Nordisch aber exotisch

Finnland sollte man lieben, weil es nordisch-exotisch ist

Finnland? Das ist doch da im hohen Norden, wo die Winter kalt und dunkel, die Sommer kurz und mückenverseucht und die Menschen schweigsam sind. Pustekuchen. Ok, es gibt so viel Schnee und Mücken, dass beides locker exportiert werden könnte. Aber die Winter sind heller als man denkt und die Mittsommernächte sowieso. Exotisch muten der Finnische Tango oder verrückte Wettbewerbe wie „Frauentragen“ an. Noch ein Fun fact: in Finnland gibt es inzwischen mehr Handys als Menschen

Polarlicht-Sucht

Finnland sollte man lieben, weil Polarlichter süchtig machen

Sie sind magisch, betörend schön und machen süchtig: Polarlichter. Finnland hat einen Logenplatz dafür. Von August bis in den Mai hinein tanzt Lady Aurora bei guten Voraussetzungen am Himmel. Wenn sich grün leuchtende Bögen und Bänder am Firmament sanft hin- und herwiegen, wie zu einer für uns unhörbaren Musik, vergisst man die Kälte und schaut einfach nur still-staunend nach oben

Kaffee für die Geselligkeit

Finnland sollte man lieben, weil Geselligkeit hier koffeinhaltig ist

Kaffee-Entzug ist undenkbar in Finnland. Kaffee, das ist in Finnland so was wie der Kitt der Gesellschaft. Wann immer man irgendwo zu Besuch kommt, wird einem als erstes Kaffee angeboten. Wenn die Situation verfahren scheint, wird erst einmal Kaffee gekocht. Wenn die Situation entspannt ist, auch. Wenn man nicht weiter weiß, kann man immerhin Kaffee kochen. Und zur Feier des Tages sowieso. Der Durchschnittsfinne trinkt 12 Kilo Rohkaffee pro Jahr (Deutschland 6,7kg), das ist weltweit Spitze

Nordische Nächte

Finnland sollte man lieben, weil die Nächte nachtlos sind

Schlafen kann man im Winter, besagt eine finnische Redensart. Die Mittsommersonne scheint für alle - oberhalb vom Polarkreis sogar rund um die Uhr. Das verändert alles. Yötön yö nennen das die Finnen: nachtlose Nacht. Die Finnen genießen diese Zeit in vollen Zügen. Machen alles das, was im Winter nicht möglich ist. Sie verbringen viel Zeit draußen, als wollten sie das viele Licht, das ihnen im Winter so sehr gefehlt hat, aufholen. Dieses Licht, das im Norden so anders ist, selbst nachts noch so sanft und weich scheint, dass man es am liebsten festhalten möchte

Schnee für die Seele

Finnland sollte man lieben, weil Lappland die Seele umarmt

Lappland - das bedeutet 200 Tage Schnee vor der Haustür, 75 Tage, an denen die Sonne nicht untergeht, und 300 verschiedene Worte für Schnee. Klirrend-kalte saubere Luft und reiner, weißer Schnee, der die Landschaft aussehen lässt, als wäre sie mit Schlagsahne übergossen worden. Stille und Einsamkeit findet man hier fast nebenbei in der fast menschenleeren Wildnis

Rentiere sind Wildtiere

Finnland sollte man lieben, weil Rentiere hier nicht nur für Touristen da sind

Nach 50 Warnschildern und nicht einem einzigen Rentier glaubt man tatsächlich an einen Scherz. Doch je weiter man nach Norden kommt, desto häufiger begegnet man ihnen auf der Straße. 200.000 der halbwilden Tiere leben in Finnisch Lappland. „Rentiere sind alles für mich“, sagt der Rentierzüchter Janne. „Sie ernähren mich. Sie halten mich warm. Sie bringen mich überall hin.“ Tabu ist hingegen die Frage wie viele Rentiere ein Same sein Eigen nennt - das ist gleichbedeutend mit der Frage nach dem Kontostand hierzulande

Die Dringlichkeit der Sauna

Finnland sollte man lieben, weil hier die Sauna mehr ist als waschen

In Finnland gibt es mehr Saunen als Autos. Wer die Finnen verstehen will, muss mit ihnen in die Sauna gehen. Es gibt sie in der kleinsten Hütte, auf Schiffen, in einer Seilbahngondel, selbst im Parlament. Sauna - das ist weit mehr als waschen. Sauna ist Ausspannen, Krafttanken, Reinigung von Körper, Geist und Seele. Regeln wie Aufguss- oder Ruhezeiten? Fehlanzeige. In der finnischen Sauna gibt es nur eine Regel, die da lautet: es gibt keine Regeln. Jeder so, wie er mag. Und alle sind gleich

Land der Seen

Finnland sollte man lieben, weil es das Land der Seen ist

Rein statistisch kommt auf 30 Finnen ein See. Damit hat Finnland im Vergleich zur Landmasse die größte von Wasser bedeckte Fläche weltweit. Die insgesamt über 188000 Seen sind ein Eldorado für alle Wasserratten. Selbst im Winter. Dann hackt man einfach ein Loch ins Eis und fischt - oder die Hardcore-Variante: Eislochschwimmen

Ein Land für alle

Finnland sollte man lieben, weil hier das Jedermannsrecht gilt

Das Jedermannsrecht besagt: jeder darf überall Beeren und Pilze sammeln, in jedem See schwimmen, in den Wäldern wandern wo er mag, segeln, fischen rudern und zelten. Auch gibt es ein hervorragendes Netz an Wanderhütten, die jeder meist kostenlos und ohne Reservierung nutzen darf. Da ist es dann nur noch eine Frage des Respekts, die Hütte so wieder zu verlassen, wie man sie vorgefunden hat und das Feuerholz, das man verbraucht hat, wieder aufzufüllen. Dabei zeigt sich ein wichtiges Grundprinzip der Finnen: wir vertrauen einander

Regionalität im Fokus

Finnland sollte man lieben, weil Genuss zur Lebensart gehört

In jedem Ort gibt es einen Markt mit frischem Fisch und Gemüse aus der Region, in jeder Stadt eine kauppahalli - eine Markthalle: Genusstempel, kulinarische Oase und Beweis, dass Finnland nicht nur Fisch und Rentierfleisch kennt. Genauso zur Lebensart gehört aber nicht nur gutes Essen, sondern auch eine kostenlose Bibliothek in jedem Ort. Denn die Finnen sind literaturbegeistert wie kaum ein anderes Volk. So führen sie weltweit im Länder-Ranking mit der höchsten literarischen Bildung

Finnische Mentalität

Finnland sollte man lieben, weil die Finnen sind wie sie sind

Mit Finnen kann man wunderbar schweigen. Smalltalk ist gar verpönt. Schweigen ist daher weder unhöflich noch peinlich. Auftauen und aufdrehen kann der Finne aber sehr schnell bei der Finnischen Variante des Tango, am höchsten Feiertag des Jahres „Mittsommer“, wenn das ganze Land den Sommer begrüßt, beim Karaoke-Singen, eine der Lieblingsbeschäftigungen der Finnen. Oder auch - wie auf dem Foto - beim Sambatanzen im Regen auf Helsinkis Straßen

"111 Gründe Finnland zu lieben"

Tarja Prüss, "111 Gründe, Finnland zu lieben", 328 Seiten, Taschenbuch​ mit separatem Farbteil, 12,99 €, erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf

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