Die Müritz und ihre Umgebung

Reisebericht

Die Müritz und ihre Umgebung

Reisebericht: Die Müritz und ihre Umgebung

Bericht über eine Schiffsreise mit einem Charterboot auf der Müritz und den angrenzenden Seen

10.07.2006

Das Charterschiff

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Um 9 Uhr verlassen wir Büdelsdorf und fahren nach Jabel. Gegen 12.30 Uhr kommen wir dort an und können auch sogleich “unser” Schiff übernehmen. Es ist eine Robur von 11,70 m Länge.



Kirche in Jabel

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Herr Hinkel, der Stützpunktleiter der Firma Marina Lanke weist uns in die Geheimnisse des Schiffes ein. Für uns alle ist es eine neue Erfahrung, denn niemand war bisher auf einem Schiff dieser Größe. Da ich den Sportbootführerschein Binnen habe, wird es eine kurze Einweisung. Sie bleibt außerdem sehr theoretisch.
Wir beschließen, den restlichen Tag in der Marina Maribell in Jabel zu verbringen.
Nach dem Einräumen unserer umfangreichen Ausrüstung und die Verteilung der Kabinen machen wir noch einen Spaziergang durch Jabel. Dabei besichtigen wir eine 300 Jahre alte Eibe. Sie hat einen Stammumfang von 4,75m und steht auf dem Pfarrhof, den einst der Onkel des mecklenburgischen Dichters Fritz Reuter, Ernst Reuter, bewohnte. In diesen Tagen feiert Jabel 750. Geburtstag. Bei unserer Rückkehr am Sonntag, werden wir sicher noch die restlichen Feierlichkeiten erleben.
Das Wetter ist herrlich und deshalb nehmen wir unseren “Sundowner” auf der “Terrasse” der Robur.



11.07.2006

Auch heute haben wir wieder tolles Wetter. Nach dem Frühstück werfen wir um 9.45 Uhr die Leinen los und fahren durch den idyllischen Jabelschen See. Durch einen kleinen, sehr engen Kanal geht es in den Kölpinsee. Um 10.55 Uhr fahren wir in den Reekkanal ein, der den Kölpinsee mit der Müritz verbindet. Hier kommt es zu einer kniffligen Situation. Um die Ecke biegt ein Ausflugsdampfer. Die Einfahrt ist für uns beide zu eng, also muss ich zurücksetzen.



Stolzer Skipper



Eine halbe Stunde später verlassen wir den Reekkanal und fahren in die Binnenmüritz. Unseren ursprünglichen Plan Waren anzulaufen, verwerfen wir wieder und beschließen die Müritz zu überqueren. Es ist schon beeindruckend, auf Deutschlands zweitgrößten Binnensee bei herrlichstem Sommerwetter zu schippern. Wenn man beim Bodensee den österreichischen und schweizerischen Teil abzieht, dann ist die Müritz sogar Deutschlands größter See. “Müritz” stammt von dem wendischen Wort “morcze” ab und heißt eigentlich “Meer” - und als solches kann man die Müritz durchaus empfinden.



Hafen von Rechlin

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Bereits um 14.15 Uhr legen wir in Rechlin an. 11 Meilen sind wir bei wirklich mäßiger Geschwindigkeit gefahren. Der Ort hat wenig zu bieten. Es gibt zwar ein Luftfahrtmuseum. Dessen Besuch sparen wir uns. Wir erleben einen schönen Sonnenuntergang.



Rechlin



12.07.2006

Nach dem Frühstück wird Öl und Kühlwasser kontrolliert.
Um 9.50 Uhr legen wir in Rechlin ab. Die Fahrt soll heute bis Rheinsberg gehen. Es geht gleich in die Müritz-Havel-Wasserstraße (MHW). Nach der Fahrt durch eine zauberhafte Kanallandschaft erreichen wir um 11.10 Uhr die Schleuse von Mirow und machen an Dalben fest. Vor uns sind einige andere Boote, so dass wir ziemlich lange warten müssen.
Die Schleuse ist 56 m lang, hat eine Breite von 6,60m und einen Hub von 3,10m. Das heißt, für uns geht es jetzt erst einmal abwärts. Wir wollen an der Steuerbordseite anlegen. Nachdem wir dafür alles klar gemacht haben, ruft uns die Schleusenwärterin zu: “Junger Mann - nach Backbord”. Mit 57 Jahren reagiert man da nicht so schnell, aber es hat dann trotzdem noch gereicht. Um 12.25 Uhr sind wir durch.
Von Mirow geht es durch einen Kanal in den Zotzensee, weiter durch den Mössensee in den Vilzsee. Um 13.35 machen wir vor der Schleuse Diemitz fest. 2,9 sm sind es von Mirow bis Diemitz. Auch hier haben wir wieder eine lange Wartezeit. Diese Schleuse ist nur 42 m lang, hat eine Breite von 5,30m und einen Hub von 1,40m. Hier können nur max. 3 Schiffe von der Größe der Robur in einem Gang geschleust werden. Erst um 15.10 Uhr geht es weiter. Noch 2 Schleusen liegen vor uns. Teile der Crew sind schon etwas genervt, aber es kommt nicht zur Meuterei. Von Diemitz bis zur nächsten Schleuse in Canow sind es nur 1,1 sm. Man durchquert den großen Labussee. An der Canower Schleuse ist die Wartezeit nur kurz. Wir erreichen sie um 15.35 Uhr und sind um 16.15 bereits wieder draußen. Die Schleuse ist 41,60m lang, 5,30m breit und hat einen Hub von 1,30m.
Die letzte Schleuse für heute ist die von Wolfsbruch. Wir erreichen sie um 16.45 Uhr. Beim Anlegen auf der Backbordseite an den Dalben entweicht aus einem Fender Luft. Entgegen den Voraussagen anderer Bootsfahrer ist hier nicht so viel los. Bereits um 17.10 sind wir durchgeschleust. Die Schleuse Wolfsbruch ist 42,60m lang, 5,20 breit und hat einen Hub von 0,40m.
Wir befinden uns bereits in Brandenburg und befahren den Schleusenkanal. Dies sind jetzt schon die Rheinsberger Gewässer. Über den Großen Prebelowsee und den Tietzowsee fahren wir in den Hüttenkanal bis zur Zechliner Hütte. Durch den Schlabornsee und den gleichnamigen Kanal kommen wir in den Rheinsberger See. An Steuerbord sehen wir die Remusinsel und an Backbord taucht das neue Hafendorf Rheinsberg auf. Das wollen wir uns später anschauen. Jetzt geht es darum, noch einen vernünftigen Liegeplatz in Rheinsberg zu finden. Durch die Reke kommen wir in den Grienericksee nach Rheinsberg. Eingewiesen durch einen sehr rührigen Aushilfshafenmeister bekommen wir einen guten Liegeplatz und machen in unmittelbarer Nähe des Schlosses fest (3,5 sm sind es von Wolfsbruch).
Mein Schwiegervater scheint von der Reise begeistert zu sein. Er lädt uns zu einem üppigen Fischessen in ein nahegelegenes Restaurant ein. Bei Zander und Wels lassen wir es uns gut gehen.
Wir beschließen einen Tag Pause einzulegen.



Schloss Rheinsberg

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13.07.2006

Heute bleiben wir in Rheinsberg. Morgens hole ich ofenfrische Brötchen vom Bäcker. Nachmittags besichtigen wir das Rheinsberger Schloss, das einmal durch Fontanes “Reise durch die Mark Brandenburg”und durch Kurt Tucholskys “Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte”, zum anderen durch den Kronprinzen und späteren König Friedrich II. (Friedrich der Große oder der “alte Fritz”) Berühmtheit erlangte. Eine Innenbesichtigung sparen wir uns wegen der großen Hitze.
Anschließend gehen wir noch einige Kleinigkeiten einkaufen. Zum Schluss gibt es geräucherten Lachs, Heilbutt und Maräne aus einer der hiesigen Räuchereien.



14.07.2006

Vor der Abfahrt leeren wir den Fäkalientank und bunkern Wasser. Auch hier hilft uns der nette Hafenmeister, der mit seiner Frau eigentlich von Mai bis September auf den Wasserwegen Ostdeutschlands unterwegs ist und nur für einen Monat Pause in Rheinberg macht.
Heute verlassen wir die ausgetretenen Pfade. Wir fahren in den Zotzensee und anschließend in den Großen Zechlinsee. Das Wasser soll hier Trinkwasserqualität haben. Ein wenig Bedenken haben wir wegen der angegebenen Brückenhöhen. Unser Einweiser, Herr Hinkel, hatte und geraten, nicht unter Brücken hindurchzufahren, die niedriger als 3,80m sind. Wir probieren es und kommen auch bei 3,60m noch problemlos unten durch. Das liegt wohl am niedrigen Wasserstand. Vom Großen Zechlinsee machen wir einen Abstecher in den Schwarzen See und legen im Flecken Zechlin an. Hier befand sich früher die Sommerresidenz des Kurfürsten Friedrich. Nach 2 Stunden fahren wir zurück in den Großen Zechlinsee. Hier suchen wir einen Ankerplatz.



Im Großen Zechlinsee



Natürlich gehört auch ein “Ankerschluck” dazu. Die Landschaft ist zauberhaft und wir können uns gar nicht satt sehen an den unterschiedlichen Wolkenformationen.



Wolken



15.07.2006

Ich habe nicht gewusst, wie still Stille sein kann! Heute Nacht war kein Laut zu hören. Erst gegen Morgen erwachte die Tierwelt wieder zum Leben.



Wolken



Leider müssen wir uns von dieser traumhaften Idylle verabschieden. Unser heutiges Ziel ist Röbel.
Wir starten sehr früh (07.15 Uhr). Das hat den Vorteil, dass wir problemlos und ohne lange Wartezeiten die 4 Schleusen passieren. Auch die Rückfahrt wird nicht langweilig.



Brücke



Die Müritz empfängt uns mit nicht geahnten Wellen. Es ist zwar heiß und sonnig, aber dennoch weht ein heftiger Wind. In Röbel gibt es ein Seefest. Das macht die Suche nach einem Liegeplatz etwas problematisch. Wir legen zunächst einmal beim Wasser Service Röbel an um zu tanken. Nach längerem Hin und Her finden wir auch einen Platz für die Nacht. Die Mitarbeiter sind hier sehr bemüht.



Röbel



16.07.2006

Leider ist heute unser letzter Tag auf dem Wasser. Um 18 Uhr müssen wir wieder in Jabel sein. Also verlassen wir Röbel gegen 10.30 Uhr und fahren am Westufer der Müritz entlang. Wir drehen eine Runde vor Waren und fahren wieder in den Kölpinsee ein. Noch können wir uns nicht trennen und so geht es noch einmal in den Fleesensee. Um 16 Uhr sind wir zurück in Jabel und legen im Yachthafen Maribell an. Ein schöner Törn ist zu Ende.



Abschied



17.07.2006

Die Übergabe der Robur verläuft ohne Probleme. Wir nehmen uns noch etwas Zeit und fahren über die Reuterstadt Stavenhagen nach Ivenack. Dort stehen über 1000 Jahre alte Eichen, die wir uns anschauen.



Ivenack


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Kommentare

  • DiePassantin

    Hallo UliS!
    Wie teuer war die Tour? Und was machen diejenigen, die keine Sportsbootführerschein haben?
    Herzlichst,
    DiePassantin

  • Schoena

    Ein schöner Reisebericht. Schade, dass ihr euch nicht Waren angesehen habt, eine idyllische kleine Hafenstadt. Aber in der Saison sind Liegeplätze rar.
    Eine weitere schöne Tour mit einigen technischen Denkmälern ist nördlich der Müritz über den Fleesensee, Plauer See, Elde bis Schwerin. Es gibt Städte, in die man vom Wasser aus kommen muss. Schwerin gehört dazu und hat immer einen Liegeplatz!
    Mit Grüßen
    Schoena

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