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Für verschiedene Anwendungsbereiche gibt es eine Vielzahl von Zelten die sich außer in Größe und Gewicht hauptsächlich in ihrer Form und Konstruktion sowie dem verwendeten Material voneinander unterscheiden.

Um Hilfestellung bei der Zeltauswahl zu geben, gibt es diesen Tipp bzw. "Zeltberatung":

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  • visufix (RP) 04.06.08

    Zeltberatung

    Zeltinfo:
    Für verschiedene Anwendungsbereiche gibt es eine Vielzahl von Zelten, die sich außer in Größe und Gewicht hauptsächlich in ihrer Form und Konstruktion sowie dem verwendeten Material voneinander unterscheiden.
    In der Sparte „Leichtgewichtzelte“, also mobile Behausungen, die ideal für den Transport im Rucksack, auf dem Fahrrad oder im Boot sind, haben sich Tunnelzelte, Kuppelzelte, Geodätzelte und Mischformen aus diesen Dreien durchgesetzt.

    Auch in der Rubrik „Familienzelte“ bzw. „Großraumzelte“ setzen sich diese Bauformen immer mehr durch und lösen die klassischen Hauszeltkonstruktionen mit schweren Stahlgestängen und aufwändiger Aufbauprozedur ab.

    Darüber hinaus unterscheidet man zwischen „Quer- und Längsschläfern“. Beim Querschläfer ist der Eingang seitlich des Schlafenden, beim Längsschläfer am Kopf- und/oder am Fußende. Für fast alle Einsatzbereiche ist das Doppelwandzelt ideal. Diese bestehen sowohl aus einem luft- und feuchtigkeitsdurchlässigen Innenzelt als auch aus einer wasserdichten Außenhaut und hat den Vorteil eines angenehmen Innenraumklimas, da sich Kondensfeuchtigkeit an der Innenseite des Überzeltes niederschlägt und nicht am Innenzelt kondensiert.

    Die Zeltformen und ihre Vor- und Nachteile:
    Kuppelzelte:
    Das klassische Kuppelzelt ist eine 2-Bogen-Kreuzkuppelkonstruktion, meist mit integrierter Apsis. (Apsis = Wölbung/Bogen, im Zeltkontext = Vorraum). Kuppelzelte mit integrierter Apsis sind meist freistehend, müssen gegen Wind und zur Erhöhung der Stabilität aber trotzdem abgespannt werden. Das Haupteinsatzgebiet liegt in Regionen mit ständig wechselnder Windrichtung und schlechten Abspannmöglichkeiten. Durch die stabile Grundkonstruktion vertragen Kuppelzelte auch eine relativ hohe Schneelast. Der nutzbare Innenraum ist im Vergleich zu einem Tunnelzelt etwas kleiner, da alle vier Seitenwände flacher abfallen.

    Tunnelzelte:
    Sie bieten von allen Zeltformen das beste Verhältnis von Außenfläche zu nutzbarer Innenfläche, da die Zeltseitenwände in sehr steilem Winkel nach oben verlaufen, und sind vergleichsweise leicht. Sie sind im Regelfall ganzjährig einsetzbar, schnell aufzubauen und bieten in Längsrichtung sehr hohe Windstabilität.
    Gerade Modelle mit vergrößerter Apsis bieten viel Komfort auch bei schlechter Witterung.
    Generell benötigen Tunnelzelte aber mehr und besser fixierte Abspannmöglichkeiten. Dies kann je nach Untergrund problematisch sein. Besonders bei Seitenwind sind exakte und sicher gesetzte Sturmabspannpunkte wichtig, da durch die steilen Seitenwände ein sehr hoher Windwiderstand entsteht.


    Geodät:
    Geodätische Konstruktionen sind Zelte, bei denen durch den Einsatz mehrerer Gestängebögen und Kreuzungspunkte eine sehr stabile Grundlage geschaffen wird. Sie sind dadurch schwerer und etwas umständlicher aufzubauen, bieten aber maximale Festigkeit.
    Entscheidend ist dabei die Fläche in möglichst viele Dreiecke aufzuteilen. Aus Gewichtsgründen ist man bestrebt, nicht unnötig viele Gestänge zu verarbeiten. Oft findet man die klassische Kreuzkuppelkonstruktion und zwei zusätzliche Gestänge, die das Grundgerüst umschließen und stabilisieren. Ein gut konstruiertes und sauber abgespanntes geodätisches Zelt ist bei Sturm oder hohen Schneelasten stabiler als andere Zelttypen.

    Mischformen:
    Um die jeweiligen Vorteile der oben aufgeführten Konstruktionen in sich zu vereinigen oder spezifische Anforderungsprofile optimal abzudecken gibt es zahlreiche Mischkonstruktionen aus Kuppel- Tunnel- und Geodätformen.

    Unterschiedliche Aufbauweise: [europäische kontra amerikanische Bauweise]
    Unter europäischer Bauweise versteht man Zelte, bei denen entweder das Innen- und Außenzelt gemeinsam aufgebaut werden oder erst das Außenzelt, in welches das Innenzelt eingehängt wird [pitch outer first].
    Dies bietet den Vorteil, dass auch bei Aufbau im Regen das Innenzelt trocken bleibt. Es ist allerdings nicht bei allen Zelten möglich nur das Innenzelt separat aufzustellen. Gerade bei Reisen in tropische oder sehr warme Regionen ist dies oft wünschenswert, da das dichte Überzelt die Luftzirkulation beeinträchtigt und eine dünne Schutzhülle zur Wahrung der Intimsphäre und als Barriere gegen Krabbeltiere ect. oft ausreicht.

    Bei der amerikanischen Bauweise ist es umgekehrt [pitch inner first]. Das Innenzelt wird aufgebaut und ein Überzelt anschließend darüber gespannt. Dadurch steht die Außenhaut unter höherer Spannung und ein geräuschvolles und oft nervendes Flattern im Wind ist nicht so stark ausgeprägt. Das Innenzelt steht bei dieser Art von Zelt zwangsläufig auch alleine und bietet somit einen Vorteil bei Hitze. Bei starkem Regen hingegen ist das Innenzelt oft schon feucht bevor das Außenzelt darüber befestigt ist.

    Materialkunde:

    AUßENZELTMATERIAL:

    Polyester:
    Polyester (PE) ist ein leichtes Gewebe, das sich bei Nässe nicht dehnt und reiß- und scheuerfest ist. Im Gegensatz zu anderen Materialien flattert es im Wind und erzeugt störende Geräusche. Die erreichte Endstabilität ist nicht so hoch wie bei speziellen Nylonarten.

    Polyamid:
    Polyamid (Nylon) ist sehr leicht, reiß- und scheuerfest, dehnt sich jedoch bei Nässe, was wiederum ein Nachspannen erforderlich macht. Außerdem ist es gegenüber anderen Materialien empfindlicher gegen UV-Strahlen. Diese grundsätzlichen Probleme werden durch entsprechende Verarbeitung und Ausrüstung der Gewebe (Rip-Stop-Nylon, UV-Stabilisatoren, doppelseitige Beschichtungen) bei hochwertigen Zelten vermindert.


    INNENZELTMATERIAL:

    Baumwolle:
    Baumwolle und ähnliche Mischgewebe werden kaum noch verwendet, da sie zuviel Feuchtigkeit aufnehmen, schwer sind und die Gefahr der Schimmelbildung zu hoch ist.

    Nylonstoffe:
    Moderne Nylonstoffe sind leicht, nehmen kaum Feuchtigkeit auf und sind sehr luftdurchlässig. Es besteht außerdem die Möglichkeit, diese Materialien (kurzzeitig) nass zu verpacken. Die Kunst besteht darin, einen Kompromiss zwischen der Luftdurchlässigkeit und der wasserabweisenden Eigenschaft zu finden. Zum einen muss das Gewebe soviel Luftfeuchtigkeit wie möglich nach außen lassen, zum anderen die vom Außenzelt heruntertropfenden Kondenswassertropfen nicht durchlassen.

    Meshmaterial:
    Gerade bei Zelten für den reinen Sommereinsatz ist das Innenzelt oft großflächig mit Moskitonetzen versehen. Diese fördern auf natürliche Weise die Luftzirkulation. Bei Herbst- oder Wintereinsatz ist darauf zu achten, dass alle grobmaschigen Netzbereiche verschließbar sind, da sonst Triebschnee oder kalter Wind ins Zeltinnere gelangt.

    Zeltbeschichtungen:

    Die Notwendigkeit einer Beschichtung des Außenzelts ergibt sich aus der geringen Wasseraufnahmekapazität von Kunstfasern, die nur max. 5% des Eigengewichts an Wasser aufnehmen und nicht quellen können. Ohne Beschichtung würde schnell Wasser durch das Gewebe dringen und nach innen tropfen.

    Polyurethan:
    Polyurethan (PU): PU besitzt eine hohe Stichfestigkeit und wird deshalb auch häufig als Beschichtung des Bodens verwendet. Bei Kälte bleibt diese Beschichtung weich und geschmeidig, schwächt jedoch das Trägermaterial und sollte deshalb nur dünn aufgetragen werden, wenn es als Außenzeltmaterial verwendet wird. Nähte können gut mit Bändern, ähnlich einem Klebestreifen versiegelt werden, und sind somit dauerhaft dicht. PU Beschichtungen sind im Vergleich zu Silikon UV-empfindlicher und schwerer. Sie verlieren bei Sonnenbestrahlung schneller an Elastizität und werden spröde.

    Silikon:
    Silikon erhöht die Reißfestigkeit des Trägerstoffes, weist eine sehr gute UV-Beständigkeit auf und ist zugleich sehr elastisch und vor allem dauerhaft. Da sich silikonisierte Gewebe nicht tapen lassen, muss das Außenzelt besonders sorgfältig vernäht werden. Einige Hersteller verwenden hier bei Nässe aufquellende Fäden, die die Nahtlöcher bei Regen somit abdichten. Bei Bedarf kann man die Nähte zusätzlich mit Silikonabdichter behandeln. Bei der Silikonisierung unterscheidet man zwischen Silikonbeschichtung [Top-Zelte haben z.B. eine beidseitige Dreifach-Silikon-Beschichtung] und der günstigeren, aber nicht so haltbaren Silikonimprägnierung.

    Wassersäule:
    Die Wassersäule (WS) ist ein Wert, der über die Dichtigkeit eines Gewebes Auskunft gibt. Unter einem Messzylinder werden 10 cm2 Stoff gespannt und der Zylinder mit Wasser gefüllt. Der Grenzwert, bei dem das Wasser beginnt, sich tröpfchenweise durch das Material zu drücken, bezeichnet die WS. Nach DIN-Norm gilt ein Material mit einer WS von >1500mm als wasserdicht. Durch punktuelle Druckbelastungen (z.B. beim Einsteigen ins Zelt) kann ein höherer Belastungswert erreicht werden. Der Boden sollte deshalb >5000mm aufweisen. Beim Außenzelt entsteht kein so hoher Druck. Egal, ob beim Boden oder bei der Außenhülle:
    viel entscheidender als eine hohe Wassersäule ist die Festigkeit des Gewebes und seine Alterungsbeständigkeit!

    Gestänge:
    Gestänge aus Glasfasern oder Stahl scheiden für rucksacktaugliche Zelte aus. Stahl ist zu schwer und Fiberglas zu bruchanfällig. Für ein vernünftiges und langlebiges Zelt kommen daher grundsätzlich nur Aluminiumgestänge in Frage.
    Das Gestänge wird dabei in steckbare Segmente, die durch eine Gummischnur verbunden sind, unterteilt, so daß man ein kleines Packmaß erhält.

    Damit die Stangen leichter durch die Gestängekanäle rutschen, liegen die Verbindungshülsen auf der Innenseite. Noch gewichtsoptimierter sind Featherlight-Stangen: hier wird das Alu gezogen, damit sich ein Ende verjüngt und in das Ende der nächsten Stange passt.

    Aluminiumstangen werden in unterschiedlichen Qualitäten gefertigt. Typische Gestänge sind z.B. 6061-T6 oder 7075-T9. Die T-Bezeichnungen der Wärmebehandlung reichen dabei von T1 [weich/flexibel] bis T10 [hart/starr]. Die 6000er oder 7000er Bezeichnung steht für die verwendete Legierung. Gestänge aus dem mittleren bis oberen Preissegment werden eloxiert oder beschichtet, damit das Aluminium vor Witterungseinflüssen weitestgehend geschützt wird. Des Weiteren rutscht das Gestänge durch diese Oberflächenbehandlung besser durch die Gestängekanäle und klebt bei eisigen Temperaturen nicht so schnell an der Haut. Im Falle eines Bruches kann bei Aluminium entweder eine Reparaturhülse über die defekte Stelle geschoben oder aber das ganze Segment ausgetauscht werden. Zeltgestänge brechen übrigens nicht wie oft angenommen im Sturm, sondern eher durch grobe Handhabung oder beim Transport.

    Kondensation und Lüftung:
    Kondensfeuchtigkeit ist in einem Zelt praktisch nicht vermeidbar.
    Sie entsteht wenn Luftfeuchtigkeit am kälteren Außenzeltstoff kondensiert. Das passiert besonders bei niedrigen Außentemperaturen.
    Kondensation entsteht bzw. wird verstärkt durch ausgeatmete Luft, Kochen im Zelt, feuchte Kleidung und aufsteigende Bodenfeuchtigkeit [wenn das Zelt über eine Apsis verfügt, sollte der Boden deshalb abgedeckt werden]. Die effizienteste Abhilfe gegen Kondensation ist eine gute Durchlüftung. Deshalb ist die Anzahl, Größe und Anordnung der Lüfter sehr wichtig. Ideal sind weit oben angebrachte Lüfter, da feuchtwarme Luft aufsteigt. Dabei ist ein leichter Durchzug hilfreich, also sind die Lüfter idealerweise vorne und hinten in Deckennähe platziert. Bei hohen Temperaturen ist es sinnvoll das Außenzelt nicht ganz bis zum Boden abzuspannen, um auch im unteren Bereich die Zirkulation zu ermöglichen. Für den Einsatz im Winter, Hochgebirge oder in der Wüste sollten die Lüfter komplett verschließbar sein, um bei Sturm das Eindringen von Schnee, Sand oder Staub zu verringern. Hier sind auch Außenzelte, die bis zum Boden reichen, wichtig.

    Heringe:
    Zum Abspannen benötigt man gute Heringe in unterschiedlichen Bauformen. Je nach Bodenbeschaffenheit kann dann die passende Art gewählt werden.
    Bewährt haben sich v- oder u-förmige Zeltheringe aus Aluminium in unterschiedlichen Längen. Praktisch sind Modelle mit einer kleinen Schlaufe auf der Oberseite, um den Hering wieder aus dem Boden zu ziehen. Für den Zelteinsatz im Winter oder auf stark sandigen Böden braucht man dagegen spezielle Winterheringe bzw. Sandheringe mit größerer Fläche oder kleine Säckchen, die mit Sand oder Schnee gefüllt werden.

    VIEL SPASS BEIM ZELTEN!!!

    © by Martin Böhm

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