Klimaschutz Experten glauben: Diese sechs Gesellschaftstrends könnten das Klima retten

Klimaneutralität bis 2050 ist machbar – wenn soziale Trends an Fahrt aufnehmen. Forscher haben nun die wichtigsten von ihnen ausgemacht
Experten glauben: Diese sechs Gesellschaftstrends könnten das Klima retten

Sechs sozio-ökonomische Trends könnten den Weg zur Klimaneutralität ebnen

Weniger fliegen? Tempolimit? Veggieday? Wie lässt sich die Klimaerwärmung aufhalten? Forscher vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) denken größer. Sie haben gesellschaftliche und ökonomische Trends ausgemacht, die dazu beitragen könnten, dass Gesellschaften bis zur Jahrhundertmitte klimaneutral sind.

Die Autoren des Berichts „Social tipping dynamics for stabilizing Earth’s climate by 2050“ sprechen von sozioökonomischen „Interventionen“, die das Potenzial haben, schnelle Emissionsminderungen einzuleiten. Denn um schon 2050 Klimaneutralität zu erreichen, müssten die Treibhausgasemissionen ab sofort alle zehn Jahre halbiert werden.

1. Der wichtigste gesellschaftliche Hebel für besseren Klimaschutz ist den Experten zufolge der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien. Damit sind nicht Zukunftstechnologien, sondern schon bestehende, wie Wind-, Solar- und Wasserkraft gemeint. Entscheidend für ihren Durchbruch sei, dass sie kostengünstiger angeboten werden können als fossile Energien. Diese Grenze sei in Reichweite. In manchen Regionen seien schon heute grüne Energien die günstigste Energiequelle. So sind die durchschnittlichen Kosten für Windenergie an Land in den vergangenen Jahren um 18 Prozent gesunken, die Kosten für Offshore-Strom sogar um 28 Prozent.

2. Städte müssen klimaneutral werden. Denn Klimagas-Emissionen von Gebäuden sind für rund ein Fünftel der weltweiten Emissionen verantwortlich. Zugleich wachsen Städte immer schneller. Jede Woche, so die Forscher, wächst die globale Stadtbevölkerung um 1,3 Millionen Menschen. Neben dem öffentlichen Verkehr ist auch die Bauwirtschaft gefordert: Allein durch ein Hochhaus aus Holz könnten die Emissionen eines Jahres von Zehntausenden Autos eingespart werden.

3. Um die Klimaerwärmung unter zwei Grad zu halten, müssen den Forschern zufolge ein Drittel des verbliebenen Öls, die Hälfte der Gasvorräte und mehr als 80 Prozent der Kohle unter der Erde bleiben. Das kann gelingen, wenn sich zum Beispiel Vermögensverwalter, Nationalbanken, Universitäten, Pensionsfonds und Versicherungen von entsprechenden Geldanlagen und Vermögenswerten trennen. Wenn also die Divestment-Bewegung weiter an Fahrt aufnimmt.

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4. Die Klimaerwärmung benachteiligt vor allem ohnehin schwache soziale Gruppen und schmälert die Chancen zukünftiger Generationen. Emissionen jenseits des Pariser Klimaabkommens, so die Forscher, seien also unmoralisch. Eine Veränderung von Moral und sozialen Normen könne demgegenüber den notwendigen gesellschaftlichen Wandel hin zu nachhaltigerem und klimagerechtem Verhalten anstoßen.

5. Auch Schulen und Universitäten können ihren Beitrag zur klimaneutralen Gesellschaft leisten. Beispiel Großbritannien: Für das mangelhafte Engagement vieler Menschen sei ein Mangel an Wissen verantwortlich. So werde im Schulunterricht und in universitären Studiengängen zu wenig Wissen über Ursachen und Folgen des Klimawandels und mögliche Lösungsansätze vermittelt.

6. Schließlich könnte mehr Transparenz auf Seite der Unternehmen, aber auch auf Seite der Verbraucher zu nachhaltigeren Anlage- und Kaufentscheidungen führen. Denkbar wären etwa auch gut sichtbare Produktinformationen mit Angaben zu den verursachten Emissionen.

Für Ihre Empfehlungen haben die Forscher 1000 internationale Experten und Organisationen aus dem Bereich Klimawandel und Nachhaltigkeit befragt – und in einem Workshop mit 17 Experten die sechs Top-Kandidaten identifiziert.