. Und sind mit einer speziellen Chemikalie beschichtet, die sich bei hohen Temperaturen dunkel verfärbt. Das ist im Alltag praktisch – aber auch riskant.

Denn bei der speziellen Chemikalie handelt es sich um Bisphenol A, einem Stoff, der schon seit Jahren kontrovers diskutiert wird – weil er auf Mensch und Tier in größeren Mengen wie ein Hormon wirkt und die Entwicklung von Organismen schädigen kann.

Kritiker bringen die Substanz mit Schäden bei der Gehirnentwicklung von Ungeborenen und Kleinkindern in Zusammenhang. Auch könne sie bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen, Herz- und Krebserkrankungen auslösen. Da die Beschichtung aus Bisphenol A mit dem Papier nicht fest verbunden ist, kann der Stoff bei Berührung leicht über die Haut aufgenommen werden – und sich im Körper anreichern.

Bis 2020 ist Vorsicht geboten

Jüngst hat die EU Biosphenol A als "besonders besorgniserregend" eingestuft. Doch ein EU-weites Verbot für Bisphenol A-haltige Thermopapiere wird erst 2020 in Kraft treten.

Bis dahin ist Vorsicht geboten: Zwar sind schon etliche Unternehmen auf Bisphenol A-freie Alternativen umgestiegen, darunter alle Unternehmen der Rewe Group, Edeka, Aldi, denn's Bio-Märkte und die dm-Drogeriemärkte.

Aber im Einzelfall können Konsumenten kaum unterscheiden, welche Belege die Chemikalien enthalten und welche nicht. Eine Stichprobe des BUND hatte 2016 ergeben, dass 14 von 19 getesteten Kassenzetteln Bisphenol A enthielten. Im Jahr 2017 testete die Österreichische Verbraucherschutzorganisation VKI insgesamt 337 Kassenzettel. Das Ergebnis: Nur 30 von ihnen enthielten kein Bisphenol A. Und skurrilerweise waren die Bons aus der Gastronomie und aus Apotheken besonders belastet.

  • Verzichten Sie darum, wenn möglich, auf einen ausgedruckten Kassenbeleg.
  • Vermeiden Sie längeren Kontakt mit dem Papier und
  • Entsorgen Sie Kassenzettel etc. aus Thermopapier nicht im Altpapier, sondern im Restmüll. Über das Altpapier entsorgt, könnte Bisphenol A sich in Recycling-Toilettenpaperen und Pizzakartons wiederfinden.
  • Lassen Sie kleine Kinder nicht mit dem Papier spielen. Denn kleine Kinder könnten die belasteten Papiere in den Mund nehmen.

Bisphenol A steckt auch in vielen Lebensmittelverpackungen

Das meiste Bisphenol A nehmen wir nicht über Thermopapiere, sondern vor allem über Behälter und Verpackungen auf: Denn es ist auch im Kunststoff von Trinkflaschen, Lebensmittelboxen ebenso wie in der Innenbeschichtung von Konservendosen enthalten. In Baby-Trinkflaschen wurde es EU-weit schon 2011 vorsorglich verboten.

Nach Angaben des BUND werden jährlich weltweit sechs Millionen Tonnen davon hergestellt, fast eine halbe Million davon in Deutschland.

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