Reisetipps für Argentinien 36 Stunden in Buenos Aires

Wer nach Argentinien fliegt, träumt oft von Patagonien. Doch ein Besuch in der Hauptstadt Buenos Aires ist Pflicht. Die besten Empfehlungen von Tango bis Streetart
36 Stunden in Buenos Aires

Blick auf den Plaza Congreso und das Häusermeer von Buenos Aires vom Palacio Barolo aus gesehen

Es gibt Klischees, die stimmen einfach: Buenos Aires ist mit sieben Erstligaclubs die Welthauptstadt des Fußballes. Die Steaks sind großartig. Und Tango getanzt wird auch. Die Stadt ist das unbestrittene Zentrum Argentiniens, hier laufen alle Fäden zusammen. "Porteños" (angelehnt an "puerto", Hafen) nennen sich die Einwohner. Wann sie schlafen, ist ein Rätsel: Man isst spät, geht spät tanzen, Siesta gibt es im Gegensatz zum Inland nicht. "Die Mexikaner stammen von den Azteken ab, die Peruaner von den Inka, die Argentinier von den Schiffen", heißt es in Südamerika. Die Porteños sind stolz auf ihre Einwandererwurzeln und lassen keine Gelegenheit aus, sie zum Thema zu machen. Die internationale Herkunft der Bewohner sind auch der Grund für das große kulinarische Angebot: Es gibt armenische, peruanische, koreanische, polnische oder auch deutsche Restaurants. Kurz: Diese Stadt bietet alles, was man sich wünscht. Außer Langeweile.

FREITAG

1. Zur Orientierung: Der Blick von oben

Buenos Aires ist ein Häusermeer, das kein Ende nehmen will. Es tut gut, einmal von oben auf das Chaos zu schauen, bevor man sich hineinstürzt. Der Blick vom Palacio Barolo auf die Plaza Congreso lohnt sich. Das Gebäude wurde 1923 erbaut und war damals mit 100 Metern das höchste der Stadt. Der Palast ist gespickt mit Anspielungen auf Dantes Göttliche Komödie. Er ist in drei Abschnitte gegliedert: Hölle, Fegefeuer, Himmel. Der Blick von der Kuppel auf dem Dach ist spektakulär! Auf dem Palast thront ein Leuchtturm. Er zeigt in Richtung Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Dort steht das Zwillingsgebäude des Barolo, der Palacio Salvo, der ebenfalls von dem italienischen Architekt Mario Palanti entworfen wurde. Auf das Dach des Palacios kommt man allerdings nur im Rahmen einer Führung.

www.palaciobarolotours.com.ar (nur montags und Mittwoch bis Samstag), AR$ 250

2. Ein Spaziergang durch Palermo

Palermo ist für Buenos Aires so etwas Ähnliches wie Mitte für Berlin: Ein Stadtteil, in dem sich einst die Bohème niederließ – doch längst haben es Modelabels, edle Bars und Galerien für sich entdeckt. Das Viertel ist eins der schönsten der Stadt – noch. Denn der Bauboom hat auch Palermo erreicht: immer mehr kleine Häuschen werden abgerissen und Hochhäuser an ihrer Stelle errichtet. In Palermo gilt es, auf Entdeckungsreise zu gehen und zu Stöbern. Im alten Teil des Viertels, dem Palermo Viejo, das südlich der Avenida Juan B. Justo liegt, sollten Sie zum Beispiel für Mitbringsel und kleine Geschenke einen Blick in das Seifengeschäft Hermanos Sabater (Gurruchaga 1821) werfen oder einen Kaffee im Pasaje del Libro trinken (Thames 1762, www.librosdelpasaje.com.ar). Palermo Hollywood heißt im Volksmund der nördliche Teil des Stadtviertels, da hier viele Fernsehstudios ansässig sind. Zwischendrin verstecken sich allerdings kleine Oasen wie das OuiOui (Nicaragua Ecke Dorrego, www.ouioui.com.ar), wo man sich im Sommer eine leckere Limonade gönnen sollte. Wenige Straßen weiter ist der große Antik- und Flohmarkt "Dorrego" (Dorrego Ecke Cabrera).

3. Führung durch das Teatro Colón

Das prunkvolle Opernhaus wurde 1908 gebaut und hat eine der besten Akustiken weltweit. Hier sangen Caruso und die Callas, Strawinsky und Strauss dirigierten das Orchester. Eine Führung lohnt sich auch wegen des gewaltigen Fundus im Keller. Und, wenn man schon da ist – natürlich unbedingt einen Blick auf das Programm werfen! Doch Vorsicht mit dem "Paradies": die billigsten Eintrittskarten sind für das "paraíso" - Stehplätze, ganz oben, quasi unter dem Dach. Verlockend, aber ohne Opernglas sehr weit weg von der Bühne.

Infos zu den Touren durch das Teatro: www.teatrocolon.org.ar (auch auf Englisch!), AR$ 200

4. Und jetzt ein argentinisches Steak

Natürlich müssen Sie unbedingt ein argentinisches Steak probieren. Am besten in einer Parrilla, einem Grillrestaurant, begleitet von einem Glas Malbec Rotwein. Zwar kommt das argentinische Fleisch schon seit langem nach Europa: 1877 überquerte das erste Kühlschiff den Atlantik – eine technische Revolution, die den Fleischexport erst möglich machte. Doch, am besten ist das Steak eben doch vor Ort, mit Ruhe vom Fachmann gegrillt. Leckere Schnitte sind zum Beispiel das Bife de Lomo, das Bife de Chorizo oder Colita de Cuadril. Falls Sie in Begleitung eines Vegetariers unterwegs sein sollten, der sich dazu durchringt, Sie in ein Grillrestaurant zu begleiten: Es gibt in allen Parrillas leckeren Grillkäse (Provoleta), Kartoffel- und Kürbispürée sowie Salate. Und natürlich als Nachtisch Flan mit Dulce de Leche.

Zum Beispiel bei: Caldén, Honduras 4701, www.caldendelsoho.com.ar

5. Von Pingpong bis Elektronik

Ein Klassiker in Buenos Aires sind die Pingpong- und Pool-Nächte in der altehrwürdigen Bar San Bernardo (seit 1912!), wo Althergebrachtes auf die Hipstercrowd trifft. Ein Bier hier gehört einfach dazu. Wer ein schickeres Ambiente vorzieht – mit schönem Patio, in dem fast täglich Djs auflegen – ist in Congo besser aufgehoben. Wobei sich das eine und das andere ja nicht ausschließen. Die Nacht ist lang.

San Bernardo, Corrientes 5436, www.cafesanbernardo.com (24 Stunden geöffnet)

Congo, Honduras 5329, www.barcongo.com.ar

Online-Agenda für elektronische Tanznächte: www.buenosaliens.com

SAMSTAG

6. Bücher im Theater

Buenos Aires ist ein Paradies für Buchliebhaber: Überall gibt es kleine Läden, viele mit Cafés. Der bombastischste Buchladen ist in einem alten Theater aus dem Jahr 1919 untergebracht. The Guardian wählte das Geschäft zum zweitschönsten Buchladen weltweit. Auch wenn Sie nichts kaufen, lohnt das Gran Splendid (Librería Ateneo) einen Besuch! Auf der ehemaligen Bühne ist heute ein Café untergebracht. Am besten ins oberste Stockwerk gehen und staunen!

El Ateneo, Santa Fe 1860, www.yenny-elateneo.com

7. Streetart entdecken und verstehen

Es ist oft wahre Kunst, die in Buenos Aires an den Hauswänden zu entdecken ist. Allerdings sind die Werke oft versteckt – und im Rahmen einer geführten Tour entdeckt man nicht nur tolle Malereien, sondern erfährt auch etwas über die Stadt. Am besten vorbuchen!

www.graffitimundo.com, ab 18 USD

8. An Evitas Grab

Zum Pflichtprogramm in Buenos Aires gehört ein Besuch in Recoleta: Die 7000 imposanten Mausoleen des ersten öffentlichen Friedhofs der Stadt (1822) bilden eine Stadt der Toten, mit kunstvollen Statuen geschmückt. Die meisten sind beeindruckender als das Grab von Evita Duarte de Perón. Trotzdem sind dort täglich die meisten Besucher. Namensgeber des edlen Viertels waren die Recoleto-Mönche, die hier die erste Kirche des Viertels bauten: Die Basílica del Pilar (1732) steht direkt neben dem Eingang zum berühmten Friedhof. Billig ist eine Grabstätte in Recoleta nicht: Über 100.000 US-Dollar sollen schon bezahlt worden sein. Fotografieren ist erlaubt, aber professionelles Equipment (das kann auch schon ein leichtes Stativ sein) muss bei der Friedhofsverwaltung abgegeben werden.

Eingang: Junín 1760, www.cementeriorecoleta.com.ar

9. Wie die Porteños: Choripán an der Costanera Sur

Puerto Madero ist das modernste Viertel der Stadt: Teile der alten Hafendocks wurden in moderne Büro- und Wohngebäude verwandelt. Dahinter stehen schicke Hochhäuser und auch das Luxushotel Faena, vom Designer Philippe Starck gestaltet. Das Viertel ist auf dem Reißbrett entstanden, es gibt weder Gemüseläden, noch alte Cafés. Doch hinter den Neubauten verstecken sich zwei Gründe, warum trotzdem viele Porteños regelmäßig hierher kommen: Zum einen die Imbissbuden an der Costanera Sur, an denen es das typische "choripán" (Argentinier würde es zwar niemals so sagen: Aber das "chori" ist ihre Variante des Hot Dogs) gibt und zum anderen das Naturschutzgebiet Reserva Ecológica Costanera Sur. Von hier hat man einen Blick auf die Skyline von Buenos Aires. Dass das Gebiet dank Bauschutt und Landgewinnung existiert, ahnt man längst nicht mehr. Am besten ein Fahrrad mieten – wer nur 36 Stunden in Buenos Aires hat, verliert zu Fuß hier sonst zu viel Zeit!

www.buenosaires.gob.ar

36 Stunden in Buenos Aires

Ob spontan oder auf Verabredung überall in den Straßen von Buenos Aires wird Tango getanzt, wie hier im Stadtteil San Telmo

10. Die Kaffeehäuser von Buenos Aires

Sie haben einen ganz besonderen Charme: Die alten Cafés der Stadt. Das bekannteste ist das Café Tortoni, 1858 gegründet (Avenida de Mayo 825, www.cafetortoni.com.ar). Hier saßen bereits Tangosänger Carlos Gardel, Tennisspielerin Gabriela Sabatini oder auch Hillary Clinton. Weil das Café allerdings bei fast allen Buenos Aires-Besuchern auf der Liste steht, muss man oft an der Tür Schlange stehen. Weniger touristisch ist das "36 Billares", ebenfalls auf der Avenida de Mayo (Av. De Mayo 1265, www.los36billares.com.ar), in dem man am besten gleich zum Queue greift. In San Telmo lohnt El Federal (Carlos Calvo 599, www.barelfederal.com.ar) einen Besuch.

11. Abends: Wilder Tango

Eine Lagerhalle mit Wellblechdach im Viertel Almagro, auf der Bühne elf junge Musiker und ein Sänger, in Jeans und T-Shirt, einige mit langen Haaren oder Rasta-Zöpfen. Das Tango-Ensemble Orquesta Típica Fernández Fierro spielt in klassischer Besetzung: vier Bandoneones, Klavier, Violoncello, Viola, Kontrabass, Geigen. Doch der Klang der Musik ist rau und hart, er gibt dem Ensemble die Ausstrahlung einer Rockband. Ein echtes Erlebnis! Sollten die Musiker gerade auf Tour sein oder an diesem Samstag nicht spielen – ein Blick aufs Programm des orchestereigenen Kulturzentrums lohnt sich.

Sánchez de Bustamante 772, www.caff.com.ar

SONNTAG

12. Tierra Santa – Reise nach Absurdistan

Für Freunde skurriler Sehenswürdigkeiten ist der religiöse Themenpark eine Fundgrube: Alle halbe Stunde kommt das Christkind zur Welt und ein 18 Meter großer Jesus ersteht von den Toten. Auf dem Hauptplatz gibt es Bauchtanz und arabische Empanadas. Viele Besucher nehmen den Themenpark ernst: Sie erklären ihren Kindern anhand der Puppen die Bibel und stecken in die falsche Klagemauer Zettel mit Gebeten. Tatsächlich kommt einmal im Jahr ein Rabbiner vorbei und bringt die Zettel nach Israel. Eigentlich sollte hier in den 1990ern ein Freizeitpark entstehen werden – doch weil der Stadtflughafen gleich neben an liegt, durften keine hohen Achterbahnen gebaut werden. Eingeweiht wurde der Park vom heutigen Papst Franziskus.

Tierra Santa, Rafael Obligado 5790, www.tierrasanta.com.ar, AR$ 130, (Einlass bis 2 Std. vor Schließung)

13. Kaffee, Kunst und Bummeln in San Telmo

San Telmo war einst das Wohnviertel der Wohlhabenden, doch als diese 1871 von einer Gelbfieberepidemie in die Flucht geschlagen wurden und lieber in den Norden der Stadt zogen, übernahmen Immigranten die großen Häuser mit den schönen Hinterhöfen. Das Kolonialstilviertel wird sonntags zur Fußgängerzone: Es wird Tango getanzt, Antiquitätenhändler und Straßenverkäufer bauen ihre Stände auf, an vielen Ecken spielen Musik-Combos. Das Epizentrum des Viertel ist die Plaza Dorrego (Estados Unidos, Ecke Defensa). Einen Besuch wert ist die Pasaje Defensa (Defensa 1179), eine typische "casa chorizo" aus dem Jahr 1880, mit mehreren Hinterhöfen, in denen heute Händler Kunterbuntes verkaufen. Nur zwei Straßen entfernt, liegt der schönste Markt des Viertels, el Mercado de San Telmo (Defensa 961). In der traditionellen Markthalle aus dem Jahr 1897 gibt es neben Nahrungsmitteln auch Kitsch und Antiquitäten zu kaufen. An der Ecke San Juan und Defensa gibt es einen Museumskomplex, in dem besonders das Museo de Arte Contemporáneo (www.macba.com.ar) einen Besuch lohnt. Am Parque Lézama liegt ein Klassiker, die Café-Bar El Británico. Im Malwinen-Krieg – so heißt der Falkland-Krieg in Argentinien - wurde das Café in "Tanico" umgenannt, sonst wären die Kunden ganz sicher weggeblieben (Brasil 399).

14. Zum Abschied nach Almagro

Im Boliche de Roberto (Bulnes 331) ist die Zeit stehen geblieben: Auf den alten Flaschen im Regal liegt ein bisschen Staub, abends wird Tango gesungen. Das Lokal aus dem Jahr 1893 ist eins der wenigen, in denen sich seit vielen Jahren nichts geändert hat. Nach dem Feierabendbier im Boliche de Roberto ist es nicht weit bis zur Catedral: An den meisten Tagen gibt es hier ab 22 Uhr Tangounterricht in einem alternativen Ambiente, danach dann Milonga (Tangotanz für alle), sonntags auch Folklore. Aber man kann auch einfach auf einem der vielen Second Hand-Sofas sitzen und das vegane Essen testen (Sarmiento 4006, www.lacatedralclub.com).

36 Stunden in Buenos Aires

Bibelstunde im Freizeitpark: In dem religiösen Themenpark Tierra Santa wird die biblische Geschichte nacherzählt, teilweise auf sehr skurrile Art

SCHLAFEN

La Casita

Familiäre Pension in einem Kolonialstilgebäude. Besonders Tangoliebhaber werden sich hier wohl fühlen, da die Betreiber in der Tangowelt fest verankert sind. Extra-Raum für Tanzunterricht. Zimmer mit und ohne Bad.

Cochabamba 286, San Telmo, Tel. 0054-114307 5073, www.lacasitadesantelmo.com

Miravida Soho Hotel & Wine Bar

Wer ein Boutique-Hotel mit persönlicher Atmosphäre sucht, ist hier gut untergebracht. Nicht ganz billig – dafür im Herzen Palermos und geleitet von einem deutschen Paar.

Darregueyra 2050, Tel.0054-114774-6433, www.miravidasoho.com

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