wieder in Sri Lanka

Reisebericht

wieder in Sri Lanka

Reisebericht: wieder in Sri Lanka

Asien ist nicht gleich Asien.
Ich komme aus Bali und muss in Sri Lanka erst wieder richtig "ankommen"

in Gedanken noch auf Bali

Ich bin in Sri Lanka. Für viele Jahre war dies für mich ein ständiges Reiseziel, mit dem ich auch beruflich eng verbunden war.
Mit dem kostenfreien Airportshuttle geht es in den nächsten Ort, ca. 2 km vom Flughafen entfernt. Weiter mit dem Minibus (100,-RPS) bis nach Colombo Railway Station und von dort mit dem Zug in der 3. Klasse in den Süden (55,-RPS). Die Fahrt bis ins 60 km südlich gelegene Aluthgama hat also genau 1,- EUR gekostet.
Als ich am Abend im Bett liege denke ich an die Zeit auf Bali zurück. Wenn Nordbali in Teilbereichen etwas vom sogenannten „Arsch der Welt“ hat, von denen es auf diesem Globus ja unzählige geben muss, dann mag das so sein. Mit dem Cili Emas Resort und dem Stück Land in den Hügeln von Alassari war es mir aber sicherlich vergönnt, einen der einladendsten „Ärsche der Welt“ kennenzulernen. Ich verspüre den unbedingten Wunsch mich an ihm als Furunkel festzusetzen.



morgens im Dorf

Caromspiel

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Ein herrlicher Tagesbeginn an der Dorfstraße, in dem Ortsteil Aluthgamas, der sich entlang des östlichen Flussufers des Bentota-Flusses erstreckt. Um 7:30 ist es noch ruhig. Aber nur wenige Minuten später baut sich die täglich wiederkehrende Gräuschkulisse auf. Vom fast wolkenfreien Himmel strahlt bereits die Sonne, aber es ist noch angenehm kühl. Die gestrigen Regenwolken sind inzwischen entleert und so erleichtert weggeweht. Kinder und Männer singen ihre Frühgebete, die Frauen fallen eher durch lautes Rufen im Befehlston auf. Vögel quietschen, pfeifen, piepsen, trällern und zwitschern, dazwischen hört man das eindringliche Pfeifen der Streifenhörnchen heraus. Hupen und Motorgeräusche füllen die wenigen freien Lücken im Klangteppich, und doch ist die Stimmung insgesamt ruhig, gelassen. Die später erst einsetzende Geschäftigkeit, die sich dann in allen Frequenzen mehrfach überlagert, fehlt noch gänzlich. Man hört das Fegen der Nachbarn und Radiomusik von den nächsten Häusern. Von den weiter entfernten scheppern nur noch die Bässe hörbar herüber. An diesem Ort unvermeidlich, das allmorgendliche geräuschvolle Abhusten des Mannes im Haus gegenüber. Jedes Mal lässt er seine Stimmbänder eindrucksvoll an der Grenze zwischen Brüllen, Husten, Würgen und Kotzgeräusch flattern. Kurz vor dem oft unvermeidlich scheinenden Erstickungstod kriegt er dann doch jeden Morgen wieder die Kurve. Etwas später ziehen dann die Händler mit ihren Fahrradgeschäften, Dreiradshops und Mopedrestaurants durch die Straße. Laut rufend preisen sie ihre jeweilige Ware. Klingel, Glocke und besonderer Hupton sind die Markenzeichen vom Briefträger, von Besen-, Fisch- und Obstverkäufern. Die mit Brot und Eis handeln nutzen elektronische Endlosschleifen. Der Ton ist nervtötend, hat aber extrem hohen Erkennungswert.



Wahltag

Es ist Wahltag in Sri Lanka. Drei Parteien stehen zur Wahl. Der Einfachheit halber unterscheiden die sich für das Wahlvolk erst einmal durch die Farbe. Man wählt Blau, Grün oder Rot. Für Farbenblinde gibt es zusätzlich noch ein Symbol: Blatt, Elefant und Glocke. Jede Partei stellt eine Vielzahl von Kandidaten zur Wahl auf. Die Wahlkämpfer ziehen bis zwei Tage vorm Wahltag in Fünfer-, Sechsergruppen oder so großen Gruppen, dass die eher Angst machen als politisch zu überzeugen, von Haus zu Haus. Sie werben für ihren jeweiligen politischen „Helden“ und verteilen Broschüren. Es scheint, als sei immer die gesamte Familie des Bewerbers als Unterstützer unterwegs. Ich liege lesend im Liegestuhl, als eine Gruppe dieser Wahlwerber durchs Tor auf den Hof kommt. Ich frage für welche Partei sie unterwegs sind und traue meinen Ohren nicht, als sie sich als JVP-Leute ausgeben. Diese ehemals kommunistische Gruppierung hat vor vielen Jahren dem Land mit Terroranschlägen, Mord und Totschlag zeitweilig mehr Probleme bereitet, als der Konflikt mit den tamilischen Rebellen. Jetzt ist das die Rote Partei mit der Glocke und stellt sich zur demokratischen Wahl.
In den nächsten drei Tagen wird kein Alkohol verkauft in Sri Lanka. Ein besoffener Singhalese, Tamile oder Muslim gerät leicht außer Kontrolle. Das möchte man bis zur Stimmauszählung vermeiden. In den Wahllokalen, zumeist Schulen, darf auch nicht gesprochen werden. Sollte dort noch jemand Partei- oder Kandidatenwerbung betreiben, dann würde er verhaftet. Ein Bekannter hält auf dem Weg zur Stimmabgabe mit seinem Fahrrad am Tor und fragt lautstark danach, was er denn wohl wählen soll. Vijith, mein Gastgeber, empfiehlt den Kanditaten 24 und der Kollege zieht weiter zur Stimmabgabe. Obwohl es Wahlregister gibt und neuerdings auch der Ausweis mit vorgelegt werden muss, wird nach der Stimmabgabe ein Finger eingefärbt. Zu viele würden sonst versuchen mehrfach zu wählen. Zum Beispiel die Angehörigen der vielen Singhalesen die im Ausland arbeiten und deren Stimme sonst verfällt. Vier oder fünf Wahlbenachrichtigungen zusammenzubekommen scheint hier für die meisten einfach zu sein und bis zur Einführung dieser zusätzlichen Sicherung wurde die Mehrfachstimmabgabe durchaus genutzt.



Buddhismus modern: Man lässt beten

Die Endlosschleife mit einem Hindugebet, gesungen auf Singhalesisch und mit Kinderstimme, ertönt seit 50 Minuten. Da es scheinbar nur zwei Sätze sind, ist die Wiederholungsrate entsprechend hoch. Im Hause meines Freundes ertönt regelmäßig diese CD mit Esoterik-Singsang. Es klingt ein wenig nach Enya, ist technisch gut gemacht, aber nervt besonders in den 30 Minuten, in denen die irgendwie sehr leidend klingende Frauenstimme auf Englisch Weltverbesserungssprüche ablässt. Das soll vermutlich lehrreich sein oder gar dazu bewegen sein Leben zu verändern, ist aber nicht mehr als Halbwissen über diverse Religionen, vermischt mit bruchstückhafter Philosophie und zusammengewürfelt mit sonstigem Esoterik-Gedöns. Kommt das persönliche Gebet in Singhalesisch über solche Auswüchse zu kurz? Der Eindruck drängt sich auf. Man lässt beten. Technischer Fortschritt?



Spaß am Posieren


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Kommentare

  • Blula

    Danke für diesen guten Bericht, die interessanten Betrachtungen und die Hintergrundinformationen, die man nur von jemandem erhalten kann, der Bali und Sri Lanka von langen Aufenthalten her kennengelernt hat.
    Sehr lesenswert!
    LG Ursula

  • Kappi (RP)

    Vielleicht hatte ich die Chance, ein wenig mehr hinter die Kulissen zu sehen. Trotzdem kratze ich nur an der Oberfläche und bin im Grunde nur ein etwas interessierterer Tourist, was die Realitäten der bereisten Länder betrifft. Du hast in deinen Berichten, wegen der begrenzten Zeit der Aufenthalte, die gewonnenen Erkenntnisse sicher bemerkenswerter dargestellt..
    Vielen Dank und einen
    allerbesten Gruß, der Jürgen

  • allgaeuspezialist

    Viele schöne fotos aus Sri Lanka mit Beschreibung findet Ihr auf folgender Seite: http://www.allgaeu-impressionen.com/reisefotos/sri-lanka/

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