Lebensmittelverschwendung Essbare Schutzschicht könnte Plastik ersetzen - und Obst und Gemüse retten

Was tun gegen Lebensmittelverschwendung und Plastikflut? Erste Lebensmittelketten testen jetzt eine aufgespritzte Schutzschicht aus organischen Materialien
Gemüse und Obst in Plastik

Eine essbare Schicht soll auch in Deutschland zukünftig die Plastikverpackung von Obst und Gemüse ersetzen

Die Deutschen werfen jedes Jahr zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Der größte Teil davon – 52 Prozent – wird in privaten Haushalten in der Biotonne entsorgt. Und immerhin 500.000 Tonnen werden schon im Handel aussortiert. Gleichzeitig verbrauchen wir zu viel Plastik. Etwa zwei Drittel des gesamten Angebots an Obst und Gemüse sind in Plastik verpackt. Kunden sehen das zunehmend kritisch.

Für beide Probleme testen erste Lebensmittelketten nun eine nachhaltige Lösung: eine hauchdünne Schutzschicht aus essbaren Stoffen.

Das Prinzip ist einfach: Empfindliches Obst oder Gemüse wird in eine Lösung aus Wasser und organischen Stoffen getaucht oder damit besprüht. Sobald die Flüssigkeit getrocknet ist, bildet sie auf der Schale einen luftundurchlässigen Film. Im Regal hält die Ware nun deutlich länger – weil weniger Sauerstoff an das leicht verderbliche Innere gelangt und weniger Feuchtigkeit entweicht.

In ersten Märkten testen nun Edeka und Rewe, Deutschlands größte Lebensmittelhändler, das neue Verfahren. Edeka bietet schon seit Ende letzten Jahres spezialbeschichtete Avocados an, nun auch Apfelsinen und Mandarinen. Rewe zieht nach – ebenfalls mit Avocados, angeboten in bis zu 860 Rewe- und Penny-Märkten.

Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelverschwendung
So vermeiden Sie es, Lebensmittel wegzuwerfen
Jedes Jahr landen laut dem WWF in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Mülltonne - weltweit sind es sogar 1,3 Milliarden Tonnen. Die gute Nachricht lautet jedoch: Jeder kann etwas dagegen tun. Wir geben Tipps

Bis zu dreimal so lange haltbar

Die Hersteller Apeel aus den USA, mit dem Edeka zusammenarbeitet, verwendet nach eigener Auskunft ausschließlich organische Materialien, die natürlicherweise in den Bestandteilen von Obst und Gemüse vorkommen. Die Beschichtung sei nicht nur unbedenklich essbar, sondern auch geschmacksneutral.

In den USA wird mit dem Verfahren schon länger geschnittenes Obst schonend konserviert. Laut Hersteller NatureSeal wird es dadurch bis zu drei Wochen länger haltbar. In Deutschland dagegen werden bislang nur Früchte behandelt, deren Schale nicht mitgegessen wird.

Beide Hersteller haben Rezepturen für bis zu 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten – zum Beispiel leicht verderbliche Erdbeeren – in der Schublade. Es fehlt nur noch die Zulassung durch die EU-Kommission.