Plastikmüll Warum Luftballone für Seevögel besonders tödlich sind

Die Menge des Kunststoffmülls in den Ozeanen wächst rasant. Vor allem weiche Plastikteile werden für Seevögel zur tödlichen Bedrohung
Verendeter Seevogel

Albatrosse sterben besonders oft an Plastikmüll, den sie irrtümlich für Nahrung halten

Wenn es um die schädliche Wirkung auf Lebewesen geht, ist Plastikmüll nicht gleich Plastikmüll. Forscher haben in einer neuen Studie 1733 rund um Australien und Neuseeland verendete Seevögel untersucht. Und herausgefunden, dass weiches Plastik besonders tödliche Wirkung entfaltet, wenn die Tiere es mit Nahrung verwechseln und verschlucken.

Während harte Kunststoffteile den Verdauungstrakt der Tiere relativ unproblematisch passieren können, sorgt das anschmiegsame Plastik von Ballonen oder weichem Verpackungsmaterial für eine Verstopfung von Magen und Darm. Die Tiere verenden also mit vollem Magen. Die Forscher schätzen, dass das Plastik von Ballonen für Seevögel 32 Mal gefährlicher ist als gewöhnliches Hartplastik – eine Beobachtung, die Forscher schon an Meeresschildkröten gemacht hatten.

Weiche Plastikteile machen nach den Untersuchungen der Forscher zwar nur 5,4 Prozent der Gesamtmenge der verschluckten Teile aus. Sie waren allerdings für 42 Prozent aller Todesfälle verantwortlich.

Schon ein einziges Plastikteil kann tödlich sein

Die weitere Auswertung der Todesfälle zeigte: Vögel, die 93 Plastikteile geschluckt haben, sterben nach Angaben der Wissenschaftler mit einer 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit. Doch auch bei Tieren, die nur ein einziges Teil verschluckt haben, erhöht sich das Risiko zu sterben um mehr als 20 Prozent.

Vor allem gefährdet sind nach Angaben der Wissenschaftler die Hochseespezialisten unter den Meeresvögeln: Albatrosse und Sturmvögel, die beide zu den Röhrennasen gehören. Besonders problematisch: Diese Vogelarten gehören ohnehin zu den am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit.

Aber auch andere Seevogelarten stehen unter Druck: Bei der Hälfte aller Seevogelarten nehmen die Bestände weltweit ab, und 28 Prozent von ihnen sind weltweit bedroht. Gleichzeitig wächst der virtuelle Plastikmüll-Berg im Meer an – um eine LKW-Ladung pro Minute, wie Umweltschutzorganisationen schätzen.

Forscher rechnen damit, dass zur Mitte des Jahrhunderts in 99 Prozent aller Seevögelmägen Plastikmüll zu finden sein wird.