Paddeln in Mecklenburg

Reisebericht

Paddeln in Mecklenburg

Reisebericht: Paddeln in Mecklenburg

Mecklenburg hat hunderte Kilometer Wasserwege. Für Gelegenheitspaddler gibt es Dutzende Ausleihstationen für Kanu und Paddelboote. Besonders für diese ist der folgende Bericht gedacht, natürlich auch für Profis, deren Ergänzungen ich gerne annehme.
Foto: rulosapire/photocase.de

Das Wasserwandern an und für sich

Das Wasserwandern in der besonderen Form des Paddelns in kleinen Booten bedarf in Mecklenburg eigentlich keiner Werbung. Wer das Mecklenburger Binnenland als Urlaubsziel entdeckt, landet zwangsläufig an einem der mehr als zweitausend Seen mit mehr als einem Hektar Fläche. Dem Drange, die Gewässer nicht nur von der Landseite kennenzulernen, sollte man auch nachgeben. Bootsunfälle mit Kleinbooten sind selten und meist harmlos, eher in der Verbindung PS-starker 'Sport'boote, Alkohol und niedriger Wassertemperaturen im Frühjahr und Herbst zu finden.

Der normale mecklenburgische See und die verbindenden kleinen Wasserläufe haben überwiegend feuchte, ja sumpfige Ufer, zugänglich nur Anglern in Wathosen. Badestellen mit festem Untergrund gibt es trotzdem viele, sie machen aber nur einen kleinen Teil der Uferlänge aus. Uferwege sind daher selten oder doch in respektvollem Abstand vom eigentlichen Ufer. Ausnahme sind die tiefeingeschnittenen Rinnenseen mit steilen Ufern, aber das führte jetzt zum Fach Geologie, Teilgebiet Eiszeit mit ihren vielfältigen landschaftsgestaltenden Hinterlassenschaften.
Wer die Schilfgürtel, Seerosen, zahllose Wasservögel aus der Nähe betrachten möchte, die Ruhe auf dem Wasser geniessen will, der wird zwangsläufig früher oder später in einem Boot sitzen. Und wer einmal minutenlang nur so ins Wasser gestarrt hat, Fische und Wasserpflanzen beobachtet hat, wird wegen dieses Erlebniswertes zum Wiederholungstäter.

Bei der Frage, mit welchem Boot man auf Tour gehen sollte, sind Kanus mein unbedingter Favorit. Ruderboote sind einfach zu langsam und in Engpässen und an flachen Stellen derart unhandlich, dass viele Touren damit nicht möglich sind. Paddelboote, vornehm auch Kajaks genannt, sind eher etwas für Könner. Es gibt sie als Einer, Zweier, selten als Dreier. Wo lässt man da Kinder oder absolut ungeübte Begleiter? Mit den Händen in ständiger Hochhalte ermüdet man auch relativ schnell. Am besten also ein Kanu für vier, wenn es nicht anders geht, auch drei Personen (überwiegend sind 3er im Angebot). Es genügt ein halbwegs begabter Paddler am Heck mit der Verantwortung für den Kurs, vorn dann ein kräftiger für den Vortrieb und in der Mitte die Kielschweine (Das sind die passiven Mitfahrer). Wenn man die Kielschweine dann zum Mitpaddeln überreden kann, erreicht ein Kanu ungeahnte Geschwindigkeiten und kann auch grössere Distanzen in Angriff nehmen.

Als nächstes wäre die Frage zu klären, wo sollte man paddeln. Die mecklenburgische (Groß-)Seenplatte mit der Müritz (117 km²) kennt erst einmal jeder, da muss jeder hin. Muss er auch, aber nicht unbedingt mit einem Kleinboot befahren. Das Überqueren eines großen Gewässers ist anstrengend und kräftezehrend wegen der unvermeidlichen Wellen und bei Wind (bei der Müritz reicht Windstärke 4!) auch nicht ganz ungefährlich, wegen der unvermeidlichen Wellen. Viel entspannter und auch kurzweiliger sind die schmalen Wasserwege und kleinen Seen zu befahren und genau dort findet man auch die Kanustationen.
Manche Strecken sind nur befahrbar, wenn man Schleusen in Kauf nimmt. Wasserläufe haben nun einmal ein Gefälle, das für die Schiffahrt 'geglättet' werden muß. Eine Scheu vor Schleusen ist unbegründet, ja das Schleusen selbst hat Erlebniswert. Viele Schleusen haben eine Bootschleppe, d.h. Schienen die vor und hinter der Schleuse ins Wasser führen, darauf ein Wägelchen. Mit diesem kann man unabhängig von Schleusenzeiten und an der Warteschlange vorbei das Hindernis Schleuse überwinden. Apropos Warteschlange. Die 'richtige' Schleusung ist ein empfehlenswertes Abenteuer. Wer aber schnurstracks an den am Ufer liegenden Kaffeeschiffen in die offene Schleuse fahren will, wird lautstarken Protest ernten. Spätestens dann erst merkt man, die stehen hier nicht zur Geschwaderfahrt an, die wollen auch in die Schleuse. Also: erst die Dickschiffe in die Schleuse lassen und dann hinten die Lücken stopfen. Hinten ist das Wasser auch viel ruhiger. Vorn am Tor schiesst Wasser ein oder verschwindet rasant, man hat Mühe, das Boot zu halten und nicht nass zu werden.





Die Havelquellseen

Jeder Fuss fängt einmal klein an. Die Havel hat vor wenigen Jahren eine eindrucksvoll gestaltete Quelle erhalten. Aus einem durchbohrten Findling dringt Wasser nach oben und sickert weiter Richtung unzugänglicher Niederung. Wenige Meter daneben liegt der durch einen Damm abgeriegelte Mühlensee, der ursprüngliche Quellsee der Havel. Mühlensee und an- und umliegende kleine Gewässer in der nordöstlichen Ecke des Müritz-Nationalparks werden Havelquellseen genannt, weil alle ihr Wasser mehr unterirdisch versickern als oberirdisch der Havel zuführen. Vor Jahrhunderten hat der Mensch kurzerhand die Wasserscheide zwischen Ostsee (Einzugsgebiet der Peene) und Nordsee (Einzugsgebiet der Havel) nach Süden verschoben. Am Südufer des Mühlensees wurde der schon genannte Damm aufgeschüttet und vom Ostufer der Mühlgraben Richtung des unweit gelegenen Ankershagen gegraben, der sein Wasser der Ostpeene zuführt.
In Ankershagen ist Heinrich Schliemann aufgewachsen, der beizeiten in die Welt zog, reich zu werden und dann Troja auszugraben. Ersteres gelang zweifelsfrei, bei letzterem gibt es Zweifel, ob es wirklich Troja war. Natürlich gibt es in Ankershagen ein kleines, nicht nur an Regentagen sehenswertes Museum.
Aber zurück zur Havel. Die an der Quelle beginnende sumpfige Niederung ist weder begeh- noch mit Booten befahrbar. Die Havel findet man erst zwei Kilometer weiter südlich wieder, wo sie als schmales Rinnsal in einem Rohr einen Weg unterquert. Befahrbar ist aber erst der Käbelicksee mehrere Kilometer südlich, der das Wasser vieler kleiner Wasserläufe sammelt. Am Nordufer liegt das Dorf Kratzeburg, von dort in Richtung Ostufer liegt ein Zeltplatz mit Kanustation, in Richtung Westufer kurz vor dem nächsten Ort Dalmsdorf eine weitere Kanustation. Von beiden Stationen aus kann man den nicht gerade kleinen See überqueren. Am Südende biegt er sich hakenförmig westlich, in der äussersten Ecke beginnt dann die Havel als Wasserweg. Die Kanustation bei Dalmsdorf bietet auch zu einem akzeptablen Preis den Landtransport von Boot und Besatzung nach Blankenförde an, 15 km Wasserweg abkürzend. Da Hin- und Rückweg identisch sind, ein reichweitensteigerndes empfehlenswertes Angebot. So ein heute eigentlich unentbehrliches Handy mitgeführt wird, kann auch für die Rücktour eine Abholung vereinbart werden.

Vom Käbelicksee sind es nur mehrere hundert Meter westwärts bis in den kleinen Granziner See. Auch in Granzin (an der Gaststätte) gibt es eine Kanustation, von der ein Start möglich wäre. Durch einen kurzen Kanal geht es in den idyllischen kleinen Schulzensee, mehr ein Teich, und nach diesem ist nach wenigen dutzend Metern erst einmal Schluss. Der für eine Mühle hier ehemals angestaute Wasserlauf ist jetzt zu einer Fischtreppe umgebaut. Nicht nur diese ist für Boote unpassierbar, flussabwärts verschwindet der Wasserlauf für einen guten halben Kilometer in einem undurchdringlichen versumpften Pflanzendschungel. Wie in vielen Bereichen des Müritz-Nationalparks bleibt dort die Natur unter sich, was von uns immer respektiert wird.
Wir heben unsere Boote mit Muskelkraft aus dem Wasser und tragen sie über eine Straße zu Loren auf schmalen Gleisen. Zur Abwechslung geht es auf trockenem Schienenweg gut 600 m zur Einsatzstelle in den Pagelsee. Dort ist nur in Resten ein ehemaliger Rastplatz erkennbar, auf dem ursprünglich einmal Übernachten, wenn auch jeweils nur für eine Nacht, gestattet war. Das ist aber zu sehr genutzt worden bis hin zu lautstarken nächtlichen Parties. Die Nationalparkverwaltung hat die Einrichtung einschliesslich Plumpsklo wieder abgebaut. Geblieben ist eine sehr schöne Badestelle, an der wie eigentlich in ganz Mecklenburg textilfrei geplanscht werden kann (Vorsicht: In den eiszeitlichen nährstoffarmen Klarwasserseen sind die Fische derart ausgehungert, die gehen auf jeden Wurm!).
Nachdem die Boote die anderthalb Dutzend Meter zum Wasser getragen und wieder beladen sind, kann es über den S-förmig gekrümmten See weiter Rchtung Süden gehen. An der schmalsten Stelle des Pagelsees führt eine ziemlich verfallene Holzbrücke über den See. Gebaut wurde sie ursprünglich für die wenigen Bewohner des Dörfchens Krienke am Westufer. Die einzige Straße dorthin über Granzin-Mühle war bis zum Abzug der russischen Truppen 1993 Panzermarschstrecke und häufig wochenlang gesperrt. Damit die Bewohner eine Verbindung mit der Außenwelt hatten, wurde ihnen diese Brücke gebaut. Die Russen sind weg, die Brücke blieb. Der Wanderweg, der danach über diese Brücke führte, ist offiziell gesperrt. Niemand kann und will eine Haftung für die Gefahrlosigkeit der Überquerung übernehmen. So bleibt es Mutigen vorbehalten, auf eigene Gefahr über die morschen Balken zu balancieren, aber bald wird auch dieses nicht mehr möglich sein.
Der Ausgang aus dem Pagelsee ist durch ein auf der Spitze stehenden weisses Quadrat gekennzeichnet, das hoffentlich erstens noch vorhanden und zweitens nicht völlig zugewachsen ist. Durch tiefliegende feuchte Wiesen geht es gerade zum Zotzensee. Dieser ist sehr flach, es darf nicht angelegt werden, wofür die Ufer auch viel zu bewachsen und sumpfig sind. Die Route selbst durch den See ist mit Bojen markiert.
Die umliegenden Wiesen wurden vor reichlich dreissig Jahren durch Entwässerungsgräben und Hebewerke nutzbar gemacht, was den ursprünglichen Charakter als Feuchtgebiet natürlich stark verändert hat. In jüngerer Zeit wurde renaturiert, also die Hebewerke wurden stillgelegt und der Wasserspiegel wieder angehoben. Das lief nicht ganz konfliktfrei, da in der Zwischenzeit in Babke gebaute unterkellerte Häuser nasse Füße bekamen.
Nach dem Zotzensee weicht die Havel leicht nach Osten von der Südrichtung ab. Es ist jetzt ein längeres Stück bis zum nächsten See. Die Havel ist in diesem Bereich von den Seiten her stark mit Rohr zugewachen. Die Sicht voraus ist häufig nur wenige dutzend Meter, kein weiteres Boot ist zu hören oder zu sehen und es entsteht leicht die Illusion, hier wären die letzten Überlebenden der Menschheit unterwegs. Wirklich nur eine Illusion, an schönen Sommertagen ist ganz schön lebhafter Betrieb auf diesem Wasserwege. So lebhaft, dass die Naturparkverwaltung allen Ernstes eine zahlenmäßige Begrenzung der Bootspassagen erwogen hat. Das hat natürlich die geschätzten zwei Dutzend Kanustationen mobilisiert, die letztlich vom Naturpark leben. Die Betreiber haben sich verpflichtet, sehr eindringlich naturschonende Verhaltungsmaßregeln den Nutzern ihrer Boote auf den Weg zu geben. Außer der Empfehlung, sich in der Hauptsaison die gewünschten Gefährte besser durch Vorbestellung zu sichern, gibt es derzeit noch keine weiteren Beschränkungen.

Auf der Havel haben wir inzwischen die Fischerei Babke erreicht. Hier verliert die Havel wieder einige Dezimeter ihrer Höhe, es gibt eine Fischtreppe und parallel dazu eine Bootsschleppe. Ein Wägelchen auf Schienen wird ins Wasser gelassen, das Kanu mit Gepäck aber ohne Besatzung darauf bugsiert und dann das ganze mittels Kette bergauf gezogen und auf der anderen Seite wieder zu Wasser gelassen. Wer mag, kann hier einen Imbiss nehmen, bevor es Richtung Jäthenssee weiter geht.

Über den Jäthensee geht es gewohnterweise ohne Landgang, wegen Versumpfung und wegen Natur. Die Durchfahrt ist wieder mit Bojen markiert. Durch diesen See geht es an einem entzückend anzuschauenden Inselchen vorbei, ehe man Richtung Osten abbiegend wieder in die Havel einfährt. Nach kurzer Zeit mündet rechts eine wirklich schmale und flache Rinne in unser Flüsschen. Am Eingang steht ein vielversprechendes Schild 'Zum Hexenwäldchen'. Wer diesem Schild folgt und das Kanu über flache sandige Stellen stakt, erreicht nach etwa 100 Metern den Jamelsee, ein wegen des schlammigen Untergrundes naturtrübes Gewässer.
Am anderen Ende des Sees liegt der Zeltplatz Hexenwäldchen, ein Geheimtipp unter Naturliebhabern und hauptsächlich von Wiederholungstätern frequentiert. Der hier beheimatete Kanuverleih ist weniger bekannt, was sich positiv auf den Service (und die Preise) auswirkt. Wir sind einmal kurz vor zwei Uhr nachmittags dort erschienen und haben ein Kanu für den halben Tagestarif erhalten, bei Stationen an Selbstläuferstandorten ein völlig abwegiges Angebot. Bei Starts ab hier hat man natürlich die Auswahl flussaufwärts oder flussabwärts zu fahren.
Zurück auf der Havel sind es noch etliche hundert Meter bis zum Dorf Blankenförde. Gleich neben der Straßenbrücke über das Flüsschen ist eine Anlegestelle. Im Ort gibt es eine Gaststätte und auch der schon genannte Zeltplatz Hexenwäldchen gehört dazu.
Unmittelbar hinter der Brücke ändert sich der Charakter der Havel. Sie wird sichtlich breiter und an den Ufern stehen hier in Ortslage viele auf Pfählen errichtete Bootsschuppen. Die Ufer sind von einer Baumreihe, meist Erlen gesäumt, dahinter liegen Wiesen. 100 Meter vor dem letzten See unterqueren wir ein schmales, wacklig wirkendes Brücklein. Nur selten stehen auf ihr Wanderer. Vor der Brücke steht vor dem Ufer im Wasser eine solarstrombetrieben Zähleinrichtung. Jedes vorbeifahrende Boot löst einen Impuls aus. An dieser Stelle bitte nicht neugierig vor- und zurückfahren, die Idee einer Rationierung für Befahrungen ist nicht vom Tisch.
Wir queren den kleinen Görtowsee, tiefer als die zuletzt befahrenen und von Wald gesäumt, am Nordufer nur ein großer Schuppen, ehemals der eines Fischers, jetzt ein privates Ferienhaus. Sonst gibt es keinerlei Zeichen menschlicher Siedlung.
Der Fluss wird noch breiter und beginnt sichtlich zu mäandern. In den Wasserlauf ragen umgestürzte Bäume, an einer Stelle hat sich auch mal eine Insel gebildet, die Szenerie wirkt urtümlich. Jetzt sind wir wahrhaftig auf dem kleinen Amazonas, links und rechts (Ur-)wald. Ab hier liegt am nördlichen Ufer des Flusses, in diesem Abschnitt auch Moßbeck genannt eine der Kernzonen des Nationalparks. Selbst wenn hier stellenweise das Ufer höher und fest ist, ein Betreten verbietet sich.
Einige Flussbiegungen später sind wir im Ziernssee, der nach wenigen Windungen in den Useriner See übergeht, den ersten der größeren oberen Havelseen.
Bis zum namensgebenden Dorf in der Mitte des Ostufers des in Nord-Südrichtung langgestreckten Sees sind es wenigstens zwei Kilometer. Wir aber queren das Nordende und landen an der einzigen schilffreien Badestelle zu einer ausgiebigen Rast. Nur wer darauf achtet, kann erahnen dass hier vor zehn Jahren noch ein Zeltplatz bestanden hat. Er musste dem Nationalpark weichen. Nördlich, und mit dem Useriner See verbunden liegt der völlig unzugängliche Kramssee, mitten in der Kernzone. Mit etwas Glück kann man den 'Moorochsen' hören, einen im Schilf lebenden unscheinbaren Vogel mit braungeflecktem Gefieder, dessen Laute man für das Gebrüll eines Ochsen halten kann. Mit bürgerlichem Namen heisst der Vogel Rohrdommel und ist so gut wie nie zu sehen.
Zurück auf dem 'Amazonas' nach Blankenförde hat man genug für den ganzen Tag getan.



Die oberen Havelseen

Die oberen Seen sind ein halbes Dutzend Gewässer ansehnlicher Größe, die nördlich der vielbefahrenen Wasserstraße von der Müritz nach Berlin liegen. Links und rechts davon und mit teils befahrbarer Verbindung sind weitere Seen.
Die nördlichste Kanustation diese Havelabschnitts ist in Klein-Quassow in der Nähe von Wesenberg auf dem Gelände des größten (einzigen kleinen) Hotels des Ortes (Preise und Service durchaus im Durchschnitt).
Von hier geht es nur einige hundert Meter in einem Nordwestbogen havelaufwärts zum großen Labussee. Der Labussee ist überwiegend sehr flach, hat aber in seinem westlichen Teil zum Ort Zwenzow ein tiefes Loch. In Zwenzow gibt es einige Ferieneinrichtungen und eine sehr preiswerte Gaststätte, die leider erst am späten Nachmittag öffnet . Am südwestlichen Seeufer ausserhalb des Ortes liegt Borchardts Rookhuss, ein Familienhotel mit guter Küche.
Am südlichsten Seezipfel führt eine kurze verschilfte Duchfahrt in einem nach Osten gerichteten Bogen in den kleinen Labussee, ein entzückendes kleines verträumtes Gewässer mit viel Schilf und ausgedehnten Seerosenfeldern. Der See ist vollständig von Wald umstanden, am südlichen Ufer mit privaten Ferinhäusern. Am östlichsten ende ist ein Zeltplatz (zu Wesenberg, am Labus). Beim Zeltplatzwart gibt es Kaffee, Kuchen, Eis und Getränke zu kleinem Preis. Auch hier werden als Nebengeschäft Kanus vermietet, eine Tourstart ist also auch ab kleinem Labussee möglich.
Wieder zurück am Nordende geht es havelaufwärts durch einen ziemlich schnurgeraden Kanal, der erst einmal zu einer Schleuse führt. Da im großen Labussee Endstation für alle motorbetriebenen Gefährte ist, wird selten geschleust. Es gibt aber eine Bootsschleppe, also ein Wägelchen auf Schienen, auf beiden Seiten ins Wasser reichend. Der Schleusenhub ist hier auch weniger als ein Meter, die Steigung deshalb erträglich. Wenn die Kette zum Ziehen des Wägelchens auf der 'falschen ' Seite sein sollte, keine Panik. Sie wird durch ein Rohr unter dem Wägelchen geführt und kann problemlos zur jeweils 'richtigen' Seite gezogen werden.
Hält sich schon auf dem Labussee und auf dem dahin führenden Havelabschnitt wegen der Blinddarmsituation der Bootsverkehr in Grenzen, so ist der Useriner See dann komplett davon verschont. Er erstreckt sich reichlich vier Kilometer in Nord-Südrichtung. Nach ca. einem Kilometer passsiert man die einzige Insel im See. Der einstmals für Wasserwanderer vorhandene kleine Zeltplatz ist lange aufgehoben und ein Betreten der Insel sollte vermieden werden, allein schon wegen der völlig ausgehungerten zahlreichen Mücken.
Als Ziele bieten sich an:
- ein Stückchen weiter das Dorf Userin am Ostufer des Sees mit Gaststätte (einfache aber gute Küche mit mehreren Fischgerichten)
- Ein FKK-Zeltplatz am Westufer, auf Höhe der Insel gelegen. Im Eingangsgebäude gibt es einen kleinen Kioskverkauf mit wenig mehr als Eis und Getränken.
- Wenn eigener Proviant an Bord ist, die Badestelle am östliche Nordufer des Sees.
Natürlich lohnt es auch immer, an der nordwestlichen Ecke über den Ziernssee die Havel weiter flussaufwärts zu fahren den 'Amazonasabschnitt', die ca. drei Kilometer bis Blankenförde (mit Gaststätte).
Der auf der Karte eingezeichnete Kramssee nördlich des Useriner Sees liegt innerhalb der nicht betretbaren Kernzone. Der verbindende Wasserlauf ist im Übrigen auch zugewachsen und nicht befahrbar.
Der Rückweg ist identisch mit dem Hinweg in umgekehrter Reihenfolge, aber durch die Seen kann man ja am jeweils anderen Ufer entlangfahren.

Vom Startpunkt Klein-Quassow kann natürlich genausogut havelabwärts gefahren werden. Die gut zwei Kilometer bis zum Woblitzsee ist wenig Betrieb, erst im Bereich kurz vor der Einmündung sind an einer Seite langgestreckt (Dauer-)Liegeplätze. Aber auch die sind hauptsächlich nur an den Wochenenden genutzt. Vorher unterquert man die Eisenbahnbrücke einer Nebennebenstrecke. Von der dortigen Ungestörtheit und das Steilufer nutzend zeugt ein in der Nähe nistendes Eisvogelpäärchen. Wenn man sich gaaanz leise anschleicht und gaaanz viel mehr Glück hat, kann man sogar einen Eisvogel sehen. Aber auch ohne diesen ist der Erlebniswert gegeben.
Rechts der Mündung in den Woblitzsee ist der nicht unbedingt kleine Zeltplatz Groß-Quassow, hügelaufwärts gekrönt mit einer passablen Gaststätte. Für eine Rast ist es aber viel zu früh, wir überqueren lieber den See, bei häufig herrschenden Westwinden und der großen West-Ostausdehnung oft eine feuchte Angelegenheit.
Von der östlichsten Ecke des Sees führt ein Kanal zum nordöstlichsten See dieses Wasserstraßenlabyrinths, dem Zierker See mit Neustrelitz an seinem Ostufer. Dieser Kammerkanal genannte Wasserweg ist mit fast fünf Kilometern recht lang. Für Abwechslung sorgt nach ca. 1,5 km nur die Schleuse Voßwinkel. Neustrelitz ist eine der wenigen barocken Stadtgründungen in Deutschland, mit pompösem quadratischen Marktplatz, von dem achtstrahlig die Straßen abgehen. Die Stadt war einst Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz, trotz des 'Groß' eines der kleinsten Fürstentümer Deutschlands. Das Schloß an einer der Hauptstrahlen ist leider auf der Verlustliste des letzten großen Krieges. Trotzdem ist das Städtchen auf jeden Fall einen Besuch wert, besser aber für wenigstens einen halben Tag auf dem Landwege. Wie oben gesagt, der Kammerkanal zieht sich. Wer die Einsamkeit liebt und es trotzdem versucht: Nach dem Erreichen des Zierker Sees kann man nach wenigen hundert Metern links in eine verschilfte Durchfahrt einbiegen und ist mit wenigen Paddelschlägen am Nordende eines kleinen schmalen Gewässers. Wenn man dieses auf kurzem Wege kreuzt und der Durchfahrt weiter folgt, gelangt man durch viel Schilf und versumpfte Ufer zu einer einsam gelegenen Gaststätte.
Laut Eigenwerbung des Kanuvereins in Neustrelitz auf seiner Heimseite kann man dort auch Kanus ausleihen, also von Neustrelitz starten. Wir fragen vorsichtshalber per mail an und bleiben ohne Antwort. Also erst einmal Fehlanzeige.

Startpunkt kann genausogut die Kanustation auf dem Zeltplatz Groß-Quassow sein. Von dort geht es havelaufwärts mit zwei Kilometern Havel mehr im Vergleich zu Klein-Quassow oder südwärts über die Woblitz nach Wesenberg. Letzteres ist eines der niedlichen kleinen Landstädtchen in Meck-Pomm, mit zwei oder drei Gaststätten und einem Turm als Rest einer längst vergangenen Burg. Weiter gibt es ein Spielzeugmuseum mit einem großen Bestand an Blechspielzeug.
Östlich der Stadt fliesst die Havel weiter südwärts. Die Einfahrt ist wie auch gegenüberliegend am Nordufer schön sichtbar durch ein weisses, auf der Spitze stehendes Quadrat gekannzeichnet. Links vor der Einfahrt ist eine große Badewiese, für örtliche Verhältnisse im Sommer stark frequentiert, also aus Sicht eines Bewohners der Ballungsgebiete nahezu menschenleer.
Was uns weiter südlich erwartet, steht im nächsten Kapitel.



Die Schwanhavel mit Plätlinsee

In Wesenberg, direkt neben der Straßenbrücke über den Havelkanal ist eine der größten Kanustationen des Landes, genannt Kanumühle. Vorhanden sind hier auch einige zwölfsitzige Kanus, mit denen sich grössere Gesellschaften aus vorwiegend ungeübten Paddlern auf das Wasser begeben können. Diese werden dann vorwiegend den Woblitzsee befahren, natürlich mit einem erfahrenen Paddler im Heck. Für eine Perle unter den Wasserwanderwegen, die Fahrt durch die Schwanhavel, aber sind sie einfach zu groß.
Mit letzterer als Ziel biegen wir aus dem Hafenbecken der Kanustation nach links und fahren den schnurgeraden Havelkanal Richtung Süden. Ab Woblitz ist die Havel als Wirtschaftswasserweg ausgebaut. Die Route führte dann weiter über die Woblitz nach Nordosten durch den Kammerkanal bis Neustrelitz. Dort künden noch mehrere ehemalige Speichergebäude von der bis in die sechziger Jahre betriebenen Frachtschiffahrt. Der Hafen ist heute ein gut ausgebauter Sportboothafen und ein Geheimtip für ruhesuchende Freizeitkapitäne.
Doch zurück auf die Havel. Nach fünfhundert Metern wird in der Schleuse Wesenberg ein knapper Meter Höhe abgegeben. Wem das Schleusen zu lange dauert, nimmt die Bootsschleppe. Nach der Schleuse verläuft der Kanal weiter schnurgerade Richtung Südsüdost weiter. Bereits nach zweihundert Metern zweigt nach rechts ein alter Havelarm ab. Dieser Havelarm führt weiter nach Westen, biegt sich bogenförmig Richtung Norden und endet bald. Die Schwanhavel zweigt schmal und leicht zu übersehen bereits zwanzig Meter nach der Mündung des Altarms in den Havelkanal links ab. Eine Weile hört man noch den Schiffsverkehr auf letzterem, dann entfernt sich die Schwanhavel aber immer weiter und man ist bald allein auf einem idyllischen Wasserweg, mit Schilf und überhängenden Bäumen. Allein ist natürlich immer relativ, denn es es ist beileibe nicht nur ein Boot unterwegs. Durchaus nicht alle Stellen sind geeignet für problemlose Begegnungen mit Gegenverkehr. Nach etwa zweieinhalb Kilometern überquert ein untergeordneter Landweg auf einer Brücke die Schwanhavel. Direkt vor dieser Brücke ist der einzige mögliche Landungsplatz vor dem Südende des Plätlinsees für eine kurze Rast. Hinter der Brücke gibt es ein sehr flaches und schmales Stück. Statt Paddeln gibt es eher ein Staken und über Sandbänke schubsen, aber nach fünfhundert Metern ist dann der See erreicht.
Der Plätlinsee erstreckt sich ca. vier Kilometer von Nordnordost nach Südsüdwest und ist nur am Südende breiter als einen Kilometer. Das Nordende ist flach, dort ist auch eine Insel, die aber nicht betreten werden darf. Die Ufer lassen hier auch keine Landung zu. Im Südende hat der Seeboden ein Loch, hier gibt es eine mehr als 25 Meter tiefe Stelle. In den siebziger Jahren war der See durch einlaufende Gülle von den anliegenden Weiden faktisch 'umgekippt'. In besagter tiefer Stelle wurde eine Tiefenbelüftungsanlage verankert. Diese reicherte das Tiefenwasser mit Sauerstoff an und leitete es wieder in die Tiefe, wo es dann die eingetragenen organischen Stoffe abbauen konnte. Die Abbauprodukte förderten allerdings das Wachstum der Wasserpflanzen, gegen deren Überhandnehmen Graskarpfen eingesetzt wurden. Die gibt es immer noch. Sie erreichen Größen über einen halben Meter und erschrecken unbedarfte Wasserwanderer durch ihr plötzliches, mit hörbarem Platschen verbundenen Auftauchen an der Oberfläche.
Am Westufer der Seeverbreiterung liegt das Dorf Wustrow mit Lande- und Bademöglichkeiten, an bzw. von einem dort befindlichen Steg. Über einen schmalen Landbuckel kann das Boot ca. 300 m getragen werden, um über Klenz- und Gobenowsee die Müritz-Havel-Wasserstraße und in einem großen Bogen wieder Wesenberg zu erreichen. Dafür sollten aber zwei Tage eingeplant werden. Wir fahren besser den gleichen Weg zurück und lernen das genannte Terrain auf den folgenden Touren kennen.



Von Canow bis Flecken Zechlin

Das Büro, besser der Laden des Bootsverleih liegt unübersehbar in Ortsmitte an der Durchgangsstraße. Zum Liegeplatz und der Einsatzstelle am Nebenkanal zum Labussee sind es ein paar Schritte. Dort hat man die Wahl, rechts in den Labussee oder nach links zum Hauptkanal der Havelwasserstraße. Ersteren kennen wir schon, also nach links gleich zur Schleuse, ein Stückchen abwärts. In der Saison wird hier ständig geschleust, das Fehlen einer Bootsschleppe ist zu verschmerzen.
Dem Meeresspiegel ein Stückchen näher sind wir nach wenigen Metern auf dem Canower See, dem Gewässer schlechthin mit den meisten Ferinhäusern. Im Prinzip gibt es kein freies Fleckchen, anlanden nicht möglich. Nach anderthalb Kilometern ostwärts rücken die Ufer zusammen, bevor wir in weitem Bogen unseren Kurs nach Süden ändern. Das Nordufer ist hier durch anderthalb Dutzend Hausboote besetzt. Mit dieser Erfindung der sechziger Jahre sollte das Ufer für die Allgemeinheit weiter zugänglich bleiben. Ein frommer Wunsch, denn mit dem Verankern der Hausboote im Wasser entstanden PkW-Stellplatz, Grillplatz, Müllplatz und Plumpsklo, mit Hecken gegen Unbefugte gesichert. Die Zugänglichkeit ist genausowenig gegeben, wie bei bebauten Seegrundstücken. Den größten Fehler aber offenbart ein Luftbild: Dem Schilfgürtel sind regelmäßige tiefe Wunden zugefügt, laichwillige Fische dauerhaft vertrieben.
Anfang der siebziger Jahre beschloss der damalige Rat des Bezirkes die Aufhebung dieser Hausbootsiedlungen. Die Wirksamkeit dieses Beschlusses ist fast vierzig Jahre später sichtbar, keines der Hausboote fehlt. Obwohl, Hausboot ist ein Etikettenschwindel. Schwimmen kann keines mehr, vielmehr hängen alle an gerammten Stahlrohrpfählen.
Ostwärts der Hausboote schliesst sich der Zeltplatz Canow an, natürlich auch mit einer Kanustation.
Vorher sind wir aber nach Süden abgebogen, umfahren eine Landzunge und wenden uns nach Westsüdwest.
Auf dem Wasser sind wir noch in Mecklenburg, die Ufer auf beiden Seiten sind brandenburgisch. Ein Zustand, wie er noch öfter an den Landesgrenzen gegeben ist. am Südufer ist halbwegs Naturwald, am Nordufer sind eine Handvoll auf Pfählen stehende Bootshäuser. Weiter westlich schließen sichtlich genutzte Wassergrundstücke an, ohne Bebauung. Diese gab es, ihr Abriss konnte tatsächlich, da ohne gesetzliche Grundlage in den siebziger Jahren errichtet zwanzig Jahre später durchgesetzt werden.
am westlichsten Zipfel der Bucht liegt der Ort Kleinzerlang und unmittelbar am südlichen Rand die Einfahrt in den Kanal zu den Rheinsberger Seen. Vor dem Kanal am linken Ufer sind einige Bootsstege mit Ausschank oder umgekehrt. Der Blick beim Sitzen auf der Terrasse ist erwähnenswert, die überhöhten Preise angesichts des mäßigen Service sind es auch.
Im westwärts führenden Kanal ist nach einem Kilometer die Wolfswinkelschleuse erreicht. Es geht abwärts, also wird - wir erinnern die Länderhoheit über den Canower See - mit mecklenburger Wasser geschleust. Das war beim Bau der Schleuse in diesem rein brandenburgischen Kanal ein Problem. Neben der Schleuse ist noch eine quadratische Vertiefung im Gelände zu erkennen. Hier war einst ein Becken zur Zwischenspeicherung des Schleusenwassers angelegt. Nach einigen Jahrzehnten Schleusenbetrieb hatte dann aber ein Landvermesser ein brandenburger Gewässer entdeckt, das Richtung Müritz führte und man einigte sich auf den Tatbestand der Rückführung brandenburgischen Wassers über diesen Kanal.
Wenige Hunderte Meter hinter der Schleuse ist die Marina Wolfsbruch, Heimathafen auch der Mini-Kreuzfahrtschiffe, von denen uns zwei schon im Kanal überholt hatten.
Selbstverständlich kann man hier auch profane Kanus ausleihen zum Befahren der Rheinsberger Gewässer, aber das ist eine andere Geschichte und wir kehren lieber um.



Klenzsee, Gobenowsee, Rätzsee

Von der Müritz-Havel-Wasserstraße zweigen viele Seitenstrecken ab. Eine führt vom Labussee aus nordwärts durch Gobenow- und Klenzsse bis zum Dörfchen Wustrow fünf Kilometer südlich Wesenbergs. Die Kanustation in Wustrow liegt nur fünfzig Meter neben der nach Süden weiterführenden Landstraße an einem kleinen Teich, der durch einen wirklich kurzen Stichkanal mit dem Klenzsee verbunden ist. Das Schöne an diesen Seitenstrecken ist: Selbst da, wo Motorboote zugelassen sind, sind sie relativ selten. Auch die Kanustationen scheinen dort schwerer zu finden sein. Zur Hauptsaison ist nahezu immer eine Kanu zu haben und die Betreiber bemühen sich um ihre Gäste (Für Wanderer: die Toilette darf für 20 cent genutzt werden, heute ein Schnäppchenpreis!).
Über den schon im vorigen Kapitel genannten Buckel könnte man das Kanu auch ostwärts 100 m hoch und wieder 150 m runter zum Plätlinsee tragen, aber wozu, locken doch auch Richtung Westen zauberhafte Gewässer.

Durch den kurzen Stichkanal ist nach kurzer Zeit der Klenzsee erreicht, ein wegen des lehmigen Untergrundes naturtrübes (nicht schmutziges!) Gewässer. Die Ufer sind von Wald und Wiesen gesäumt, die wenige Bebauung hält respektvoll Abstand. Landeplätze gibt es wenige, sie sind hier auch noch gar nicht erforderlich. Durch eine große Bucht und weiter nach Westen über den eigentlichen See geht es mit einem kleinen Schlenker nach Norden durch einen nur einige Dutzend Meter langen Kanal unter einer Straßenbrücke durch in den Gobenowsee. Das Ostende ist schmal und langgestreckt wie ein Finger. Nach einem knappen Kilometer verengt sich der Finger weiter. Hier ist am Westufer eines der vielen Gutsschlösschen zu sehen, Seewalde mit Namen, leider seit vielen Jahren ein Investruine. Nach schwungvoll begonnener Restaurierung war wohl das Geld vorzeitig alle.
Weitere 600 Meter Fahrt, und der See weitet sich etwas auf, bevor er dann seine größte Breite erreicht. Nahezu symmetrisch in Nord und Süd sind sackartige Buchten mit zwei Ausgängen an den Enden aus dem See. Nach Süden ginge es weiter in den Labussee zur Havel-Müritz-Wasserstraße, schöner ist es Richtung Norden durch den gut zwei Kilometer langen Drosedower Beek zum Rätzsee. Ab Ausgang Gobenowsee ist (wie schön!) für Motorboote gesperrt. Beek heisst Bach, doch der Wasserlauf ist eher ein Kanal ohne spürbare Strömung. Die Fahrt vermittelt durch versumpfte, Binsen und rohrbestandene Ufer mit umgestürzten Bäumen Urwaldatmosphäre. Auf halber Strecke unterquert man eine abenteuerlich anmutende, nur von Wanderern und Radfahrern nutzbare Holzbrücke. Sie ist in mehreren Kilometern Umkreis die einzige Landverbindung von Ost nach West.
Am Ausgang des Wasserlaufes in den Rätzsee liegt rechter Hand ein größerer Zeltplatz mit Badestelle und Kiosk für FKK-Liebhaber. Bis zum Richtung Südwesten gelegenen Ende des Sees sind es etwa viereinhalb Kilometer. Der gut fünf Kilometer lange See ist nur in kleinen Bereichen breiter als fünfhundert Meter. Gegenüber dem Zeltplatz sind am Westufer noch zwei Handvoll Bootschuppen, sonst ist der See nur von Wald umstanden. Ein früher auf am Westufer gelegener, wegen besonders blutrünstiger Mücken berüchtigter FKK-Zeltplatz ist lange aufgegeben bzw. durch einen neuen am Südende ersetzt.
Die Fahrt zum Südende durch diesen stillen See lohnt, zumal dort nach weiteren 750 m Fahrt durch einen gewundenen Wasserlauf die ehemalige Fleether Mühle erreicht ist. Bei der dortigen Kanustation kann man anlanden und im Bistro im Eingangsgebäude des nahe liegenden FKK-Zelplatzes empfehlenswert leckeren Kuchen geniessen. Der Zeltplatz zieht sich von hier bis zum Ufer des Rätzsees und ist durch blickdichten Holzzaun und Tor der gegen Spanner oder einfach Interessierte bestgesicherte Zeltplatz des Landes.
Für einen Tagesausflug ist jetzt der Rückweg anzutreten. Für ein Umtragen des Kanus um das Mühlenwehr und die Fortsetzung der Fahrt auf der Müritz-Havel-Wasserstraße reicht ein Tag im Guten einfach nicht aus.



Rundkurs ab Fleether Mühle

Von Mirow aus gelangt man auf ca. 5 km gewundener enger Landstraße zur Brandruine der Fleether Mühle. Nördlich des Mühlenwehrs befindet sich in Nähe des Eingangsgebäudes zum FKK-Zeltplatz eine Kanustation. Die Lage ist hervorragend gewählt, die Station ein Selbstläufer. Die Betreiber können sich den gelegentlich ruppigen Umgangston mit Gästen leisten, an sonnigen Sommertagen sind schon mal alle Kanus am frühen Vormittag ausgebucht.
Das Gebahren der Betreiber irritiert uns nur kurz, wir starten gen Nordosten und erreichen nach 700 Metern Fahrt auf einem gewundenen stillen Wasserlauf den motorbootfreien Rätzsee. Dessen schilfbestandene Ufer sind immer noch genauso lieblich rings von Wald umgeben wie im vorigen Kapitel. Kurz vor dem nördlichen Ende biegen wir nach rechts und paddeln flußabwärts durch den Drosedower Beek zum Gobenowsee. Eine Strömung ist nicht spürbar, nur nach einem Blick auf die Karte kann man die Strömungsrichtung ahnen.
Die gut zwei Kilometer bis zum Gobenowsee sind eine der schönsten Urwaldstrecken des Landes. Nur die bereits bekannte Holzbrücke ist einziges Zeugnis menschlicher Besiedlung. Der Gobenowsee wird an der breitesten Stelle gequert. Von Nord geht es exakt Richtung Süden etwa 1,2 km auf den entferntesten Zipfel zu. Der anschliessende gewundene Dollbeck führt Richtung Südwesten nach einem Kilometer in den Labussee. Auf halber Strecke ist eine linsenförmige Aufweitung, ein kleiner See, ein Wasservogelparadies mit dichtem Schilfbestand. Im Labussee sollte man die Südrichtung wieder aufnehmen und den See schräg queren zum Ort Canow. In der auf die Schleuse Canow zuführenden Wasserstraße Müritz-Havel ist Platz zum Anlanden. Hier ist natürlich Rücksicht zu nehmen auf die zahlreichen Dickschiffe. An der Schleuse kann man sich schon mal theoretische Kenntnisse aneignen und anschliessend in der Gaststätte des Dorfhotels mit Blick auf den See stärken.
Das ist auch notwendig, denn die Fahrt westwärts über den langgestreckten Labussee ist bei der Hauptwindrichtung West eine kräftezehrende Angelegenheit. Gleichzeitig lernt man, den Wert einer Spritzdecke zu schätzen, aus deren ovalen Löchern nach oben nur die Oberkörper der eifrig paddelnden Besatzung ragen und die Ausrüstung im Boot trocken bleibt.
Nach knapp zwei Kilometern ist die rettende Einfahrt im nordwestlichen Ende des Sees erreicht. 350 Meter Richtung Südwesten, und der Kanal weitet sich zu einem kleinem See, dessen Ufer fast immer dicht belegt sind mit Dickschiffen. Etliche von ihnen warten auf die Einfahrt in die nach weiteren 300 m erreichte Schleuse Diemitz. Das ist die berüchtigste Schleuse des Landes, muss sie doch von allen Freizeitkapitänen auf der Fahrt von der Müritz ostwärts oder zu ihr hin passiert werden. Die Manöver der tonnenschweren Charterschiffe sind nur scheinbar lustig. Einmal auf Fehlkurs, lassen sie sich aus schierer Trägheit nicht umdirigieren, schon gar nicht von gutwilligen Händen von Dalben oder glitschigen Schleusenwänden abstoßen. Erstaunlicherweise ist das Schleusenwasser noch nicht mit abgequetschten Gliedmaßen und zerdrückten Kanus angereichert. Damit es so bleibt, schlüpfen wir als letzte, als Lückenfüller in die Schleuse.
Einen guten Meter durch das einströmende Wasser hochgehoben, haben wir nach 250 m den gr0ßen Peetschsee erreicht. Seen dieses Namens hat das Land mehrere, wie es auch gar nicht so selten mit anderen Seenamen ist. Wir verlassen den See gleich wieder und erreichen nach 300 m Fahrt im schnurgeraden Kanal den Vilzssee. Wir bleiben am rechten Ufer, umfahren eine Landzunge und drehen Richtung Norden in eine Bucht. Hier ist noch einmal Gelegenheit zu einem Badestopp, bevor wir in die Oberbek Richtung Fleether Mühle einfahren. Es bleiben ein Kilometer Fahrt nordostwärts durch einen stillen, verwachsenen Wasserlauf bevor wir unterhalb der Mühlenruine anlegen und das Kanu zur Station tragen.



Mirow - Alte Fahrt

Es gibt kaum einen Flecken im Lande mit einer gleichhohen Dichte an Kanustationen wie in und um Mirow, gibt es hier doch zum Wasserwandern hervorragend geeignete, wie Perlenketten aufgereihte kleine Seen. Von Mirow Richtung Norden geht die 'Alte Fahrt', so genannt weil bis in die dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts von der Havel zur Müritz hier lang der Weg führte. Dann wurde der heute noch benutzte, von Mirow zur Südspitze der Müritz führende Kanal gebaut.
Mirow ist mit der Mecklenburg-Strelitzschen Fürstenfamilie verbunden, die hier ein besonders im achtzehnten Jahrhundert vielgenutztes Schloß besaß. Das Städtchen, das sein Stadtrecht übrigens erst 1927 erhielt, wirbt heute wieder damit, Geburtsort der Königin Charlotte zu sein, was sie durch Heirat mit dem späteren englischen König Georg III wurde. Sie wurde die erste in einer längeren Reihe strelitzscher Prinzessinnen, die Gemahlinnen europäischer Potentaten wurden, aber auch das ist wieder eine eigene Geschichte.
Wir wollen nach Norden in die 'Alte Fahrt' und mieten folgerichtig ein Kanu am Nordwestende des Mirower Sees. Dort gibt es gleich zwei Kanustationen, eine gehört zur sich mit einem hohen ökologischen Anspruch schmückenden Jugendherberge. Der Betreiber ist mit einem Dauertelefonat beschäftigt, das er auch angesichts unserer Anwesenheit nicht abzukürzen bereit ist. Nach gut fünf Minuten wechseln wir entnervt zur Station auf dem benachbarten Campingplatz und können kurze Zeit später in See stechen.
Wir paddeln 750 m nordostwärts über den nicht sehr großen Mirower See und dann 500 m schnurstracks nordwärts in das Granzower Möschen (gesprochen Mös-chen, bitte keine Deutungsversuche!). Am rechten Ufer liegt der Ort Granzow mit einer ausgedehnten Ferienhaussiedlung und einer grösseren Kanustation in Strandnähe.
Bei Anreisen über Neustrelitz/Neubrandenburg ist dies eine gute Adresse als Startort.
Nach einem Kilometer Fahrt in leichtem Bogen in Nähe des rechten Ufers, aber immer nordwärts, ist das langgestreckte Möschen durchquert und es geht weiter in einem romantischen, wald- und schilfumstandenen Kanal bis nach 600 Metern der große Kotzower See erreicht ist. Unterwegs lassen wir den kleinen Kotzower See links liegen, durch einen breiten Schilfstreifen vom Fahrtweg getrennt. Besonders in den Abendstunden ist er eher hör- als sichtbar. Zahlreiche hier nistende Wasservögel veranstalten einen Höllenlärm. Wir überlassen den Vögeln ihren See, befahren ihn nicht. Den großen Kotzower See zu überqueren sind auch nur sechshundert Meter. kurz vor der Ausfahrt stehen am rechten Ufer einige Häuser. Anlanden ist nur scheinbar möglich, die Parzellierung der Welt hat aber auch diese abgelegene Gegend erreicht. Nach 200 Metern sind wir auf dem ebenfalls sechshundert Meter langen, aber mit einer schmalen Taille versehenen Mössel(-see). Am Nordende geht es mit einem Schwenk nach Westen durch dreihundert Meter Kanal in den etwas größeren Leppinsee. Dieser ist etwa zwei Kilometer lang und hat auf halber Strecke am rechten Ufer einen größeren Zeltplatz. Auch hier gibt es eine Kanustation, die sich für kürzere Touren bzw. ungeübte Interessenten anbietet. Hier und am linken Ufer gibt es einige als Landeplatz geeignete Stellen für eine Baderast.
Den weiteren Weg können wir gern auf die Gesellschaft der Motorboote verzichten. Für sie ist hier Schluss. Am Nordende des Leppinsees führt der Weg durch 500 Meter waldbestandenen Kanal in den Woterfitz. Dieses ist ein fast kreisrunder, sehr flacher See mit nördlich in einem Bogen von West bis Ost anschliessenden Fischteichen. Hier ist der Esstisch für eine größere Population von Fischadlern. Die Vögel lieben überhaupt keine Störung, weshalb wir auch dicht am linken Ufer westwärtws fahren, auch die recht dicht unter Land liegende Insel seewärts lassen. Die Seefläche ist durch Bojen abgegrenzt, die ernst genommen werden wollen. Die Adler haben eine sehr große Fluchtdistanz. Selbst durch ein fünfhundert Meter entferntes Boot fühlen sie sich gestört.
Auf dem See fahren wir gut einen Kilometer nordwestwärts, ehe wir durch weitere 750 Meter Kanal den kleinen, mit sehr dunkel wirkendem Wasser gefüllten Carpsee erreichen. Der ist schnell durchquert und es bleiben danach noch 800 Meter gewundener Wasserlauf bis zu einem Wehr. Vor siebzig Jahren war hier noch eine Schleuse. Bis zur Einsetzstelle auf der anderen Seite sind es ca. 80 m. Um das vorhandene Transportwägelchen kann es schon einmal Gerangel geben. Bis zur Mündung in die große Müritz sind noch fast zwei Kilometer zurückzulegen. Auf den letzten hundert Metern bis zur Müritz liegt der Bolter Kanal voller Boote. Hier ist der einzige Bootsliegeplatz am Ostufer der Müritz.
Kräfteschonender ist es, das Kanu vor dem Wehr liegenzulassen und eine kleine Fusswanderung durch den Ort Boek zum Ufer der Müritz zu machen. Der Rückweg erfolgt auf dem gleichen Wege.
An der Einsatzstelle hinter dem Wehr ist ebenfalls eine Kanustation gelegen, man kann die Tour natürlich auch hier starten.



Von Mirow Richtung Süden

Wer von Mirow aus die Wasserwege Richtung Süden nutzen will, startet am besten auf der Schlossinsel. Die Brücke zur Schlossinsel ist unlängst vollständig erneuert. Gleich dahinter ist ein Torgebäude, einige Jahre Münzprägestätte des kleinen Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz. In jüngerer Zeit war hier einige Jahre eine Depandance des USA-Bundesstaats South Carolina, in dem Mecklenburg County liegt, das noch heute von den Nachfahren mecklenburgischer Auswanderer geprägt ist. Die hatten damals ihren Hauptort Charlotte genannt, nach der in Mirow geborenen Prinzessin, die an der Seite König Georg des Dritten die Reihe der aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz stammenden Königinnen eröffnete.
Das Schloß, in dem Charlotte zur Welt kam, steht heute noch, äußerlich saniert, aber ohne Innenleben. Nach Jahrzehnten Leerstand, davor Jahrzehnte als Altersheim genutzt, kann auch kaum anderes erwartet werden.
Die einst vom Johanniterorden errichtete Kirche auf der Insel überrascht durch ihren sehr schlicht gehaltenen Innenraum. In ihr ist die Gruft (fast) aller Herzöge des Hauses Mecklenburg-Strelitz. Der Turm ist Anfang der neunziger Jahre wieder durch Initiative eines rührigen Schlosskirchenvereins begehbar hergerichtet und bietet einen wunderbaren Blick über die Seenlandschaft. Vorgelagert vor der Schlossinsel und durch eine Bogenbrücke erreichbar liegt noch ein winziges kreisrundes Inselchen. Dort ist die Grabstätte des letzten. im Februar 1918 durch eigene Hand gestorbene Großherzog. Über sein Schicksal liegen viele Spekulationen einschliesslich abenteuerlicher Spionagegeschichten vor, aber wir wollen endlich starten.
Die Kanustation liegt auf dem Gelände der Seegaststätte auf der Insel. Es empfielt sich eine vorherige telefonische Reservierung (0160 2900218). Wer zu spät kommt, den bestraft die Abwesenheit des Betreibers, der seine Hauptbasis am Bolter Kanal betreibt.
Gleich nach der Durchfahrt unter der Straßenbrücke Richtung Süden stößt von Westen der Müritz-Havel Wasserweg dazu. Ab jetzt haben wir für eine Weile die Gesellschaft zahlreicher größerer (und lauterer) Boote. Zwei Kilometer fahren wir auf diesem Wasserweg, im oberen Teil besonders dicht von Bootschuppen unterschiedlicher Größe und Zustands gesäumt. Bereits am Mirower See fallen spitzgieblige Bootsschuppen auf, mit dem eigentlichen Bootschuppen im 'Erdgeschoß' und einem Wohnteil im Dachgeschoss. Baugenehmigungen für Neubauten gibt es verständlicherweise schon lange nicht mehr. Wer ein solches Bootshaus also begehrt, muss eins erben oder bereit sein, dessen Eigengewicht mit Goldbarren aufzuwiegen.
Bald sind wir im Zortensee, der nach anderthalb Kilomertern mit einer kurzen Durchfahrt in den Mossensee übergeht. Beide Seen erinnern mit der Form ihrer Buchten an eine Blutwurst oder auch Presswurst im Dickdarm. Wer je eine Hausschlachtung mitgemacht hat, weiss was gemeint ist. Der Zortensee ist allerdings die deutlich dickere Blutwurst.
Kurz vor dem Südende des etwa zwei Kilometer langen Mossensee liegen am Ostufer dicht nebeneinander zwei Zeltplätze. Nur hier ist faktisch ein Anlanden möglich. Dann sind wir im Vilzsee, der zu den vorangegangenen zwei Seen um 90° gedreht in West-Ost-Richtung gelegen ist. Nach Osten biegt hier die Wasserstraße Richtung Havel ab, wir richten den Bug westwärts und sind in ruhigeren Gewässern. Bei Westwind ist diese Ruhe allerdings relativ, die Wellen haben zweieinhalb Kilometer Zeit, zu ärgerlich nasser Höhe aufzulaufen. Das Mirower Adlersee genannte Westende des Vilzsees erreichen wir ziemlich erschöpft, weil nur wenige und vor allem kurze Pausen möglch sind. Wer aufhört zu paddeln, treibt wieder zurück! Doch dann sind wir im Zethner See, mit zu einer Bungalowsiedlung gehörenden Steganlage am Südufer. Nördlich liegt am Ende dieser Seenkette der Schwarze See. Um ihn zu erreichen, umfahren wir im Halbkreis eine Landzunge.
Das Dörfchen Schwarz liegt in Seenmitte am Westufer. Der Landestelle vorgelagert ist ein kreisrundes Inselchen.
Sportlich ehrgeizige Menschen paddeln auf gleichem Wege zurück, Familien dürfen sich auch von hier abholen lassen.



Von Fürstensee aus ostwärts

Wer die B96 gen Ostsee befährt, überquert in Fürstenberg die Havel. Direkt an der Brücke weist eine Kanu-Atrappe auf die nebenliegende Kanustation hin. Die ist ein Selbstläufer, zu der die Kunden von selbst hinfinden. Wir sind erst nach dem Mittag dort. Unsere Frage nach einem Halbtagstarif wird aber schnell und barsch weggebügelt. Die alte Regel wird bestätigt: je ungünstiger und versteckter die Lage, desto besser der Service.
Richtung Westen liegt der Rödlinsee, ein sehr flaches Gewässer mit Schilfinseln auf den Untiefen. Wir wenden uns gleich ostwärts und haben nach hundert Metern die erste Schleusung. In der Schleuse schön hinten bleiben, vorn ist ein starker Sog, der unser kleines Kanu an das Schleusentor ziehen würde.
nach wenigen Metern sind wir im fast ellipsenförmigen Baalensee und müssen zunächst 400 Meter nach Nordost. Dann 150 Meter durch eine schmale Durchfahrt in den Schwedtsee. Dort halten wir uns rechts und verlassen den See sogleich wieder Richtung Südost, drehen weiter ostwärts und bleiben die nächsten 1800 Meter auf der Havel. Wir erreichen den Stolpsee, der sich etwa zwei Kilometer in Ost-West-Richtung erstreckt. Kurz vor dem östlichen Ende verlässt die Havel Richtung Süden wieder den See. Wir aber steuern das gegenüberliegende Nordende des Ostufers an. 300 Meter vor dem Ausgang aus dem See ist dort eine Badestelle, die Anlanden und Rast gestattet. Die Badestelle gehört zu Himmelpfort, das außer viel Landschaft auch noch ein Weihnachtsmannpostamt zu bieten hat. Jetzt im Sommer kommen natürlich kaum Wunschlisten gläubiger Kinder an, im Dezember sind aber einige Arbeitsplätze bei der Briefbearbeitung gesichert.
In Himmelpfort gibt es eine Schleuse in Selbstbedienung, was erstaunlich gut funktioniert. Zu beachten ist hier die Vorfahrt, die Fahrgastschiffe von Fürstenberg nach Lychen und umgedreht besitzen. Nach nur vierhundert Metern Kanal mit Schleuse ist der Haussee erreicht, den wir am rechten Ufer entlang durchqueren. Einen Kilometer weiter sind wir in der Wobitz, einem natürlichen Wasserlauf. Nach fünfhundert Metern zweigt rechts ein kurzer Stichkanal zu einem verlandenden See in Sichtweite ab. Der See hat keine betretbaren Ufer, er sollte in Ruhe gelassen werden.
Die Wobitz zieht sich ordentlich hin, beginnt am Ende heftig zu mäandern. Nach gefühltem Imkreisefahren ist nach insgesamt gut 2 Kilometern Wobitz der große Lychensee erreicht. Bis in den Stadtsee von Lychen mit dem Landungssteg einer Gaststätte sind es noch zweieinhalb Kilometer. Auf der direkten Linie ist die größte Insel des Sees. Es gibt weitere Inseln, Halbinseln und viele Buchten, kurz der See hat die Form einer Amöbe mit vielen vielen Kilometer Ufer.
Wir verfügen noch über einen halbwegs gefüllten Picknickkorb und begnügen uns mit dreihundert Metern Fahrt, um am rechten Ufer an einer Wiese anzulanden, zu Baden und uns für die Rückfahrt auf dem gleichen Wege zu stärken.


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Kommentare

  • Milan

    Hallo fischkopp,
    der Text ist informativ geschrieben, kurzweilig zu lesen und eignet sich gut, bei Einsteigern Neugier und Lust zu wecken.
    Im Zusammenhang mit dem "aus der Nähe betrachten" wäre ein freundlicher Hinweis, ich meine nicht den drohend erhobenen Zeigefinger, auf die Schutzbedürftigkeit der Wasser- und Ufervegetation mit ihrer Tierwelt angebracht.

    Ich wünsche immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel,
    milan

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