Klimawandel 2018 war ein tolles Jahr für den Klimaschutz - der Grund ist allerdings ernüchternd

Im vergangenen Jahr haben wir fast sechs Prozent weniger Klimagase emittiert als im Vorjahr. Doch auf die Schulter klopfen können wir uns dafür nicht
Solaranlage

Mehr Sonnentage im Jahr führen zu höheren Stromerträgen durch Solaranlagen

Es klingt nach einer beispiellosen Erfolgsstory: 2018 war in Deutschland nicht nur das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es war auch das Jahr, in dem weitaus weniger CO2 und andere Klimagase durch Schornsteine und Auspuffe in die Umwelt gelangten als im Vorjahr, nämlich 50 Millionen Tonnen. Bei dem Wert handelt es sich um sogenannte CO2-Äquivalente; erfasst sind darin alle Klimagase, umgerechnet in die Klimaschädlichkeit von Kohlendioxid.

Im Vergleich zu 2017 ist das eine Reduktion von fast sechs Prozent, wie die die Denkfabrik Agora Energiewende berechnete. So wenig Energie verbrauchten wir zuletzt 1970. Ein großer Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Gesellschaft?

Leider nein. Denn ironischerweise ist der ungewöhnliche „Klimaschutzerfolg“ nicht auf Anstrengungen der Bundesregierung zurückzuführen – sondern vor allem auf die warme Witterung. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen in den Wintermonaten des Jahres 2018 – eine Folge des Klimawandels – machten uns zu Energiesparmeistern wider Willen.

Düsseldorf: Am Ufer des Rheins sind durch die anhaltende Trockenheit Risse entstanden.
Klimawandel
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Nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen sind nach wie vor gefragt

Und so beachtlich die Einsparungen sind: Sie werden nicht reichen, um das Klimaziel der Bundesregierung, 40 Prozent weniger Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990, noch zu erreichen. „Schon der nächste durchschnittlich kalte Winter und kleinere konjunkturelle Veränderungen werden die positive Entwicklung wieder zunichtemachen“, warnt denn auch Agora-Direktor Patrick Graichen. Die Klimaziele bis 2020 und 2030 seien nur erreichbar mit „nachhaltigen Klimaschutzmaßnahmen“. Graichen nennt an erster Stelle die Braunkohleverstromung, aber auch den Verkehrs- und den Gebäudebereich.

Um das Schicksal der Braunkohle ringen derzeit noch die Mitglieder der Kohlekommission der Bundesregierung, ob es einen schnellen Ausstieg geben wird, ist derzeit noch ungewiss. Nicht besser steht es um die anderen Sektoren: Die Emissionen aus dem Verkehr steigen zuletzt wieder an, und die Rate der energetischen Sanierungen von Gebäuden liegt bei gerade mal einem Prozent jährlich.

Es gibt allerdings auch einen Lichtblick. Denn 2018 war das Jahr, in dem Sonnen-, Wind- und Wasserkraft einen Anteil von 35 Prozent an der Stromerzeugung hatten – genauso viel wie die Verbrennung von Stein- und Braunkohle. Auch an diesem Rekord hat der Klimawandel übrigens seinen Anteil: Ungewöhnlich viele Sonnentage ließen die Stromzähler an den Solaranlagen brummen.

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