MOSAiC-Expedition Aufbruch der Polarstern: Eine Mission, den Klimawandel verstehen zu lernen

Wir wissen noch immer viel zu wenig über den Klimawandel. Um das zu ändern, bricht am 20. September die größte Arktismission aller Zeiten auf: die Mission MOSAiC
Polarstern

Das deutsche Forschungsschiff Polarstern während eines nächtlichen Einsatzes im Weddellmeer 2013

Um was geht es bei der Expedition?

Die Arktis erwärmt sich im Klimawandel schneller als jede andere Region. Das liegt auch an Rückkopplungseffekten. So nimmt das dunkle Wasser mehr Sonnenenergie auf als weißer Schnee oder Eis. Je dünner also die Eisdecke, desto schneller erwärmt sich das Wasser - und desto schneller schmilzt das Eis. Doch die genauen Wechselwirkungen sind noch nicht ausreichend quantifizierbar, die Unsicherheiten der bisherigen Klimamodelle groß.

"Die Dramatik der Erwärmung in der Arktis wird in den heutigen Klimamodellen nicht in vollem Umfang wiedergegeben und die Unsicherheiten der Klimaprognosen für die Arktis sind enorm", sagt Expeditionsleiter Markus Rex. Diese Lücke sollen die Erkenntnisse der Mission schließen. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Prozesse in der Atmosphäre sowie im Ozean, die biogeochemischen Kreisläufe und das Ökosystem der Arktis.

Was ist das Besondere an der Mission MOSAiC?

Im Zentrum steht das Forschungsschiff »Polarstern«, das im September 2019 ins Nordpolarmeer aufbricht. Der Forschungseisbrecher soll in einer bis zu 1,50 Meter dicken Eisscholle für fast ein Jahr lang festrieren und mit dem Meereis durch das Nordpolarmeer treiben. So werden die Forscher auch Regionen erkunden, die in der Polarnacht nahezu unerreichbar sind. Bis zu 1000 Kilometer werden zwischen der Polarstern und dem Festland liegen. 60-90 Tage lang wird die Polarstern weniger als 200 Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt sein.

Welche Daten werden im Eis gesammelt?

Umschwärmt von einer Armada aus Messgeräten, sollen Schiff und Expedition so viele Daten wie möglich gewinnen – und zu einem Meilenstein der Klimaforschung werden.

In unserer interaktiven Infografik erklären wir, wie die Daten gesammelt werden. Klicken Sie auf die jeweiligen Symbole, um mehr zu erfahren.

Wer ist an der Expedition beteiligt?

Die Federführung übernimmt das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI); teilnehmen werden insgesamt 600 Menschen aus 19 Nationen. Die gewonnenen Daten werden von Tausenden Forschern in aller Welt verwendet werden, um die Klima- und Ökosystemforschung "auf ein neues Niveau zu heben".

Wie leben die Forscher im Eis?

Versorgt wird die Polarstern von vier weiteren Eisbrechern sowie drei Flugzeugen. Für die Versorgungs- und Forschungsflüge muss eine mindestens 1100 Meter lange Landebahn auf dem Meereseis errichtet werden. Eine große Gefahr während der Zeit im Polarmeer: Eisbären. Deshalb werden mindestens sechs Personen als „Eisbärenwache“ eingeteilt, um für die Sicherheit der Wissenschaftler zu sorgen.

Eine weitere Herausforderung werden Kälte und Dunkelheit darstellen: Im Winter werden Temperaturen von -45 Grad Celsius erwartet. Etwa 150 Tage wird die Polarnacht dauern, in der die Sonne nicht über den Horizont steigt. Für medizinische Notfälle wird die Mission von einem Chirurgen begleitet; an Bord der Polarstern befindet sich außerdem ein OP - denn: Selbst im allerbesten Fall würde es vier Tage dauern, bis ein Patient im Krankenhaus ist.

Was kostet die MOSAiC-Expedition?

Das Expeditionsbudget beträgt rund 140 Millionen Euro. Allein die reinen Betriebskosten der Forschungsstation im Eis liegen bei etwa 200.000 Euro pro Tag.