Limfjord Zauberhafte Wasserlandschaft zwischen Nord- und Ostsee

Der Limfjord, jene Wasserstraße im Norden Jütlands ist eine weite See mit sandweißen Steilküsten, kunstsinnigen kleinen Ortschaften - und den nördlichsten Austernbänken Europas
Der Limfjord in Dänemark

Abendstimmung am Limfjord bei Nykobing Mors

Zur Einstimmung auf den Limfjord

Was ist das hier? Ein See? Ein Meer? Ein Fluss? Dieses Gewässer stellt mich vor Rätsel. Im Osten schlängelt es sich ähnlich schmal durch Aalborg wie die Donau durch Budapest. Im Westen ist das andere Ufer bis zu 25 Kilometer entfernt. Segelboote kreuzen, Containerschiffe schieben Bugwellen vor sich her, und zwei Kajakfahrer paddeln gegen den Wind, der an diesem Mai-Tag in Techno-Rhythmen von der Nordsee herüberpeitscht. »Wenn Sie es genau nehmen wollen, ist es ein Sund, eine Meerenge«, wird mir später jemand erklären: Der Limfjord trennt als mäandernde Wasserstraße das nördliche Viertel Jütlands vom Rest Dänemarks. Er markiert den Teil des Landes, den Touristen kaum kennen, weil sie oft nicht weiter fahren als bis zum Henne-Strand. Was für ein Versäumnis, seinen Ufern nicht zu folgen – zumindest denen im westlichen, weitläufigen Teil. So wie ich es gemacht habe.

Rundgang durch Viborg

Ich starte meine Rundreise auf dem in Jahrhunderten rund gewetzten Kopfsteinpflaster der Sct. Mogens Gade, das sich durch meine dünnen Schuhsohlen drückt. Die Sprossenfenster in den Rotklinkerfassaden sind zu hoch, um hindurchzuspähen. Kaum ein Geschäft befindet sich in einer der ältesten Straßen Viborgs, nicht einmal ein Eiscafé hinter den gestutzten Hecken. »Ja, ganz bewusst, wir möchten den ursprünglichen Charme bewahren «, sagt Rigmor Erritsø, eine von mehreren Viborgern, die Gäste kostenlos herumführen (Anmeldung über www.visitviborg.de). Sie kann Geschichten über jedes Haus erzählen: In der Nummer 11 mit der blauen Tür und dem alten Fachwerk etwa, dem man ansieht, warum Holz kein Baustoff für die Ewigkeit ist, lebten einst die Pfarrersfamilien. Schließlich führt mich Rigmor zu einer Mini-Gasse zwischen den Häusern »Willesens Gård« und »Hauchs Gård«, so schmal, dass ich mich kaum reintraue.

Fossiliensuche auf Fur

63 Kilometer weiter nördlich starre ich stur auf den steinigen Grund des Nordstrandes. Die sandweiße Steilküste besteht aus dem gleichen Material wie ein Großteil der Insel: Moler, ein tonartiges, weiches Mineral, das Spuren aus 55 Millionen Jahren Erdgeschichte birgt. Immer wieder machen Archäologen und Hobbyforscher spektakuläre Funde – Tasbacka danica zum Beispiel, das Fossil einer Meeresschildkröte liegt im FUR MUSEUM hinter Glas (www. museumsalling.dk). Nach ein paar Stunden Suche kann man schon Glück haben, sagen sie auf Fur. Ich habe Pech und blicke lieber raus auf den Sund. Das gegenüberliegende Ufer säumen sanft geschwungene Hänge und kleine Buchten, rostfarbene Rinder tupfen grüne Wiesen. Suchen macht durstig, deshalb lasse ich mir in der Mikrobrauerei FUR BRYGHUS zu hausgemachter Fischfrikadelle ein Ale servieren (www.furbryghus.dk).

Marktplatz in Hostebro, Jütland

Der historische Marktplatz von Holstebro

Spaziergang durch Holstebro

Landeinwärts vor dem Alten Rathaus winkt mich eine Frau heran und zeigt auf den Boden. Eine magere Bronzefigur steigt surrend aus einer Art Fenster im Untergrund auf. »Das ist unsere Maren auf dem Wagen«, sagt Anne-Lise Witschel und lacht. Sie führt Touristen im Juli und August gratis durch die Stadt, denn in Holstebro ist einiges erklärungsbedürftig. Maren zum Beispiel: Nachdem der italienische Künstler Alberto Giacometti sie hier in den 60er Jahren installiert hatte, wurden ihr Butterbrote hingelegt, »weil sie so dünn ist«. Seit ein paar Jahrzehnten bittet die Stadt Künstler, Holstebro zu verschönern. Anne-Marie führt mich zu den »Zwölf Himmelsleitern« – acht und zehn Meter hohe Lichtsäulen aus Gusseisen am Nørreport, und erklärt, dass die »Inschrift « des Künstlers Lawrence Weiner am Rathaus ein Verweis auf das Polarlicht ist, und dass die Skulpturen, die am Ende der Fußgängerzone nackt und unförmig auf einem Felsbrocken posieren, »Bürger von Holstebro« heißen (www.visitholstebro.dk, Führungen auch auf Deutsch). Wer neben Kunst auch noch nach Design Ausschau halten möchte: Die NØRREGADE ist eine der schönsten Einkaufsstraßen in Jütland.

Die nördlichsten Austernbänke Europas

Bei Thy drehen sich die Windräder auf einem Kiesdamm im Limfjord vor grauen Wolken. Zu ihren Füßen brutzeln auf einem Grill Austern unter Knoblauch, Crème fraîche, Brotkrumen und Parmesan. »Ich mag sie lieber auf die dänische Art mit roten Zwiebeln, Zucker und Balsamico«, sagt Chresten Maarupgaard, der mich mit Traktor und Planwagen hierher gefahren hat. Im Limfjord liegen die nördlichsten Austernbänke Europas. Das Wasser ist etwas wärmer als in der Nordsee und trotzdem so kalt, dass es das Wachstum der Muscheltiere verlangsamt. Dadurch sollen sie aromatischer sein als Verwandte aus wärmeren Gewässern. Im Frühling und Herbst schickt Chris seine Gäste in Watthosen auf AUSTERNSAFARI (Anmeldung und Infos: www.jyllandsakvariet.dk). Jetzt, im Mai, ist es zu spät. Statt zu suchen, muss ich kosten. »Und welche magst du lieber?«, fragt er, als ich beide Varianten probiert hatte. »Ganz klar, die Gegrillten!«

Løgstør: Bootstour auf dem Limfjord

Ein paar Stunden und 100 Kilometer später hocke ich an Bord eines Ausflugsdampfers. Im LIMFJORDMUSEUM, im Hafen von Løgstør, habe ich eine Bootstour gebucht (www.limfjords museet.dk/de). »Festhalten!«, ruft der Kapitän, als ein Schnellboot auf uns zurast und unser Kahn im Fahrwasser des maritimen Rennwagens schaukelt. Wie kann man es hier so eilig haben?, frage ich mich. Da verpasst man doch viel zu viel, hier im Norden Dänemarks, wo Nord- und Ostsee Händchen halten.

Wo Sie am Limfjord am besten Schlafen

Die meisten Urlauber mieten ein Ferienhäuschen, zum Beispiel über www.fejo.dk oder www.novasol.de. Der Hafen um die Ecke, die Fußgängerzone vor der Tür, eine Brasserie und eine Bar: Im € GRAND HOTEL STRUER lümmeln die Gäste urbanelegant zwischen lederbezogenen Sesseln und dunklen Hölzern (www.struergrandhotel.dk, DZ ab 100 €). Im €€ BEST WESTERN GOLF HOTEL in Viborg buchen Sie am besten eines der hellen Erdgeschosszimmer, dann können Sie direkt von dort zum See schlendern – oder bei schlechtem Wetter zum Indoor-Pool (www.golfhotelviborg.dk, DZ ab 134 €). In Nykøbing Mors knarzen im €€€ PAKHUSET HOTEL & RESTAURANT zwar die Dielen, die Decken sind niedrig und die Fenster klein, dafür genießt der Gast aber echte dänische Gemütlichkeit in gepflegten Zimmern (www.phr.dk, DZ ab 141 €).

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