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Quiz Was wissen Sie über Musikpsychologie?


In der Reihe GEOCampus stellen Experten verschiedenster Disziplinien Fragen aus ihrem Fachgebiet. Dieses Mal lädt der Musikwissenschaftler Reinhard Kopiez zum Wissenstest

Die Auflösung der Fragen finden Sie unten.

Frage 1 von 10
Wie viele Stunden müssen professionelle Musiker täglich üben, um ihr Niveau zu halten?

a) Vier Stunden

b) Zwei Stunden

c) Eine halbe Stunde

Frage 2 von 10
Den Musikstil eines Stückes erkennt das Ohr ...

a) schneller als das Geschlecht des Sängers.

b) später als das Geschlecht des Sängers.

c) genauso schnell.

Frage 3 von 10
Wie viele zusammenhängende Noten kann ein Weltklassepianist auswendig spielen?

a) 10.000 bis 100.000

b) 100.000 bis 300.000

c) Mehr als 300.000

Frage 4 von 10
Wodurch entsteht ein Ohrwurm? (Mehrfachnennungen möglich)

a) Wenn man ein Stück nicht zu Ende hört

b) Durch Musikberieselung bei geistig wenig fordernden Tätigkeiten - zum Beispiel beim Abwaschen

c) Durch besonders eingängige Melodien

d) Durch besonders eingängige Rhythmen

Frage 5 von 10
Worauf achten Jugendliche vor allem, wenn sie Musik bewerten? (Mehrfachnennungen möglich)

a) Auf das Image des Musikers

b) Auf die Qualität der Musik

c) Ob die Musik erfolgreich ist (oft gespielter Mainstream)

d) Ob die Musik ihren Freunden gefällt

Frage 6 von 10
Durch welche Tiere wissen wir das meiste über das menschliche Hörvermögen? (Mehrfachnennungen möglich)

a) Taufliegen

b) Mäuse

c) Meerschweinchen

d) Elefanten

Frage 7 von 10
Welche Taktart wurde in bekannten Stücken der Unterhaltungsmusik noch nie verwendet?

a) Dreivierteltakt (Walzer)

b) Viervierteltakt (Marsch)

c) Siebenvierteltakt

d) Zehnachteltakt

e) Alles davon wurde verwendet

Frage 8 von 10
Popmusik ist am beliebtesten bei ...

a) der Jugend (12- bis 15-Jährigen).

b) der mittleren Generation (30- bis 39-Jährigen).

c) den "Grufties" (50- bis 59-Jährigen).

Frage 9 von 10
Geben Kühe mehr Milch, wenn sie im Stall Musik hören?

a) Nein. Alles andere ist Legende.

b) Ja, aber nur bei Volksmusik und Jodeln.

c) Ja, aber nur, wenn sie klassische Musik hören, zum Beispiel von Mozart.

d) Ja, egal bei welcher Musikrichtung.

Frage 10 von 10
Meine Lieblingsfrage: Können in Musik versteckte, nicht bewusst hörbare Textbotschaften das Verhalten beeinflussen - wie eine Art Hypnose?

a) Ja

b) Nein

c) Ja, wenn man ohnehin zu diesem Verhalten neigt.

Achtung Auflösung!

Hier finde Sie die Antworten zur Überprüfung:

Frage 1 von 10
Wie viele Stunden müssen professionelle Musiker täglich üben, um ihr Niveau zu halten?

a) Vier Stunden ✔️

b) Zwei Stunden ❌

c) Eine halbe Stunde ❌

Zumindest bei Pianisten weiß man das ziemlich genau: vier Stunden täglich. Artur Rubinstein soll es einmal so formuliert haben: "Wenn ich einen Tag nicht geübt habe, merke ich es, wenn ich zwei Tage nicht geübt habe, merken es die Kritiker, und wenn ich drei Tage nicht geübt habe, dann merkt es mein Publikum."

Frage 2 von 10
Den Musikstil eines Stückes erkennt das Ohr ...

a) schneller als das Geschlecht des Sängers. ✔️

b) später als das Geschlecht des Sängers. ❌

c) genauso schnell. ❌

Den Stil erkennt man nach durchschnittlich etwa 300 Millisekunden, das Geschlecht der Sänger erst nach 800 Millisekunden. Zum Vergleich:Ein Lidschlag dauert rund 250 Millisekunden. Evolutionär für unsere Vorfahren sicher von Vorteil, wenn es darum ging, eine "Stimmung" schnell zu bewerten und sich für Flucht zu entscheiden.

Frage 3 von 10
Wie viele zusammenhängende Noten kann ein Weltklassepianist auswendig spielen?

a) 10.000 bis 100.000 ❌

b) 100.000 bis 300.000 ❌

c) Mehr als 300.000 ✔️

Für Weltklassepianisten gehört es durchaus zum festen Repertoire, etwa alle 32 Klaviersonaten Beethovens auswendig aufzuführen – rund 316.000 Noten. Vom Pianisten Nikita Magaloff weiß man es sogar ganz genau: Im Jahr 1989 hat er Chopins gesamtes Werk für Solo-Klavier – 156 Stücke - auf einem Computerflügel öffentlich und auswendig dargeboten. Die 330.000 Noten benötigen eine Spieldauer von etwa zehn Stunden. Gut 95 Prozent der Noten waren richtig; sonstige Noten fehlten oder waren falsch; rund 3,7 Prozent wurden vom Pianisten auch selbst hinzugefügt.

Frage 4 von 10
Wodurch entsteht ein Ohrwurm? (Mehrfachnennungen möglich)

a) Wenn man ein Stück nicht zu Ende hört ✔️

b) Durch Musikberieselung bei geistig wenig fordernden Tätigkeiten - zum Beispiel beim Abwaschen ✔️

c) Durch besonders eingängige Melodien ✔️

d) Durch besonders eingängige Rhythmen ✔️

Obwohl es bis heute keine einheitliche Theorie des Ohrwurmsgibt, fanden Wissenschaftler für alle genannten Bedingungen Belege. Der tiefere Grund für den Ohrwurm könnte in der Vergangenheit liegen:Für die Ausdauer auf langen Wanderungen mag es für Urmenschen hilfreich gewesen sein, wenn ihr Gehirn in reizarmen Zuständen ("geistigem Stand-by") in der Lage war, sich selbst zu unterhalten.

Frage 5 von 10
Worauf achten Jugendliche vor allem, wenn sie Musik bewerten? (Mehrfachnennungen möglich)

a) Auf das Image des Musikers ✔️

b) Auf die Qualität der Musik ❌

c) Ob die Musik erfolgreich ist (oft gespielter Mainstream) ❌

d) Ob die Musik ihren Freunden gefällt ✔️

Musiker dienen Jugendlichen als wichtige soziale Vorbilder.Wesentlich ist dabei, welche Eigenschaften dem Musiker zugeschrieben werden. Zudem wird Musik von Jugendlichen sowohl als sozialer "Klebstoff" wie auch als Trennmittel verwendet: Deshalb mag man die Musik der engen Freunde; erfolgreiche Musik aus dem Mainstream bietet hingegen in der Regel nicht genug Abgrenzungspotenzial.

Frage 6 von 10
Durch welche Tiere wissen wir das meiste über das menschliche Hörvermögen? (Mehrfachnennungen möglich)

a) Taufliegen ❌

b) Mäuse ❌

c) Meerschweinchen ✔️

d) Elefanten ✔️

Besonders bei Experimenten zur schädlichen Auswirkung hoherLautstärken auf das Innenohr wurden Meerschweinchen verwendet – ihr Hörvermögen ähnelt stark jenem des Menschen. Die fundamentalen Erkenntnisse über die Mechanik der Cochlea (Hörschnecke im Innenohr) stammen jedoch vom Elefanten. Die Schneckenlänge bei diesem Tier ist besonders groß; dadurch kann die Entstehung frequenzabhängiger Wellenmuster auf der Basilarmembran mit bloßem Auge beobachtet werden.

Frage 7 von 10
Welche Taktart wurde in bekannten Stücken der Unterhaltungsmusik noch nie verwendet?

a) Dreivierteltakt (Walzer) ❌

b) Viervierteltakt (Marsch) ❌

c) Siebenvierteltakt ❌

d) Zehnachteltakt ❌

e) Alles davon wurde verwendet ✔️

Die meisten Stücke der Popmusik stehen in gradzahligen Taktarten. Wesentlich weniger Stücke gibt es im Dreivierteltakt (etwa „Morning Has Broken“ von Cat Stevens) und noch weniger in anderen ungradzahligen Taktarten. Es gibt allerdings immer wieder interessante Ausnahmestücke: beispielsweise die Titelmelodie von „Mission Impossible“ im Zehnachteltakt. Auch der Popsänger Sting ist immer gut für eine rhythmische Überraschung: In seiner Ballade „I Was Brought To My Senses“ verwendet er einen 7er-Takt, der allerdings durch das Arrangement so raffiniert verschleiert ist, dass er nicht als ungewöhnlich auffällt.

Frage 8 von 10
Popmusik ist am beliebtesten bei ...

a) der Jugend (12- bis 15-Jährigen). ❌

b) der mittleren Generation (30- bis 39-Jährigen). ✔️

c) den "Grufties" (50- bis 59-Jährigen). ❌

Popmusik im engeren Sinne ist inzwischen Älteren vorbehalten. Unter 12- bis 15-Jährigen steht Hip-Hop mit 35 Prozent an der Spitze, es folgen Pop sowie Rock/Metal mit jeweils 23 Prozent sowie Jazzmusik und Klassik mit zusammen 17 Prozent. Von den 30- bis 39-Jährigen hingegen hören nur acht Prozent Hip-Hop, aber 60 Prozent Popmusik. Bei den 50- bis 59-Jährigen dominiert ebenfalls die Vorliebe für Popmusik (51 Prozent), aber es wird auch sogenannte reflexive und komplexe Musik (darunter Klassik oder Jazz) gern gehört (40 Prozent).

Frage 9 von 10
Geben Kühe mehr Milch, wenn sie im Stall Musik hören?

a) Nein. Alles andere ist Legende. ✔️

b) Ja, aber nur bei Volksmusik und Jodeln. ❌

c) Ja, aber nur, wenn sie klassische Musik hören, zum Beispiel von Mozart. ❌

d) Ja, egal bei welcher Musikrichtung. ❌

Die einzige bisher veröffentlichte experimentelle Studie zu diesem Thema wurde an der TU München durchgeführt. Die Tiere hörten täglich 45 Minuten Klassik, Pop, Rock, volkstümliche oder keine Musik. Die Tagesmehrleistung bei Musik von 0,8 Litern liegt innerhalb der Norm bei Kühen. Mehr Milch sollen sie indes geben, wenn man sie beim Namen ruft.

Frage 10 von 10
Meine Lieblingsfrage: Können in Musik versteckte, nicht bewusst hörbare Textbotschaften das Verhalten beeinflussen - wie eine Art Hypnose?

a) Ja ❌

b) Nein ✔️

c) Ja, wenn man ohnehin zu diesem Verhalten neigt. ❌

Nein, denn wahrnehmungspsychologisch gilt: Man hört, was man hört – und wenn etwas nicht wahrnehmbar ist, gibt es auch keine Erklärung für irgendwelche Wirkungen von Textbotschaften. Die Band Judas Priest wurde, 1990, trotzdem verklagt, weil in einem ihrer Songs angeblich die rückwärts maskierte Aufforderung zum Suizid ("Do it") versteckt war, was ursächlich für den Selbstmord zweier Jugendlicher gewesen sein soll. Das Gericht folgte dieser Behauptung nicht: Wer hört Musik schon rückwärts?

GEO Nr. 01/12 - Was ist der Mensch?

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