Feldberger Seenlandschaft

Reisebericht

Feldberger Seenlandschaft

Reisebericht: Feldberger Seenlandschaft

Eine urwüchsig, faszinierend, unberührte Schönheit in Mecklenburg Vorpommern

Schäfer Heino Hermühlen mit seiner Herde im Hul...



Mona Lisa und Heino rackern auf ihrem Hof von morgens bis abends. Nur freitags, im Sommer, da zieht der engagierte Schäfer mit einigen seiner Tiere über Feld und Flur und lässt interessierte Naturfrischler an seiner Arbeit Teil haben. Und so strahlen die Augen von Heino Hermühlen, als er etwas weiter vor uns an diesem frühen sonnigen Freitag von seiner Weide auf die schmale Straße einschwenkt und uns sieht. Hütehund Horst läuft eng neben ihm und passt genau auf. Dahinter trippeln auf Kommando 50 Mutterschafe und 60 munter blöckende Ziegen im Gleichschritt auf unsere kleine Gruppe zu, die hier auf einem kleinen Waldparkplatz im Hullerbusch auf diese muntere Truppe wartet. Im Naturpark Feldberger Seenlandschaft auf einer Hochebene mit mächtig altem Buchenwald zwischen den steilen Uferhängen des Zansen und des Schmalen Luzin möchte der Schäfer heute seinen großen und kleinen Urlaubsgästen ein besonderes Naturvergnügen vermitteln. Will ihnen zeigen, wie er mit seinen Tieren Landschaftspflege hier auf dem kargen Sandboden der Kuppen und Senken einer Endmoräne betreibt. Dazu geht es dann nach einer herzlichen Begrüßung und einer informativen Einleitung auf die Misthaufenwiese. Die hat er ganz einfach so genannt, weil sich auf dieser riesigen, hügeligen Fläche sein Misthaufen befindet. Und auf dieser Fläche machen sich seine rauwolligen Pommerschen Landschafe über duftendes Ferkelkraut, Mäuseklee, Grasnelken, Natterkopf und vielen anderen Leckereien her, während seine Ziegen die weiter gelegenen Sträucher von Knospen und Blättern befreien. „Dort holen die sich ihr Eiweiß und ihre Energie.“ Und, „auf diese Art,“ so der Schäfer weiter, „können sich die Sträucher nicht weiter ausdehnen und ungewollt zu einem Wald heran wuchern und die schützenswerte Flora verdrängen.“ Später, Heino Hermühlen weiß eine Menge zu erzählen, bekommen dann die Kleinen auf einfache Weise gezeigt, wie vor Urzeiten Garn gesponnen wurde. Irgendwann auf dieser Exkursion holt der Schäfer seine Schaperpei, seinen Dudelsack heraus und alle folgen seinen Klängen. Ein bisschen erinnert mich dieses lustige Bild an den Rattenfänger von Hameln.



Der Naturpark Feldberger Seenlandschaft ist 345...

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Einige entspannte Urlaubstage sind es nun schon her, dass wir mit dem Wagen über Berlin nach Mecklenburg Vorpommern angereist sind. Haben hier in der östlichen Mecklenburger Seenplatte riesige, menschenleere Buchenwälder durchstreift und sind dabei auf so manchen tief eingeschnittenen See gestoßen.



Abendstimmung auf der Feldberger Seenklandschaf...



In deren Nähe finden wir kleine, von der Zeit verschlafene Dörfchen und idyllisch gelegene Gasthöfe, die vor sich hin träumen. Hier thront nicht hinter jeder Kurve ein Baumarkt, eher windet sich eine mächtige Baumallee, winkt ein handgeschriebenes Schild „Streuselkuchen“ oder „Eis und Honig“ dem Urlaubsgast. Ein für uns erholsames Naturspektakel, für das wir uns geruhsame zwei Wochen Zeit genommen haben.



Idyllisch gelegenes Hotel Hullerbusch auf der F...

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Zeit, die wir auch gerne hier im riesigen Park unseres stilvoll kleinen Hotels, einer klassizistischen Villa, im Hullerbusch auf einem Liegestuhl verbringen. Inmitten sorgfältig gekennzeichneter, riesig alter Fichten und Douglasien, Tulpenbäume, Kastanien und Pyramiden-Stileichen finden wir unsere Ruhe.



Haus des Schriftstellers Hans...

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Literarisch verewigt hat den Hullerbusch in seinem Buch „ Heute bei uns zu Hause“ der Schriftsteller Hans Fallada, der im benachbarten hübsch aufgeräumten Örtchen Carwitz von 1933 bis 1944 gewohnt und viele seiner berühmten Romane geschrieben hat. Und er hat dort nicht nur seine literarische Arbeit getan, sondern auch nach dem Krieg die Geschicke des zentralen Ortes Feldberg für einige Zeit als Bürgermeister gelenkt.



Europas einzigartige, von Hand getriebene Seilf...

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In diesem hübschen Feldberg bin ich an einem dieser Nachmittage mit dem alten Fährmann Michael Karzikowski verabredet. Vor zwei Jahren hat er seinen Beruf an den Nagel gehangen und seine kleine Fähre verkauft an Thomas Voigtländer, nachdem der „Einzelgänger“, wie er sich selbst beschreibt, fast drei Jahrzehnte Europas einzigartige, von Hand getriebene Seilfähre auf dem See Schmaler Luzin von Feldberg hinüber nach Hullerbusch betrieben hat. Noch gut erinnert er sich daran, wie er zu tiefster DDR-Zeit alle Baumaterialien für ein Bootshaus und auch für die Seilfähre herangeschleppt hat. Wie dann nach der Idee eines befreundeten Bergbauingenieurs ein örtlicher Baumeister dieses Unikat anfertigte, mit dem er dann „von einem Ufer zum anderen gegondelt“ ist, wie er sympathisch lachend erzählt. Er spricht aber auch davon, wie er im Vorfrühjahr und späten Herbst mit der Einsamkeit zurecht kommen musste. Und dass man ihn manchmal ungläubig gefragt habe, ob er kein Geld für einen Motor habe. „Die haben das Flair dieser Fähre gar nicht erkannt. Das macht das Urwüchsige doch erst in dieser menschenleeren Gegend aus. Es wäre schlimm, wenn da so ein Tuck Tuck hin und her führe.“ Und das in einer Gegend, die keine Mobilfunkmasten, keine Hotelkästen und keine Autobahnbrücken kennt, sondern unberührte Buchenwälder und seltene Vogelarten. Eine Landschaft, die viel zu schade ist, als dass man sie mit dem Auto durchfährt. Sie will vom Wasser aus erkundet werden.



Mit Fred Bollmann, einem ehemaliger Ranger aus ...



Fred Bollmann, ein kerniger Typ, ehemaliger Ranger aus Feldberg, bietet genau so etwas an. Er hat sich auf Naturexkursionen und Adlerbeobachtungen spezialisiert. Mit ihm beobachten wir mit dem Fernglas vom Boot aus einen der seltenen Seeadler. Das scheue Tier sitzt auf seinem Horst hoch oben in einer Baumkrone, während die beiden flüggen Jungtiere ein paar Baumkronen weiter sitzen und laut schreiend von den Alttieren ihr Futter einfordern, so dass wir es selbst hier im weit entfernten Boot vernehmen können. Und dann wird es spannend. Der Vogelkundler wirft unter lauten Pfeifrufen einen dicken toten Fisch weit hinaus ins Wasser. Aber der Seeadler rührt sich nicht von seinem Horst. Also wird der Fisch wieder eingesammelt und darauf gewartet, dass keine Boote im Umkreis mehr zu sehen sind, die das scheue Tier anscheinend stört.



Einer der seltenen, scheuen...

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Nach langem Warten, wir sind mittlerweile alleine auf dem See, beginnt das Spiel ein paar Mal von neuem. Und dann das unbeschreibliche Erlebnis. Aus einer anderen Baumkrone erhebt sich majestätisch mit erhabenen Schwüngen ein Seeadler und zieht im Gleitflug mit seinen mächtigen Flügeln bei einer spannweite von guten zweieinhalb Metern hoch über uns hinweg, bevor er umdreht und gegen den Wind schnell an Höhe in Richtung des Fisches verliert. Dabei hat er schon seine messerscharfen Krallen für uns gut sichtbar ausgefahren. Und mit einem Schlag hebt er den dicken, schweren Fisch blitzschnell aus dem Wasser und mit leichten Flügelschlägen gleitet der König der Lüfte davon. Davon in eine urwüchsige, faszinierend unberührte Schönheit.

Gerd Krauskopf



Infos:


Anreise:
Wir sind über Berlin gefahren. Dort über den Berliner Ring (A10) geht es ab dem Kreuz Oranienburg auf der B96 bis Fürstenberg, weiter über Lychen bis Feldberg.



Feldberg mit dem Haussee

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Die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft mit 9 Hauptseen und vielen Wasseraugen wurde 1999 gegründet. Sie umfasst eine Fläche von rund 200 qkm und ist damit die flächengrößte Kommune in Mecklenburg Vorpommern. Der umgebende gleichnamige Naturpark ist 345 qkm groß. Hier wird Kulturlandschaft erhalten und sanfter Tourismus betrieben.



Die Luzinfähre in Feldberg ist...

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Die Luzinfähre in Feldberg ist eine der letzten handbetriebenen Seilfähren Europas und verbindet das Feldberger Ufer des Schmalen Luzin mit dem Ufer im Hullerbusch. Thomas Voigtländer betreibt auch einen Bootsverleih, Tel.: 039831/52877 www.luzinfaehre.de



Unterkunft: Viele schöne Hotels zeichnen sich durch romantisches Ambiente aus. Preiswerte Pensionen sind überall zu bekommen.



klassizistische Villa...

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Wir haben stilvoll in der klassizistischen Villa Hullerbusch, einem kleinen Haus mit Charme, gewohnt. Preise: Ab 32,50 €/Person mit Frühstück. 17258 Feldberger Seenlandschaft, Tel.: 039831/20243, www.hotel-hullerbusch.de, Email:
info@hotel-hullerbusch.de



Kaffee und Tee zelebriert Hannelore Sondermann mit Hingabe in ihrem Landhaus Stöcker, Strelitzer Straße 8, 17258 Feldberger Seenlandschaft, Tel.: 039831/2710, www.landhaus-stoecker.de



Lifemusik in Carwitz und Feldberg

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Lifemusik: In der „Alten Scheune“ Carwitzer Straße 33, Carwitz, Tel: 039831/20992 und im „Abendsegler“, Strelitzer Straße 4, Feldberg, Tel: 039831/22234, www.abendsegler.com



Schäfer Heino Hermühlen mit...

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Schäferei Hullerbusch: Heino Hermühlen, Hullerbusch 2, 17258 Feldberger Seenlandschaft, Tel.: 039831/20006, www.schaeferei-hullerbusch.de



Der ehemalige Ranger Fred...

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Mit dem Ranger Adler beobacheten: Fred Bollmann, Erfurthstraße 7, 17258 Feldberg, Tel.: 039831/22174, mobil: 0171/7920594, www.ranger-tours.de, Email: info@ranger-tours.de



Reiseführer für unterwegs:
„Polyglott on tour“ Mecklenburg-Vorpommern mit flipmap.

Weitere Informationen:
Touristinformation/Kurverwaltung Feldberger Seenlandschaft, Strelitzer Str. 42, 17258 Feldberger Seenlandschaft, Tel.: 039831/2700, Email: willkommen@feldberg.de


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Kommentare

  • mimare

    Mir gefällt die Kombination aus wirklich gelungenen Fotos und den dazugehörigen Bildern. Gerd Krauskopf hat eine echte Leichtigkeit in der Kombination von Foto, Menschen und Geschichten

  • fischkopp

    Im Feldberger Umfeld gibt es auch Geologie zum anfassen. Dort ist ein Endmoränenbogen, der Feldberger Lobus. Südlich von Hullerbusch ist eine ehemalige Minikiesgrube, jetzt als Aufschluss erhalten. Nördlich ist bei Wittenhagen gibt es einen geologischen Wanderpfad, u.a. mit Steinpackungen, deren natürliche Bildung man gar nicht glauben mag. Dazu gibt es zahlreiche Findlinge, z.B. im Findlingsgarten bei Carwitz oder am Wanderweg zu den "Heiligen Hallen", 300 Jahre alten Buchen, vom Herzog schon vor 170 Jahren unter Naturschutz gestellt. Als Schmankerl ein Findling mit dem deutlichen Abdruck der Hand des Teufels. Kurz, für den der Augen hat, gibt es Unmengen zu sehen.

  • widix

    Ein hervorragend geschriebener Reisebericht, der die Landschaft und die Ausflüge hautnah miterleben lässt. Außerdem ist ein Foto schöner als das andere. Vor 1 1/2 Jahren waren wir mit dem Wohnwagen ebenfalls in Mecklenburg Vorpommern im Urlaub und haben auch die Feldberger Seenplatte besucht. Es ist dort wirklich wunderschön und der Bericht kann dies sehr gut vermitteln.

  • u18y9s26

    Wunderschön zu lesen, die Fotos eine Augenweide, ein Grund das Reiseziel fürs kommende Jahr festzulegen. Wir würden gern direkt am See wohnen mit Möglichkeit zum Baden, Boot fahren und Beobachten der noch nicht vom Tourismus gestörten Natur. Vielleicht gibt es Tipps für komfortables Wohnen an einem der vielen Seen der Feldberger Seenplatte.

  • A1B2CC

    Das ist ein schöner und wirklich angenehmer Bericht. Ich kenne die Gegend und da entwickeln sich wieder Gedanken, dort mal wieder hin zu fahren. Paddeln ist dort auch sehr schön. Hast Du ganz toll gemacht!!! LG Christian!!

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