GUATEMALA - Trip nach Tikal

Reisebericht

GUATEMALA - Trip nach Tikal

Reisebericht: GUATEMALA - Trip nach Tikal

Eine Tagestour zu den Maya Tempeln von Tikal

Ich fliege von Cancun/Mex. nach Flores in Guatemala. Der AVIATECA-Flug ist fast ausgebucht. Die meisten Passagiere sind Deutsche, aber auch eine Reisegruppe aus Polen ist an Bord. Neben mir sitzt ein Paar aus Wien. Mit einer guten Stunde Verspätung startet endlich gegen 09:00 Uhr die Boeing 737. Knapp 60 Minuten später landet die Maschine auf dem kleinen Provinzflughafen von Flores.



Flores

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Die Einreise ist unkompliziert und ich bekomme einen weiteren Stempel in den Reisepass. Am einzigen Bankschalter wechsle ich gleich einen 50-US$ Scheck in die guatemaltekische Währung Quetzal ein. Inzwischen haben einige schwitzende Arbeiter die Gepäckstücke aus dem Jet ausgeladen und in der Abfertigungshalle aufgestellt. Ein Gepäckband gibt es hier nicht. Mein Rucksack nimmt sich neben den wuchtigen Hartschalenkoffern der Reisegruppe ziemlich bescheiden aus. An einem Infoschalter gibt`s jede Menge Angebote an Übernachtungsmöglichkeiten und Rundreisen. Mit Hilfe meines Reiseführers entscheide ich mich schnell für das Hotel "San Juan", denn dort soll auch ein Reisebüro angegliedert sein.
Als ich aus dem klimatisierten Gebäude trete ist es brütend heiß und stickig schwül. 34°C zeigt mein Reisethermometer schon am Vormittag an, im November! Meine Uhr muß ich eine Stunde zurückdrehen. Ein Minibus bringt mich bald ins nur ein paar Kilometer entfernte Hotel in Santa Elena. Das ist der Stadtteil von Flores, der am Seeufer des Lago de Peten Itza liegt. Ich bekomme auch gleich ein Zimmer, aber als ich diese Bude und vor allem das Etagenklo plus Dusche sehe, bin ich bedient. Es kostet zwar umgerechnet auch nur zirka drei Euro, aber diese Zeiten sind vorbei, wo ich mir denke:"Hauptsache billig!". Auf Anfrage bekomme ich dann aber im zweiten Stockwerk ein vergleichsweise "tolles" Doppelzimmer mit eigenem Bad für 15 Euro die Nacht. Zur Mittagszeit mache ich mich zu einem ersten Erkundungsgang auf. Mittlerweile hat es 38°C. Das Hotel macht von außen einen ziemlich schäbigen Eindruck, aber es liegt sehr praktisch an der Dammstraße, welche über den "Peten Itza"-See zu der Insel führt, auf der sehr malerisch das Städtchen Flores liegt.



Flores



Santa Elena

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Überhaupt sehen die Ortschaft und die Einheimschen sehr ärmlich aus. Der Unterschied zu Yucatan ist augenfällig. Die meisten Straßen sind nicht geteert. Über allem hängt ein lästiger Staubschleier. Am Marktplatz ist viel los und ich beobachte dort eine Weile den Betrieb. Auch das Postamt ist bemerkenswert in seiner chaotischen Rückständigkeit . Zurück im Hotel, mache ich dort auf dem Dach "Siesta" und genieße den schönen Ausblick auf den See und die leichte Brise. Später buche ich an der Rezeption den Trip zur Ruinenstätte Tikal, weswegen ich ja hauptsächlich hierher geflogen bin.



Busstop in Flores



"Abendruhe"

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Abends spaziere ich dann über denn Damm rüber nach Flores. Es gibt hier allerdings nicht so viel Interessantes zu sehen. Ich gönne mir dann ein gemütliches Abendessen in einem Lokal direkt am See. Erfreulicherweise hält sich die Mückenplage in Grenzen.



Seitengäßchen



Obwohl ich saumüde bin, schlafe ich sehr schlecht. Es ist dermaßen schwül,daß ich im Nu das Laken durchgeschwitzt habe. Aircondition gibt es nicht. Die Mücken sind jetzt auch aktiver. Das Aufstehen ist fast eine Erlösung. Ab 05:00 Uhr warte ich mit einigen anderen Ausflüglern auf den Bus, der uns nach Tikal, zu den Pyramiden im Dschungel, bringen soll. Schließlich taucht ein verbeulter Minibus auf, in dem bereits fünf Fahrgäste sitzen. Der junge Fahrer stellt sich leider als blöder Raser heraus, der wohl die etwa 70 Kilometer lange Strecke bis zum Tikal National Park in Rekordzeit zurücklegen will und die Straße ist keineswegs zum Rasen geeignet. Hupen und Überholen scheinen ihm am meisten Spaß zumachen. Gott sei Dank ist um diese frühe Stunde kaum Verkehr. Ich bin aber sehr erleichtert, als der Mann nach etwa einer Stunde die Einfahrt zum Park ohne Zwischenfall erreicht. Meine Mitreisenden sind auch froh. Wir bezahlen etwa sieben Euro Eintritt und werden nun noch ein paar Kilometer weiter befördert. Auf einem Parkplatz endet dann der Transport.



Tikal

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Neugierig ziehe ich gleich los. Es ist erst 06:30 Uhr, aber es hat schon schwüle 28°C. Ich orientiere mich an den Wegweisern und tauche ein in das Urwalddickicht. Ich erlebe eine einzigartige Atmosphäre. Die Geräuschkulisse ist fremdartig und aufregend. Irgendwo im Geäst von riesigen, uralten Bäumen begrüßen Brüllaffen die aufgehende Sonne mit ihrem markanten Gesang. Ein Schwarm bunter Papageien zieht kreischend davon und nun kann man das Trillern von unbekannten Dschungelvögeln wahrnehmen. Ein ständiges Zirpen erfüllt die dampfige Luft, neben dem permanenten Quaken von meist unsichtbaren Baumfröschen. Was raschelt da ganz nahe im Unterholz? Ich denke sofort an einen Jaguar, aber zu meiner Erleichterung hüpft doch nur ein zierliches Aguti über den Pfad, ohne mich zu beachten.
Dann sehe ich die ersten Ruinen und schließlich, nach einer halbstündigen Wanderung, erreiche ich den "Grand Plaza" von Tikal. Der Anblick der steil aufragenden Pyramiden, die sich durch letzte Nebelschwaden der nun aufgehenden Sonne entgegenschieben, ist wirklich überwältigend. Ich habe nicht viel Ahnung von der Geschichte der Maya und Tikal ist so groß, daß man mindestens zwei Tage bräuchte, um auch nur die wichtigsten Plätze zu besuchen, aber ich will hier alles auf mich einwirken lassen. So suche ich mir eine schattige Stelle und lese in meinem Reiseführer nach, was dort zur Geschichte dieses einzigartigen Ortes geschrieben steht. Danach versuche ich mir vorzustellen, was sich vor 2000 Jahren hier so abgespielt haben mag. Als ein Trupp putziger Nasenbären auftaucht und eine inzwischen eingetroffene Reisegruppe um Futter anbettelt, ist es mit meiner imaginären Zeitreise vorbei.
Ich spaziere dann auf den gekennzeichneten Pfaden gemütlich durch das schier endlose Areal und staune immer wieder über die Kunstfertigkeit und das handwerkliche Geschick dieser antiken Baumeister. Natürlich muß ich auch auf einen Tempel raufsteigen, einfach um selbst zu erleben, wie steil die Treppen gebaut sind. Bis zu 44 Meter hoch ragen die Pyramiden empor, habe ich zuvor gelesen. Die oberste Plattform liegt höher als die meisten umgebenden Gipfel des Urwaldes und die Aussicht über das schier endlose grüne Blätterdach ist affengeil. Im Dunst sind zahlreiche andere Tempeltürme auszumachen. Allein für dieses Erlebnis hat sich der Trip nach Tikal auf alle Fälle gelohnt.



Tikal



Trotzdem mache ich dann am späteren Nachmittag eine ausgiebige Kaffeepause im kleinen Restaurant am Parkplatz, bevor die Rückfahrt nach Flores ansteht. Leider wartet wieder Hector, der verrückte Raser, auf seine Opfer. "Vamos amigos!" lacht er, bevor er wieder Vollgas gibt.

Copyright by: Text und Fotos: Josef Stadler


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