S a m b i a Spüre Afrikas wilde Seele

Reisebericht

S a m b i a Spüre Afrikas wilde Seele

Reisebericht: S a m b i a          Spüre Afrikas wilde Seele

Eine individuelle Allradsafari zu viert durch das Luangwa Valley

Kleine Flussdurchquerung



Spüre A f r i k a s wilde Seele


Eine Allradreise durch das Luangwa Valley, der Perle Sambias.


Zwei Stunden sind wir schon im Luangwatal von Mfuwe, dem Haupteingang zum South Luangwa Nationalpark, nach Petauke auf einer einspurigen Schotterpiste, Old Petauke-Road, unterwegs, ohne einem anderen Fahrzeug zu begegnen. Urplötzlich tauchen vor uns vier Schwarze in einem Geländewagen mit offener Ladefläche auf. Burkard , unser Safariboss, kommt auf der Sandpiste nicht aus der Spur. Nun müssen die Schwarzen ausweichen, man hält , begrüsst sich gestenreich und wir staunen über das dunkle Ladegut: Ein Riesenhippo, gerade vor einer Stunde geschossen und in vier unförmige Teile zerlegt. Man schneidet auf Wunsch von Burkard hin vier Riesensteaks vom Hippokoloß ab. Wir schauen alle skeptisch und mutieren insgeheim zu Vegetariern . Doch abends sind wir alle begeistert über diese Köstlichkeit, die unserer afrikanischer Koch und Hilfe für alles uns zubereitet hat.

Das hatten wir, Ernst, Fev und ich, uns bei aller Afrikavorfreude auf dem angenehmen Nachtflug von Frankfurt über Addis Abeba nach Lusaka mit Ethiopian Airlines so nicht ausgemalt. Eine individuelle Allradtour bei Burkard, einem seit Jahren in der sambischen Minenstadt Kabwe lebenden Schweinfurter, war von uns gebucht worden. Er lockte uns mit dem Versprechen: „ Ihr seht hier noch das schwarze Afrika Eurer Träume abseits der Alditouristen . Und was ihr über Allradfahren in Deutschland kennt, werdet ihr nach der ersten Buschfahrt in Sambia vergessen haben .“

Tatsächlich fahren wir mit unseren beiden Allradfahrzeugen nach der Anfahrt auf Asphaltstrassen zu unserem ersten Nationalpark, dem Kasankapark, vorwiegend auf Pisten , die selbst dem mitteleuropäischen Beifahrer einiges an Wagemut und Gottvertrauen abverlangen. Den Höhepunkt unserer Safari, das Luangwa Tal , die wilde unvergleichbare Perle Schwarzafrikas , wollen wir , wie geplant , über die schwierigste Abfahrt erreichen. Beim Ntunta Wildlife Camp, auf 1150 m Höhe, beginnt für unsere beiden Allradfahrer die einzigartige Herausforderung unserer Tour : die berühmte Escarpment-Road. Auf den nächsten 6 km geht es auf einer äußerst steinigen, stark ausgewaschenen , Geröll übersäten , mit Felskanten hervortretender Piste steil bis auf 700 m Höhe hinab. Wir Beifahrer müssen die Fahrzeuge schrittweise immer so dirigieren, dass die Fahrzeuge nicht aufsetzen und scharfkantige Steine aus dem Weg räumen. Für uns alle heißt das über 2 Stunden harte und schweißtreibende Arbeit bei über 40° C.
Als Belohnung gönnen wir uns im klaren Mutinondo , den wir leicht mit den Fahrzeugen durchqueren, ein erfrischendes Bad im klaren Wasser ; so wie uns Gott erschaffen hat.
Die Fahrt im Luangwa Tal stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen : insgesamt müssen drei Reifen gewechselt werden. Eine Stossstange ist durch einen auf die Piste hereinragenden Baumstamm lädiert worden und muss durch den zweiten Wagen so herausgezogen werden, dass sie nicht mehr den Vorderreifen blockiert. Bei einer Flussdurchquerung bleibt unser so zuverlässiger VW-Bus auf der kurzen , steilen Sandausfahrt stecken. Jetzt wird mir klar, dass unsere Seilwinde nicht nur eine gut aussehende Attrappe ist, sondern bei diesem Problem schnelle und effiziente Hilfe darstellt.

Aber unsere Mühe bei den Allradtouren wird immer wieder belohnt durch die so intensiven Begegnungen mit den Tieren in den Nationalparks. Gerade der kleine, reizvolle Luambe Nationalpark, der vor Jahren fast ganz ausgewildert war und seit 2003 intensiv wieder von privater Seite aufgebessert und gefördert wird , verschafft uns das intensivste Naturerlebnis. Auf dem Campingareal der Luangwa Wilderness Lodge , einsam und idyllisch am Luangwa mit Blick auf eine Riesenherde von Hippos gelegen, übernachten wir und begrüssen freudig die einfachen Freiland-Duschen , die uns nach Tagen der spartanischen Katzenwäsche endlich warmes, von Holzfeuer erhitztes Wasser liefern.
Heute wollen wir ein Game Drive, eine Fahrt zum Wildtiere beobachten, machen. In der Lodge melden wir uns an für die Tour am späten Nachmittag und in die beginnende Nacht hinein mit einem Führer und einem Schwarzen zum Anleuchten der Tiere mittels riesiger Handlampe. Unsere Überraschung ist gross, als uns heute Dr. Behlert, der stellvertretende Kölner Zoodirektor , knapp fünf Stunden äußerst kompetent und fachkundig in unserem offenen Game Drive Geländewagen begleitet. Er kümmert sich mit seiner Gesellschaft intensiv um den vor Jahren bereits vergessenen Park und forscht momentan an einem Projekt, wo er Leoparden fängt, betäubt und mit einem Sender am Halsband bestückt, um ihre Wege genau zu verfolgen.

Der Fachmann kennt genau die Stellen, wo „ sein“ Wild sich aufhält. Wir staunen über Elefantenherden, jagende Löwen , verschiedene Antilopenarten, insbesondere Impalas, Zebras und über Leoparden, die in den Kronen dicht belaubter Bäume schwer zu sehen sind und so ungestört ihre Beute geniessen können. Bei der nächtlichen Rückfahrt kreuzen noch zwei riesige Hippos unseren Weg. Noch bis spät in die dunkle Tropennacht hinein plaudern wir beim Lagerfeuer, das wir obligatorisch jeden Abend zum Essen , zur gemütlichen Runde und zum Schutz vor allzu zudringlichen Raubtieren mit selbst gesammeltem Feuerholz anzünden, über diesen Tag mit den einzigartigen Tierbeobachtungen.

Doch der Geist von Afrika berührt uns nicht nur bei den immer wieder andersartigen Begegnungen mit dieser uns so fremden Tierwelt, sondern auch beim Betrachten und Durchdringen der Natur und Landschaft. Zwei Bäume haben mich am meisten beeindruckt. Der Baobab oder Affenbrotbaum sticht hervor mit seinem massigen Stamm und seinem wurzelähnlichen Geflecht von Kronenästen. Viele Afrikaner sind der Meinung, Gott habe den Baum , der bis zu 3000 Jahre alt werden kann, verkehrt herum eingepflanzt. An den Flussufern sieht man sehr oft den ungewöhnlichsten Baum Afrikas, den Leberwurstbaum , benannt nach dessen Früchten, die bis zu einem Meter lang und wegen des hohen Wassergehaltes bis zu 10 kg schwer werden können. Die Vielfalt der verschiedenen Baumarten erschlägt uns : attraktive laubabwerfende Miombowälder mit weit ausladenden Baumkronen, der rote Mahagonibaum ( wichtig als Möbelholz und Chinin in der Rinde gegen Malaria ) , verschiedene afrikanische Akazien- und Weidenarten und Palmen an Flussufern und Sümpfen mit ihren von Affen, Elefanten und Menschen begehrten Früchten. Immer wieder treten, sehr markant und von vielen stimmungsvollen Afrikabildern bekannt, die hohen, jetzt in der fortgeschrittenen Trockenzeit im Oktober strohdürren Gräser in den offenen Plains hervor. Diesem eigenartigen Reiz der Graslandschaft, vor allem kurz vor Sonnenuntergang, kann sich wohl kaum ein Afrikareisender entziehen.

Am intensivsten erleben wir die Natur mit Tier- und Pflanzenwelt, wenn wir abseits der Lodges und Camps frei im Busch zelten. Bei den ersten Malen ist uns schon ein bisschen mulmig zumute, bei dem Gedanken, dass die dünne Zelthaut allein uns von den wilden Tieren trennt. „ Nur keine Angst“ sagt Burkard, unser Afrikaexperte, so leichthin „ unser Lagerfeuer schützt uns und vor allem lasst immer den Reißverschluss vom Zelt zu .“ Nach ein paar Tagen vergessen wir halbwegs den Europäer in uns und hören die Geräusche im dunklen Busch nicht mehr so ängstlich , sondern intensiv und fasziniert. Eines morgens um vier Uhr wachen wir durch das Gepolter eines Elfanten auf, der offensichtlich mit seinem Feinschmeckerrüssel an den Metallboxen mit unseren Lebensmitteln Delikatessen sucht. Wir haben keine Gemüsereste, wie uns dringend empfohlen wurde , draußen gelassen und so trottet er wieder von dannen.

Ohne Wecker und sonstigem Zivilisationszwang wachen wir in der Morgendämmerung gegen sechs Uhr auf, greifen zum Fernrohr, setzen uns in die Nähe des noch glühenden Lagerfeuers , beobachten die aufwachende Natur und entdecken Antilopen, Hippos und Elefanten in der Ferne. Keiner von uns spricht jetzt viel. Wir genießen die frühmorgendliche Kühle, die Ruhe und auch den ersten Pulverkaffee, den unser schwarzer dienstbarer Geist schon zubereitet hat. Die Morgentoilette muss sich auf Zähneputzen und etwas Wasser fürs Gesicht aus dem an einem Baumast aufgehängten Wassersack beschränken.
Umso üppiger fällt unser Frühstück aus mit Omelette, Tomaten, Bohnen, Hartwurst aus Deutschland, getrocknetem Impalafleisch und Bananen , gestern gekauft von schwarzen Schönen am Dorfrand.

Hier in Sambia im Gegensatz zu vielen, europäischen Touristen geläufigen Ländern , wie Namibia oder Südafrika, trifft man noch auf das reale Afrika , wie wir es uns noch aus den alten Büchern über das koloniale Afrika vorstellen.
Auf unseren Buschfahrten sehen wir kaum Weiße. Wir sind immer wieder erstaunt über die offene Art , Freundlichkeit und Lebensfreude , mit der uns die Schwarzen entgegentreten. Wenn wir an den abgelegen Dörfern mit einfachen Rundhütten aus Lehmziegeln und Grasdächern vorbeifahren, laufen die Kinder neugierig zur Piste, lachen und winken fröhlich. Oft rufen sie uns Musungu zu , das bedeutet Weißer, oder sie testen ihre Englischfortschritte in der Schule mit Fragen wie : Where do you come from ? What`s your name ?

Immer wieder fallen uns die vielen Schulgebäude bei den Dörfern auf. Ein Grundschullehrer, den wir nach dem Weg fragen, lädt uns ein, seine Schule zu besichtigen. Es gibt einen Klassenraum für etwa vierzig Schüler, wo alle von der ersten bis zur siebten Klasse unterrichtet werden. Welch eine Abwechslung bei den Kindern, die hier , wie in Sambia seit englischen Kolonialtagen üblich, eine einheitliche Schulkleidung tragen. Der junge Lehrer erzählt uns stolz , wie er mit begrenzten Mitteln in dieser Community School, die sich vom bescheidenen Schulgeld der Eltern der umliegenden Dörfer und von Spenden finanziert, die Jungen und Mädchen in Rechnen und Englisch unterrichtet. Wie wir auch erfahren, hat Sambia bei offizieller Schulpflicht in der Grundschule mit ca. 20 % die niedrigste Analphabetenrate in Schwarzafrika. Als wir mit den Digitalkameras alle Kinder aufnehmen und sie gleich die Bilder betrachten lassen, sind sie voller Erstaunen und hellauf begeistert. Zum Abschluss und als Dank für unsere kleine Spende werden wir lautstark mit einem gemeinsamen Lied fröhlich verabschiedet.

In den Dörfern an den Straßenrändern bieten uns vorwiegend Frauen die selbst angebauten Bananen, Tomaten, - welch ein Geschmack im Vergleich zu unserer vorgeschriebenen EU-Norm - Zwiebeln und Mangos an. An jeder Ecke offerieren sie auch die selbst hergestellte Holzkohle zu Spottpreisen. Typisch dafür sind die etwa ein Meter langen Säcke. Über Kilometer und Stunden oder auch Tage werden die angebotenen Dinge mit dem Fahrrad, dem Haupttransport- und Fortbewegungsmittel der einheimischen Bevölkerung zu größeren Ortschaften mit kleinen Märkten transportiert , um einige wenige Kwachas, die Währung Sambias, für den Lebensunterhalt zu erlösen.
Immer wieder werden wir daran erinnert, dass wir uns in einem der ärmsten Länder dieser Erde bewegen, wo das durchschnittliche Haushaltseinkommen zwischen 30 und 50 Dollar im Monat liegt. Daher besteht die übliche Grundnahrung morgens, mittags und abends aus Nshima , einem einfachen Maisbrei , den man manchmal mit Beilagen, wie Soße, Fleisch , Gemüse oder Fisch verfeinert. Ein weiteres Hauptnahrungsmittel ist Cassava ( stärkehaltige Maniokknolle ), aus dem Mehl für Brot und Kuchen gewonnen wird.

Wir benötigen bei dieser Hitze zu jeder Tageszeit immer Unmengen von Wasser. Da die in den größeren Ortschaften gekauften Wasserflaschen schnell verbraucht sind, sind wir froh bei fast jedem Dorf einen Grundwasserbrunnen zu finden. Freundliche Kinder und die Frauen, die traditionell Wasser für den Haushalt besorgen und über weite Strecken auf ihrem Kopf transportieren, helfen uns immer gern unsere Wasserkanister aufzufüllen. Lachen, Schwatzen , Neues sehen und erfahren , dafür ist bei Frauen und Männern immer genug Zeit; vor allem beim Wasser schöpfen. Nachdem wir regelmäßig bei unserem Erscheinen in den Dörfern einen Menschenauflauf hervorrufen, fällt Ernst dazu ein : Heute gibt’s wieder deutsches Frühstücksfernsehen im Dorf, ohne Antenne.
Auf keinen Fall sollte man die afrikanischen Märkte in den etwas größeren Ansiedlungen verpassen. Ein Geräuschwirrwarr verschiedener Stammessprachen, vermischt mit Englisch , ein chaotisches Gewusel von Händlern, Käufern und Kindern und ein Angebot unterschiedlichster Waren vom Fladenbrot, von billigen Chinahemden, gebrauchten Batterien, Korbwaren, Süßkartoffeln und lebenden Hühnern bis zu Gummisandalen aus alten LKW-Reifen. Es riecht nach mannigfachen Gewürzen, auf den Holzkohlengrills werden alle Arten von Fleisch gegrillt und wer sich traut, probiert den schwarz gebrannten Gin , mit schätzungsweise zwischen 60 und 80 % Alkohol und Holzgeschmack, zum Literpreis von einem Dollar. Wenn man die Geschmacksrichtung zwischen Buttermilch und zwei Tage abgestandenem Bier mag, sollte man Chibuku, ein in fast jedem Dorf hergestelltes Maisbier in Milchtüten aus Pappe trinken. Wir jedenfalls bevorzugen abends das schmackhafte einheimische Bier , Mosi.

Nach vierzehn Tagen anstrengender und mit vielen intensiven Erlebnissen gespickter Allradsafari in Sambias nahezu ursprünglichem Busch sind wir jedenfalls froh vor dem Abflug noch einen erholsamen Tag mit Grundreinigung unseres Afrika malträtierten Körpers in Burkards Lodge in Kabwe, der alten Minenstadt, zu verbringen. Wir sind fest überzeugt die Seele Schwarzafrikas berührt zu haben, sind aber nicht sicher , ob wir nicht den meisten unserer Bekannten in Deutschland lieber eine Tour mit Aldi oder Studiosus in Namibia oder Südafrika empfehlen sollen



Ernst`s VW-Bus schwimmt im Luangwa

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Kommentare

  • AndyH

    Servus,

    Eine wirklich außergewöhnliche Reise, der Bericht vermittelt uns sehr ausführlich von euren Erlebnissen!

    Würde das abrupte Ende des Berichts noch ein wenig um- oder ausformulieren und die Bilder sollten - so finde ich - vielleicht direkt in den Text eingebaut werden.

    Viele Grüße,
    Andy

  • curley

    Hi,
    klingt nach spannenden Erlebnissen und als Afrika Fan kann mich ganz gut einfühlen und Eure Erlebnisse.
    Stimme aber auch Andy zu - kleine Verbesserungen und der Bericht würde sehr gewinnen
    Gruß,
    Curley

  • AnneMarieB

    ein sehr interessanter Bericht..macht Lust auf dieses "Fleckchen" Afrika....hast du nicht vielleicht Lust, die Bilder ein wenig zu "verteilen"??
    L G

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