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Fotoschule Vogelfotografie: Sechs Tipps für besondere Aufnahmen

Ein Eisvogel auf der Jagd
Um einen Eisvogel bei der Jagd fotografisch einzufrieren, braucht es, neben viel Glück und einigem Hintergrundwissen, die richtigen Kameraeinstellungen
© Albert Beukhof / shutterstock
Allein Vögel zu beobachten hat einen meditativen Charakter. Aber die gefiederten Farbwunder bieten auch wunderschöne Fotomotive. Also nehmen Sie die Kamera zur Hand und fotografieren Sie drauf los. Mit diesen Tipps sind eindrucksvolle Motive garantiert

Inhaltsverzeichnis

Ein positiver Effekt der Natur auf unser Wohlbefinden ist wissenschaftlich schon vielfach untersucht worden. Auch die Artenvielfalt der Vögel wurde in der Forschung bereits mit unseren Glücksgefühlen in Verbindung gebracht. Wenn auch noch ein beeindruckendes Foto für die Wohnzimmerwand oder das Fotobuch dabei herausspringt, können Sie noch mehr Menschen eine Freude bereiten! Wir geben Ihnen sechs Tipps, wie Ihre Vogelfotos noch besser werden können.

Tipp 1: Eine Futterstelle als eigene Vogel-Beobachtungsstation

Egal ob im heimischen Garten oder auf dem Stadtbalkon, dieser einfache Trick ist fast eine Garantie, dass die zwitschernden Zeitgenossen noch näher an die Linse kommen: Bauen Sie eine Vogelfutter-Station. Welches Futter das richtige ist, wann Sie Vögel füttern können und was Sie darüber hinaus beachten sollten, erfahren Sie hier.

Generell eignen sich Futterspender oder Futtersilos, um den Vögeln auch in Ihrer Abwesenheit eine Freude zu bereiten. Diese sind nicht nur (fast) wartungsfrei handhabbar - sie bieten auch die Möglichkeit, die Vögel in ihrer ganzen Schönheit in natürlichem Licht und vor einem freien Hintergrund abzulichten. Bringen Sie die Futterstationen am besten in der Nähe von Bäumen und Büschen an. Das bietet Singvögeln Schutz vor Sperber-Angriffen. Und eine natürliche Umgebung eigenet sich hervorragend für kontrastreiche Farbtupfer in einem natürlichen Vogel-Porträt.

Vögel an einer Futterstelle
Die Vögel gekonnt in Szene setzen: Platzieren Sie Futter zum Beispiel auf einem freistehenden Baumstumpf
© Simon O'Neill Photography / shutterstock

Aber auch ein klassisches Vogelhäuschen hat, allein aus optischen Gründen, gewisse Vorteile. Sollten Sie sich dafür entscheiden, denken Sie allerdings daran, dieses regelmäßig mit heißem Wasser und Handschuhen zu reinigen. Um die gefiederten Models noch einfacher vor Keimen durch Verschmutzungen zu schützen und sie gleichzeitig im Rahmen Ihrer Möglichkeiten gekonnt in Szene zu setzen, empfiehlt es sich, an einem Vogelhäuschen nur ganz gezielt und sporadisch Futter zu platzieren. Diese Option besteht auch für einen gänzlich freistehenden Baumstumpf.

Sollte sich die Futterstation in der Nähe eines Fensters befinden, denken Sie daran, von der Außenseite Aufkleber zu befestigen, damit Ihre Lockversuche nicht in einer Katastrophe enden. Der NABU empfiehlt, alternativ zu Stickern und zugezogenen Gardinen, sogenannte Fensterfutterstellen direkt an der Scheibe anzubringen, da bei den somit verkürzten Anflugwegen kaum eine Gefahr für Kollisionen herrscht. Tatsächlich ist eine Futterstation mit Saugnäpfen an der Fenster-Außenseite für jeden ambitionierten Vogelbeobachter und -fotografen in vielerlei Hinsicht interessant: Von Innen müssen Sie nicht absolut still verharren und können selbst mit dem Handy relativ nah an das Tier herantreten. Ein weiterer Tipp für den Balkon: Stellen Sie „querbeet“ im Wald gesammelte Äste auf und setzen Sie gegebenenfalls auch hier gezielt Futter ein. Diverse Arten werden es Ihnen von Ast zu Ast hüpfend und mit entsprechend zahlreichen Motiven danken.

Foto: Colourbox, Malte Joost

Tipp 2: Wasserstellen suchen oder bauen

Gerade wenn es heißer wird, freuen sich Vögel natürlich auch über eine erfrischende Wasserstelle. Eine Vogeltränke – die es täglich mit neuem Wasser zu befüllen gilt – bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Tiere dabei abzulichten, wie sie trinken oder ihr Gefieder putzen. Je schöner das Vogelbad ist, desto besser das Motiv. Und wenn es dann auch noch auf Augenhöhe angebracht ist, machen Sie es nicht nur sich selbst einfacher, die Tiere zu fotografieren: Sie erschweren es auch Katzen, die Vögel bei ihrem Bad zu attackieren. Die Premium-Variante für alle Beteiligten ist natürlich ein eigener Teich. Achten Sie hier aber darauf, eine zu steile Böschung zu vermeiden. Auch Wasserbottiche, Regentonnen & Co. können schnell zur Falle werden.

Eichelhäher an einer Wasserstelle
Ein Eichelhäher trinkt an einer Wasserstelle: Der perfekte Ort, um ein besonderes Foto mit einer Spiegelung im Wasser aufzunehmen
© WildMedia / shutterstock

Egal, ob im eigenen Garten oder unterwegs: Die Kombination aus Vögeln und Wasser bietet viel Spielraum für kreative Aufnahmen. Achten Sie auf Reflektionen im Wasser – sei es von Pflanzen in der Umgebung oder vom Tier selbst. Vor allem im eigenen Garten können Sie zum Beispiel einen moosbedeckten Baumstamm oder einen hübschen Ast im Wasser platzieren und so das Motiv vorab beeinflussen – vergessen Sie dabei aber nie das allem voranstehende Tierwohl.

Tipp 3: Hintergrundwissen mitbringen

Der Austernfischer frisst weder häufig Austern, noch fischt er; Wacholderdrosseln lieben übriggebliebene Beeren- und Fallobstbestände; der Goldregenpfeifer zeigt sich auf dem Durchzug von Nordeuropa in die Überwinterungsgebiete im Wattenmeer der Nordsee zu Zehntausenden, und Gelbbrauen-Laubsänger stammen aus den lichten borealen Nadelwäldern Asiens und treten bei uns nur im Winter auf - und dann nur an Nord- und Ostsee. Kurz gesagt: Ein gewisses Hintergrundwissen zum Tier und der Natur ist essenziell, um ganz gezielt Vogelarten aufzuspüren und abzulichten. Ein Bestimmungsbuch oder die richtigen Online-Quellen können dabei helfen, herauszufinden, welche Vögel sich nur im Winter zeigen oder welche Sträucher im Garten zum Vogel-Magnet werden können. Das hilft auch dabei, eine gewisse Varianz in die Vogel-Fotografie zu bringen. Schließlich muss es nicht immer das nahe Vogel-Porträt von Rotkehlchen und Buchfink sein. Zugvögel bilden teils beeindruckende Formationen am Himmel, die in Gänze gesehen werden wollen.

Stare in Formation
Im Kollektiv ein echter Star: Stare nehmen die ungewöhnlichsten Formationen ein. Also schalten Sie die Reihenaufnahme an! Vielleicht landen Sie einen Glückstreffer und halten einen Moment fest, in dem die Vogelschar scheinbar zum riesigen Artgenossen mutiert
© Albert Beukhof / shutterstock

Stare formieren sich zum Beispiel ständig neu, um sich im Kollektiv vor Feinden zu schützen. Die kleinen, flinken Multitalente, die andere Tierlaute in ihre Gesänge einbauen, fliegen jedes Jahr im September und Oktober zu Tausenden in mildere Regionen gen Süden. Sie sind aber – außerhalb der Brutzeit – auch schon auf gemeinsamer Nahrungssuche in Schwärmen unterwegs. Und dadurch bieten sie immer wieder Möglichkeiten für eindrucksvolle Foto-Gelegenheiten, die sich mit einer Landschaftsaufnahme oder besonderen Lichtstimmungen zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten kombinieren lassen. Hierfür benötigen Sie auch nicht zwangsläufig eine teure Kamera mit einem noch teureren Objektiv – Sie wollen den Schwarm schließlich in seiner ganzen Schönheit ablichten.

Tipp 4: Das „richtige“ Equipment

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Das leuchtet ein. Bei schlechteren Lichtverhältnissen oder einer größeren Distanz zum tierischen Objekt bei gleichzeitigem Wunsch eines nahen Porträts, scheint das Smartphone allerdings schnell unbrauchbar in der Vogel-Fotografie. So ganz stimmt das allerdings nicht. Neben dem Fensterscheiben-Trick oder gezielt breiten Landschaftsaufnahmen mit Vogelschwärmen in ihrer ganzen Schönheit, lässt sich das Handy auch gezielt für Vogel-Porträts aufrüsten. So gibt es für die verschiedenen Hersteller relativ kostengünstige Objektiv-Aufsätze – auch als Teleobjektiv mit teilweise extremen Vergrößerungsmöglichkeiten. Wie bei der Makrofotografie empfiehlt sich hierbei ein Stativ, das sich bei extrem großen Objektiven auch direkt an der langen Linse anbringen lassen sollte. Erwarten Sie dennoch keine Wunder und rechnen Sie mit einer gewissen Unschärfe – mindestens an den Bildrändern. Schauen Sie sich also unbedingt zunächst ein paar Tests an, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Alternativ lässt sich auch spontan durch ein Fernglas fotografieren – in beiden Fällen ließe sich der verschwommene Effekt an den Bildrändern positiv als künstlerisches Element interpretieren.

Habichtskauz
Ein Habichtskauz getaucht in herbstliche Farben: Um aus der Ferne das Gefühl von Nähe zu vermitteln, hilft es, die Naturfarben als unscharfe Elemente nah vor die Linse zu halten. Hier: Herbstblätter. Für ein Foto eines Habichtkauz müssen Sie hierzulande natürlich ganz viel Glück haben. Übrigens wurden erst 2020 elf junge Habichtskäuze in die Freiheit nordostbayerischer Wälder entlassen
© Ondrej Prosicky / shutterstock

Wer wirklich hochwertige Detailaufnahmen von Vögeln schießen möchte, kommt um professionelles Equipment allerdings nicht herum. Den Kosten sind im Teleobjektiv-Bereich nach oben allerdings kaum Grenzen gesetzt. Wenn Sie eine Digitalkamera mit integrierter Zoom-Funktion besitzen, nutzen Sie nicht den digitalen, sondern unbedingt den optischen Zoom. Der digitale Zoom würde den Bildausschnitt nur künstlich vergrößern – darunter leidet die Qualität spürbar.

Doch egal, ob professionelles Equipment oder ein Smartphone: Insbesondere bei der hauseigenen Futterstelle empfiehlt es sich, die Kamera auf einem Stativ eine Weile – witterungssicher – stehen zu lassen, damit sich die Tiere nicht von einer allzu spontanen Aktion verschreckt fühlen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, einen Fernauslöser zu nutzen, um gar nicht mehr selbst in Erscheinung zu treten. In Kombination mit gezielt positioniertem Futter und einer darauf scharfgestellten Kamerafalle steht dem heimischen Vogelporträt kaum noch etwas im Wege.

Tipp 5: Grundlegende Fototipps beachten

Möwe im urbanen Gebiet
Der Kreativität sind bei der Fotografie kaum Grenzen gesetzt. Wer sagt, dass der Vogel immer gestochen scharf im Vordergrund stehen muss? Auch eine vorbeifliegende Möwe mit Fokus auf das urbane Umfeld kann ein schönes Bild ergeben - also auch Schnappschüsse vor der Löschung unbedingt noch einmal durchforsten
© Guna Ludborza / shutterstock

Auch bei der Vogelfotografie gibt es ein paar grundlegende Fototipps, die Ihre Aufnahmen aufwerten können:

  • Insbesondere bei einem Tierporträt aus gewisser Distanz lässt sich wunderbar mit Unschärfe im Vordergrund arbeiten. Integrieren Sie ein saftiges Grün, eine zum Motiv passende Wiesenblume oder das herbstliche Braun der letzten Blätter nah an der Kameralinse. So vermitteln Sie das Gefühl von Nähe und eine direkte Verbundenheit zur Natur. Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Unschärfe haben Sie im Bild.
  • Passen Sie Ihre Perspektive an die Situation an. Um beispielsweise die Spiegelung eines trinkenden Vogels einzufangen, müssen Sie sich gegebenenfalls auf den Boden begeben – also rein in die Regenhose! Für ein Foto in der Baumkrone kann eine nahegelegene Erhöhung dienen.
  • Verlieren Sie nie den Hintergrund und die Komposition aus den Augen. Ordnen Sie den Horizont gekonnt an oder spielen Sie, wenn möglich, mit Schatten oder auch urbanen Strukturen. Ein trinkender Vogel in der unteren Bildecke kann auf der anderen Bildhälfte zum Beispiel viel Raum für die umgebende Natur bieten. Für einen herabstürzenden Vogel bietet sich das Hochformat an.
Ein Vogel sitzt auf einem Balkon
Wenn Sie einen Vogel von Innen durch die Scheibe fotografieren, müssen Sie nicht darauf achten, alle Spiegelungen (auf der Innenseite!) zu beseitigen. Im Gegenteil! Auf diese Weise können Sie das Bild noch farbenfroher gestalten und den Piepmatz fotografisch in das urbane Umfeld Ihrer vier Wände integrieren. Spiegelungen auf der Außenseite Ihrer Fenster gilt es hingegen zu vermeiden, um den Vogel vor einer Kollision zu schützen
© Madli Allikas / shutterstock
  • Bei einem Glücksgriff wie einer schlafenden Eule werden Sie mehr Ruhe für Ihr Foto haben als bei einem kaum stillhaltenden Wintergoldhähnchen. Die Situation bestimmt also Ihre Kameraeinstellungen. Dabei gilt: Je kürzer die Belichtungszeit, desto schneller können die Bewegungen des Tieres sein, ohne unscharf zu werden. Bei einer extrem kurzen Belichtung lässt sich so selbst der Flügelschlag eines jagenden Eisvogels samt umherfliegender Wassertropfen einfrieren. Bei schlechteren Lichtverhältnissen muss der ISO-Wert entsprechend angepasst werden. Eine weitere Faustregel: Wenn Sie ohne Stativ fotografieren, sollten Sie, allein um eigene Verwackler zu vermeiden, die Belichtungszeit mindestens entsprechend der Objektiv-Brennweite einstellen. Bei 300mm wären das entsprechend mindestens 1/300.
  • Stellen Sie die Serienaufnahme-Funktion ein. Denn so oder so wird das Tier wohl kaum darauf warten, bis Sie ihr Foto eingerichtet haben. Daher lohnt es sich, gleich mehrere Aufnahmen hintereinander zu schießen. Auch hier gilt: Je kürzer die Belichtungszeit, desto schneller kann die Kamera das nächste Foto aufnehmen. Passen Sie allerdings auf den begrenzten Pufferspeicher (oder „Buffer“) auf. Dieser hängt vor allem mit der Geschwindigkeit der Speicherkarte zusammen und bedingt, wie lange es braucht, Foto um Foto zu sichern. Irgendwann nimmt die Kamera einfach keine weiteren Bilder auf und der Vogel ist weitergezogen.
  • Bringen Sie Dynamik in das Bild. Ein vorbeifliegender Vogel kann durch das sogenannte „Mitziehen“ verewigt werden. Dabei kommt es darauf an, dass sich das bewegende Objekt an der immer gleichen Position im Sucher befindet. Indem Sie die Kamera mit dem Objekt ziehen, verwischt der Hintergrund. Damit der Vogel scharf ist, muss wieder eine relativ kurze Belichtungszeit her. Diese richtet sich hier nach Schnelligkeit des Vogels und den Lichtverhältnissen. Solche dynamischen Fotos brauchen eine gewisse Übung und eine Ausprobierphase mit verschiedenen Belichtungszeiten. Wenn es einmal klappt, sind einzigartige Fotos garantiert.

Tipp 6: Geduld!

Schleiereule auf einem Friedhof
Eine Schleiereule im Anflug auf einen Grabstein: Seien Sie für ungewöhnliche Motive auch an vermeintlich absurden Orten auf der Lauer
© Ondrej Prosicky / shutterstock

Der letzte Tipp ist der offensichtlichste: Bringen Sie eine gehörige Portion Geduld mit. Haben Sie erst einmal eine Brutstelle oder den heimischen Baum eines Vogels ausfindig machen können, gilt es zu verharren – ohne das Tier dabei zu stören! Gepaart mit der nötigen Aufmerksamkeit für die Natur, Vogelspuren und entfernte Geräusche wird eine Foto-Safari so schnell zur kostenlosen Outdoor-Meditation mit Potential für eindrucksvolle Erinnerungsstücke und einer ordentlichen Portion Glücksgefühle.


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