Räumungen im Hambacher Forst Tagebau Hambach: Mit voller Kraft in die falsche Richtung

Im Hambacher Forst will die Landesregierung von NRW jetzt Fakten schaffen – und lässt die Baumhäuser der Kohlegegner räumen. Damit setzt sie ein falsches Signal
Peter Carstens

In seiner Kolumne "Alles im grünen Bereich" schreibt GEO.de-Umweltredakteur Peter Carstens über das einfache, nachhaltige Leben, über Öko-Sünden, Greenwashing und richtig gute Ideen

+++ Kolumne "Alles im grünen Bereich" +++

Wenn man sich die Situation von oben ansieht, ist der Vergleich mit jenem gallischen Dorf gar nicht so abwegig: ein Stückchen Restwald, auf das sich gigantische Bagger vorbuddeln, um ein gigantisches Loch zu erweitern. Aber etwa 150 Menschen geben nicht auf. Die Waldbesetzer wollen verhindern, was unvermeidlich erscheint: dass sie und der Wald weggeräumt werden. Doch genau das wird jetzt immer wahrscheinlicher.

Denn der Kohlekonzern RWE hat angekündigt, ab 14. Oktober die Hälfte der verbliebenen 200 Hektar Wald roden zu wollen - und erhält dafür Rückendeckung aus Düsseldorf. Die schwarzgelbe Landesregierung unter Armin Laschet scheint entschlossen, den Betreiber trotz massiver Proteste gewähren zu lassen. Und nicht nur das. In einem der größten Polizeieinsätze der letzten Jahre werden zur Stunde die Baumhäuser, Symbol des friedlichen Widerstands, geräumt.

Zwar ist es in den vergangenen Monaten vereinzelt - und gegen den Willen der Mehrheit der Protestierenden - zu Gewalt gegen Polizisten und RWE-Mitarbeiter gekommen. Doch der offizielle Grund für die Räumung der Baumhäuser ist so offensichtlich an den Haaren herbeigezogen, dass einem die ausführende CDU-Bauministerin fast Leid tun kann: Die rund 60 Baumhäuser würden geltende Brandschutzbestimmungen nicht genügen. Für die Bewohner sei "Gefahr im Verzug für Leib und Leben".

Landesregierung und RWE scheinen entschlossen, gemeinsam mit Volldampf in die falsche Richtung zu fahren. Dabei wäre es Aufgabe der Politik, in dem Konflikt, in dem es eben nicht nur um Unternehmensinteressen, sondern auch um energiepolitische Weichenstellungen geht, zu vermitteln und nach Kompromissen zu suchen.

Räumung, Hambacher Forst

Rund 60 Baumhäuser sollen im Hambacher Forst geräumt werden - weil sie Brandschutzbestimmungen nicht genügen

Die Landesregierung von NRW riskiert den sozialen Frieden

Die Landesregierung ignoriert, dass das Ende der Braunkohle praktisch schon besiegelt ist, wenn Klimaschutz in Deutschland weiterhin eine nennenswerte Rolle spielen soll. Sie ignoriert, dass die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission genau das bestätigen wird: Dass wir aus der Kohleverstromung aussteigen müssen, und zwar bald. Dass das geht, hat der Ausstieg aus der Steinkohle gezeigt. Sie ignoriert, dass selbst der Chef der Polizeigewerkschaft in NRW darauf hinweist, was die Bundesumweltministerin zusammen mit den Grünen, allen Umweltverbänden und Kohlegegnern fordert: Dass RWE vor dem Weiterbuddeln doch bitte die Vorschläge dieser Kommission abwartet. Und die sind schon Ende dieses Jahres zu erwarten.

Die Zeit dazu hätte das Unternehmen. Nach Recherchen des BUND NRW und der Deutschen Welle könnte RWE auch ohne die Rodung des Hambacher Forsts noch mindestens zwei oder drei Jahre weiter ausreichend Kohle schaufeln.

Die schwarz-gelbe Landesregierung von NRW setzt mit ihrem einseitigen Engagement ein verheerendes Signal: Dass die Politik ohne Not die klima- und umweltschädlichste aller Energieerzeugungsformen vorantreibt. Und setzt damit auch den sozialen Frieden im Land aufs Spiel.

Hambacher Forst
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Das sollten Sie über den Hambacher Forst wissen
Um was geht es beim Streit um den Hambacher Forst? Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen
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