Ecuador und Galapagos - ohne Reiseveranstalter

Reisebericht

Ecuador und Galapagos - ohne Reiseveranstalter

Reisebericht: Ecuador und Galapagos - ohne Reiseveranstalter

Drei Wochen Individualreise mit Rucksack und ohne Veranstalter in Ecuador. Es beginnt in der Hauptstadt Quito, geht weiter im Hochland mit der Besteigung des Chimborazo, dann Whale-Watching an der Küste, zum Schluss 9 Tage auf Galapagos inkl. einer 4-Tage-Kreuzfahrt.

Seite 1 von 3
09.09.2007

Anreise nach Quito, Akklimatisieren in der Höhe

Der Gipfel des Cotopaxi

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Diesmal hat es mich nach Ecuador verschlagen, ein kleines Land etwa so gross wie die alte BRD ohne die DDR. Freitagmorgen um 9 Uhr flog ich mit Continental Airlines von Hamburg aus los. Meine Lieblings-Airline wird Continental wohl nie wrden, es ist halt eine US-amerikanische, da ist der Service nicht so dolle. Aber mit 770 Euro waren sie halt unschlagbar guenstig. Beim 1. Flug fiel auch prompt die Audio-/Videoanlage aus :-(

Nach 8 Stunden Flug kam ich in New York (Newark) an, wo ich 2 Stunden Zeit zum Umsteigen, Pass- und Zollformalitaeten, Gepaeck entgegennehmen und wieder abgeben und zum Abflug-Gate laufen hatte. War aber alles schon nach einer Stunde beendet, so dass ich mich noch in den Shops umsehen konnte und mich aergerte, gerade erste eine neue Digi-Cam gekauft zu haben, obwohl sie hier viel guenstiger gewesen waere. Der Flug nach Houston dauerte dann knapp 4 Stunden, dort waren wieder 2 Stunden Zeit zum Umsteigen, in denen ich eine Studie ueber die Amis anfertigte:

Mehr als 50% der dort anwesenden Amis sind uebergewichtig. Einige laufen in einem Outfit rum, damit wuerde sich in Europa niemand auf die Strasse wagen. Fuerchterlich! An einem mexikanischem Fast-Food-Stand (Burrito del Sol) wollte ich mir ne Kleinigkeit zu Essen holen, doch die zwei Mitarbeiter dort brachten zusammen bestimmt 250 Kilo auf die Waage, das hat abgeschreckt, da hab ich's dann lieber gelassen mit dem Essen. Ach ja, der Airport in Houston heisst George Bush International. Dass ueberall Bilder und eine ueberlebensgrosse Statue vom alten Bush haengen/stehen, kann man ja noch verschmerzen, aber dass man ueberall mit Monitoren, auf denen das Programm von Fox News (in mindestens jedem 2. Satz kommt 'President Bush' vor) laeuft, belaestigt wird, grenzt schon an die Methoden von Dr. Mabuse. Naja, nach 2 Stunden war der Horror vorueber und in 5 Stunden ging es dann nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors.

Wer jetzt addiert hat, kommt auf insgesamt 21 Stunden von Abflug in HH bis Ankunft in Quito, also waere ich am Samtagmorgern um 6 Uhr in Quito. Durch die 7-stuendige Zeitverschiebung war es aber erst 23 Uhr am Freitagabend. Ich war natuerlich hundemuede. Claudia, die schon seit einer Woche in Quito war und dort in einem Sprachkurs ihr Spanisch aufbesserte, holte mich am Flughafen ab und wir fuhren mit einem Taxi zu einem Hostal, wo ich totmuede ins Bett fiel.

Quito liegt knapp 3 km ueber dem Meeresspiegel, die Sorge, deshalb schlecht schlafen zu koennen, bewahrheitete sich zum Glueck nicht. Am Samstagmorgen schauten wir uns erst einmal die Innenstadt (Mariscal) an, nachmittags fuhren wir mit einem Linienbus (1 Stunde) zum Aequator. In einer kleinen Gruppe machten wir bei lustigen Experimenten mit. Dass das Wasser auf der Suedhalbkugel im Uhrzeigersinn und auf der Nordhalbkugel entgegengesetzt ablaeuft, konnte man vielleicht ja schon wissen, aber dass das sogar nur 2 Meter vom Aequator entfernt so ist, war schon irre. Dann der Versuch mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen auf der Aequatorlinie zu balancieren. Unmoeglich! Man ist am Schwanken als waere man volltrunken. Und Claudia hat auch noch alles auf Video aufgenommen. Peinlich! Am Abend trafen wir uns dann in einem In-Restaurant mit Frohmut, Jens und Carina, die alle waehrend der letzten Woche mit Claudia Spanisch gelernt hatten. Es war ein lustiger Abschiedsabend fuer Claudia.

Naechste Woche moechten wir (eigentlich vor allem ich) auf den 6300 m hohen Chimborazo rauf kraxeln. Dazu braucht man eine gute Hoehenanpassung. Da Quito von Bergen umgeben ist, wollten wir am Sonntag ein bisschen in den Bergen herumlaufen. Zu dem Berg, wo die ganzen Telefonmasten drauf stehen, haben die Quiteños eine Seilbahn hinauf gebaut. Oben ist man 4100 m ueber dem Meeresspiegel und hat einen herrlichen Blick auf die Stadt.

Claudia und ich hatten uns mit kleinem Rucksack und winddichten Klamotten bewaffnet und sind von da aus etwa 3 Stunden den Pichincha etwas hinauf und wieder runter gegangen. Bei etwa 4600 m Hoehe hatten wir kehrt gemacht, das reichte fuers erste. Die duenne Luft hat uns kaum etwas ausgemacht, obwohl wir doch einige Male ganz schoen geschnauft haben. Nach einer kurzen Siesta im Hostal haben wir uns am spaeten Nachmittag noch die Altstadt Quitos (= Weltkulturerbe) angeschaut.

In diesem Urlaub haben wir kaum etwas durchorganisiert, wir wollen alles auf uns zukommen lassen und unabhaengiger sein. Daher wissen wir am Montagmorgen noch nicht, wo wir am Abend landen werden. Aber zunaechst muessen wir doch organisationstechnisch taetig werden. Die Galapagos-Kreuzfahrt am Ende des Urlaubs muss naemlich im Voraus reserviert werden. Wir laufen in vier verschiedene Reisebueros, einer Bank und dem Buero einer Fluggesellschaft (TAME) und brauchen insgesamt 5 Stunden, bis die Kreuzfahrt steht. Aber wir glauben, die Muehe hat sich gelohnt, wir werden jetzt die letzten 9 Tage auf Galapagos verbringen, 4 davon mit einer Kreuzfahrt :-)

Gegen Mittag checken wir dann im Hostal in Quito aus und lassen uns per Taxi zum Busbahnhof bringen, wo wir in einen Linienbus nach Latacunga steigen. Waehrend der 2-stuendigen Fahrt auf der Panamericana machen wir weitere Plaene. In Latacunga kaufen wir uns ein Busticket nach Zumbahua (sprich: Sumbahwah). In dem Bus (Fahrtzeit wieder 2 Stunden) sind fast nur Indigenas (suedamerikanische Indianer), der Bus ist auch im Gang proppevoll. Die Fahrt macht total Spass, die Indigenas schauen uns neugierig an und die Landschaft ist klasse. Kuz vor 19 Uhr als es schon dunkel ist kommen wir in Zumbahua an, eigentlich wollten wir uns hier eine Unterkunft suchen und morgen weiterfahren, doch schon beim Aussteigen werden wir gefragt, ob wir nicht noch nach Quilotoa weiter wollen. Claudia handelt den Preis runter, und eh wir uns versehen, liegt unser Gepaeck auf der Ladeflaeche eines Pick-Ups, und wir sitzen samt Fahrer vorne drinnen. Nach einer halben Stunde sind wir angekommen, wir beziehen ein Zimmer in einem Hostal und trinken noch einen Tee, bevor wir frueh schlafen gehen.

Die Nacht auf 3800 m Hoehe war nicht ganz so toll. Der starke Herzschlag haelt vom Schlafen ab. Naja, igendwie geht es dann doch. Beim Fruehstueck am Dienstagmorgen im Hostal (eigentlich ist es nur eine Huette, die von Indigenas betrieben wird) bot uns ein Pick-Up-Fahrer an, uns nach Chugchilan mitzunehmen. Ein franzoesisches Paerchen bei uns am Fruehstueckstisch moechte da auch hin, so das der Preis guenstiger wird. Wir willigen ein und packen geschwind unsere Tagesrucksaecke. Die Franzosen machen es sich auf der Ladeflaeche bequem, Claudia und ich steigen vorne ein. In Chugchilan machen wir uns auf eine 22 km lange Wanderung zuruck nach Quilotoa, von der der Lonely Planet sagt, 'one of the most exhilarating adventures in Equador'. Der Weg ist schwer zu erkennen, immer wieder fragen wir Einheimische nach dem richtigen Weg. Es geht zu Beginn ziemlich steil bergan, die Aussicht auf das Tal ist aber atemberaubend. Nach etwa 2 Stunden muessen wir uns entscheiden, ob wir den Weg rechts oder links weitergehen. Zum Fragen ist niemand da, und Schilder sind nicht aufgestellt. Wir treffen die falsche Entscheidung, bemerken unseren Fehler aber erst etwa 1 1/2 Stunden spaeter. Am Ende sind wir auf der Autopiste, auf der wir hergekommen waren :-( Das macht jetzt keinen Spass mehr, es kommt aber zunaechst kein Wagen, der uns mitnehmen koennte. Erst nach insgesamt 5:15 Stunden Wanderzeit kommt ein Pick-Up vorbei. Wir springen hinten rauf, nachdem Claudia mal wieder den Preis drastisch nach unten gehandelt hat :-) Wieder angekommen in Quilotoa trinken wir erst mal einen Tee und ruhen uns vom Laufen aus. Spaeter gibt's Dinner mit 20 weiteren Trekkern aus ganz Europa und Nordamerika in der Gemeinschaftshuette. Muede und erschoepft gehen wir frueh schlafen.

Am Mittwoch schauen wir uns nach dem Fruehstueck einen See in einem Vulkankrater dicht beim Hostal an. Dann fahren wir mit einem Pick-Up (diesmal aber drinnen) zurueck bis nach Latacunga, wo wir in einen Linienbus nach Ambato und spaeter nach Riobamba umsteigen. Dort suchen wir uns ein Hostal und gehen zu einem Tour-Veranstalter. Und wirklich - wir buchen eine Tour auf den Chimborazo! Ich haette nie gedacht, dass Claudia da wirklich mit rauf kommt. Wir probieren in dem Laden gleich die Ausruestung an. Wir bekommen Stiefel, Steigeisen, Gamaschen, Hosen, Jacken, Handschuhe, Faeustlinge, Muetze, Helm, Schlafsack, Eisaxt und Kletterausruestung. Morgen frueh um halb zehn morgens soll es schon losgehen. Bin mal echt gespannt, wie weit wir kommen, bin noch nie mit Steigeisen usw. im Eis geklettert.
Abends staerken wir uns im Steakhaus, dann schreibe ich noch geschwind diese E-Mail und traeume ueber Nacht bestimmt vom Klettern.



Laguna Quilotoa


Teilen auf

Kommentare

  • sfintu (RP)

    Hallo Bernie99!

    Guter Bericht. Hat mich sehr interessiert, weil ich nächstes Jahr selber nach Ecuador will. Habe gerade die Tage im Katalog des Reiseveranstalters "Wikinger-Reisen" geblättert. Der bietet eine dreiwöchige Reise für knapp 4.000 Euro an. Da hast du ja offenbar deutlich weniger bezahlt. Wie sieht's denn mit der Sprache aus? Kommt man zurecht, wenn man kein bzw. kaum Spanisch spricht?

    Gruß sfintu

  • bernie-99

    Hallo Rolf (oder sfintu), freut mich, dass dir der Bericht gefallen hat. Hab quasi nur drei E-Mails, die ich während des Urlaubs an die Daheimgebliebenen geschickt hatte, zusammengefasst.
    Reiseveranstalter haben den Vorteil, dass man sich um nichts kümmern muss. Eine Bekannte von mir hat das vor einem Jahr in Ecuador gemacht (auch drei Wochen), und war total begeistert. Ich glaub, die war auch mit Wikinger unterwegs gewesen. Ich denke, das muss man nach seinen persönlichen Vorlieben entscheiden.
    Etwas Spanisch zu können ist fast überall von Vorteil. Auf Galapagos braucht man es nicht, aber sonst eigentlich überall. Vor allem in den Hostals oder in den Bussen wird so gut wie kein Englisch gesprochen. Alleine und ohne Spanischkenntnisse hätte ich mich wahrscheinlich nicht nach Südamerika getraut. Ich hab mal drei Kurse gemacht, kann also auch nicht viel mehr als nach dem Weg fragen oder ein Zimmer im Hotel bestellen. Aber meine Freundin konnte es ganz gut und hatte die meiste Redearbeit übernommen.
    Wenn du noch was wissen möchtest, nur zu.
    Gruß
    Bernie-99

  • ruediger

    Hi Bernie, hast beim Tauchen auf Galapagos ganz schön Glück gehabt. So was ähnliches ist mir mit der Luft einmal vor Kuba passiert - leider in die andere Richtung. Bin dann am Oktopus meiner Tauchpatnerin zum Auftauchen gehängt ... seit damals habe ich auch einen Tauchcomputer.
    Super, dass du ein Fotos vom Hammerhai geschafft hast!
    Hast mir richtig Gusto auf eine Ecuador-Reise gemacht. LG Rüdiger
    PS.: Deine Frage habe ich beim Reisebericht beantwortet.

  • s.gerhard

    Das hört sich nach einem sehr schönen Urlaub an!

  • bernie-99

    Sorry, der Bericht ist beim Aufhübschen verloren gegangen. Wird versucht zu reparieren ...

  • bernie-99

    Habe den Bericht nun wieder neu eingestellt.

  • Tina_Torsten

    Ein toller Bericht. Die Tierwelt auf den Galapacos-Inseln muss fantastisch sein.

  • nach oben nach oben scrollen
  • Schimmi

    Hallo Bernie,
    ich bin gerade in der Planung eine Reise nach Ecuador zu machen und da bin ich dann auf Deinen Bericht gestoßen. Hast Du alles nett beschrieben. Ich war noch nie in dieser Region und bin somit völlig unerfahren. Ist das ein großes Problem, das mit der Höhe? Ich wollte im Oktober bzw. im November fahren. Was für Klamotten nimmt man da mit. Extreme Bergbesteigungen habe ich nicht vor. Im Übrigen werde ich mit einem Reiseveranstalter (wahrscheinlich AvenToura) fahren. Würde mich über ein paar Tipps freuen.

    Schönen Gruß,
    Alexander (schimmi)
    www.alschim.de

  • Segelfilmer.de

    Der Bericht ist echt gut. Habe ihn gleich einer Kollegin als Lektüre empfohlen. Sie wird dieses Jahr genauso eine Tour machen: Ecuador mit Galapagos-Kreuzfahrt.

    Liebe Grüße - Thomas (der Segelfilmer)

  • Jabba

    Hach, war das schön....ich habe mich vor 1 1/2 Jahren in dieses kleine Land völlig verliebt und es ist immer wieder schön, davon zu hören oder zu lesen. Da kehrt man sofort wieder in Gedanken an die Orte zurück, die man selbst besucht hat. Wir haben das zwar auch über Reiseveranstalter gebucht, allerdings das Glück gehabt, dass niemand sonst an dieser "Gruppenreise" teilnehmen wollte, wir den Reiseleiter exklusiv für uns hatten und wir somit nicht das Gruppenprogramm durchziehen mussten.
    Ja, Galapagos ist schon einmalig schön...aber ich persönlich habe mein Herz an das Hochland, an die Anden und seine Bewohner verloren. Und der Chimborazo war für mich DER Ort schlechthin!

  • freeneck-farmer

    Ich war noch nie da, und glaube auch nicht da mal hin zu kommen. Aber dein Bericht hat mir gefallen.So reist mann als Backpäcker. Ich wurde kein Pauschalurlaub machen.
    LG Anneken

  • Mikel17

    Hola!
    Habe erst jetzt von Deinem Sprachbericht gelesen. Auf anderen Foren habe ich sehr viel von Gefahren gelesen und ich wollte die Reise schon wieder absagen! Welche Erfahrungen hast du gemacht in Quito, in Bezug auf Überfälle?
    muchas Gracias
    Mikel17

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Ecuador und Galapagos - ohne Reiseveranstalter 3.82 34

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps