Niederlande Warum es eine gute Idee ist, Pendlern fürs Radeln Geld zu geben

In den Niederlanden denken Politiker darüber nach, Pendler zu belohnen, die auf das Rad umsteigen. Wenn man nachrechnet, was das Autofahren die Allgemeinheit kostet, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, findet GEO.de-Redakteur Peter Carstens
Peter Carstens

In seiner Kolumne "Alles im grünen Bereich" schreibt GEO.de-Umweltredakteur Peter Carstens über das einfache, nachhaltige Leben, über Öko-Sünden, Greenwashing und richtig gute Ideen

+++ Kolumne „Alles im grünen Bereich“ +++

Hin und wieder bin ich mit dem Rad auch in den Niederlanden unterwegs. Ich muss dann immer ein bisschen weinen - vor Glück. Großzügige Radwege, tadellose Verkehrsführung, kostenlose, komfortable Abstellmöglichkeiten, überall radeln die Leute, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt. Und das ist es ja auch, hier zumindest. Radfahren in NL, das ist, in einem Wort: Kultur.

In Deutschland dagegen könnte man für so was Eintritt verlangen. Cycling Fun Parc, 10 Euro die Stunde, oder so. Sich einmal als vollwertiger Verkehrsteilnehmer fühlen. Das wäre was.

Und als ob das alles für uns als großen, reichen Nachbarn nicht schon beschämend genug wäre, kommt jetzt aus dem niederländischen Verkehrsministerium auch noch ein Vorschlag, der das Radfahren dort noch attraktiver machen könnte: Leuten Geld geben, einfach nur dafür, dass sie mit dem Rad zur Arbeit fahren. 19 Cent sind im Gespräch. Keine Entfernungspauschale ohne jede Steuerungswirkung. Sondern eine Belohnung nur für Leute, die aufs Fahrrad umsteigen. Weitere 200.000 Menschen sollen so dazu bewegt werden, lieber umwelt- und gesundheitsschonend zur Arbeit zu radeln.

Das ist kein Käse. Sondern einfach nur nüchtern kalkuliert. Denn Autofahren kommt die Gemeinschaft teuer, Radfahren dagegen spart nicht nur Geld. Es bringt allen etwas.

Foto:  mauritius images / Maskot /

Vom Radeln profitiert nicht nur Radler - sondern die ganze Gesellschaft

Was Autofahren wirklich kostet

Wenn wir an die Kosten des Autofahrens denken, meinen wir meist: Leasingraten. Oder die Zapfsäule. Da rätseln wir dann, wo es wann am billigsten ist. Über die wahren Kosten des Autofahrens, nicht für die Eigentümer und Benutzer, rätseln dagegen nur wenige. Ich meine: Verkehrstote, Verletzte (ja: auch zahllose Tiere), Klimawandel, zugeteerte Natur, verschandelte, verpestete und lärmende Städte.

Forscher von der Universität Lund in Kopenhagen haben die Kosten für die Allgemeinheit mal aufgedröselt und beziffert. Das Ergebnis: Das Autofahren kostet die Allgemeinheit 15 Cent je gefahrenem Kilometer. Das läppert sich.

Derselbe Kilometer, mit dem Fahrrad gefahren, kostet nicht nur weniger. Er spült sogar Geld in die virtuelle Kasse der Gemeinschaft, nämlich 16 Cent. Denn Radeln entlastet die Krankenkassen, spart Energie, Material, Platz, Lärm. Es macht gute Laune und schont die Nerven.

Wenn ich es mir recht überlege, sind die 19 Cent Belohnung, die Staatssekretär Van Veldhoven angedacht hat, viel zu wenig. Es müssten doppelt so viele sein. Mindestens. Und zwar nicht nur in den Niederlanden.

Fragt sich jetzt nur noch, welcher deutsche Politiker diese völlig angemessene Forderung mal der Öffentlichkeit vorstellen könnte. Die Grünen fallen ja leider aus: schlechte Erfahrungen. Sie wissen schon: Veggie Day.

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