Schonen Genussradeln in Schwedens südlichster Provinz

In Schonen geht es die Küste entlang – zu Stränden, Schlössern und Königsgräbern. Und natürlich nach Ystad, Kommissar Wallanders Heimat
Strand, Sandhammaren

Der Strand Sandhammaren zählt zu den schönsten in Schweden und lädt mit feinem Sand. Aber Achtung, die Strömungen sind nicht zu unterschätzen

In diesem Artikel
Anreise: So kommen Sie nach Schonen
Essen: Gute Restaurants in Schonen
Schlafen: Hotel-Tipps für die Region

Radeln in Schonen

Wallander hätte Fahrrad fahren sollen. Anstatt auf der Jagd nach Mördern durch Skåne, also Schonen zu brettern und ob der Schlechtigkeit der Welt in Depressionen zu verfallen, hätte sich Henning Mankells Kommissar einfach aufs Rad setzen und durch seine Heimat rollen sollen.

Österlen, die südöstliche Ecke der Region, ist ein Stückchen Skandinavien, das besonders gute Laune macht, auch schon früh morgens. Zwischen dunstigen Ackerflächen und dem verblassenden Nachthimmel über Smygehuk, dem südlichsten Küstenpunkt, knipst die aufsteigende Sonne einen verheißungsvollen Schimmer an. Alleebäume und Hecken verschwimmen im Streulicht, vom Strand zieht würziger Tangduft herauf.

Der Radweg Sverigeleden verläuft zwischen Trelleborg und Ystad neben der Küstenstraße. Bei Svarte biege ich allerdings zu einem 40-Kilometer-Kennenlern-Rundkurs landeinwärts ab. Die Landschaft ist mit Rundungen gesegnet, die in den Ortsbezeichnungen als backe und dal, Berg und Tal, ihren Ausdruck finden. Vor dem frischen Wind ducken sich Dörflein in die Mulden. Der dänische Adel, der hier bis ins 17. Jahrhundert herrschte, hat sehenswerte Schlösser in die Gegend gestellt: Bergsjöholm, Krageholm, Marsvinsholm.

In Ystad führt an Wallander nichts vorbei. Schwedens literarisch wahrscheinlich berühmteste Straße, die Mariagatan, ist in realiter eher eine Nebenstraße des Lebens: 100 Meter Unscheinbarkeit. Die historische Altstadt dagegen ein Idyll: geducktes Fachwerk, die Geborgenheit enger Gassen und kopfsteingepflasterter Plätze. Der Sverigeleden geleitet mich hinaus nach Sandskogen, vorbei an der Promenade mit den bunten Badehäuschen. Aus einem Kiefernwäldchen hinter den Dünen leuchten die weißen Fassaden schmucker Holzvillen.

Hinter Nybrostrand hebt sich die Küste, hinauf zu den Ales Stenar, Schwedens größter Steinsetzung, die aus Dolmen den Grundriss eines Schiffs nachformt. Schafe grasen auf der Stätte, ich genieße den großartigen Blick über Schonen und die Ostsee. Unten versteckt sich zwischen den Hügeln der kleine urige Hafen von Kåseberga.

Im Fischladen Kåseberga Fisk kaufe ich ein öl und ein räkmacka und genieße das Bier und das Krabbenbrötchen in der Sonne auf der Pier. Obwohl mich das grüne Schild des Radwegs auf die Landstraße leiten will, suche ich mir Waldpfade durch Hagestads Naturreservat nach Sandhammaren.

Ales Stenar, Schweden

Die Steinformation Ales Stenar ist faszinierend und mysteriös zugleich

Ein langer, weißer Strand, menschenleer, der Sand eieruhrfein. Allerdings hinterließen die tückischen Strömungen, vor denen Schilder warnen, einen gigantischen Schiffsfriedhof am Meeresboden. Richtung Vik überbrücke ich das Stück Landstraße mit dem Auto, inklusive Übernachtung in Karlaby. Wobei das Radeln auf Landstraßen problemlos ist, weil die Schweden rücksichtsvoll Auto fahren. Ich hätte auch den Skåne Express-Bus nehmen können, der Räder auf Haken mitnimmt.

Jedenfalls wollte ich rasch in die reizvolle Gegend bei Vik und Rörum, wo sich Kreative niedergelassen haben: Töpfer, Maler, Batiker, Modedesigner, Zimmerer und die Gärtner der sehenswerten Gartenanlage Mandelmanns Trädgårdar. Ehe es nach Kivik geht, mache ich noch einen Abstecher in den weitläufigen Hainbuchenwald des Nationalparks Stenshuvud; von der rund 100 Meter hohen Klippe hat man freie Sicht nach Osten. Kiviks Attraktion sind die Äpfel, die auf weitläufigen Plantagen reifen. In der Musteri, der Mostfabrik, teste ich diverse Jahrgänge und Lagen, auch Cidre und Fliederbeerwein.

Auf dem Weg zum Hafen passiere ich eine flache Steinwölbung. Die Wirtin in der Kaffehütte nebenan lädt mich ein, einen Blick ins Innere des Königsgrabs von Kivik zu werfen. In die acht Steinplatten in der Grabkammer haben Bronzezeitmenschen Petroglyphen graviert, die ich auch nach 3000 Jahren fasziniert als Pferde, Äxte, Sonnenräder, Schiffe, Männer und Frauen erkenne.

Das Finale der letzten Etappe führt über den Sydostleden, den Südost-Radweg, hinauf in die Brösarps Backar, eine filmreife Wald-und-Wiesen-Landschaft, zu der auch Schonens höchster Wasserfall gehört und Schloss Christinehof, der schönste der Adelssitze, an denen ich vorbeigeradelt bin. Blaulicht schreckt mich auf. Ein Polizeiwagen. Dann noch einer. Noch einer. Sieben Stück. Wallander, bitte übernehmen Sie!

-----------------
FOLGEN SIE UNS: Ihnen gefallen unsere Beiträge? GEO finden Sie auch auf Pinterest, Instagram und Facebook.
-----------------

Anreise: So kommen Sie nach Schonen

Mit der TT-Line von Rostock oder Travemünde bis Trelleborg. Finnlines verkehrt zwischen Travemünde und Malmö. Wer eine Nachtfähre nimmt, kann die Radtour gleich morgens beginnen. Die circa 130 Kilometer lange Strecke über drei Etappen von Mossby bis Brösarp folgt dem Sverigeleden und dem Sydostleden. Die Ausschilderung ist stets korrekt, man muss mitunter aber wachsam sein, um sie zu finden. Teilabschnitte lassen sich inklusive Rad auch mit dem Bus bewältigen.

Essen: Gute Restaurants in Schonen

Kommissar Wallander frequentiert Foffos Pizzeria. Reales Vorbild des Italieners in Ystad ist Bröderna M. Die richtige Adresse für Fisch und Meeresfrüchte ist Marinan i Ystad​ am Sportboothafen. Urig, günstig und am Weg gelegen: Kåseberga Fisk in Löderup. In Simrishamn serviert das En gaffel kort​ im »Hotell Maritim« gute Fischgerichte. Neben Äpfeln hat Kivik auch Schokolade zu bieten. Cake Cowboy heißt der Laden, weil Markus Lundqvist neben Süßem auch Countrymusik liebt.

Kivik, Schweden

Kunst aus Äpfeln in Kivik

Schlafen: Hotel-Tipps für die Region

Zentral und günstig: das B&B Stationen am Bahnhof von Ystad (DZ/F ab 112 €). Direkt am Strand von MOSSBY liegt das Landhotel Mossbylund, mit gehobener Küche und Spa (DZ/F ab 212 €).

Im ländlichen Herzen Österlens bietet der Karlaby Kro ambitionierte Küche (DZ/F ab 235 €). Die Attraktion des Hotell Turistgården in einem Kaufmannshaus aus dem 18. Jahrhundert in Simrishamn ist der Rosengarten mit 300 Sorten (DZ/F ab 112 €).

Nahe Brösarp hat Ingerlill Thorsell in einem alten Bauernhof das luxuriöse Waldidyll Drakamöllan geschaffen, das sie Gästen gern vorstellt (Degeberga, DZ/F ab 215 €).

Zur Startseite
GEO Reise-Newsletter