Teufelskreis Wie Klimaanlagen das Klima aufheizen

Mit weltweit wachsendem Wohlstand steigt auch die Nachfrage nach kühlen Räumen. Der zusätzliche Energieverbrauch wird gigantisch sein - und für noch höhere Temperaturen sorgen
Wie Klimaanlagen das Klima aufheizen
In diesem Artikel
Stromverbrauch für Kühlung wird sich bis 2050 verdreifachen
FKWs heizen die Atmosphäre zusätzlich auf
Die armen Länder trifft es am härtesten

Glücklich, wer in diesen Sommertagen in einem klimatisierten Büro arbeiten und sich abends aus dem heimischen Kühlschrank ein kaltes Feierabendbier angeln kann! Die Hitze, die auch Deutschland fest im Griff hat, macht deutlich: Ohne aktive Kühlung, also Kühlschränke, Klimaanlagen und Kühlgeräte, hätten wir ein Problem. Ganz zu schweigen von Medikamenten oder Nahrungsmitteln, bei denen die Kühlung wegen der Haltbarkeit oberste Priorität hat.

Doch die wohltuende, manchmal sogar lebensrettende Kälte hat eine Schattenseite: Sie kurbelt den Stromverbrauch weltweit an. Und damit den Klimawandel, der uns immer öfter heiße Tage bescheren wird. Darauf weist die Internationale Energieagentur (IEA) in einem aktuellen Bericht hin.

Stromverbrauch für Kühlung wird sich bis 2050 verdreifachen

Schon jetzt fressen Ventilatoren und Kühlanlagen rund ein Zehntel des weltweit verbrauchten Stroms, schätzt die IEA. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Menge verdreifachen: Bis dahin würden in jeder Sekunde zehn Klimaanlagen verkauft. Diese zusätzliche Energie, so die IEA, entspreche dem gesamten Strombedarf Deutschlands und der USA zusammen.

Diese enormen Steigerungsraten erklären die Experten so: Während in den USA und Japan rund 90 Prozent aller Menschen Klimaanlagen besitzen, sind es von den 2,8 Milliarden Menschen, die in den heißesten Zonen der Erde leben, nur acht. Bislang. Denn das wirtschaftliche Wachstum, so der IEA-Bericht, verlagert sich zunehmend auf den globalen Süden. Mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen werden Schwellenländer wie China und Indien zu den wichtigsten Treibern des Stromverbrauchs für Kühlung.

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FKWs heizen die Atmosphäre zusätzlich auf

Hinzu kommt: Der in Kühlgeräten verwendete Fluorkohlenwasserstoff (FKW) schädigt das Klima, wenn er in die Umwelt gelangt. Zwar sind die Mengen im Vergleich zu den weltweiten CO2-Emissionen gering. Aber dafür ist das Gas bis zu 23.000 mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Schon Mitte des Jahrhunderts könnten FKWs für zwölf Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich sein, schätzen Experten.

Offenbar haben selbst Fachleute diesem Thema bislang zu wenig Beachtung geschenkt. IEA-Geschäftsführer Fatih Birol spricht sogar von einem "blinden Fleck" in der aktuellen Energiedebatte.

Die armen Länder trifft es am härtesten

Während die Hitze in den nördlichen Breitengraden (noch) bewältigbar scheint, werden die Auswirkungen der Klimaerwärmung in südlicheren Regionen wohl dramatisch. Die 30 Städte mit den höchsten Durchschnittstemperaturen liegen sämtlich in Entwicklungsländern. Und weil Kühlsysteme fehlen, sind mehr als eine Milliarde Menschen bedroht, vor allem in Asien und Afrika. Das berichtet die Organisation "Sustainable Energy for All".

So wird in Indien bei einem Fünftel der eingesetzten Impfstoffe die Kühlkette unterbrochen. Und die WHO schätzt, dass jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen sterben, weil sie verdorbene Lebensmittel gegessen haben – meist wegen fehlender Kühlmöglichkeiten.

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